22.07.2019 – Vom Rock River nach Inuvik

Die Nacht im Wald in der Senke des „Rock River“ ist mit 13 Grad wesentlich wärmer als die Letzte, angenehmer ist sie nicht, – der hohe Wald macht dunkel, alles ist feucht und ganze Geschwader von Stechmücken schwirren um uns.
Dafür ist der Morgen herrlich blau und schnell warm, 18 Grad schon gegen 9 Uhr und der Tag wird so herrlich blau bleiben und sogar hochsommerliche 24 Grad bieten.
Es ist schier unglaublich, – um so weiter wir nach Norden vordringen, umso wärmer wird es, – gerade eben, als ich den Tagesbericht von heute schreibe, ist es 23.30 Uhr, die Sonne steht noch hoch am Himmel, die Temperatur liegt bei 20 Grad, – draussen flanieren die Menschen wie an der Riviera in kurzen Hosen und T-Shirt, – an Schlafengehen denkt hier niemand wirklich, – es ist ein irres Gefühl, keine Dunkelheit zu haben.

Doch der Reihe nach,
am Morgen fahren wir zurück auf den „Dempster Highway“ und weiter nach Norden.
Nach 18 Kilometern verlassen wir die Provinz „Yukon Territory“ und kommen in die „Northwest Territories“.
Weil wir wieder ein Stück nach Osten gereist sind, springt jetzt die Uhr um eine Stunde vor, – wir sind nur noch 8 Stunden hinter der deutschen Zeit zurück. Weil wir aber nur 3 Tage hier bleiben, scheren wir uns nicht drum und machen unseren alten Rythmus weiter, der ständige Wechsel macht uns sonst noch ganz kirre. Außerdem ist es eh wurscht, ob wir nachts um 12 ins Bett gehen , oder um 1, oder um 11, – es ist sowieso hell, und genauso ist es mit dem Aufstehen, 7, 8 oder 9 Uhr, egal.

Direkt dort beim Schild zu den „Northwest Territories“ kommen plötzlich 2 prächtige Karibous aus der Weite der Tundra herauf und marschieren flotten Schrittes den Berg hinauf, – große, stämmige Tiere sind das, mit einem mächtigen Geweih, – eigentlich ziehen die Herden erst ab September südwärts, aber gestern erzählte uns ein Trucker, daß er schon eine Herde gesehen habe, – wir hoffen, daß wir die auch noch zu Gesicht kriegen.

Die Landschaft bleibt so toll, wie sie gestern schon war, – menschliche Spuren gibt es kaum, einmal tauchen unten am Fluß ein paar Häuser auf, – das wars dann auch schon für die ersten 100 Kilometer.
Kurz vor dem Ort „Fort McPherson“ kreuzt der Highway den „Peel River“, eine alte Kabelfähre bringt uns ans gegenüberliegende Ufer.
Den Ort „Fort McPherson“ haben wir irgendwie verpasst, – kann nicht wirklich groß sein, – nur ein kleines Schild weist darauf hin und schon sind wir vorbei, – naja, auf dem Rückweg schauen wir dann doch mal dort vorbei.

Fast 60 Kilometer weiter, beim Ort „Tsiigehtchic“ müssen wir über den breiten „Mackenzie River“, auch hier erledigt das eine Fähre, die ständig hin und her pendelt.
Die Fähren arbeiten nur in der frostfreien Zeit, – im Winter fahren die Fahrzeuge direkt über die zugefrorenen Flüße, – in der Zeit, in der die Flüße zufrieren und die Fähre nicht mehr fahren kann, das Eis aber noch nicht tragfähig ist, ist der Highway gesperrt, – so einfach geht das ! Ebenso im Frühjahr, zur Zeit der Schmelze, – wenn das Eis nicht mehr trägt und die Fähre wegen der Treibeisschollen, die der Fluß mit sich bringt, noch nicht eingesetzt werden kann.

Nach „Tsiigehtchic“ wird es für viele Kilometer ziemlich langweilig, das Land ist bretteben, rechts und links der Straße stehen diese „Stangenbäumchenwälder“ im Sumpf, die Straße ist schnurgerade, – wie ein Linealstrich durch die Landschaft, viele Kilometer weit, – eine Staubfahne in vielen Kilometern Entfernung kündigt den Gegenverkehr an, der uns irgendwann in mehr als 5 Minuten begegnen wird, – das ist auch ganz praktisch.

Gegen Abend treffen wir dann in „Inuvik“ ein, einer Siedlung mit 3.200 Einwohnern, die viele lange Jahre keine Zufahrt über Land hatte und nur übers Meer und durch die Luft versorgt wurde, – erst der „Dempster Highway“, diese 750 Kilometer lange Schotterstraße, die in den 1970er Jahren gebaut wurde, hat den Anschluß an den Rest der Welt gebracht. Im Ort gibt es einen Campground, den wir anfahren, Heike will noch einen „Waschtag“ einlegen, also eher eine „Waschnacht“. ( N 68° 21′ 36.2″ W 133° 44′ 15.4″ )
In „Inuvik“ endete bisher die Straße, seit 2 Jahren geht sie nun noch einmal 145 Kilometer weiter nach Norden, zu dem kleinen Ort „Tuktoyaktuk“, direkt am Arktischen Ozean. Das wird morgen unser Ziel werden.

Tagesetappe:     283 km          Gesamtstrecke:     11.187 km

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