16.10.2019 – Von Mountain Springs über Las Vegas nach Boulder City

So soll es sein, wunderbar die Stille in der Nacht, selbst der Verkehr des Highway ist nicht zu hören und auch das Kunstlicht von Las Vegas wird durch einen Berg weitgehend abgeschirmt. Die Nacht mild, der Morgen warm, so langsam wird das mit dem Wetter hier.

Gegen 10.30 Uhr fahren wir zurück auf den Highway 160, ein Stück Richtung „Las Vegas“, dann biegen wir nach Norden über „Bonnie Springs“ und erreichen nach wenigen Kilometern den „Red Rock Canyon“.
Eine ca. 20 km lange, zweispurige Einbahnstraße führt durch diese bezaubernde Landschaft, – zweispurig bedeutet schön gemächlich cruisen, die Anderen können gerne überholen, – rote Sandsteinformationen, weiße Klippen, quergestreifte Muster, dahinter graugrün gestreifte, mit vereinzelten grünen Büschen bewachsene Berge bieten eine wirklich traumhafte Kulisse, es gibt viele Möglichkeiten zum Anhalten und Fotografieren, aber auch Wandertrails sind ausgewiesen und werden gut genutzt und Kletterer probieren sich an den steil aufragenden Klippen. Der Bewuchs der Landschaft davor ist unheimlich abwechslungsreich, – von trockener Wüste mit spärlichen vertrockneten Grasbüscheln, über Yuccapalmen, Joshuatrees bis hin zu einem kleinen Pinienwäldchen, das sich in einem tiefer liegenden, ausgetrockneten Bachbett gebildet hat und tapfer dem trockenen Sommer trotzt, in der Hoffnung, daß der Winter doch wieder ein wenig Wasser bringen wird.

Dann fahren wir hinüber nach „Las Vegas“, – andere Reisende freuen sich wahnsinnig auf diese Stadt und verbringen einige Tage dort, – für uns ist sie eher ein notwendiges Übel, – ja, natürlich erzeugt sie auch ein wenig Neugier und Interesse, aber diese künstlich aufgeblasene Glitzerwelt, deren einziger Sinn und Zweck ist, sich selbst zu feiern, und dies auf Kosten anderer, – nein, das ist nicht unser Ding.
Trotzdem, wir fahren mit dem HerrMAN einmal gemächlich hindurch, – mitten durch das Zentrum, über den „Strip“, den „Las Vegas Boulevard“, – obwohl unsere Reisebücher von Chaos und Überfüllung schreiben, – nein, das ist eher ein gemütlicher Spaziergang, – macht Spaß und ist recht interessant, gibt wirklich viel zu sehen hier und für ein paar Fotos und einen ausgiebigen Plausch mit einem Taxifahrer an der roten Ampel reicht die Zeit auch noch.
Die Casinos, die Paläste, Protz und Prunk, wo man hinschaut, Palmen, grüne Parks, Wasser, das über Kaskaden in künstliche Seen läuft, alles eingefasst in kunstvoll geschwungene, weiß-gold lackierte Eisenzäune, Golfplätze in leuchtendem Grün, Showpaläste werben mit haushohen Bildschirmen für ihre Stars, Stretchlimousinen fahren über den Boulevard, jedes Hotel mag sein Nachbarhotel in der Auffälligkeit der Form, der prunkvollen Farbe bunten Glases an der Fassade oder das Beiwerk in Form von riesigen Fabelwesen oder Disneyland-Gehabe oder gar dem Nachbau des Pariser Eiffelturms oder einer Pyramide mit der Sphinx den Rang ablaufen. Hier übertrifft sich wahrlich jeder selber.

„Las Vegas“, das ist diese Glemmerstadt, die mitten in der Wüste entstanden ist, als 1930 eine Straße hier durch gebaut wurde und zeitgleich in Nevada das Verbot für Glücksspiel aufgehoben wurde, hat man hier gleich ein Casino errichtet, Menschen, die sich dort amüsieren konnten, waren ja gerade genug da, – dann der Bau des „Hoover-Dam“ 1931-1932, an dem bis zu 21.000 Arbeiter tätig waren, – Aufwind für die damals noch kleine Stadt, – und so hat sich das dann weiter entwickelt, noch mehr Casinos, Hotels dazu, Restaurants, Vergnügungsparks, Bühnenshows, Paläste, Glanz und Glemmer, – heute leben und arbeiten hier in „Las Vegas“ etwa 600.000 Menschen, mit den Vor- und Trabantenstädten fast 2 Millionen, – eigentlich unvorstellbar, – geboren aus dem Nichts, – aber real !

Und alles wurde nur möglich durch den Bau des „Hoover Dam“, – mit einer 223 Meter hohen Betonmauer von bis zu 180 Metern Dicke hat man 1936 den „Colorado River“ in einer Schlucht bei „Boulder City“ zum 185 km langen „Lake Mead“ aufgestaut, Trinkwasserreservoir und somit Lebensader für die gesamte Region, über Turbinen wird am „Dam“ Strom erzeugt, der die Nacht in der Stadt zu einem Spektakel werden läßt, jeder möchte den Anderen übertreffen, indem die Leuchtreklamen größer und größer und immer aufwendiger werden, mittlerweile gar Lichtershows am Abendhimmel stattfinden. Hier gibt es sogar einen „Leuchtreklamen-Friedhof“, wo man alte, nicht mehr gebrauchte Neonwerbeschilder abgestellt hat, – mittlerweile ist ein Museum daraus geworden.
Nach unserer City-Durchquerung ist der „Hoover-Dam“ unser nächstes Ziel, etwa 40 Kilometer außerhalb der Stadt, bei „Boulder City“, – den „Dam“ kriegen wir heute noch nicht zu sehen, dafür den See, der sehr schön zwischen den Bergen liegt und mehrere kleine Inseln aus ihm herausschauen.
Wir drehen eine Runde zum „Hafen“, dort wird dann das Desaster schon recht deutlich, von dem wir schon gelesen haben, – seit vielen Jahren wird wesentlich mehr Wasser aus dem Stausee entnommen, wie der Colorado-River nachliefern kann, was natürlich zu einem enorm gesunkenen Wasserspiegel geführt hat, – die Boote liegen auf dem Trockenen, Campingplätze und ehemalige Badestrände sind mittlerweile mehrere hundert Meter vom neuen Ufer entfernt, – wie drastisch der tiefe Pegel ist, ist deutlich an den gefluteten Berghängen zu sehen, weiße Ränder zeigen den ehemaligen Pegel, – das dürften gut und gerne 25 Meter sein, die der Pegel heute tiefer liegt.

Wir suchen uns einen Stellplatz für die Nacht, – ein Parkplatz mit einer herrlichen Aussicht auf den See, oben in den Bergen soll es werden, da tauchen aber schon bald wieder die Ranger auf und weisen darauf hin, daß das nicht sein dürfte, – so fahren wir noch ein Stück weiter auf die andere Seeseite, über eine 5 km lange Schotterstraße geht es dort zu einer ziemlich abgelegenen Bucht, wir bleiben etwa 500 Meter davor auf dem ehemals strandnahen Picknickplatz in einem weitläufigen Canyon stehen, dort ist es ruhig und friedlich. – Naja, ein paar startende Flugzeuge vom Las Vegas Airport hören wir schon, – man kann nicht alles haben. ( N 36° 01′ 59.8″ W 114° 42′ 19.5″ )

Tagesetappe:     173 km                    Gesamtstrecke:     29.776 km

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