12.11.2019 – Von Albuquerque nach San Antonio

So eine Großstadt hat halt einen gewissen Dauer-Lärmpegel, – auch in der Nacht dringt immer mal wieder das „Röhren“ eines „wildgewordenen“ 8-Zylinders von der Fernstraße zu uns herüber und auf dem Parkplatz hier drehen manche spät abends noch ihre Abendrunde, – nicht zu Fuß, – nein, – mit dem Auto natürlich.
Ansonsten ist die Nacht wieder kalt, minus 4 Grad, – am Morgen lacht die Sonne.

Wir fahren ein Stück durch die Stadt, – hinaus auf den Interstate 25 nach Süden, – Temperatur 5 Grad, – hier ist es richtig Winter geworden, – ein trockener allerdings, denn es sieht aus, wie im Sommer bei 40 Grad, – die Luft ist so trocken, daß sich beim Nachtfrost nicht die Spur von Rauhreif bildet, – die Landschaft ist nach dem langen Sommer strohtrocken und gelb, – die Blätter der Bäume braun, viele haben ihr Laub abgeworfen, andere tragen ein wunderschönes, gelbes Herbstkleid.

Der Highway führt durch eine verdörrte Halbwüste, in einiger Entfernung ist das Tal des „Rio Grande“ zu sehen, dort stehen Bäume und Häuser, Felder und Wiesen sind zu sehen, – Bewässerung machts möglich. Wenig später wird das Tal breiter und der Highway verläuft hindurch, – mit dem „Rio Grande“-Wasser wird so manches möglich gemacht, so sehen wir irgendwann ausgiebige Baumplantagen, wir vermuten Walnüße, denn es wird verschiedentlich noch geerntet, wenig später stehen an einem weitläufigen Hang sogar Weinstöcke, einige Gärten sind wohl aufgegeben worden, andere jedoch werden weiter kultiviert und geerntet.

Bei „San Antonio“ verlassen wir den Interstate und besuchen den „Bosque del Apache National Wildlife Refuge“, ein „Überflutungsgebiet“ im Tal des „Rio Grande“, das sich jeden Herbst zu einem wahren Vogelparadies mausert, – ab Anfang November lassen sich hier tausende und abertausende Zugvögel zum Überwintern nieder, überwiegend Großvögel, wie Kanadagänse, Schneegänse und Kraniche.
Auf einer gepflegten Schotterstraße fährt man viele Kilometer durch das Gebiet, – eine Wiesen- und Ackerfläche mit Schilf- und Waldzonen, die von einem Kanalsystem durchzogen und bewässert wird, lockt die Vögel hierher.
Anfangs sehen wir einen großen Teich voller Schneegänse, hie und da Kanadagänse und Enten, von den erwarteten Kranichen ist leider kaum etwas zu sehen, nur wenige Exemplare stehen in einiger Entfernung, – mit jedem gefahrenen Kilometer macht sich ein wenig mehr Enttäuschung breit.

Als wir gegen 16 Uhr schon fast auf dem Rückzug sind, sehen wir sie kommen, – nein, eigentlich hören wir sie zuerst, – der Himmel hängt voll von kleinen, v-förmigen Schwärmen, die alle einen Landeplatz suchen, sie kreisen, viele kommen herunter, stehen trompetend in der Flur, während immer mehr dazukommen, – das sind nicht Hunderte oder Tausend, das sind viel mehr, – ein unglaubliches Spektakel, und es will nicht mehr aufhören, wir fahren immer wieder mal ein paar Meter weiter, aber auch hinter der nächsten Baumreihe, auf dem nächsten Feld, stehen sie schon, zusammen mit Schneegänsen und anderen Vögeln.
Wir verbringen fast eine Stunde mit Schauen, Fotografieren und Staunen, – so langsam geht die Sonne unter und bald beginnt es zu dunkeln, – wir fahren jetzt los, einen Nachtplatz haben wir auch noch nicht.

Als wir wieder auf der 380 sind und Richtung „San Antonio“ zurück fahren, ist linker Hand ein weiterer, kleiner See und das Spektakel geht auch hier weiter, zahlreiche Autos stehen hier, Passanten sitzen auf mitgebrachten Campingstühlen, Fotoapparate mit riesigen Teleobjektiven stehen auf Stativen, oft nur wenige Meter von den Kranichen entfernt, – die lassen sich nicht stören. Wir halten nochmal und steigen aus, es ist zu schön anzusehen, wie hinter dem See die Sonne versinkt und der Himmel rot leuchtet, – und noch immer landen sie hier.

Wir reißen uns dann mal los.
Nur wenige Kilometer Richtung Norden gibt es den RV-Park „Bosque Birdwatcher“, – ist zwar nicht so unsere Art, auf Campgrounds abzusteigen, aber heute haben wir keine Lust mehr, noch irgendwo einen Platz zu suchen, dazu ist es auch schon zu dunkel. ( N 33° 52′ 25.6″ W 106° 52′ 27.5″ ) Außerdem spekulieren wir drauf, evtl. morgen früh den kompletten Vogelzug beim Wegfliegen noch einmal sehen zu können.

Tagesetappe:      201 km          Gesamtstrecke:      34.245 km

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