05.01.2020 – Von Mazatlan nach San Blas

Die Nacht auf der Fähre ist einfach nur Horror, – laut, ungemütlich, – stundenlanges Hocken im Pullmannsessel, mit Schlafen ist da nicht wirklich viel und vor allen Dingen ist es auf der Fähre ungefähr so gemütlich, wie im Eisschrank, – alle Klimaanlagen sind voll aufgedreht, – alles ist komplett unterkühlt, – nirgendwo ist es auch nur einen Hauch von warm, 16 Grad vielleicht, – alle Passagiere tragen dicke Jacken, haben sich Decken, Schlafsäcke oder Ponchos übergelegt. – welch ein Blödsinn !
Das einzig Positive ist die ruhige See, – wenigstens hat sich der starke Wind von gestern noch gelegt und die Fähre dümpelt friedlich und ruhig vor sich hin.

Pünktlich gegen 8 Uhr in der Früh laufen wir in den Hafen von Mazatlan ein, bis wir von der Fähre runter sind, ist es viertel nach neun.
Erstmal stellen wir uns im Hafen auf den Parkplatz, – sammeln uns und überlegen, ob wir überhaupt losfahren, oder uns einen Stellplatz suchen und schlafen sollen.
Nunja, nach einem guten Frühstück mit starkem Kaffee und frisch gemacht sieht die Welt schon wieder ganz vernünftig aus, – wir fahren los.

Heute ist es schon früh ziemlich warm, wir sind eine ganze Ecke südlicher gelandet, zudem auf dem Festland, – langsam wird es tropisch warm, die Luftfeuchtigkeit ist merklich nach oben gegangen, – in den letzten 10 Tage hat die Meeresluft stets für angenehme 22 bis 24 Grad gesorgt, hier sind es am frühen Morgen schon 25 und am Nachmittag erreichen wir stolze 32 Grad, so wird es jetzt wohl weitergehen, erstmals ist Schwitzen angesagt.

Wir fahren durch die Stadt, – Mazatlan mit mehr als 400.000 Einwohnern ist der größte Fischerei- und Schifffahrtshafen Mexikos, eine der größten Krabbenfangflotten der Welt ist hier zu Hause, – für eine Hafenstadt überraschend sauber und hübsch, finden wir beim Durchfahren.
Eine längere Besichtigung oder einen Aufenthalt sparen wir uns, – wir sind hier im Bundesstaat „Sinaloa“, der allgemein als nicht so sicher eingestuft wird, also sehen wir zu, daß wir das Gebiet heute noch hinter uns lassen.

Aus der Stadt hinaus auf die MEX 15, irgendwann kurz über die MEX 15 d und dann wieder auf der MEX 15 weiter, immer nach Süden.
Die Landschaft ist überraschend grün, so langsam wird es tropisch, üppige Ebenen und bewaldete Bergkuppen, so weit das Auge reicht, immer öfter tauchen nun landwirtschaftliche Flächen auf, unglaublich große Flächen mit Avocadobäumen, riesige Tomatenfelder, Tabak, Zitrusplantagen und weitläufige Felder mit blau leuchtenden Maguay-Agaven, dem Stoff aus dem (- nein, nicht die Träume sind) Tequila hergestellt wird – dort wo kein intensiver Ackerbau möglich ist, sehen wir Rinderherden, die durch die dichten und üppig bewachsenen Ebenen ziehen und sich ihr Futter suchen.
An den Straßenrändern stehen unzählig viele Verkaufsbuden, meist werden Krabben und Nüsse angeboten.

