23.08.2019 – Von Skagway (Alaska/USA) nach Tagish (Kanada)

Absolut ruhig ist die Nacht, 7 Grad kalt und es regnet wieder ein wenig, – kurz nach 7 Uhr in der Früh fährt das erste Auto, die Grenze ist offen.

Gegen 10 Uhr machen wir uns los, „Klondike Highway“ heißt unsere Straße, – die Grenze ist gleich etwas weiter oben am Berg, die Grenzstation erst in gut 15 Kilometern, die Abfertigung durch einen kanadischen Zöllner kurz und knapp, – wir sind wieder gleich dran, – Papiere, ein paar Fragen, fertig, – und ab gehts.
Hier in Kanada gibt es wieder Kilometer und Kilogramm, Grad Celsius und Liter, die Uhr springt wieder eine Stunde vor, – wir sind jetzt nur noch 9 Stunden hinter der deutschen Zeit zurück, – es reicht jetzt auch langsam mit dem ewigen Hin und Her der Uhrzeit, mittlerweile ist unser Rythmus ganz schön durcheinander, – auch Aspro schaut uns beim Füttern immer öfter fragend an, – mal sind wir zu früh, mal zu spät, – keine Ahnung, was sie noch so denkt.

Die Landschaft hier oben ist wieder spektakulär, eine Hochebene mit kargen Felsen, die mit hellen Flechten bewachsen sind, kleine Fichtenbäume dazwischen, immer wieder Wasserflächen, in den etwas größeren Seen sind oft kleine Inselchen, meist mit einer kleinen Baumgruppe drauf, das sieht absolut schön aus.
Leider ist der Himmel novembertauglich, dunkelgrau verhangen, immer wieder tröpfelt es aus den schweren Wolken, Nebelfetzen hängen vor den Bergen, – keine guten Voraussetzungen für ein paar schöne Fotos. Wenn es mal für einen Augenblick etwas heller wird sieht man das Wasser in den Seen türkisblau leuchten, sonst ist es so dunkelgrau wie die Wolken darüber. Schade.

Wir kommen über den berühmt berüchtigten „Whitepass“, 1.003 m hoch, über den in der Anfangszeit des Goldrausches viele der ersten Goldsucher gezogen sind und nicht wenige, sowie hunderte ihrer Packpferde ihr Leben verloren, – die Route war wegen Schnee und Eis einfach zu gefährlich, Abstürze an der Tagesordnung. Heute bequem zu fahren, gut ausgebaut und asphaltiert.
Bald danach erreichen wir den türkisblauen „Tutshi Lake“, die Farbe läßt sich meist nur erahnen, aber wir können es erkennen.

Und danach den nicht weniger schönen „Bennet Lake“, der bis „Carcross“ hinauf reicht und dort die Weiterfahrt für Schiffe in den „Tagish Lake“ und „Atlin Lake“ ermöglicht.
Dies hat „Carcross“, das wir wenig später erreichen, um die vorletzte Jahrhundertwende zu einem wichtigen Verkehrsknoten zwischen Wasser und Schiene gemacht, – die Straße gibt es erst seit 1978, – am „Bennet Lake“ wurden Schiffe gebaut, Güter, die mit der Bahn von „Skagway“ oder „Whitehorse“ angeliefert wurden, wurden mit den „Starwheelern“, den Schaufelraddampfern in die weit entfernten Gegenden der beiden anderen Seen geschafft.
„Carcross“ liegt an der schmalsten Stelle des Sees, die auch von den im Spätherbst nach Süden ziehenden Caribouherden als Durchlaß genutzt wird, daher hat „Carcross“ seinen Namen, der in Langform eigentlich „Caribou Crossing“ heißt.
Die Anlagen rund um die alte Schmalspurbahn, also Gleise, den schönen kleinen Bahnhof, die alte Eisenbahnbrücke, die Reste der „S.S. Tutshi“, dem größten Schaufelraddampfer der damaligen Zeit, der leider irgendwann ein Raub der Flammen wurde, ein altes Hotel und den General Store hat man stilgerecht erhalten, die Züge fahren noch bis hierher, allerdings nur noch mit und für Touristen, – so ist dort auch einiges an touristischer Infrastruktur entstanden, Souvenirgeschäfte, Läden, ein Cafe und Restaurant, der große Parkplatz für die Busse der Kreuzfahrtschiffgäste aus Skagway darf nicht fehlen.

Wir fahren dann ein Stück nach Norden, dort stapfen wir durch die kleinste Wüste der Welt, – nachdem wir schon in vielen richtig großen Wüsten dieser Welt unterwegs waren, wollen wir uns das nicht entgehen lassen. Die „Carcross Desert“ ist nur 2 km breit, hat aber richtige Dünen aufzuweisen, die zudem wandern und den einen oder anderen Baum unter sich begraben, – der Sand stammt noch aus der letzten Eiszeit, der stete starke Wind vom „Bennet Lake“ schafft dann dieses kleine Wunderwerk daraus.

Wir nehmen die „Tagish Road“ als Abkürzung hinüber zum „Alaska Highway“, auf dem wir morgen weiter nach Osten fahren werden.
Bei „Tagish“ bleiben wir auf dem örtlichen „Tagish Campground“ zum Übernachten hängen, wieder einer diesen netten Freizeitanlagen der Yukon Territory. ( N 60° 18′ 56.8″ W 134° 15′ 34.2″ )
Am Abend habe ich noch Reifenservice am HerrMAN zu erledigen, 2 Räder gegeneinander austauschen, die sich unschön abfahren, ein schwerer Job, aber läßt sich durchaus alleine machen, ich hatte schon seit Tagen nach einer Reifenwerkstatt Ausschau gehalten, das wäre natürlich einfacher gewesen, ist allerdings die letzten 900 Kilometer keine zu finden gewesen und voraussichtlich die nächsten 1.000 km auch nicht, – also „Selbst ist der Mann“, in dem Fall der Hermann.

Tagesetappe:     123 km          Gesamtstrecke:     17.336 km

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