Ich hoffe, daß der Umzug einigermaßen stressfrei über die Bühne geht, solltet ihr irgendwelche nicht lösbare Probleme haben, meldet Euch bitte per Mail oder Kommentar bei mir, ich werde versuchen, das Problem zu lösen.
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Wo wir sind, ist Regen; – leider können wir nicht überall sein ! Nee, Quatsch, – aber seltsam ist es schon, – hier in der Region ist alles knochentrocken, hat wohl seit längerer Zeit nicht mehr geregnet, – in der Nacht jedoch hören wir immer wieder mal ein paar Tropfen Regen, die auf unser Dach fallen. Naja, letztendlich nicht der Rede wert, es bleibt trocken. Der Abend war lange angenehm warm, die Nacht nicht wirklich kalt, – so unterschiedlich kann das hier innerhalb weniger Kilometer sein.
Gegen 10 Uhr geht es weiter, raus auf die jetzt asphaltierte 265 und ab zur Grenze, heute verlassen wir Chile und fahren auf der argentinischen Seite weiter nach Süden.
Der Grenzübertritt ist einfach ein Traum heute, so sollte es bitte immer sein, – die Ausreise aus Chile, – null Wartezeit, das Ausstempeln der Päße und Auflösen des TIP beim Zoll dauert gerade mal 5 Minuten. Wir fahren ein paar Kilometer weiter bis zum argentinischen Grenzposten, auch dort sind wir sofort dran, – Visa einstempeln, – weiter zum Zoll, – dort dauert das Ausstellen des neuen TIP gerade mal 10 Minuten, – Fahrzeugkontrolle findet nicht statt, – und wir kriegen ohne Nachfrage 8 Monate Aufenthaltsdauer eingetragen, – vielleicht für Andere wissenswert, – wir brauchen es gerade nicht. Alles in Allem, Ausreise, Weiterfahrt und Einreise sind in einer halben Stunde erledigt, – ich glaube, das ist rekordverdächtig !
Hier in Argentinien wird aus der 265 jetzt dienstag R 43, wir fahren noch immer südlich an „unserem“ See von gestern ostwärts, – hier in Argentinien heißt er jetzt allerdings nicht mehr „Lago General Carrera“, sondern „Lago Buenos Aires“ und auch heute begleitet er uns noch 40 km lang, bis kurz vor der ersten Stadt „Perito Moreno“. Hier erwartet uns ein Supermarkt, – lange nicht gehabt, – also ist erst mal Einkaufen angesagt, – hiesiges Geld und auch SIM-Karten mit Datenvolumen haben wir noch, – also weiter. Kurz hinter der Stadt erreichen wir die Ruta 40 und fahren ab hier wieder südwärts.
Die Ruta 40 ist hier allerbest ausgebaut und führt durch eine halbverdorrte Steppenlandschaft, gelb und braun sind die überwiegenden Farben, das Land ist flach mit ein paar Hügeln, die richtig hohen Berge sind in Chile zurückgeblieben. Erste Guanacos grasen zwischen den harten Grasbüscheln, – queren aber auch immer wieder mal die Straße, Vorsicht ist geboten, – sie sind farblich der Landschaft sehr gut angepaßt und schwer zu erkennen. In ein paar Senken und Auen gibt es Wasser und gleich ändert sich die Farbe der Flächen von gelb auf grün, – Schafe grasen, – aber auch die Guanacos wissen, daß es hier gutes Futter gibt und in deren Schlepptau eine kleine Herde Nandus. Oft ist in der Nähe solcher Weideflächen eine kleine, mit Bäumen bewachsene Oase, in der meist die Gebäude einer Estancia gebaut sind.
Am Nachmittag werden am Horizont bunte Felsen sichtbar, die „Canadon Pinturas“, dort beginnt der „Naturpark Patagonia“, ein weitläufiges Wandergebiet mit einigen Sehenswürdigkeiten und mehreren Campingplätzen, – Zeit für uns, unser Nachtquartier auszusuchen.
