16.07.2019 – Vom Liad River nach Watson Lake

Herrlich still war es wieder in unserem Wald.

Auf dem Nebenplatz hat sich gestern Abend eine deutsche Familie mit ihren Zelten niedergelassen, – heute früh unterhalten wir uns ausgiebig und so wird es schon fast Mittag, bis wir auf die Strecke gehen, – wieder hinaus auf den „Alaska-Highway“ (97) und weiter Richtung „Watson Lake“.

Die Landschaft ist wie sie gestern schon war, – eher alpenländisch, – wir fahren immer noch durch die Berge der „Northern Rockies“, – Wälder, Flüße und Seen säumen den Weg, – die Straße manchmal breit ausgebaut und relativ gerade, oft aber auch schmaler und kurviger, ein wenig von allem.
Schon kurz nach unserer Abfahrt gibts eine längere Baustelle, – über mehrere Kilometer Länge wird die Asphaltdecke geflickt, – flüssiges Bitumen wird in die Löcher gekippt, Split draufgeschüttet und drübergewalzt, das hält wieder einige Zeit. Beim Drüberfahren staubt es jämmerlich und die Steine fliegen, – und es kommt, wie es kommen musste; – an einer Stelle an der ich keine Chance zum Ausweichen habe, kommt uns so ein irrer Trucker mit einem Affentempo entgegen, die Autos vor uns wirbeln mächtig Staiub auf, der Truck noch mehr und haut uns wie Trommelfeuer eine kräftige Ladung Kieselsteine aus seiner Staubwolke heraus entgegen, – die Sicht ist Null, es rappelt und scheppert und als sich der Dunst lichtet, sehen wir die Bescherung: 3 kräftige Steinschläge in der Windschutzscheibe, – die ist hin ! Hoffentlich werden die Risse erst mal nicht größer, bis wir eine Lösung für das Desaster gefunden haben.

Einige Kilometer weiter, – der Schreck sitzt noch in den Knochen, – sind sie dann doch noch da, – die Bisons, vor denen gestern schon auf Schildern gewarnt wurde, – eine Bisonherde verteilt sich über die Straße und die beiden Grünstreifen rechts und links davon und läßt es sich gut gehen, – das sind mächtige Viecher, – die Bullen furchteinflößend, manche haben Reisigstücke aus dem Wald an ihren Hörnern hängen, die sie irgendwo aufgespiesst haben. Wir bleiben stehen, können sie schön beobachten und fotografieren, sie kommen ganz nahe ran, – dann fahren wir weiter, – im Lauf des Tages sehen wir noch einige Einzeltiere, aber auch noch eine kleine Herde, die es sich im Schatten des Waldrandes gemütlich macht.

Anzusehen gibt es heute nicht wirklich was, – etwa zur Mitte unserer Tagesstrecke passieren wir das Hinweisschild „Contact Creek“, das ist die Stelle an der sich 1942 die Straßenbautrupps vom Norden und vom Süden getroffen und den „Alaska-Highway“ in seiner damaligen Bauweise vollendet haben.

Später passieren wir den 60. Breitengrad, die Provinzgrenze zwischen „British Columbia“ und „Yukon Territory“, – ein kleines Hinweisschild am Straßenrand weist darauf hin, ohne dieses wäre der Wechsel unbemerkt vor sich gegangen, ändern tut sich nichts, alles sieht gleich aus, – auch die Zeit bleibt gleich.

Gegen Abend erreichen wir „Watson Lake“, mit 1.400 Einwohnern drittgrößte „Stadt“ im Yukon und Einzige auf 1.000 Kilometern Entfernung zwischen „Fort Nelson“ und „Whitehorse“. Hier im Ort gibt es den mittlerweile legendären „Schilderwald“.
Karl K. Lindley war 1942 mit am Bau des „Alaska-Highway“ beschäftigt und hatte solches Heimweh nach seinem „Danville, Illinois,USA“, daß er ein Schild mit dem Namen seines Heimatortes hier an einen Baum mitten im Ort nagelte. Später haben es ihm Viele nachgemacht und so ist im Laufe der Jahre der größte Schilderwald der Welt entstanden, über 80.000 Schilder hängen dort mittlerweile an extra dafür aufgestellten Stelen. Viele Menschen aus aller Welt haben hier Schilder ihrer Heimatorte, ihres Landes, ihrer Straße oder Autokennzeichen angebracht und so zum prächtigen Wachstum dieses „Waldes“ beigetragen. Unter anderem findet man dann solche Kuriositäten wie „Stadt Köln – Zulassungsstelle – Öffnungszeiten von … bis …“.
Ab heute sind es dann 80.001, denn wir haben auch eines unserer Nummernschilder geopfert, mit dem Eddingstift das heutige Datum, unsere Namen und unsere HP-Adresse hinzugefügt und uns dort verewigt.

Etwa 4 Kilometer weiter westlich befindet sich die Einfahrt zum hiesigen Campground der Provinz Yukon, – eine Stichstraße führt bis fast hinunter an den gleichnamigen See „Watson Lake“, – die Stellplätze sind weitläufig im Wald verteilt, wie immer mit Picknicktischen und Eisengrill ausgerüstet, – als Nachtplatz immer wieder sehr willkommen. ( N 60° 05′ 34.1″ W 128° 48′ 17.6″ )

Tagesetappe:     214 km                    Gesamtstrecke:     9.515 km

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