05.12.2019 – Von Guerrero Negro nach Laguna de San Ignacio

Oh ja, so soll das sein, traumhafte Stille, – keine Autos, keine Boote, keine Flieger, noch nicht einmal das Wasser der Bucht neben uns plätschert, – nur das Schnattern der Enten und Gänse aus dem nahen Schilf ist zu hören, – das ist doch mal ein angenehmes Geräusch.
Der Morgen begrüßt uns mit Sonne, die Wolkendecke der letzten Tage hat sich verzogen und gleich ist es 25 Grad warm, sollte es vielleicht tatsächlich noch mal richtig Sommer werden ?

Es ist schon fast 11 Uhr, als wir losfahren, – die Zeitumstellung wieder mal, – sie läßt uns am Morgen nicht aus den Federn kommen.
Nochmal zurück durch die Stadt, – die Luft im Reifen hält, also ein erneuter Besuch in der Reifenwerkstatt kann ausfallen.
Dann hinaus auf die MEX 1 und ab nach Süden, – die Straße ist leider immer noch so schmal, wie die letzten Tage, und auch die entgegenkommenden LKW sind nicht wirklich langsamer geworden, – also im Begegnungsverkehr immer wieder abbremsen, so weit wie möglich rechts ran und hoffen, daß der Außenspiegel dran bleibt.

Anfangs durchfahren wir einige Kilometer eintönige Wüste, fast vegetationslos zieht sich die sandig braune Erde bis zum Horizont.
Dann beginnt wieder die eher erfreulich schöne Kakteenwüste, zunächst stehen die Kakteen eher zaghaft, werden aber bald zahlreicher und dann übernehmen sie die Regie, so weit das Auge reicht durchzieht ihr Grün die Wüste, – alle Formen, alle Größen, es ist ein herrliches Bild.
Im weiteren Verlauf tauchen in der Kakteenwüste immer wieder kleine Oasen auf, – grüne, fruchtbare Inseln in der sonst trockenen und stacheligen Wüste, vermutlich wird hier bewässert, denn es handelt sich in der Regel um kleine Farmen, – ein dichter Zaun aus Matten oder Mauern verhindert, daß der Sand der Wüste vom Wind hineingetragen wird und die Böden unbrauchbar macht, – eine hohe und dichte, oft hunderte Meter lange Hecke aus Büschen und Bäumen dient dem selben Zweck und verhindert zudem, daß man hineinschauen kann, – wir sehen lediglich durch kleine Lücken weitläufige Gewächshäuser oder auch Plantagen, – es hängt ein würzig-scharfer Geruch in der Luft, Chilli oder Paprika könnte hier angebaut werden, – einzig die Palmenhaine sind erkennbar, sie schauen über die Hecken hinweg, – an manchen Stellen auch herrlich grüne Felder, – das könnte Getreide sein, was dort wächst.

Heute gibt es sogar zwei oder drei kleine Städtchen entlang unserer Strecke.
In „El Marasal“ treffen wir Erika und Wolfgang, ein Travellerpaar aus Deutschland, – unsere Wege haben sich schon einmal vor 6 Monaten und 37.000 Kilometern, an den Niagara-Fällen in Kanada gekreuzt, – beim Plauschen stellen wir fest, daß wir eigentlich fast zur gleichen Zeit fast die selbe Strecke gefahren, uns aber nie über den Weg gelaufen sind.

„San Ignacio“ ist eine große Oase, – ein weitläufiger Palmenwald steht in einem flachen Canyon, – darin versteckt sich völlig unerwartet ein Fluß und ein schöner, aufgestauter See.
Hier verlassen wir die MEX 1 und biegen nach „Laguna San Ignacio“ ab.
„San Ignacio“ ist irgendwie dreigeteilt, – oben, entlang der MEX 1 befindet sich so alles, was mit der Hauptverkehrsstraße zu tun hat, Werkstätten für Autos und Reifen, Restaurants und die Tankstelle, – unten im Canyon spielt sich der „Tourismus“ ab, kleine Hotels, RV-Parks und eine kleine Ferienanlage, – und dahinter, auf der anderen Seite des Canyons befindet sich der alte Ort.
„San Ignacio“ ist das erste wirklich mexikanische Örtchen, das wir zu sehen kriegen, bisher sind wir nur durch touristische Gebiete und armselige Fischerdörfer gekommen, hier jedoch stehen massive Häuser um einen schönen, von Bäumen bestandenen Dorfplatz mit einer alten Kirche und einigen Lokalen drumherum, das sieht wirklich sehr schön und typisch mexikanisch aus.

Etwa 70 km südwestlich des Ortes schützt ein Naturschutzgebiet die große Lagunenlandschaft am Pazifik, auch hier sind Delphine und Wale und jede Menge Wasservögel anzutreffen.
Hinter dem Ort endet die Asphaltstraße, – das kann eigentlich nach den Karten gar nicht sein, – um kurz danach doch wieder weiter zu gehen, knapp 50 Kilometer führt sie ziemlich gut und einsam durch Kakteenlandschaften, bis schon aus der Ferne die Lagune am Pazifik zu sehen ist, – bei Ebbe, die wohl gerade herrscht, eine ziemlich wasserlose, matschige Ebene, – zumindest in den weiten Randbereichen.
Hier endet die Asphaltstraße wirklich und es erwarten uns 20 Kilometer knüppelharte Piste, ehemals ausgeschwemmte, löchrige Sand- und Steinpiste, hart wie Beton, uneben wie Wellblech, kilometerlang, – nach einigen Kilometern stehen LKW und Bagger, hier versucht man, irgendwie die schlimmsten Löcher zu stopfen.
Naja, einigermaßen langsam, – wenn die Länge des „Wellblechs“ stimmt, auch mit Tempo 60, aber meist nur über kurze Stücke, kommen wir irgendwann am späten Nachmittag in „Laguna de San Ignacio“ an, – Was hier ist ? – Nichts ! – ein Mini-Minimarkt, ein paar Fischerhütten und ein Hinweisschild auf „Whale-Watching-Touren“.

Es wird bald dunkel, wir fahren noch ein wenig weiter, bis wir eine schöne Stelle direkt am Strand finden, die uns für die Nacht geeignet scheint, – nur Minuten später erleben wir wieder einen Sonnenuntergang, wie ihn nur das Meer liefern kann, – einfach traumhaft. Aspro freut sich, daß er wieder am Strand spazieren kann, findet auch gleich eine große, leider tote, Meeresschildkröte und wir geniessen die letzte Helligkeit mit Blicken über die Lagune, auf der wirklich viele Vögel, Pelikane, Reiher, Möven und Ospreys, eine fischende Adlerart, unterwegs sind. Als die Dunkelheit hereinbricht hören wir die Rufe eines Seelöwen direkt unter unserem Fenster, erkennen können wir ihn nicht, er sitzt wohl in den Klippen am nahen Strand. ( N 26° 49′ 56.6″ W 113° 09′ 52.8″ )

Tagesetappe:      219 km          Gesamtstrecke:      37.990 km

 

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