Die Zufahrt zum NP führt durch einen Torbogen, der für uns wieder mal zu niedrig ist, rechts und links davon sind Zäune, ich bin gerade beim Ausmessen der Höhe, will ja keinen Bruch bauen, als ein Ranger vom nahen Besucherzentrum kommt und mir erklärt, daß es etwa 200 Meter weiter vorne noch ein Gatter gibt, das er uns gerne öffnet. Super, Danke, – der Eintritt in den NP ist frei, nur registrieren muß man sich, – der Camping „El Mollar“ liegt etwa 4 km weiter hinten in den Bergen. ( S 47° 01′ 39“ W 070° 38′ 40“ )
Hier ist der erste Camping, den wir kennenlernen, auf dem die einzelnen Stellplätze mit gut zwei Meter hohen Rundholzmauern umbaut sind, um den starken Wind abzuhalten.
Womit wir beim Thema Wetter angelangt sind: Heute früh zunächst bewölkt und trüb bei 15 Grad, bis gegen Mittag dann wechselnd bewölkt mit sonnigen Abschnitten, die Temperatur steigt gar auf 19 Grad, – aber, heute spüren wir zum ersten mal den gefürchteten patagonischen Wind, – er bläst richtig kräftig, – der HerrMAN wackelt heftig und auf den ewig langen, geraden Fahrstrecken durch die ungeschützte Steppenlandschaft wird es immer mal wieder ungemütlich, die Stöber drücken ihn seitlich weg und ein wenig Schräglage kriegt er dabei auch.
Wir passen auf dem Camping natürlich nicht hinter die Holzmauern, zwei Meter Höhe würden auch nicht wirklich viel nutzen, bei fast 4 Metern Höhe, – ich stelle uns frontal gegen den Wind, das hilft viel, und glücklicherweise läßt der Wind am Abend auch nach.
Stille Nacht. Nunja, ein wenig windig war sie wieder und auch kalt.
Der Morgen ist ziemlich trüb, die Sonne hat wohl keine Lust heute, 11 Grad sind es, als wir uns gegen 10 Uhr wieder auf die „Carretera Austral“ hinaus machen.
Direkt hinter dem Ort beginnt wieder die Schotterpiste, – und sie bleibt uns erhalten, bis zum Abend, lediglich die letzten 6 km vor „Chile Chico“ sind betoniert und irgendwo mitten im Nirgendwo gibt es mal ca. 3 km Asphalt.
Etwa 45 km bleiben wir noch auf der Ruta 7, südwärts, dann verlassen wir die „Carretera Austral“, etwa 1.000 km von 1.250 km sind wir auf ihr südwärts gefahren, die letzten 250 km schenken wir uns, – die weitere Strecke nach „Puerto Yungay“ und weiter nach „Villa O´Higgins“ ist überwiegend eine Schotterpiste ins Nichts, in „Villa O´Higgins“ endet sie als Sackgasse, das bedeutet auch wieder 250 km zurück, dabei bei „Puerto Yungay“ noch jeweils mit der Fähre über einen See, – also 4 bis 5 Tage, und außer Landschaft gibt es dort keine Highlights mehr, – die Landschaft haben wir bereits ausgiebig genossen.
Also, – bei „El Maiten“ verlassen wir die „Carretera Austral“ und biegen auf die 265, ostwärts, Richtung Argentinien, wo es auf der legendären Ruta 40 weiter südwärts geht.
