05.02.2020 – Von Vega del Sol nach Tlacotalpan

Der späte Abend und die Nacht sind dann doch noch ganz angenehm temperiert, die feuchte Luft bleibt zwar, aber die Temperatur am Fluß fällt auf 19 Grad und erlaubt einen angenehmen Schlaf, – es ist wieder mal mucksmäuschenstill um uns herum.

Der Morgen ist dann gleich wieder 28 Grad warm, die großen Bäume vom Flußufer spendieren uns ein wenig Schatten, – unten am Fluß erscheint eine junge Frau aus dem Dorf, in einer Schubkarre bringt sie ihre Wäsche zum Waschen hierher, dazu steigt sie bis weit über die Knie ins Wasser und bearbeitet Stück für Stück auf einem Stein mit Bürste und Seife. Sie wird einen langen und anstrengenden Tag haben, bei etwa 20 Grad Wassertemperatur im Fluß ist das sicher auch kein Wellness für den Körper.

Um kurz vor 11 Uhr fahren wir dann los, zurück auf die MEX 175 und weiter nach Norden.
Das Gekurve von gestern hat hier ein Ende, die Straße ist jetzt flach und ziemlich gerade, sie führt den ganzen Tag durch das grüne und fruchtbare, tropische Tal, immer am Fluß entlang, irgendwo an der Strecke zahlen wir an einer Mautstelle 24 Pesos (1,20 Euro).

Die Vegetation ist üppig, fast verschwenderisch, alles wächst und gedeiht, – Kokospalmen und Bananenstauden sind das weithin Sichtbare, aber auch andere Spezialitäten wachsen und gedeihen hier, – Ananas, Mangos, Apfelsinen, Zimt und Vanille, auch Kaffee wird hier angebaut, – an einem kleinen Stand an der Straße kaufen wir uns zwei Packungen, den werden wir morgen mal ausprobieren.
Es folgen große Flächen, auf denen Mais angebaut wird und dann Zuckerrohr, – kilometerweit Zuckerrohr, es sind Felder in allen Wuchsstadien zu sehen, von frisch angepflanzten Feldern über halbhohe Pflanzungen bis zu den wohl ausgewachsenen, über zwei Meter hohen Pflanzen, – überall wird geerntet und die Frucht abgefahren, – auf den Straßen sind unzählige, hoch aufgetürmte Trucks unterwegs, – oder Traktoren mit großen, vollbeladenen Anhängern, – bis zu sechs (!!) dieser Hänger ziehen sie hinter sich her, – „Güterzüge“ auf der Straße, – unglaublich, – und wenn sie dann zur Zuckerfabrik in „Tuxtepec“ oder „Cosamaloapan“ unterwegs sind, – nicht Einer, – nein, Massen, – wirds wahrlich eng auf der Straße, wenn sie ihren „Güterzug“ mit 20 Achsen im Schritttempo über einen der unzähligen „Topes“ bewegen, dauert das eine Ewigkeit, der Verkehr staut sich dahinter, dann geht das Überholen los, – sind ja auch gut und gerne 70 und mehr Meter lang, diese „Züge“, schnell mal vorbeihuschen geht da nicht, – die Mexikaner tun es trotzdem, sind schneidige Autofahrer, – überholen geht immer dann, wenn die Straße breit genug ist, – Sicht und freie Fahrt nach vorne sind nicht ganz so wichtig, – auch wenn mal was entgegen kommt, – irgendwie geht das schon.
Jedenfalls halten wir heute schon einige Male die Luft an.
Die Zuckerfabriken hauen kräftig schwarzen Rauch aus den Schornsteinen, vermutlich werden die Zuckerrohre nach dem Auspressen gleich als Heizmaterial für die weitere Verarbeitung verwendet, – schon aus der Ferne sind die dunklen Schwaden zu sehen.
Überhaupt sind Feuer und Rauch allgegenwärtig hier in Mexiko, – neben vielen Häusern auf dem Land kokelt so ein kleines Feuerchen vor sich hin, alles was so anfällt, vom Gartenabfall über alte Putzlappen bis zur täglichen Müllbeseitigung wird alles dort aufgelegt, – und auch draußen in der Flur steigen ständig mächtige schwarze Qualmwolken zum Himmel, die abgeernteten Felder werden abgebrannt, – die Straßengräben und Hänge an den Straßen werden mit Feuer „gereinigt“, naja, dort liegen halt auch Unmengen von Müll unter Gras und Laub, der dann gleich mit entsorgt wird, – ganz praktisch …. ?!

Auch ohne Feuer ist es heute heiß, wir haben jetzt endgültig die Karibik erreicht, – nicht nur die tropische Vegetation zeigt das, – nein, auch die kleinen Dörfer, durch die wir fahren, – die Steinhäuser sind herrlich bunt gestrichen, die Holzbauten sind mit Palmblättern eingedeckt, – die Menschen dunkelhäutig, – hier ist man noch viel zu Fuß, auf dem Fahrrad oder Moped unterwegs, – die Temperatur liegt heute bei 36 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei knapp 70 Prozent, – tropisch halt.

Am späten Nachmittag erreichen wir das kleine Städtchen „Tlacotalpan“, dort auf einem Parkplatz am „Rio Papaloapan“, einem breiten Fluß finden wir unseren heutigen Nachtplatz, ein paar Lokale und Läden sind in der Nähe. ( N 18° 36′ 39.1″ W 095° 39′ 20.6″ )
Ich drehe noch eine große Runde durch die Gassen, – zwei, drei Fischrestaurants warten auf Gäste, – Fischer kehren vom Fang zurück, – aus einer Bar kommt laute. karibische Musik, diese Städtchen sind einfach herrlich lebendig.
An unserem Nachtplatz gibts noch ein paar interessante Gespräche, vier junge Kanadier kommen vorbei, ein US-Amerikaner auf dem Motorrad, ein junger Mexikaner von der Touristinfo bringt uns ein Infoblatt für sein Städtchen in deutscher Sprache vorbei und die Stadtpolizei bezieht am Ende des Parkplatzes Posten, sie werden immer wieder mal nach uns schauen, wir sollen uns wohl und sicher fühlen.

Tagesetappe:      142 km           Gesamtstrecke:      43.640 km

 

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