11.08.2019 – Von Whittier nach Anchorage

Der Wettergott muß wohl einen Fabel für Alaska haben. Wir erleben derzeit einen nordischen Bilderbuchsommer, – die Nächte mit 11 bis 13 Grad eher frisch, aber die Tage schon frühmorgens sommerlich warm, der Himmel strahlend blau mit viel Sonne, heute bis 28 Grad, die Abende lang hell und bis fast in die Nacht über 20 Grad warm, – und das schon fast 10 Tage lang, – meinetwegen kann es gerne so bleiben, – ungewöhnlich ist es schon, schließlich sind wir in Alaska.

So auch heute, – den „Portage Glacier“ betrachten wir nur aus der Ferne, – leider ist auch seine Gletscherzunge, die bisher in den „Portage Lake“ gereicht hat, vor dem wir stehen, in den letzten Jahren zurückgegangen und von hier nicht mehr zu sehen, nur mit einem kleinen Ausflugsboot, das über den See hinter eine Bergflanke schippert, ist sie erreichbar. Für 39 Dollar pro Nase sparen wir uns das, es gibt auf unserer Reise noch viele andere Gletscher, die wir zu Fuß erreichen können. Lediglich ein paar abgebrochene, kleine Eisberge kriegen wir zu sehen, die auf dem See schwimmen. Soll reichen !

Wir fahren zurück auf den „Seward Highway“ Richtung „Anchorage“, immer am „Turnagain Arm“ entlang.
Den Namen „Turnagain Arm“ erhielt die weitläufige Bucht mit ihrem 10 Meter hohen Tidenhub im Jahr 1794 von Captain James Cook, der im späten 18. Jahrhundert die nordwestamerikanische Küste bereist und kartografiert hat, – übrigens ist er auch der Namensgeber des „Cook Inlet“. Er berichtete von einem Naturphänomen, das sich täglich im „Turnagain Arm“ abspielt, – bei Ebbe läuft fast die gesamte Bucht trocken, eine enorme Wassermenge strömt aus der Bucht heraus, – und bei Flut natürlich wieder hinein, – die einströmenden Wassermassen der Flut drücken so stark in die Bucht hineien, daß das noch immer auslaufende Wasser „überrollt“ wird, es bildet sich eine Welle, manchmal bis zu 2 Meter hoch, die die Bucht hinauf läuft und erst langsam wieder abebbt.
Heute ist der „Turnagain Arm“ fast trocken gelaufen, kilometerweit Matsch und Sand, nur das Wasser der einströmenden Flüße läuft als Rinnsal Richtung Meer, – das Phänomen der Welle konnten wir leider nicht beobachten.

Dann kommen wir noch einmal in die Hauptstadt „Anchorage“ zurück, – Vorräte auffüllen, die Auswahl an Supermärkten ist groß, – Tanken, hier ist der Sprit wesentlich günstiger als in den Hafenorten, – und das „Alaska Experience Theatre“ aufsuchen. Wir haben schon vor einer Woche hier in Anchorage und jetzt, bei unserem Besuch am Golf von Alaska überall Memorials und Hinweise auf das große Erdbeben von 1964 gesehen, damit wollen wir uns mal etwas genauer beschäftigen, – dort im „Alaska Experience Theatre“ wird eine Ausstellung darüber gezeigt, Fotos, Berichte und ein 15-minütiger Film zeigen Dramatik und Ausmaß des Geschehens.
Am 27. März 1964 erlebte das südliche Alaska das zweitstärkste Erdbeben der Erde, seit es überhaupt Aufzeichnungen darüber gibt, 9,2 auf der Magnituden-Skala, 8,6 auf der Richter-Skala, nur das Erdbeben in Chile 1960 war mit 9,5 noch stärker. Nur der dünnen Besiedelung des Landes ist es zu verdanken, daß tatsächlich dabei „nur“ 115 Menschen ihr Leben verloren haben.
Nur 35 Meilen vor „Whittier“ im „Prince William Sound“, in nur 20 Meilen Tiefe bebte die Erde 5 Minuten lang, enorme Bewegungen der Erdkruste verschoben Teile von „Anchorage“, 2 Straßen versinken komplett im Meer, bis zu 15 Meter hebt und senkt sich die Erde, – entlang des „Turnagain Arm“ verschwinden ganze Dörfer, Straßen werden zerrissen, Ufer sacken ab.
Die größeren Schäden, auch die meisten Menschenleben, fordert der anschließende Tsunami, der „Whittier“ mit einer 30 Meter hohen Flutwelle einfach wegspült, die Flutwelle in „Valdez“ soll sogar 60 Meter hoch gewesen sein, der gesamte „Sound“, mit den vorgelagerten Inseln wurde überspült, die Flutwellen waren über den gesamten Pazifik bis hinunter nach Patagonien und hinüber nach Japan und China zu spüren.
Beeindruckend ist der kurze Dokumentarfilm, in dem die Entstehung von Alaska, von „Anchorage“ und die Entstehung von Erdbeben erklärt werden, – als dann der Moment des Erdbebens im Film gezeigt wird, „bebt“ der gesamte Kinosaal, das Erdbeben wird akustisch und durch Schüttelbewegungen des gesamten Bodens simuliert, das ist mehr als beeindruckend, nach etwa 40 Sekunden wird die Simulation abgestellt, das Gewackele und der Lärm sind in der kurzen Zeit mindestens nervend, eher beängstigend, – das wirkliche Beben dauerte 5 Minuten. Alaska wird seit 1904 rechnerisch alle 2,3 Jahre von einem Erdbeben der Stärke 7,2 Magnitude oder mehr heimgesucht.

Am Abend lassen wir uns wieder auf dem Parkplatz des Outdoor-Megastores „Cabela´s“ nieder, das war letzte Woche total in Ordnung. ( N 61° 07′ 41.8″ W 149° 52′ 51.2″ )

Tagesetappe:     110 km          Gesamtstrecke:     15.090 km

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