Die Landschaft heute: Der absolute Knaller, – einfach unglaublich, – wir umfahren den „Lago General Carrera“ – zunächst auf der Westseite, – dann über den Rest des Tages an seiner Südseite, – unten der riesige See mit seinem blauen Wasser, mit unzähligen Buchten, – felsige Steilküsten, – sanfte Schwemmlandebenen mit grünen Weiden, Büschen und kleinen Pappelwäldern, – kleine, bunte Holzhäuser säumen immer wieder mal die Ufer, – und hinter all dem hohe Felsmassive mit weißen Kappen aus Schnee und Eis, – Gletscher schauen zwischen den Bergspitzen heraus, – hinter jeder Kurve aus einem anderen Blickwinkel, – keine Ahnung, wie oft wir anhalten, zum Schauen, zum Fotografieren, – wie gut, daß kaum Fahrzeuge auf der Piste unterwegs sind, so können wir oft einfach mal anhalten, – am Ende des Tages dann noch die hellgrün schimmernde „Laguna Verde“. Klasse !
Das Wetter: Fast genauso unglaublich, – am Morgen noch diesig und kalt, kommt bald die Sonne raus und es wird wärmer, auf der Südseite des Sees dann Trockenheit, – schier unglaublich, wenige Kilometer weiter nördlich tagelanger Nieselregen, – hier sind die Weiden braun, es wird bewässert, und mit jedem Kilometer wird es wärmer, am späten Nachmittag erreichen wir gar die 20-Grad-Marke, der Wind bleibt frisch, aber die pralle Sonne heizt kräftig ein. Die Gegend um „Chile Chico“ ist bekannt für ihr warmes Mikroklima, – Obstbäume gedeihen prächtig, – irgendwo haben wir gelesen, daß sogar Zitrusfrüchte angebaut werden.
Wir kommen gegen 17 Uhr im Städtchen an, der Camping „Hosteria de la Patagonia“ macht den besten Eindruck, hier bleiben wir. ( S 46° 32′ 31“ W 071° 42′ 48“ )
Die Nacht ist kalt und windig, der HerrMAN wird immer wieder mal von kräftigen Böen durchgeschüttelt. Wenigstens hat der ständige Regen der letzten Tage ein Ende gefunden.
Unsere heutige „Marmolexpedition“ konnten wir gestern Abend noch hier am Camping buchen, ca. 27 Euro pro Person, ist absolut in Ordnung, – um 6 Uhr klingelt der Wecker, unsere Tour beginnt um 8 Uhr. Dick eingemummt und einigermaßen wasserfest machen wir uns zu Fuß auf den Weg, hinunter an den Bootsanleger am See, die kleine Morgenrunde ist genial, bringt uns ein wenig auf Betriebstemperatur. Dort erhalten wir Regenmäntel mit Kapuzen und eine dicke, orangerote Schwimmweste, – was erwartet uns da ?
Mit etwa 8 anderen Teilnehmern besteigen wir das Boot, – eine Glasfaserwanne mit Sitzen und einem Außenborder, – naja. Der See ist ziemlich unruhig, – der kräftige Wind treibt Wellen mit weißen Gischtkronen vor sich her, – unser Tourguide erzählt uns, daß dies hier der normale Seegang sei, – naja, echte Beruhigung sieht anders aus.
Wir kreuzen den See, hinüber zu einer Insel, – nach dem Verlassen der ruhigen Uferzonen geht es recht heftig zur Sache, unsere „Plastikwanne“ schaukelt in den Wellen, springt teilweise und kracht mit lauten Schlägen auf das Wasser zurück, der Motor heult jedesmal auf, – heftige Wasserfontänen werden vom Bug hochgeschleudert und verpassen uns jedesmal eine kräftige Dusche, – bei etwa 12 Grad Lufttemperatur und sicher auch nicht wärmerem Wasser nicht gerade angenehm, – hier nutzen auch die Regenmäntel wenig, die kalte Brühe läuft überall hin, selbst auf den Sitzen steht das Wasser mittlerweile und sucht sich seinen Weg durch den „Hosenboden“.
Es gibt wirklich tolle Sachen auf dieser Welt, die man an einem Weihnachtstag machen kann !?!
