30.11.2019 – Von Mexicali nach San Felipe

Am Abend gehe ich noch mal los, – durch den Park rauf zur Hauptstraße.
Im Park werden abends zwei Garküchen aufgebaut, das riecht wunderbar, an ein paar anderen Ständen gibt es allen möglichen Krimskrams, von Heiligenbildern bis zum Weihnachtsschmuck.
Oben an der Hauptstraße hatte ich beim Vorbeifahren drei Wechselstuben gesehen, an zwei komme ich ran, allerdings wechseln die keine Euros, die dritte auf der anderen Seite kann ich nicht erreichen, es ist absolut unmöglich, irgendwie die beiden dreispurigen Fahrstreifen der Durchgangsstraße zu überqueren, der Verkehr rollt endlos durch die Stadt.

Naja, irgendwann am Abend wird er tatsächlich weniger und die Nacht wird unerwartet ruhig und angenehm.
Direkt neben unserem Nachtplatz ist die hintere Einfahrt zu einem großen Elektrogeschäft, ein Nachtwächter hält dort die Stellung, – die Plaza ist hell erleuchtet, – alles ist gut.

Am Morgen scheint die Sonne, der Verkehr ist etwas ruhiger, heute ist Samstag, – die Banken haben geschlossen, also fahren wir erst mal los und hoffen unterwegs irgendwo eine Bank oder einen Geldautomaten zu finden.
Hinaus auf die MEX 5 nach Süden, – wir werden die „Baja California“ in den nächsten Tagen oder Wochen bis ganz hinunter in den Süden befahren.
Die Straßen der Innenstadt sind in einem jämmerlichen Zustand, tiefe Schlaglöcher und Risse, mühselig zusammengeflickt, es rumpelt und donnert unaufhörlich, – auch eine Art Verkehrsberuhigung.
Erst die zweispurige Ausfallstraße Richtung Süden ist besser, gut ausgebaut und schön zu fahren, – wir passieren ein langes, schier unaufhörliches Gewerbegebiet, – Baustoffe, Tankstellen, Reparaturwerkstätten, kleine Betriebe, ein Umspannwerk und viele, viele kleine Läden reihen sich entlang der Straße, auch hier dampft es schon aus den Garküchen.
Wie alle großen Städte in der dritten Welt oder den Schwellenländern, hat man auch hier ein großes Müllproblem, – überall entlang der Straßen, in den Gräben, auf unbebauten Grundstücken und auch später außerhalb der Stadt auf freien Flächen und Äckern wird der Müll einfach hingeworfen, abgekippt,- der Wind verteilt alles schön sauber, kein schönes Bild, aber halt leider üblich.

Erst später, mit zunehmender Entfernung zur Stadt wird er weniger und verschwindet an manchen Stellen ganz, – es bleibt halt das Band der Überlandstraße, an der alles aus den Autofenstern geworfen wird und letztendlich im Graben landet, aber auch absichtlich abgestellte Müllsäcke, verlorene Ladungen, – viele Autoteile, die nach Unfällen einfach liegen bleiben, zerrissene Autoreifen in nicht vorstellbarer Menge, über Jahre angesammelt, – bis hin zu einem ausgebrannten Unfall-PKW, der seit Jahren im Straßengraben vor sich hinrostet.

Genug davon !
Natürlich gibt es jede Menge schöne Sachen zu sehen, – anfänglich, hinter der Stadt gibt es Felder und Wiesen, kleine Farmen, Rinderherden.
Dann beginnt wieder die Wüste, weite Flächen sind mit niedrigen Büschen bewachsen, – auf der rechten Seite die Berge der „Sierra de Juarez“, links beginnt eine weite Ödnis, flaches, vegetationsloses Land bis zum Horizont, – ehemalige Seeflächen, trockengelaufen, oft mit weißer Oberfläche, – Mineralsalz, – in einer Senke wird es industriell geborgen und verarbeitet.
Eine riesige Abraumhalde auf der rechten Seite ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit im nahen Kupferbergwerk.
Dazwischen immer wieder mal Sanddünenfelder, schön anzuschauen, – und gleich trifft sich hier auch die „ATV-Community“ mit ihren Knatterkisten, um im Sand zu wühlen.

Dann taucht irgendwann auf der linken Seite das Meer auf, wir erreichen den „Golfo de California“, hier entlang werden wir die nächsten Tage nach Süden fahren, ab hier beginnt auch die Touristenzone, immer wieder zeigen Schilder an, daß sich dort unten am Meer Campingplätze, Hotels und Resorts befinden.
Zur Mittagspause fahren wir zu einem dieser Resorts hinunter, wollen mal schauen, – dabei stellen wir hier und auch später in „San Felipe“ fest, daß hier alles geschlossen ist, offensichtlich gibt es hier eine Winterpause, Saison scheint im Sommer zu sein, so unterschiedlich ist das.
Trotzdem gefällt es uns hier gut, – weitläufige Sandlandschaften mit Büschen, niedrigen Bäumen und ersten Kakteen, Sandpisten hinunter zum Meer.

Vor, bei und in „San Felipe“ gibt es unzählige Resorts, Hotels und RV-Parks, – alle bieten sie irgendwie ein trostloses Bild, – geschlossen, leer, – Gehsteige hochgeklappt.
Wir fahren in die Stadt, – Bank, – Fehlanzeige, – ein Schild kündigt etwas außerhalb einen Flughafen an, den fahren wir an, in der Hoffnung, dort den ersehnten Geldautomaten zu finden, – naja, Flughafen ist wohl ein wenig übertrieben, ein kleiner Flugplatz, ohne wirklichen Betrieb, ein einsamer Security sitzt gelangweilt davor, – „Bankomat“, – nein, so was gibt es hier nicht.
Also wieder zurück, – mal runter zum Hafen, auch dort einige leere RV-Parks, die Tore geschlossen, die anderen, die offen haben, sehen ziemlich leer aus.
Wir finden eine Wechselstube im Städtchen, Heike geht rein, – und tatsächlich, für sie ist der Geldtausch in Euro ganz normales Tagesgeschäft, – kein Problem.

Ab sofort sind wir flüssig, schauen wir mal, was da so kommt.
Wir fahren aus der Stadt hinaus, – weiter nach Süden, – die MEX 5 mutiert hier zu einem besseren, asphaltierten Feldweg, – dort haben wir einen Tip für einen Stellplatz.
„Residence Betel II“, – ehemals wohl ein Traum von einem Campingplatz, – leichte Hanglage mit Blick über den herrlichen, palmenbewachsenen Sandstrand hinaus auf den Golf. Heute geschlossen, – kaputt, – dem Zerfall preisgegeben, – ein Anblick zum Weinen. „Ruben“ hat hier wohl die Funktion eines Aufpassers, wohnt in seinem Wohnwagen am Eingang zu dem Gelände und läßt einem für 200 Pesos, also etwa 10 Euro auf dem Gelände wohnen, irgendwo auf dem großen Areal kann man sich seinen Platz aussuchen, es sind nur drei oder vier andere da, – wir fahren bis an den Strand hinunter, ein wirklich traumhaftes Plätzchen. ( N 30° 56′ 22.9″ W 114° 43′ 44.4″ )

Tagesetappe:      245 km          Gesamtstrecke:      37.146 km

 

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