15.09.2019 – Von Buffalo nach Savoy

Die Nacht ist wider Erwarten sehr ruhig, – anfangs läßt noch ein Trucker bei seinem Gefährt den Motor laufen um die Klimaanlage zu betreiben, es ist endlich wieder mal ein warmer Abend, – dann verschwindet auch er offensichtlich in seiner Koje.
Auch der Morgen verspricht einen schönen Sommer-Sonntag, 17 Grad schon um 8 Uhr, blauer Himmel, Sonnenschein, – und es wird hochsommerlich heute, 31 Grad, – kurze Hosen sind angesagt.

Gegen 11 Uhr machen wir uns dann wieder los, – raus auf den Interstate 90 bis „Moorcroft“, dann zum „Devils Tower“ und über „Sundance“ und „Spearfish“ nach „Savoy“.
Heute wird ein fast durchaus eintöniger Tag werden, der Interstate 90 ist autobahnmäßig, zweispurig, breit ausgebaut, mit einem fast 50 Meter breiten Grünstreifen zwischen den beiden gegenläufigen Fahrbahnhälften, und führt über weite Strecken durch flache, weite Prärielandschaften, – gelbes, dürres Gras und niederes Buschwerk, so weit das Auge reicht, bis zum Horizont rechts, links, vorne und auch hinter uns, Zäune entlang des Highway, gelegentlich sind Rinderherden weit verstreut im Land zu sehen.
Einzige Abwechslung sind die vielen „Pronghorn“-Herden, – diese gestreiften, antilopenähnlichen Wildtiere, die ständig irgendwo in der Prärie zu sehen sind. Leider queren sie auch oft den Highway, das macht die Fahrt recht anstrengend, ständig die Straßenränder im Auge behalten, gelblichbraun gefärbte Tiere auf gelbem Gras erkennen, nicht ganz einfach, – entsprechend unglaublich oft sind überfahrene Tiere am Straßenrand oder im Graben zu sehen.
An ausgesuchten Stellen werden Prärieflächen aus Bächen oder kleinen Seen bewässert und sind dann leuchtend grün, üppig mit Gras bewachsen, – sie fallen schon aus der Ferne auf. Wohl auch den „Pronghorns“, denn diese schlauen Tiere stehen bevorzugt dort, wo es schönes frisches und grünes Gras zu fressen gibt, die dürren Stengel draussen in der Prärie lassen sie mal lieber den Rindern oder Schafen, denn auch die sind später noch zu sehen, dort sind die Flächen so karg, daß noch nicht mal für Rinder genug Futter zu finden ist, für Schafe scheint es noch immer zu reichen.

In „Moorcroft“ verlassen wir den I 90 und fahren auf den kleinen Nebenstraßen 14 und 24 nach Norden, zum „Devils Tower“.
Hier beginnen bald die ersten Anstiege in die „Black Hills“, schlagartig ändert sich die Landschaft, die Prärie geht zu Ende, es beginnt hügeliges Land mit Nadelbäumen, kleinen Wäldern und grünen Weideflächen, – ganz ungewohnt nach so viel „Gelb“ der letzten Tage.
Und plötzlich ist er am Horizont zu sehen, – ein mächtiger Felskegel steht auf einem Hügel über der Landschaft, schaut schon irre aus.
Die Wissenschaft hat herausgefunden, daß es sich bei ihm um den erkalteten Inhalt eines Vulkankegels handelt, hartes Basaltgestein, – während im Laufe von Jahrmillionen die Vulkanhülle selbst, die aus weicherem Gestein bestanden hat, abgetragen wurde, – der Hügel, auf dem der „Tower“ vermeintlich steht, 290 Meter hoch schaut er aus dem übrigen Gelände heraus.
Die „Black Hills“ und auch der „Devils Tower“ sind geheiligtes Land der Sioux- und Cheyenne-Indianer, die hier ihr zu Hause hatten. Hier in der weiteren Umgebung fanden auch die legendären Schlachten zwischen der Armee und den Indianern statt, „Little Bighorn“ und „Wounded Knee“ sind die historischen Orte in der Region.

Über den 14er kommen wir auf dem Rückweg höher in die „Black Hills“, schwarzwaldähnliches Ambiente trifft die Landschaftsbeschreibung wohl am ehesten.
Bis „Sundance“, dann sind wir noch einmal auf dem Interstate 90 unterwegs bis „Spearfish“.
Kurz vor der Stadt verlassen wir den Bundesstaat „Wyoming“ und fahren fast unmerklich nach „South Dakota“ hinein.
Eigentlich soll hier „Feierabend“ sein, – aber es ist wieder, wie meist in den Städtchen hier, – leere Parkplätze ohne Ende, – nur mittlerweile hat uns der Sheriff von gestern Nacht reichlich verunsichert und wir wollen nicht schon wieder mitten in der Nacht aus dem Bett geschmissen werden, also lassen wir das hier mal lieber.
Am Ortsausgang befindet sich der städtische Campground, – wir haben es fast schon vermutet, aber fragen kostet bekannterweise nichts, – 45 Dollar für einen Nachtplatz, die haben echt einen Knall (sorry, aber da geht mir der Hut hoch).

So fahren wir noch ein Stück weiter, auf der alten 14, Richtung Lead, – sie führt durch den „Spearfish Canyon“, – wieder eine ganz andere Landschaft, – der „Spearfish Creek“ windet sich hier fast 30 km lang durch einen Canyon mit steil aufragenden Felsen und dichtem Wald, – Wandern, Angeln, Radfahren und natürlich mit den ATV´s durch den Wald knattern sind hier die angesagten Freizeitbeschäftigungen.
Etwa in der Mitte des Canyon kommen wir zu dem kleinen Örtchen „Savoy“, ein Hotel, sonst nicht viel, – dort in einem Seitental liegt der Campground „Rod & Gun“, einer der Originalschauplätze des Films „Der mit dem Wolf tanzt“. Herrlich gelegen, kostenlos und nur von zwei weiteren Campern besucht. Hier bleiben wir. ( N 44° 20′ 19.2″ W 103° 57′ 47.9″ )

Tagesetappe:      342 km          Gesamtstrecke:     22.813 km

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