Ok, Schluß mit Jammern, – wir erreichen die Marmorhöhlen, – grottenartige Ausspülungen am Fuß der Insel, – das sieht schon echt gigantisch aus, – Felsen auf Stelzen, rundgeschliffen und poliert, weißgraue Maserungen durchziehen den Stein, – später, an anderer Stelle werden die Grotten noch größer und wir können mit dem Boot hineinfahren, – ohja, doch, das ist das Martyrium wert, jede Grotte, jeder Blickwinkel bringt noch schönere Räume, Figuren und Gebilde mit sich, – das Wasser ist glasklar und läßt bis auf den Grund blicken.
Draußen schauen riesige Marmorflächen aus den steilen Felsen der Insel, über einer Stelle lassen sich zwei Weißkondore vom Wind über die Felsen tragen, – ohne Flügelschlag gleiten sie schier unendlich durch die Luft. Hier, auf der windgeschützten Seite der Insel ist das Wasser ruhig und Alles läßt sich in Ruhe und ohne Schaukeln und Zwangsduschen anschauen, sogar ein paar Kajakfahrer trauen sich hierher. In einer kleinen Bucht liegt ein altes Schiff, – gestrandet und halb gesunken rottet es vor sich hin.
Das Highlight der Tour liegt wieder in einer anderen Bucht, – zwei mächtige, freistehende Felsformationen, die „Kathedralen“ schweben förmlich über dem Wasser, – ihre Füße ausgewaschen in Jahrmillionen, stelzenförmige „Stützen“ halten die mächtigen Überhänge stabil, – wir fahren einmal die komplette Runde drumherum, – besonders reizvoll der Blick hinüber auf die hinter dem See liegenden Berggipfel, von denen ein paar in der letzten Nacht frisch gepudert wurden, es hat in den Höhen ein wenig geschneit.
Nach mehr als zwei Stunden beginnt die „Höllenfahrt“ zurück, – nach dem Verlassen des Windschattens erwartet uns der wilde See, – der Wind noch stürmischer, – die Wellen noch höher, – annähernd eine halbe Stunde fahren wir zurück, – wer bisher noch verschont geblieben war, hat jetzt sein Vollbad bekommen.
Mit dem Fußweg vom Anleger zurück zum Camping, – irgendwie sind wir schneller als vorhin, kommt ein wenig die Kälte aus den Knochen, niemand ist trocken davongekommen, – Heike hatte wohl einen der „besten“ Plätze auf dem Boot, sie ist triefendnaß bis auf die Haut. Schön war es trotzdem !
Gut getrocknet und ausgeruht bewegen wir uns am späten Nachmittag hinüber in den Ort, in einem schönen kleinen Restaurant mit tollem Ausblick auf den See und die Berge verbringen wir den etwas ungewöhnlichen „Heiligabend“.
Euch Allen wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest, viel Gesundheit und Wohlergehen und ein paar geruhsame Tage und allen Menschen auf der Welt endlich Frieden.
Außer gelegentlichem Krachen in den Baumkronen ist hier auf unserem Waldplatz vom starken Wind nichts zu spüren. Kalt ist es, – wir sind knapp 1.000 Meter hoch, das ist zu spüren.
Gegen 10 Uhr schleichen wir uns raus auf die Ruta 7, – schleichen, weil wieder mal die Äste so tief über der Zufahrtstraße hängen, daß ständig welche über unser Dach kratzen, – ich muß aufpassen, daß wir nicht mal einen Dickeren dazwischen haben, das könnte fatal werden.
Die Ruta 7 bleibt heute durchweg unsere Straße, die ersten etwa 50 Kilometer sind asphaltiert oder betoniert, dann haben wir bis zum Abend Schotterpiste, etwa 100 Kilometer, mehr ist nicht drin, – eine Mischung zwischen „geht ganz gut“ und „ist wieder mal eklig zu fahren“, – zumindest ist wenig Verkehr, – aber irgendwelche eiligen Zeitgenossen „knallen“ uns immer wieder mal mit annähernd 100 km/h entgegen, – brandgefährlich, – und saublöd, weil sie einen Steinregen hinter sich herziehen, der auf uns und andere herniederprasselt, – einmal feuert ein solches Geschoß gegen unsere Windschutzscheibe, – es geht gerade noch einmal gut, sie bleibt ganz, lediglich ein kleiner Glassplitter fliegt weg, – nochmal gutgegangen.
