14.08.2019 – Valdez

Die Nacht ist herrlich ruhig; – nur der Morgen, – plötzlich ein Höllenlärm neben uns, – Punkt 8 Uhr fängt eine große Maschine an, nur wenige Meter neben unserem Schlafzimmerfenster den Asphalt von der Straße zu fräsen, – naja 8 Uhr, – eigentlich ist es ja Zeit zum Aufstehen, – und als wir endlich so richtig wach sind, hören die Jungs auf und machen Pause, – möchten wissen, wer uns die geschickt hat ?

Heute ist ein Regentag, – dicke graue Wolken hängen über der Stadt und der Bucht, – von den herrlichen Bergen ringsum keine Spur, nur dicker Nebel überall.
Also dann, erst mal das Museum nebenan besuchen.
Valdez hat 3 bedeutende Ereignisse in seiner Historie,
– das war zuerst die Pionierzeit um die vorletzte Jahrhundertwende, als abertausende Glücksritter mit kleineren Schiffen aus den USA, meist aus Seattle, hier angekommen sind und sich ab hier zu Fuß mühsam durch Schnee und Eis über die Berge nach Norden quälten, um beim Goldsuchen in den unberührten Weiten Alaskas ihr großes Glück zu machen. Vor dieser Zeit gab es den Ort „Valdez“ eigentlich nicht, erst durch die Ereignisse dieser „wilden Jahre“ wurde die Bucht bekannt und zu einer Siedlung, später zu einer Stadt ausgebaut.
– das zweite bedeutende Ereignis der Stadt war der 27. März 1964, – als auch hier das weltweit zweitstärkste Erdbeben zuschlug und den gesamten Ort vernichtete, zuerst die starken Erdstöße, 5 Minuten lang mit Stärke 9,2 Magnitude, dann ein heftiger Tsunami. Ein Großteil des Ortes, samt Hafenanlage verschwand gänzlich, der restliche Teil einschließlich des Ölterminals war komplett zerstört, leider mussten auch 30 Menschen ihr Leben lassen.
Der Ort wurde innerhalb von 2 Jahren an einem 4 Kilometer entfernten, besser geschützten Teil der Bucht komplett neu aufgebaut, – das heutige „Valdez“.
– das dritte bedeutende Ereignis der Stadt war das große Tankerunglück der „Exxon Valdez“ im Jahr 1989, als ein Öltanker, der hier von Valdez ausgelaufen war, wenige Seemeilen außerhalb durch einen technischen Defekt auf die Klippen auflief, die Tankerhülle aufriß und sich 40.000 Tonnen Rohöl ins Meer ergoßen, – Valdez, die gesamte Bucht „Valdez Arm“ und Teile des „Prince William Sound“ erlebten eine Ölpest schlimmsten Ausmaßes. Fischerei und Tourismus kamen komplett zum Erliegen, die gesamte Tierwelt in und am Wasser war dem Tod geweiht. Heute ist davon dankenswerterweise nichts mehr zu sehen.
Ein beeindruckender Film zu all diesen Ereignissen wird im Museum gezeigt, Bilder und Dokumente ergänzen das Gesehene.

Am Nachmittag, – das Wetter hat sich gebessert, – fahren wir aus der Stadt hinaus, östlich um die Bucht herum und drüben auf der anderen Seite wieder nach Westen, bis die Straße endet. Dort sind die großen Ölterminals Alaskas. Hier endet die „Alyeska“ Trans-Alaska-Erdölpipeline, die über fast 1.300 Kilometer ganz aus dem Norden Alaskas, von „Prudhoe Bay“ quer durch das Land bis hierher gebaut wurde, um das schwarze Gold hierher an einen ganzjährig eisfreien Hafen zu pumpen, an dem die großen Öltanker zu jeder Jahreszeit laden können. Bis zum 11. September 2001 waren die Terminals zu besichtigen, danach wurde dies aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Ein Blick aus der Ferne muß genügen.

Das Erlebnis des Tages war wieder einmal die Lachswanderung, die Straße führt hier direkt an der Wasserlinie der Bucht entlang, – schon vom fahrenden Auto aus ist zu sehen, wie sich viele Lachse am Ufer entlang schlängeln. Kurz vor dem Ende der Straße ist dann auch der Zug der Lachse zu Ende, ein Gitter versperrt ihnen den Weg in einen Fluß, eine Fischtreppe bietet ihnen die Möglichkeit weiter zu kommen, – sie führt in eine Lachsaufzuchtstation. Ein innerer Trieb zwingt sie zum Laichen über tausende Kilometer zurück, genau zu dem Ort, an dem sie selbst geboren wurden, um dort für den Erhalt der Art zu sorgen und dann zu sterben.
Tausende, ja vielleicht zigtausende Lachse schwimmen hier im Wasser, – was ein Anblick, überall wuselt und brodelt es, es hat den Anschein, als würde das Wasser kochen. Einige sind schon gestorben, die Strömung nimmt sie mit weg, sie versinken irgendwann im Meer.

Am Abend bummeln wir ein wenig durch den kleinen Fischerhafen des Städtchens, hier wird wieder der Fang des Tages an Land gebracht und zerlegt, ein mächtiger Heilbutt ist heute dabei.
Später fahren wir aus der Stadt hinaus, etwa 2 Kilometer außerhalb gibt es einen schönen freien Platz, den wir uns für die Nacht ausgesucht haben. ( N 61° 07′ 41.0″ W 146° 17′ 09.4″ )

Tagesetappe:     59 km          Gesamtstrecke:     15.649 km

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