15.11.2019 – Von Lordsburg nach Tombstone

Die Nacht im „Veteranen-Park“ ist wieder mal herrlich friedlich, – keine fahrenden Autos, die Häuser weit weg, ein ausgesprochen schöner Platz.
Und auch das Wetter spielt jetzt zunehmend wieder mit, 6 Grad in der Nacht (plus, wohlgemerkt) und heute am Tag erreichen wir gar die 21.

Gegen 10 Uhr fahren wir los, hinaus auf den Interstate Highway 10 gen Westen, „Tucson“ ist unser nächstes Ziel.
Allerdings ist uns das sture „Fahren“ auf dem Highway durch die monotone Wüste tatsächlich zu langweilig, wir haben uns eine Ausweichroute ausgesucht, die uns südlich vom Highway durch die Berge führt und evtl. ein paar schöne Landschaften für uns parat hält. Ein wenig mehr „Gekurve“, dafür auch mehr Fahrspaß.

Bald nach dem Losfahren, nur wenige Meilen hinter „Lordsburg“ verlassen wir endgültig „New Mexico“ und erreichen zum vierten Mal „Arizona“.
Nach knapp 70 Kilometern Interstate 10 biegen wir bei „Bowie“ ab und nehmen eine kleine Nebenstraße zum alten „Fort Bowie“ und zum „Chiricahua National Monument“.
Die Nebenstrecke führt durch ein Gebiet, in dem intensiv Pistazien und Pecan-Nüsse angebaut werden, die Plantagen ziehen sich weit den Anstieg hinauf, auch sie werden bewässert, damit sie gedeihen können.
Die Asphaltstraße endet nach wenigen Kilometern und eine recht gute Piste führt weiter den Berg hinauf, über den „Apache-Paß“, vorbei am „Fort Bowie“ und auf der anderen Seite der Berge in ein schönes, weites Tal hinab, – Halbwüste prägt das Landschaftsbild, trotzdem ist hier wohl Landwirtschaft möglich, – Zäune stehen entlang der Straße, – immer wieder sind vereinzelt kleine Rinderherden und weit verstreut auch Farmhäuser zu sehen.

Nach etwa 10 Kilometern erreichen wir wieder die Asphaltstraße, – den 186er, – nach wenigen Kilometern biegen wir auf den 181er und fahren hinüber zum „Chiricahua NM“.
Und das ist eine echte Überraschung, wo gerade noch Wüste, Halbwüste und Dürre das Bild bestimmten, führt sie in einen Canyon hinein, in dem üppige Vegetation vorherrscht, zunächst Laubbäume in schön gefärbtem Herbstlaub, unter die sich zunehmend Nadelbäume mischen, verschiedene Pinien und Douglasien, – zuletzt wird der Wald immer dichter. Die Straße führt durch den Canyon, – schöne Steingebilde, Säulen und unzählige „Balanced Rocks“ schauen durch die Bäume hindurch, – die Straße führt einige Kilometer immer steil nach oben, schraubt sich langsam 600 Meter in die Höhe, bis sie auf dem höchsten Punkt, dem „Massai Point“ endet. Von hier hat man eine tolle Rundumsicht auf die zauberhafte Welt der erodierten Steine, die wie Pilze aus den umliegenden Hängen schauen, der Blick geht weit hinaus in die Ebene, aus der wir gekommen sind.

Unser Weg führt uns durch den Canyon und den Nadelwald zurück, – beide enden bald und die Halbwüste hat uns wieder.
Bis hinter „Sunizona“ führt uns der 181er, – Halbwüste prägt das Landschaftsbild, allerdings überraschend grün, kleine und mittlere Büsche stehen überall, ihr grünes Hartlaub läßt das Tal grün erscheinen.

Dann geht es auf dem 191er weiter nach Süden, draußen in der Ferne sind immer wieder kleine Staubwolken zu sehen, – beim Näherkommen lichtet sich das Geheimnis, es sind Mähdrescher, die riesige Maisfelder abernten, hier ist plötzlich Farmland, – Bewässerungsanlagen machen es möglich, – Maisfelder, – Baumwollfelder und vereinzelt Pistazienplantagen, sogar Weinfelder stehen entlang der Straße und bis hinüber zu den Bergen, – neben den Farmhäusern stehen riesige Getreidespeicher.

Direkt an einer Kontrollstelle der Grenzpolizei führt eine kleine Nebenstraße hinüber nach „Courtland“, – nach wenigen Kilometern endet der Asphalt und eine recht gute Sandpiste führt in die Berge hinaus, biegt scharf links ab und führt dann auf die Verbindungsstraße von „Elfrida“ nach „Gleeson“, die hier noch wenige Kilometer asphaltiert ist und dann als relativ schlechte Schotterstraße von etwas mehr als 15 Kilometern hinüber nach „Tombstone“ führen soll.
Alles paßt soweit bis „Gleeson“ und dort dann die Überraschung, – die alte Schotterstraße gibt es nicht mehr, die gesamte Strecke bis hinüber nach „Tombstone“ ist neu asphaltiert, – na, das ist doch mal was.

Im Nu kommen wir dort an.
„Tombstone“ – „Grabstein“, der Name ist Programm, – bekannt aus Film und Fernsehen als die Westernstadt schlechthin, in der sich „Wyatt Earp“ und „Doc Holliday“ mit den „Clanton und McLaury-Brüdern“ eine wilde Schießerei lieferten. Die Wild-West-Kulisse des Städtchens ist weitgehend erhalten geblieben und wird heute touristisch vermarktet, die Saloons sind noch fast die selben wie damals, nur die Luft ist weniger bleihaltig.
Wir haben Glück und finden nah an dem historischen Zentrum auf einem großen Parkplatz einen herrlich ruhigen Nachtplatz. ( N 31° 42′ 39.4″ W 110° 04′ 07.3″ )
Auf einen kurzen Abendspaziergang schlendern wir durch die historische „Altstadt“ und bleiben prompt bei „Big Nose Kates Saloon“ hängen, die Atmospäre hier ist wirklich Klasse, Wildwest-Style überall, – Bedienstete und viele Gäste tragen die Kleidung von damals, – die Räume sind noch weitestgehend original, – wir kriegen einen der letzten Plätze, essen und trinken, – von der Bühne kommt tolle Live-Musik.
Das Städtchen und vor allen Dingen den Friedhof, auf dem all die „Helden“ begraben liegen, werden wir uns dann morgen anschauen, es soll dort ein paar ganz lustige Aufschriften auf einigen Tombstones geben.

Tagesetappe:     256 km                    Gesamtstrecke:     35.045 km

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