13.10.2019 – Von Trona ins Death Valley

Wir sind total bescheuert !
Seit unseren ersten Wüstenbesuchen 1993 in Marokko sind wir offensichtlich total vom Wüstenvirus befallen.
Wir fahren gestern in die Mojave-Wüste und hierher zu den „Trona-Pinnacles“ und da ist es wieder, – das Gefühl von „Heimkommen“, – eine innere Ruhe kehrt in uns ein, alles ist so friedlich und still und plötzlich gibt es keine Eile mehr, eher das Bedürfnis, länger zu bleiben, – das haben wir während unserer gesamten Reise so noch nicht erlebt.
Der Vollmond setzt die gigantische Kulisse hinter uns in ein mystisches Licht, fast taghell ist es draussen, – die Nacht ist angenehm mild, der Morgen schnell richtig warm, die Luft staubtrocken, – das ist doch mal ein Wohlfühlwetter.

Trotz aller Schönheit und nur in dem Wissen, daß wir die kommenden Tage weiter durch die Wüste fahren werden, ziehen wir dann gegen 11 Uhr doch noch weiter.
Gute 8 km Rüttelpiste, hinaus auf die 178 und weiter nach Norden, „Trona“ ist ein Wüstennest vom „Allerfeinsten“, an der südlichen Flanke ein großer Industriebetrieb, hier wird Phosphat aus der riesigen Ebene der weiten Wüste im Tagebau abgebaut, verarbeitet und per Bahnwaggons weggebracht.
Dann der Ort, – Baracken, Buden, halbverfallene Mobilheime und klapperige Wohnmobile dienen als Unterkünfte, um viele der Behausungen türmen sich Berge von altem Schrott, hier wird alles aufgehoben, alte Autos aus den 1950er Jahren, verrottete Baumaschinen, alte Laster und Maschinenteile, – vielleicht wird ja doch noch mal was davon gebraucht. Die einzig nicht vergammelten Bauwerke sind der Schulkomplex, ein paar Kirchen, ich glaube, 9 waren es, die wir gesehen haben und noch ein oder zwei öffentliche Gebäude. Am nördlichen Ortsende dann gleich noch ein großer Industriebetrieb, offensichtlich die Schwester zum Anderen. Also, wer hier nicht irgendwie sein muß, sucht besser das Weite.

Dann erleben wir auf fast 100 Kilometern Wüste vom Allerfeinsten, – hier gibt es nichts mehr, ein paar verdörrte Büsche, keine Gebäude, kaum noch Verkehr, – dafür eine recht gut ausgebaute Straße und eine Landschaft zum „Niederknien“, den herrlichen Talkessel um „Trona“ verlassen wir über einen nicht sehr hohen Pass, – nur um auf der anderen Seite ein noch viel schöneres Tal zu finden, – von der Paßhöhe geht der Blick bis zum Horizont, zig Kilometer weit, – ein Wahnsinnspanorama, – auf der linken Seite die Ausläufer der „Inyo Mountains“, rechts die bunt gefärbten Berge der „Panamint Range“, dazwischen die schier endlose Weite des „Paramint Valley“, – ein fast unglaublicher Anblick.

Am Ende dieser schier endlos geraden Straße treffen wir bei „Panamint Springs“ auf die querende 190, dort biegen wir rechts ab und quälen unseren HerrMAN innerhalb kürzester Zeit auf den 1.511 Meter hohen „Towne-Pass“, die Blicke zurück sind nicht weniger faszinierend, der Talboden im „Paramint Valley“ leuchtet weiß in der heißen Mittagssonne, die Berge leuchten in den schönsten Farben, in bunten Streifen ziehen sich rot, weiß, gelb, grün und braun horizontal durch die Felsen.
Hinter dem „Towne-Pass“ geht es genauso rasant wieder nach unten, bis wir auf Höhe 0 bei „Stovepipe Wells Village“ im Tal des Todes ankommen.

Während in Alaska der Winter Einzug gehalten hat und in Kanada und den nördlichen USA, die wir hinter uns haben, die Campgrounds nacheinander geschlossen werden, weil die Saison zu Ende geht, beginnt hier gerade die Saison und die meisten Campgrounds öffnen erst zum 15. Oktober. Im Sommer ist das „Death Valley“ kaum zu bereisen, normale Tagestemperaturen von 43 Grad und mehr am Tag und 30 Grad und mehr in der Nacht machen dies nahezu unmöglich, die höchste jemals gemessene Temperatur liegt bei 56 Grad im Schatten, – lebensgefährlich, und namensgebend für das Tal. Das „Death Valley“ ist der trockenste und heißeste Flecken auf dieser Erde.

Wir werden mit 32 Grad empfangen, die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel, ein Stück weit nachzuempfinden, wie das hier im Sommer zugeht.
Kurz vor „Stovepipe Wells Village“, – das besteht aus einem Laden mit Restaurant, einem Hotel / Motel und einem Campground, führt eine Piste zum „Mosaik Canyon“, – nach knapp 4 km Rüttelpiste folgt ein 500 Meter langer Fußweg zum Anfang des Canyons, – dort hat Wasser in vermutlich Jahrmillionen einen Canyon in den Fels geschliffen, an manchen Stellen nur knapp 1 Meter breit, dafür oft bis 25 Meter hoch, die Felswände sind glatt geschmirgelt, die feinen Linien und Strukturen des hellen Gesteins kommen wunderbar zum Vorschein und leuchten in der Sonne. Bis zu 3 km führt der Canyon den Berg hinauf, nach der Hälfte drehen wir um, es ist gnadenlos heiß.

Wenige Kilometer weiter östlich gibt es auf der linken Seite die „Mesquite Flat Sand Dunes“, ein Gebiet, in dem der Wind den Sand zu schönen, bis zu 30 Meter hohen Dünen aufgetürmt hat. Das Gebiet ist streng geschützt und darf mit keinerlei Fahrzeug befahren werden, – gut so, denn hier würden die Quads und Pickups alles in wenigen Tagen platt gemacht haben. So kann man nur zu Fuß hinüber gehen oder eben das gesamte Gebiet aus der Ferne bestaunen.

Ab hier führt die 190 wieder nach Süden, wir fahren gute 30 Kilometer durch das langgezogene, von den Bergen der „Amargosa Range“ und der „Panamint Range“ eingefasste Tal und landen in „Furnace Creek“, 70 Meter unter dem Meeresspiegel, – ein Visitor-Center, zwei Hotels, 3 Campgrounds und eine sündhaft teure Tankstelle ist alles, was es hier gibt. Wildes Campen ist im Nationalpark nicht erlaubt, zwei von drei Campgrounds im Ort sind noch geschlossen, einer läuft auf „Sommer-Sparflamme“, wird aber am Abend dann doch noch ziemlich voll. Hier bleiben wir, die Anlage ist recht großzügig, der Preis mit 16 Dollar ok, auch hier zahlen wir wieder dank „Seniorenrabatt“ nur die Hälfte. ( N 36° 27′ 52.5″ W 116° 52′ 08.6″ )

Tagesetappe:     189 km                    Gesamtstrecke:     29.214 km

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