Die MEX 15 ist recht gut ausgebaut, meist nur einspurig, dafür ist diese Spur ziemlich breit und ein zusätzlicher, schmaler Standstreifen nebendran, der wird von den langsameren Fahrzeugen genutzt, um den Schnelleren das Überholen zu ermöglichen. Die MEX 15 ist hier meist mautpflichtig, – parallel dazu läuft eine mautfreie Landstraße, – allerdings wird empfohlen, die Mautstraßen zu benutzen, weil diese sicherer als die kleineren Nebenstraßen sind.
So passieren wir eine offizielle Mautstelle mit Vorankündigung und offizieller Preistafel am Straßenrand, 133 Peso (6,50 Euro) haben wir zu zahlen und erhalten den offiziellen Kassenbon, – später durchfahren wir noch zwei weitere Mautstellen, die allerdings ihren offiziellen Charakter verloren haben, sie sind mittlerweile von „Campesinos“ besetzt, den örtlichen Bauern, die hier den Verkehr anhalten und Geld einfordern. Wir haben bereits darüber gelesen und zahlen einmal 100 Pesos (5 Euro) und später noch einmal 50 Pesos (2,50 Euro), die Situation ist jeweils entspannt, fast freundlich, – es bringt auch nicht wirklich viel, sich hier auf irgendwelche Diskussionen einzulassen, das soll gelegentlich schon zu Aggressionen geführt haben, also lassen wir das lieber. Wir kriegen jeweils eine „Quittung“ in die Hand gedrückt, – ein gedruckter Zettel, in dem die Maßnahme begründet wird und in der sie sich für die „Spende“ bedanken.
Wie der Status dieser „Mautstellen“ ist, ist uns nicht wirklich klar, – einerseits fehlt ihnen jeglicher offizieller Charakter, es ist klar zu erkennen, daß die Blockaden von Privatleuten organisiert und durchgeführt werden, handgeschriebene Plakate hängen an den Mauthäuschen, – Männer, Frauen, Alt und Jung beteiligen sich daran, – mit Seilen und Pylonen blockieren sie die Durchfahrt, – doch wie Banditen sieht niemand hier aus, das sind ganz normal aussehende und gekleidete Leute, – andererseits liegt eine der beiden Mautstellen direkt neben einer Polizeistation, die dem Treiben zusieht und die Menschen gewähren läßt. ???

Etwa 50 Kilometer vor „Tepic“, der nächsten großen Stadt mit Campground, biegen wir ab, fahren noch 35 Kilometer hinaus an den Pazifik, nach „San Blas“, dort gibt es zwei davon, die sicher angenehmer sein werden, als einer, mitten in der großen Stadt, außerdem soll sich „San Blas“ zu einem kleinen, netten Touristenstädtchen gemausert haben, – wir werden sehen.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir an, die letzten 35 Kilometer haben es in sich, eine enge Straße mit einigen kleinen Ortschaften, vieler dieser „Topes“, die der Verkehrsberuhigung dienen sollen, und einem Bewuchs, der schon etwas dschungelartiges hat, die Bäume und Büsche wachsen seitlich weit auf die Straße und auch oben hängen die Äste tief herunter, wachsen oft in der Mitte bogenartig zusammen, wir fühlen uns öfters wie in einem langen, finsteren Tunnel, – mein Blick beim Fahren geht mehr nach oben, als nach vorne, schließlich möchten wir uns nicht die Dachhaube oder die Solarpaneels runterreißen.

Quer durch das kleine, hübsche Städtchen erreichen wir den Trailerpark „Los Cocos“, wir sind die Einzigen hier auf dem Platz, der normalerweise bis zu 120 Stellplätze zur Verfügung stellt, – in einem großen, grasbewachsenen Garten mit vielen Kokospalmen haben wir die freie Auswahl, – fast ! – denn gerade, als ich schaue, wo wir uns einstellen werden, knallt eine dieser schweren Kokosnüsse zu Boden, – also suche ich uns den einzig nicht bewachsenen Platz zwischen den Palmen aus, damit wir keinen „Dachschaden“ davontragen. ( N 21° 31′ 56.1″ W 105° 16′ 59.1″ )

Tagesetappe:     282 km                    Gesamtstrecke:     40.256 km

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