09.09.2019 – Von Ennis nach West Yellowstone

Die Nacht ist herrlich still hier draußen am See, 10 Grad kühl und es regnet weiter, auch heute morgen fallen immer wieder Schauer herunter.
Keine guten Aussichten für den Besuch des Yellowstone-Nationalparkes. Heute lassen wir uns noch mal Zeit, vielleicht wird es ja wieder besser.

Gegen 11 Uhr fahren wir los, zunächst hinaus auf den 287er, etwa 6 Kilometer bis „Ennis“, dann machen wir einen Abstecher von etwa 20 Kilometern, hinüber nach „Virginia City“ und „Nevada City“. Wenn wir schon hier im „Wilden Westen“ sind, gehören diese Orte einfach dazu.
„Virginia City“ gründete sich 1863, als im benachbarten Tal bei „Alder“ Gold gefunden wurde und sich innerhalb kürzester Zeit 10.000 Goldsucher hier eingefunden und niedergelassen haben, – es begann eine wilde Zeit, „Virginia City“ hatte den Ruf das gefährlichste Pflaster im Wilden Westen zu sein.
Der Goldrausch war schnell zu Ende, die Goldschürfer wieder weg, – der Ort hat heute nur noch 150 Einwohner, aber dank privater Initiativen Mitte des letzten Jahrhunderts ist es gelungen, den historischen Ort in seinem damaligen Ambiente weitestgehend zu erhalten, bzw. wieder aufzubauen, – so erwartet uns heute dort die Westernstadt schlechthin. Der alte Bahnhof, das Hotel, Saloon und Bars, Läden, Ausstatter für Werkzeuge, Kleidung und Zubehör, das Büro der Frachtgesellschaft „Wells Fargo“, ein Photograph, der Friseur und natürlich auch eine Drogerie und Pharmazie.

Wenige Kilometer weiter, in „Nevada City“ stehen ebenfalls noch die original alten Blockhütten der Goldsucher von damals, teils erhalten, teils zerfallen, auch ein alter Bahnwagen und die Lokomotive der Schmalspurbahn stehen noch am Bahnhof und rotten vor sich hin. Im Gegensatz zu „Virginia City“, das tatsächlich noch bewohnt wird, ist „Nevada City“ allerdings eine Ghosttown und unbewohnt, in der Sommersaison öffnet ein Hotel im alten Ambiente seine Pforten, urig und stilgerecht.

Ein schöner Ausflug in die Vergangenheit, – wir fahren zurück nach „Ennis“, der Kern des kleinen Städtchens strahlt ebenfalls noch den rauhen Wildwestcharme aus, – von der Anhöhe, die hinüber nach „Virginia City“ führt, hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt und die hinter ihr liegenden „Rocky Mountains“, diesmal die US-amerikanischen, – allerdings sind sie rein geographisch ein einziger, riesiger Gebirgszug, der sich über viele tausend Kilometer quer durch den nordamerikanischen Kontinent zieht.

Auf der 287 geht es nun weiter nach Süden, wieder durch eine wunderschöne Prärienlandschaft, jetzt noch beeindruckender, denn auf der linken Seite kommen die Rockies nun ganz nahe heran, die Bergspitzen sind frisch beschneit, sicher von letzter Nacht, – das sieht irre aus, hier unten scheint mittlerweile die Sonne, die Prärie leuchtet herrlich gelb, dahinter die graubraunen Felsmassive und nur vielleicht 1.000 Meter höher die weißen Schneekappen, dazu ein herrliches Wolkenspiel am Himmel, besser gehts kaum.

Wir bewegen uns schon seit wir über die Grenze Kanada-USA gekommen sind, auf einem Hochplateau in Bereichen zwischen 1.300 und 1.600 Metern Höhe, heute auf der Anhöhe nach „Virginia City“ war der Paß 2.100 Meter hoch, – der Yellowstone Nationalpark, den wir nun morgen anfahren werden, liegt zwischen 2.000 und fast 3.500 Metern hoch, die Straßen, die wir dort oben befahren werden, reichen bis fast 2.800 Meter hinauf, hoffentlich reicht der Schnee noch nicht so weit herunter und die Päße sind noch offen. Wir werden sehen.

Heute nun fahren wir bis nach „West Yellowstone“, der Stadt am westlichen Eingangstor zum Park, die voll und ganz von und mit dem Nationalpark lebt.
Die letzten 50 Kilometer vor der Stadt gehen meist parallel mit dem „Madison River“ durch den „Madison Canyon“ und die sogenannte „Earthquake Area“, die Straße windet sich nun durch das schmale Tal, zunächst am „Hebgen Lake“, dann am „Earthquake Lake“ entlang, hier hat ein Erdbeben in 1959 einige Schäden angerichtet, die heute noch erkennbar sind, ein Informationszentrum und Hinweisschilder berichten von dem Ereignis.

Die Campgrounds in „West Yellowstone“ sind natürlich schweineteuer, zudem meist schon mittags komplett voll und die Parkplätze der Stadt für Übernachtungen grundsätzlich gesperrt, so bleibt uns heute nichts anderes übrig, als mit einigen anderen zusammen, draußen vor der Stadt am Highway einen Parkplatz anzufahren und dort zu nächtigen. Aber es ist wie meist in Nordamerika, – schon um 21 Uhr ist kaum noch Verkehr und es verspricht eine einigermaßen ruhige Nacht zu werden. ( N 44° 40′ 26.2″ W 111° 06′ 02.4″ )

Tagesetappe:     184 km          Gesamtstrecke:     21.644 km

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