21.08.2019 – Vom Dezadeash Lake (Kanada) nach Haines (Alaska/USA)

Die Nacht ist wieder sternenklar und eiseskalt, – diesmal hat es richtig Nachtfrost, 3 Grad minus.
Der Morgen am See, herrlich, – gegen 7 Uhr kommt die Sonne raus und heizt kräftig ein, es ist, wie bei uns an schönen Spätherbsttagen im Oktober, – nachts schon frostig, am Tag sonnig und angenehm warm, – nur ist es halt noch August, – nunja, hier ist halt Alaska.

Gegen 10 Uhr fahren wir weiter, auf der „Haines Road“ nach Süden, – schon gestern, aber erst recht heute, erleben wir eine der schönsten Strecken unserer gesamten Alaskareise. Unser Weg führt uns durch eine weite, offene Mittelgebirgslandschaft, – „Alpenfeeling“, nur viel weiter, fast 200 Kilometer fahren wir durch lichte Wälder, rechts und links am Horizont immer wieder herrliches Bergpanorama, schneebedeckte Gipfel und Gletscherzungen, die weiß in der hellen Sonne leuchten, davor weite Flächen, karges Land, – wir kommen in eine viele Kilometer lange Hochebene, – noch stehen vereinzelt Fichtenbäume oder kleine Fichtenwäldchen in den weiten Tundraflächen, – Moose, Flechten und niedrige Soapberrysträucher bedecken den Boden, – wir sind auf etwa 900 Metern Höhe, hier ist die Baumgrenze, die Hügel und niedrigen Berge am Rand der Ebene sind schon baumlos, nur Flechten bedecken ihre Oberfläche und lassen sie grün leuchten, die hohen Felsmassive dahinter sind ganz kahl.

Es ist ein Traum, – hinter jeder Kurve ein noch schönerer Anblick, riesige Flächen abgeblühter Weideröschen leuchten lila und rot in der Sonne, das niedere Buschwerk und die vereinzelt stehenden Laubbäume haben bereits begonnen, ihre Blätter gelb einzufärben, – langsam beginnt der Indian Summer.
Wenige Kilometer später kommen wir noch einige Meter höher hinauf und lassen die Bäume ganz hinter uns, – jetzt gibt es hier oben nichts mehr, das den Blick in die Ferne unterbricht, alles ist leer, kleine Wasserflächen leuchten in den Senken, kleine Rinnsale fliessen von den nahen Hügeln herab.

Trotz herrlichem Sonnenschein bleibt heute das Thermometer bei 10 Grad stehen.
Irgendwann überqueren wir den Chilkatpass mit 1.065 Metern, dann geht es nur noch bergab, – „Haines“ liegt am Meer, also 1.065 Meter runter in den nächsten Kilometern, irgendwann beginnt die Vegetation wieder zu grünen, erst Sträucher und Büsche, dann kommen die Bäume wieder und weiter unten dann gar Wiesen und richtige Wälder, dort gibt es auch wieder menschliche Ansiedlungen, eine Ranch, ein paar Häuser, – die Temperatur steigt stetig an, bis zum Nachmittag erreicht sie heute gar wieder 20 Grad.

Etwa 50 Kilometer vor „Haines“ erreichen wir dann noch einmal die Grenze Kanada / USA.
Heute und auch die nächsten Tage werden wir immer entlang dem „Pfannenstiel“ Alaskas nach Süden fahren.
Alaska, das ja den nordwestlichen Teil Nordamerikas wie auf einer großen Halbinsel belegt und eine runde, also „pfannenähnliche“ Form hat, setzt sich an der Westküste Nordamerikas, westlich von Kanda, an der Pazifikküste entlang, in einem schmalen Streifen, der dem Stiel einer Pfanne ähnelt, nach Süden fort und reicht weit in Richtung USA hinunter. Dieser Streifen ist etwa zwischen 50 und 150 Kilometer breit und mehr als 1.000 Kilometer lang. Er besteht nur aus zerklüfteten Buchten, Fjorden, vorgelagerten Inseln und Inselchen, hohen Bergen und Gletschern und ist (fast) nur vom Meer aus zugänglich.
Ähnlich den norwegischen Fjorden wird auch die „Inside Passage“ regelmäßig mit Schiffen und Fähren bedient, es gibt dort zahlreiche Dörfer und Städte, sogar „Juneau“, die Hauptstadt Alaskas mit mehr als 20.000 Einwohnern liegt dort und hat keine Straßenanbindung ans Festland.
Die Straße von Alaska im hohen Norden hinunter in die USA führt durch Kanada, teilweise viele hundert Kilometer von der Küste und dem „Pfannenstiel“ Alaskas entfernt.
Die beiden Orte „Haines“ und „Skagway“, das wir morgen mit der Fähre erreichen, sind die beiden einzigen Orte, die von Kanada aus erreicht werden können, so haben wir heute, und dann auch morgen auf dem Weg nach Norden wieder einen Grenzübertritt.
Heute geht das locker, eine Ausreisekontrolle aus Kanda gibt es nicht, die Einreise in die USA geht prompt und freundlich, der Zöllner schaut in die Papiere, stellt die obligaten Fragen, – das wars, keine 5 Minuten und drin sind wir.

Etwa 30 Kilometer vor „Haines“ liegt am breiten „Chilkat River“ das Winterquartier der Weißkopfseeadler, wenn dort im Oktober die „späten“ Lachse den Fluß hinauf ziehen, sind schon tausende dieser stolzen Vögel gekommen, um sich am reichlich gedeckten Futterplatz zu laben. Wir sind leider zu früh dran, kein Einziger läßt sich dort blicken.

Wenig später erreichen wir „Haines“, einen kleinen Küstenort, am Ende eines langen Fjordes gelegen, – viel los ist hier nicht, – ein Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen vor Anker, einige Fischerboote, ein, zwei Lokale, ein paar Geschäfte und das wars dann schon.
Nein, – stimmt nicht, – unten am Hafen in einer Baumgruppe treffen wir ihn doch noch an, – einen Weißkopfseeadler, dort hat er seinen Horst, ein Jungtier ist auch zu sehen, – schaut stolz aus, wenn er seinen Blick über das Gelände schweifen läßt.

Wir fahren zum Fährterminal, erkundigen uns nach dem Fahrplan der Fähre nach Skagway, – in der Saison fährt sie täglich, – unsere Überfahrt ist morgen mittag um 13 Uhr, sie dauert 1 Stunde und spart uns fast 600 Kilometer Rückweg auf der Straße.
Dann fahren noch ein paar Kilometer nach Norden, auf einen Campground am „Chilkoot River“, dort wandern die Lachse den Fluß hinauf und gelegentlich sollen dort Grizzlys anzutreffen sein.
….und so kommt es: Direkt neben der schmalen Zufahrt fließt der Fluß und auf der gegenüberliegenden Seite, aber sehr deutlich zu beobachten, kommt ein kräftiger Grizzly aus dem Wald und trottet auf Futtersuche am Ufer durch das Wasser, – ganz toll, dieses Schauspiel so hautnah zu erleben.

Wenig später treffen wir auf dem Campground ein, die Plätze stecken tief in den Bäumen, das macht ziemlich dunkel, – heute ist es eh schon spät und wird bald dunkel werden, wir haben uns an der Stadtbücherei beim Internetgang „verbummelt“, also bleiben wir. ( N 59° 20′ 05.6″ W 135° 34′ 04.3″ )

Tagesetappe:     234 km          Gesamtstrecke:     17.164 km

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