09.07.2019 – Von Strathmore über Calgary in den Banff-Nationalpark

So, heute solls dann aber mal ein wenig flotter weitergehen, die letzten Tage waren doch eher gemächlich.

Gegen 10 Uhr fahren wir los, wie immer auf den TCH 1, – das Wetter läßt zu wünschen übrig, – es ist dunstig und grau bei 14 Grad.
Nach knapp 50 Kilometern erscheint am Horizont die Skyline der Stadt Calgary, mit 1,1 Millionen Einwohnern die größte Stadt Albertas, das „Manhattan der Prärie“.
Durch seine günstige Lage zwischen Prärie im Osten und den Rocky Mountains im Westen schon immer von hohem Freizeitwert, aber auch geschäftiges Zentrum, Sitz der „Ölbarone“ und Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1988, Calgary liegt auf ca. 1150 Metern Höhe, – schon seit Tagen haben wir uns merklich immer weiter in die Höhe vorgearbeitet.
Die „Stampede“, das große Rodeo, das gerade für 10 Tage in der Stadt stattfindet haben wir nicht mehr auf unserem Plan, nachdem wir schon das sehr urtümliche Rodeo in „Maple Creek“ ausgiebig genossen haben, – die Stadt selber ist eh nicht unser Ding, – durchfahren wollen wir aber schon mal, und so nehmen wir nicht die Umgehungsstraße, sondern folgen dem Highway 1, der mitten durch die Stadt führt.
Es fährt sich recht gut, der Highway verliert sein autobahnmäßiges Aussehen und wird zur ganz normalen Durchgangsstraße, – zu viel Verkehr ist auch nicht, so kriegen wir einen guten Eindruck vom Aussehen und der Struktur der Stadt. In den kleinen Seitenstraßen sind gemütliche Wohnviertel zu sehen, – moderne Geschäftshochhäuser, hie und da etwas alte Bausubstanz und viele, kleine Gewerbegebiete mit Einkaufsmärkten, Tankstellen und Fast-Food-Läden wechseln sich ab.
Am westlichen Ende der Stadt sind dann die Schanzenanlagen der Olympiastadt zu sehen, – dann sind wir auch schon durch und fahren weiter nach Westen, – der Banff-Nationalpark ist unser nächstes Ziel.

Weitere 50 Kilometer später sind sie dann am Horizont zu sehen, – die Rocky Mountains, – dieser mächtige Gebirgszug, der den gesamten nordamerikanischen Kontinent auf seiner Westseite über die ganze Länge durchzieht. Irgendwie zwängt sich uns der optische Vergleich mit unseren Alpen auf, – die Annäherung an die Alpen über das Allgäu ist nicht anders, und auch als wir noch näher kommen und später in den Bergen ankommen, ist das Innsbruck, Rosenheim, Füssen oder Berchtesgaden, nicht umsonst wird Banff das Garmisch Kanadas genannt.
Es ist schön anzusehen und wird mit jedem Kilometer, den wir näher kommen noch schöner, – endlich ist auch die Monotonie der langen und weiten Ebenen vorüber, die wir teilweise über tausende Kilometer hatten.

Heute wollen wir bis Banff, uns das Städtchen ansehen und morgen dann den Nationalpark erobern.
Aber, – oh Gott, – das Städtchen ist eine Katastrophe, – das Städtchen selber wunderschön, – auch ein wenig alpenländisch, schöne Hotels, Restaurants, alles toll angelegt und super sauber, sehr einladend, – wir wären gerne geblieben, – das ist aber unmöglich, – alles ist total überlaufen, das Städtchen ist voller Menschen, die Gehsteige, die Lokale, natürlich auch die Parkplätze, alles eng und rammelvoll, – mal anhalten auf einen schönen Kaffee oder ein Eis, – unmöglich !
Wir fahren zweimal durch und dann mal in die Außenbezirke, über der Stadt an einem Berg gibt es einen Aussichtspunkt, das wäre doch was, – wir fahren hin, – schon 1 Kilometer vor dem Ziel steht der rechte Straßenrand voller parkender Autos, – der Linke bleibt verschont, weil er mit Parkverbotsschildern im 10-Meter-Abstand zugepflastert ist. Oben am eigentlichen Aussichtspunkt sind zwei große Parkplätze, beide wegen Überfüllung geschlossen, – wir drehen um und fahren wieder zurück.
In Banff stehen bleiben oder gar übernachten ist absolut aussichtslos, also fahren wir weiter,- wieder raus auf den TCH 1 und nach Norden, – ab jetzt ist nicht mehr Westen unser Ziel sondern Norden, wohl die nächsten Wochen, – bis hinauf nach Alaska.

Ein Stück fahren wir über den Highway 1 nach Norden, dann nehmen wir lieber die alte Landstraße von Banff nach Lake Louise, den Highway 1 A, den sogenannten Bow Valley Parkway, – dort sind die Chancen, einen Nachtplatz zu finden größer. Die Landschaft wird nun schon grandios, die Straßen, die Bahnlinie und der Bow River fließen durch ein Tal, das auf beiden Seiten von einem Bergmassiv eingerahmt ist, smaragdgrün fließt das Wasser im Fluß durch grüne Nadelwälder, die Felsmassive leuchten graubraun in der Nachmittagssonne, – in den Felskehlen und auf den beschatteten Stellen leuchtet weiß der letzte Schnee vom vergangenen Winter.
Alle Seitenwege sind mit Schranken versperrt, – auf den Parkplätzen im Nationalpark ist „Freies Stehen“ sowieso generell verboten, – wir werden wohl nicht umhin kommen, als zum ersten mal seit Beginn unserer Reise einen Campground aufzusuchen, – nunja, wenn es doch so ist, – schauen wir halt mal.

Bei „Protection Mountain“ liegt rechter Hand im Wald ein ziemlich weitläufiger Zelt- und Übernachtungsplatz, mit 21,50 CAD auch nicht überteuert, allerdings trauen wir unseren Augen nicht, als wir durchfahren, – alle 72 Stellplätze sind belegt, – na Klasse !
Als wir ungläubig eine zweite Runde durch den Platz drehen, winken uns 2 Jungs zu ihrem Platz hinüber, – Simon und Andreas vom Chiemsee laden uns ein, mit auf ihrem Stellplatz zu stehen, der groß genug ist, zumal sie nur mit Auto und Zelt unterwegs sind. Das Angebot nehmen wir dankend an, beteiligen uns an den Kosten und haben dann einen netten Abend mit den beiden, – das Lagerfeuer brennt schon, der Grill wird gleich angeschürt, – Heike backt als Dessert gleich noch einen Kirschkuchen für uns alle, so sitzen wir, bis es dunkel wird und uns die Kälte der kommenden Nacht ins Innere vertreibt. ( N 51° 19′ 34.1″ W 116° 01′ 57.2″ )

Tagesetappe:     244 km          Gesamtstrecke:     7.699 km

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s