12.01.2023 – Von Reforma Agraria nach Frontera Corozal

Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung !
Denkste !

Irgendwie ist draußen die Hölle los, – im Halbschlaf höre ich extrem laute Geräusche, die ich zunächst so überhaupt nicht deuten kann, – erst allmählich wird mir klar, was da gerade passiert.
Die Brüllaffen sind los !
Aus drei verschiedenen Richtungen kommt ohrenbetäubender Lärm, sie brüllen sich offensichtlich gegenseitig nieder, – das Brüllen, – wie will ich es beschreiben ? Eine Mischung aus agressiv brüllendem Löwen, röhrendem Hirsch und altem Kompressor, der gerade den letzten Ton von sich gibt, – aber alles in einer beeindruckenden Lautstärke, – hunderte Meter weit zu hören.

Ich mache mich aus den Federn, schnappe mir Kamera und Fernglas, – die können nicht weit weg sein.
Draußen ist es stickig, jetzt um kurz nach 7 Uhr in der Frühe, schon schwülwarm, die Luft ist feucht, die Fensterscheiben beschlagen und allerorts tropft Kondenswasser zu Boden, – und die Stechmücken sind auch fleißig unterwegs.
Ich gehe am Fluß entlang, immer dem Brüllen entgegen, – nur etwa 150 Meter entfernt sitzt eine 5er-Gruppe im Wipfel eines lichten, hohen Baumes, offensichtlich befinden sie sich in einem Zwiegespräch, einer Unterhaltung oder einer Auseinandersetzung mit den beiden anderen Gruppen, die zu hören sind, – eine Gruppe scheint über dem Fluß drüben, am anderen Ufer zu sein, – die zweite Gruppe wohl drüben im Bereich des Restaurants.

Anständige Fotos sind wegen der Höhe der Bäume natürlich Wunschdenken mit meiner Knipse, aber schemenhaft habe ich sie drauf.

Nach dem Frühstück mache ich dann erneut eine Runde am Fluß entlang, – die Brüllaffen sind verschwunden, auch die anderen Gruppen sind verstummt, sie entwickeln ihre Aktivitäten überwiegend zum Sonnenauf- und Sonnenuntergang, die restliche Zeit verbringen sie schlafend in irgendeiner Astgabel hoch oben in den Bäumen.
Die Guacamayas, wie die herrlich bunten Aras hier genannt werden, bereiten beim Fotografieren die selben Probleme, sie sitzen so hoch in den Bäumen, und auch im Flug sind sie so hoch, daß die Bilder schlichtweg für die Tonne sind.
Um wenigstens ein, zwei vernünftige Fotos von ihnen zu haben, fotografiere ich die vier armen Teufel, denen man die Freiheit genommen und sie in eine Voliere gesperrt hat, – sie ist zwar groß, doch was ist das im Vergleich zu der Freiheit dieser majestätisch schönen Tiere, die ihre Runden krächzend hier über dem Fluß oder dem Regenwald drehen.
Zur Zeit sind nicht sehr Viele hier am Fluß unterwegs, die Chefin des Campgroundes erzählte mir gestern schon, daß es offensichtlich so etwas wie eine Flugsaison gibt, die hier im Juli und August ist, – irgendwelche Früchte in den Bäumen des Regenwaldes sind zu dieser Zeit reif und locken sie in Scharen an.

Zum Ende meiner Morgenrunde hat sich eine kleine Gruppe schwarzer Klammeraffen, nur wenige Schritte neben meinem Stellplatz in den Bäumen eingefunden und zeigt mir zum Abschied seine Kletter- und Sprungkünste. Das finde ich ja nett von denen, daß sie noch gekommen sind.

So ist es dann schon 12.30 Uhr, als ich vom Platz mache, es sind heute zwar nur etwa 110 Kilometer, die haben es aber in sich.
Die schmale Straße, etwa 50 Kilometer weiter Richtung Norden, dann wieder auf die MEX 307, weitere ca. 50 Kilometer und dann rechts weg, direkt bis an die Grenze zu Guatemala bei Frontera Corozal.
Für die ersten 50 Kilometer brauche ich mal locker zwei Stunden heute, – die Straße ist wirklich übelst, die ehemals asphaltierte Straße ist in weiten Teilen zu einer Schotterstraße mutiert, und da, wo der Asphalt noch „erhalten“ ist, sind die Schlaglöcher so zahlreich und tief, daß ich mir wünsche, daß der Asphalt besser ganz weg wäre.
Also, – immer schön langsam, oft nur Schritttempo, dann wird es schon, – braucht halt seine Zeit.

Dafür ist die MEX 307 dann ein Sahneschnittchen, nachdem auf dem ersten Teilstück auch noch Schlaglöcher sind, wird sie dann allerfeinst, – schnurgerade, – kaum noch zugewachsen, – guter Asphalt ohne Schlaglöcher, hier und da mal eine Bodenwelle über die wir hinwegfliegen, – es macht mal wieder richtig Spaß, es ordentlich fliegen zu lassen !
Bis dann auf den letzten 10 Kilometern wieder ein paar wenige Schlaglöcher auftauchen, – naja dann halt wieder gemütlicher, – reicht ja auch, hat Spaß gemacht.

Zur Landschaft gibt es nicht wirklich viel zu schreiben, – tropischer Regenwald, – üppige Vegetation, – unzählige Ranchos, – Rinderherden prägen das Bild, – die Gegend ist naß, – überall stehen Tümpel und Weiher, – es gibt unzählige Bäche und richtig große Flüße, – die Weiden sind grün und üppig, – im Gegensatz zum Hochland sind hier die Maisfelder grün.

Die letzten 15 Kilometer rüber zum Grenzfluß Rio Usumacinta wird es wieder eng und nach dem Ankommen im Ort Frontera Corozal wieder spannend, – die Kabel hängen hier so tief über der Straße, daß ich in Schlangenlinien drunter durchtauche, aber ohne Schäden unten am Fluß ankomme.

Der Stellplatz am Hotel Escudo Jaguar liegt direkt am Fluß ( N 16° 49′ 22.8“ W 090° 53′ 08.0“ ), – hier legen die kleinen Boote ab, die die Besucher zu den Ruinen der Maya-Stätte „Yaxchilán“, mitten im Regenwald bringen, – das andere Ufer drüben ist bereits Guatemala.

Jutta und Michael, ein Travellerpaar aus Österreich habe ich bereits in Oaxaca kennengelernt, wir fahren offensichtlich die selbe Route, denn wir begegnen uns hier und heute zum dritten mal in den letzten drei Tagen.
So haben wir uns für morgen früh zusammen ein Boot gechartert und werden diesen Ausflug zu den mythischen Maya-Stätten mitten im Regenwald zusammen machen.

Tagesetappe: 112 km Gesamtstrecke: 50.107 km

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