11.10.2019 – Durch den Sequoia Nationalpark nach Glennville

Der Campground im Wald ist bestens, die Nacht herrlich ruhig, der Morgen dann eher weniger, – irgendwelche „verrückten“ Nachbarn starten doch tatsächlich um 6.15 Uhr, bei völliger Dunkelheit ihr Wohnmobil, drehen eine Runde durch das Camp und beginnen ihre Tagesroute. Ferien extrem ?

Die Nacht ist mit 0 Grad ziemlich frisch, heute früh braucht die Sonne länger, bis sie zu uns durchkommt, die hohen Bäume bringen Schatten, die Heizung muß ran, das hilft. Der Tag ist wieder absolut sonnig, auch wenn die Wärme ein wenig auf sich warten läßt, immerhin sind wir hier auf über 2.000 Metern, – später, als wir unten im Tal ankommen macht der Goldene Oktober seinem Namen alle Ehre, sommerliche 26 Grad erreicht das Thermometer.

Gegen 10.30 fahren wir vom Campground los, – nur wenige Kilometer, bis wir den Parkplatz zum „General Sherman Tree“ erreichen, von dort führt ein Wandertrail etwa einen Kilometer den Berg hinunter, – dort steht er, – der größte, lebende Baum der Erde, ein Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) von 84 Metern Höhe, über 11 Metern Durchmesser und einem Umfang von über 31 Metern, sein Alter wird auf mehr als 2.200 Jahre geschätzt. Ehrfürchtig stehen wir vor diesem Riesen, die Dimension ist ungesehen nicht wirklich vorstellbar, – wir hatten darüber gelesen, aber begreifen können wir erst jetzt, was die blanken Zahlen bedeuten.
Auf dem Weg zum „General“ durch den „Giant Forest“ stehen noch einige weitere Prachtexemplare, die nur unwesentlich niedriger oder schlanker sind.
Ein solcher Baum nimmt in einem Jahr so viel an Masse zu, wie ein normaler Baum in 20 Jahren wächst.
Der Rückweg zum Parkplatz geht steil bergauf, schadet nichts, so kommen wir auf Tagestemperatur nach der doch ziemlich kalten Nacht. Im oberen Drittel des Weges, es ist alles andere als einsam hier, ständig laufen Menschen den Weg auf und ab, verirrt sich ein Wolf, nur etwa 8 bis 10 Meter vor uns, an den Hang neben den Pfad, – als er uns sieht, ist er genau so erschrocken, wie wir und sucht ganz schnell das Weite.

Wir nehmen den südlichen Weg, um den Nationalpark zu verlassen, etwa 20 Kilometer lang windet sich die Straße in endlosen Kurven und Serpentinen von über 2.000 bis auf 100 Meter Höhe hinunter. Eine Durchfahrt für Wohnmobile über 6,60 Meter wird von der Parkverwaltung nicht empfohlen, – wir fahren trotzdem, der Umweg würde sonst etwa 100 Kilometer ausmachen, – und es geht prächtig, – also keine Bange, das passt bestens, – ein wenig langsamer als sonst und schön vorsichtig ist die Strecke für uns „kretaerprobte Serpentinenfahrer“ absolut kein Problem.

Unten angekommen, erwartet uns wieder diese dürre, endlose Prärie, – der Kontrast von der absolut bezaubernd, vielfältigen Natur dort oben und der Eintönigkeit hier unten ist jedes mal ein kleiner Schock. „Three Rivers“ ist der erste Ort nach dem Park, „Lemon Cove“ und „Lemon Hill“ kommen später, – die Namen sind Programm, es beginnt bald eine ewig endlose Landwirtschaftszone, hier beginnend mit Zitronenplantagen, später kommt wieder das volle Programm dazu, – kein Obst, das hier nicht in Massen angebaut wird. Ein riesiger Stausee, das „Kaweah Reservoir“ bei „Lemon Cove“ versorgt die Plantagen mit dem notwendigen Wasser, allerdings herrscht dort ziemlich Ebbe, der Stausee ist fast leer, und es sieht nicht so aus, als wenn er nur diesen Sommer so leer wäre, weite Flächen des ehemaligen Seegrundes sind mit grüner Wiesen, Büschen und Bäumen bewachsen, – hätte der See die letzten Jahre wesentlich mehr Wasser gesehen, hätten diese Pflanzen nicht überlebt, aber sie gedeihen prächtig. Keine rosigen Aussichten für die Farmer.

Bei „Exeter“ fahren wir auf die 65 nach Süden bis „Porterville“, eine eintönige Strecke, die zig Kilometer lang durch die grünen Plantagen führt, – dann biegen wir ab auf die schmale Nebenstrecke 155, hinüber nach „Glennville“, in der Hoffnung, unterwegs einen Stellplatz für die Nacht zu finden. Damit sieht es jedoch ziemlich schlecht aus, die fast 40 Kilometer führen durch eine hügelige, baumlose Prärielandschaft, – alles ist wieder mal eingezäunt, einige Rancher betreiben hier Viehzucht, Häuser sind fast keine zu sehen, welch eine einsame Gegend, ganze 4 ( !! ) Autos begegnen uns auf der gesamten Strecke.
„Glennville“ ist ein kleines Nest, auch dort gibt es keine Möglichkeit zum Unterkommen, es kann heute wieder mal etwas später werden, – wir fahren nun wieder in die Berge der „Sierra Nevada“ hinein, die Straße windet sich steil bergauf, Meter um Meter, bis auf fast 1.500 Meter arbeiten wir uns hoch.
Dann endet das Farmland und ein Schild weist auf den Beginn des „Sequoia Forest“ hin, – gleich enden die ewigen Zäune und die Landschaft ist offen, – so ist es recht, wenige Kilometer später finden wir einen schmalen Waldweg, der hinaus auf eine kleine Kuppe führt, gerade schickt uns die Sonne einen spektakulären Abendgruß.

Hier im lichten Wald stehen wir gut, ein ganzes Stück weg von der Straße, mit herrlichem Blick über das Tal, es ist wunderbar still, auf der Straße fährt kaum noch jemand und im Nu ist es dunkel, der fast volle Mond steigt im Osten über den Baumwipfeln auf, während im Westen noch der Himmel rot von der untergehenden Sonne leuchtet. Allerfeinst, – der Weg hat sich gelohnt. ( N 35° 44′ 31.8″ W 118° 36′ 06.7″ )

Tagesetappe:      207 km          Gesamtstrecke:      28.856 km

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