06.01.2020 – Von San Blas nach Tequila

Am Abend hören wir immer wieder mal die dumpfen Einschläge der Kokosnüsse in der Nähe, – heißes Pflaster hier im Garten.
Es bleibt lange warm, die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, daß am Morgen alles um uns herum tratschnaß ist, Rasen, Bäume, alles sieht aus, wie nach einer Nebelnacht.
Die Nacht ist herrlich ruhig, draußen hört man gelegentlich mal einen Hund bellen oder die Hühner des Nachbarn gackern.

Der Morgen ist dann schnell wieder recht warm und die Sonne trocknet alles schnell ab.
Gegen 11 Uhr machen wir uns auf den Weg, – zunächst eine kleine Runde durch die Stadt, raus ans Meer, palmwedelgedeckte Restaurants und Bars reihen sich dort entlang, Touranbieter für Whalewatching, Kitesurfen und andere Vergnügungen bieten ihre Dienste an, das Städtchen ist in der Tat recht nett, die Menschen freundlich, wir fahren ja ziemlich langsam durch die Straßen, nicht nur, weil wir was sehen wollen, sondern auch weil die Straßen ziemlich schlecht sind und der HerrMAN heftig wackelt, – bei geöffneten Fenstern kommunizieren wir so ständig mit irgendwelchen Passanten, – schön ist das und stimmt heiter.
In einem kleinen Shop am Straßenrand findet Heike endlich die schon lange überfällige Hängematte, farbenfroh und handgemacht, 350 Pesos (17,50 Euro).

Wir fahren nicht über die enge Straße zurück auf die MEX 15, sondern ein kleines Stück am Meer nach Süden, dort führt dann die nagelneue, bestens ausgebaute Landstraße 76, die „Straße der Jaguare“ nach Osten bis zur MEX 15, sie ist auch mautpflichtig, knapp 4 Euro zahlen wir und auch hier an der Mautstelle stehen Einheimische und erwarten eine Spende, allerdings halten sie den Verkehr nicht an, sondern nutzen die Gunst der Stunde, weil der Verkehr an der Mautstelle sowieso steht und bitten, etwas in ihren Eimer zu werfen, unsere kleine Spende wird mit einem herzlichen „Muchias Gracias“ und einem freundlichen Lächeln angenommen.
Die „Straße der Jaguare“ hat ihren Namen nicht nur so, – hier leben tatsächlich Jaguare noch in freier Wildbahn, Schilder an der Straße warnen davor, allerdings sind die Chancen, am Tag welche zu sehen, wohl ziemlich gering.
Die Vegetation ist hier tropisch, – fettes Grün, üppiger Bewuchs, tropische Bäume, Bananenstauden überall, Papayabäume, Avocados, – schön anzuschauen.

Auch die MEX 15 ist wieder mautpflichtig, trotzdem nehmen wir sie, hier wird sie jetzt zweispurig, mit Standstreifen und bewachsenem, breiten Mittelstreifen, ähnlich unseren Autobahnen, wir fahren bis „Tepic“ und weiter Richtung „Guadalajara“. An mehreren offiziellen Mautstellen werden wir bis zum Abend fast 20 Euro los, alles mit Preistafel und Quittung.
„Tepic“ ist eine Großstadt mit mehr als 350.000 Einwohnern, – also großen Bogen drumrum, es gibt eine Umgehungsstraße, die wir nehmen.
In den Bergen hinter „Tepic“ ist der erloschene Vulkan „Sangangüey“ schön zu erkennen und später fahren wir durch den breiten Strom erkalteter und aufgetürmter Lava, – die Natur mit Bäumen und Pflanzen hat sie zwar zurückerobert, trotzdem ist der Strom noch gut zu erkennen.
Weitläufige Zuckerrohrplantagen prägen das Bild in diesem Bereich, zahlreiche LKW sind unterwegs, die die geernteten Stangen zur Weiterverarbeitung transportieren.
So langsam verändert sich die Landschaft wieder, wir gewinnen an Höhe, kommen in die Berge, die tropische Vegetation endet, die Natur wird karger und trockener, vereinzelt tauchen wieder Kakteen auf, aus dem fetten Grün wird wieder ein helles gelbbraun und die Bäume werden weniger, kleiner und stacheliger.
Die Temperatur, die heute gegen Mittag schon die 30 Grad erreicht hat, fällt langsam zurück auf 26, später 24 Grad und die Luft wird trockener, somit angenehmer.

In der Nähe von „Ixtlan del Rio“ springt unsere Uhr um 1 Stunde vor, wir bewegen uns immer weiter östlich und sind jetzt nur noch 7 Stunden hinter der deutschen Zeit zurück.

Am Nachmittag erreichen wir den Großraum „Tequila“, hier sind ganze Täler mit den blau gefärbten Agaven bepflanzt, sie wachsen etwa 12 Jahre und werden dann geerntet, ihr Herz wird zu Tequila verarbeitet, – gegen Abend erreichen wir die Stadt, – hier dreht sich alles um den Schnaps, – Hotels, Restaurants, Souvenirbuden, Stadtrundfahrten mit Besichtigung und Verköstigung in einer der vielen Destillerien werden angeboten, – sinnigerweise sind die Busse für die Stadtrundfahrten in Flaschen- oder Faßform gestaltet, das sieht schon urig aus, wenn sie durch die Stadt fahren, – die Gäste sind meist ziemlich lustig, singen lauthals, lachen und sind fröhlich, wahrscheinlich haben sie ihre Verköstigung schon hinter sich. Oder reicht es vielleicht hier im Städtchen schon aus, mehrmals tief durchzuatmen, um „betüttelt“ zu werden ? – denn überall in der Luft hängt der herbe Geruch der Destillerien, – ja, der ganze Ort riecht nach Schnaps, und das nicht nur ein wenig, um die 70 Millionen Liter werden hier jährlich gebrannt und in alle Welt geliefert.

Wir suchen uns im Städtchen einen Nachtplatz, – ziemlich schwierig heute, der einzig echte Campground ist geschlossen, – einige Parkplätze liegen mitten in der engen Stadt, wir können sie nicht erreichen oder sind für die Einfahrten zu hoch, und ein „freier“ Stellplatz direkt am Straßenrand einer breiten Nebenstraße sagt uns nicht wirklich zu.
Bei einer letzten Runde durch die Stadt kommen wir am Hotel Tequila vorbei, das direkt nebenan im Hof Parkplätze für Jedermann anbietet, – zwischen den Häusern, also nicht wirklich schön, aber für die Nacht geht das schon mal. Für 90 Pesos (4,50 Euro) können wir hier gesichert stehen und haben unsere Ruhe. ( N 20° 53′ 01.2″ W 103° 50′ 25.4″ )
Ein- und Ausfahrt über die enge Gasse und durch das schmale Einfahrtstor sind eine echte Herausforderung.

Tagesetappe:     208 km                    Gesamtstrecke:     40.464 km

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