18.07.2019 – Whitehorse

Am Abend sind wir zunächst erschrocken, denn über uns schweben kurz hintereinander 3 richtig große Verkehrsmaschinen zum Flugplatz „Whitehorse“ ein, – unser Nachtplatz liegt direkt in der Einflugschneise. Erstaunlich, daß ein so relativ kleiner Ort ein solches Flugaufkommen hat, – aber hier ist alles anders. „Whitehorse“ ist mit 27.000 Einwohnern die größte Stadt und Hauptstadt des „Yukon Territory“ und das ist mal eben so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen, die nächsten Orte sind etwa 500 Kilometer weg, – logisch, daß die Menschen hier fliegen, anstatt mit dem Auto zu fahren.
Allerdings ist nach den 3 Abendmaschinen dann auch Feierabend und es ist eine herrlich stille und helle Nacht hier draussen an unserem See.

Zum Frühstück kommt gleich das Fernglas zum Einsatz, – draußen im See dreht ein Biber seine Ehrenrunde.
Heute wird mal nicht gefahren, wir besichtigen „Whitehorse“, das legendäre Städtchen am „Yukon River“.
Hier wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts Handel mit den Indianern des Nordens getrieben und Abenteurer, Trapper und ab 1898 die Goldsucher haben „Whitehorse“ schon immer als Ausgangspunkt für ihre Unternehmungen in den hohen Norden genutzt, Straßen gab es keine, so wurde alles mit Booten auf dem „Yukon“ erledigt, der ab hier schiffbar ist. Kanus waren schon immer unterwegs, – zum Abtransport der Erze aus den Silberminen im Norden wurden die Boote immer größer, letztlich wurden Schaufelraddampfer hier in „Whitehorse“ gebaut, die den speziellen Anforderungen des Yukon River gewachsen waren.
Die alte „S.S. Klondike II“ beförderte von 1937 bis 1955 Fracht und Passagiere zwischen Whitehorse und Dawson City, sie wurde in den 1970er Jahren stilgerecht restauriert und kann jetzt hier besichtigt werden, – ausgestattet mit dem originalen Inventar, Acessoires und Gütern im Frachtraum, – die Wände dekoriert mit Aufnahmen aus der damaligen Zeit, verleiht sie einen tollen Einblick in die Abläufe und Geschehnisse, die sich hier über viele Jahrzehnte abgespielt haben.

Um das Ganze noch abzurunden, besuchen wir dann das „MacBride-Museum“ in der Stadt, – auch dort sind Utensilien und viele Fotos der damaligen Zeit aus dem gesamten Yukon Gebiet zusammengetragen und ausgestellt, – von den Kupfer- und Silberminen des Nordens, dem Goldrausch ab 1897, als sich innerhalb kürzester Zeit 100.000 Glücksritter hierher auf den Weg gemacht haben, um das schnelle Geld zu machen, bis zur Illustration des Baus des „Alaska-Highways“ in 1942, – verständlich erklärt, – teilweise mit kleinen Filmen hinterlegt, die aus original alten Aufnahmen der damaligen Zeit zusammengeschnitten sind, – eine wirklich lohnenswerte Sache.

Um 15 Uhr haben wir einen Termin bei „Auto-Glass“, unsere Windschutzscheibe „reparieren“. So ist das, – bei uns heißen die „Car-Glas“, hier nennen sie sich „Auto-Glass“, – Hauptsache anders ! Hier in der Stadt ist man dafür bestens gerüstet, alleine 4 Firmen bieten ihre Dienste an, – wir haben noch nie so viele Autos mit kaputten Frontscheiben gesehehn, wie hier in der Stadt, – offensichtlich kommt hier keiner „ungeschoren“ an.
Nach gut einer halben Stunde sind die Einschläge verklebt, – es bleibt die Hoffnung, daß das irgendwie hält.

Danach besichtigen wir die „Fischtreppe“ unten am Staudamm, mit 360 Metern eine der längsten der Welt.
Der Stromschnellen des Yukon wurden hier durch einen Staudamm gezähmt, ein Kraftwerk ist dabei entstanden, das die gesamte Region mit Strom versorgt.
Um den Lachsen weiterhin ihre jährliche Wanderung aus der Beringsee zu ihren Laichgebieten am oberen Yukon zu ermöglichen, hat man schon in den 1950er Jahren diese Fischtreppe gebaut, seitlich eingebaute Glasfenster ermöglichen es, die Lachse bei ihrer Wanderung zu beobachten.
Nur leider derzeit noch nicht, erfahren wir vor Ort, sie werden hier erst Ende Juli eintreffen, – auf einer Karte ist der momentane Standort des Lachszuges markiert, er befindet sich derzeit noch etwa 450 Kilometer weiter nördlich, bei Dawson City, – nun vielleicht können wir die Lachse nächste Woche dort beobachten, wir sind auf dem Weg dorthin.

Gegen Abend ist noch Einkaufen angesagt, – alles Proviant, Trink- und Brauchwasser und Diesel nachfüllen, – für die nächsten 10 Tage und gute 2.000 Kilometer wird die Versorgung recht dürftig, dafür teuer, werden, – morgen beginnt die Fahrt ans nördliche Eismeer.

Heute übernachten wir am Parkplatz bei der „S.S. Klondike II“, hier hat es extra Wohnmobilparkplätze und keine „No overnight“-Schilder, also warum nicht, – ruhig und leer ist es am Abend hier sowieso. ( N 60° 42′ 48.1″ W 135° 02′ 55.2″ )

Tagesetappe:     28 km          Gesamtstrecke:     9.983 km

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