Das Wetter heute: 7 Grad am Morgen, der Wind hat sich fast gelegt, ein Wechselspiel zwischen Sonnenschein und Nieselregen, öfters auch mal beides gleichzeitig, – die Temperatur steigt auf 10, am Nachmittag, nachdem wir die Höhe verlassen und wieder bei etwa 300 Metern angekommen sind, auch auf 12 Grad, mehr ist heute nicht drin, zudem am späten Nachmittag der kalte Wind wieder heftiger wird.
Die Landschaft heute, – Spitzenklasse ! Nicht daß sie die letzten Tage nicht auch schön gewesen wäre, – sie war halt irgendwie alpenländisch schön, – heute ist sie anders, – exotisch, – patagonisch halt, – mit teilweise kahlen Felsen, türkisfarbenen Seen und weiten Tälern, – weite Flächen voller gelber Blumen und Sträucher, blaue Felder voller Lupinen, – das hat was ganz Spezielles.
Am späten Nachmittag erreichen wir einen Seitenarm des riesigen „Lago General Carrera“, der bis hinüber nach Argentinien und weit ins Land hinein reicht, 180 km breit ist er, ohne seine Seitenarme, – an seinen Ufern werden wir die nächsten Tage unterwegs sein.
Gegen 17 Uhr erreichen wir „Puerto Rio Tranquilo“, unser heutiges Ziel, – Orte gab es übrigens auf unserer heutigen Strecke wieder mal fast gar keine, vereinzelte Häuser mitten im Nichts, zwei kleinere Dörfer, – das war es. Wir entscheiden uns für den Camping „Chirifo“, – macht einen recht guten Eindruck, ist auch gut besucht und bietet die Bootstour hinaus auf den See zu den Marmorgrotten, die wir für Morgen auf dem Plan haben, gleich mit an. Äußerst praktisch. ( S 46° 37′ 45“ W 072° 40′ 21“ )
Auch diese Nacht ist ruhig und friedlich, – an das ständig leichte Trommeln auf HerrMAN´s Dach haben wir uns nun schon gewöhnt, würde uns ja fast was fehlen, – ja, es regnet wieder die gesamte Nacht hindurch.
Der Besitzer vom Camping begrüßt uns heute morgen mit „Moin, Moin“, – gestern hatte er uns erzählt, daß er in seinen jungen Jahren für eine kurze Zeit in Hamburg gelebt hat, der Gruß ist wohl hängen geblieben.
Gegen 10 Uhr fahren wir los, begleitet von dem ständigen Nieselregen, – zunächst gute 10 km hinunter an die Küste, zum Hafen „Puerto Chacabuco“. Eine gut ausgebaute Straße führt dort hin und es herrscht reger Verkehr auf der Straße, LKW und Tanklaster transportieren Waren jeglicher Art hinein ins Land, – über den hiesigen Hafen mit Anschluß an den Pazifik wird ein Großteil des riesigen Gebietes vom NP Queulat bis hinunter nach „Cochrane“ versorgt, – ein Containerterminal, ein großes Tanklager und einige Verteilerzentren prägen den kleinen Ort. Am Ende des in einer windgeschützten Bucht liegenden Hafens rottet ein uralter, gestrandeter Frachter vor sich hin.
Dann fahren wir über die betonierte 240 zurück, sie ist sehr wellig, – die Wellen schwer zu erkennen, der HerrMAN springt immer wieder mal wie ein Geisbock über die Straße. Bei „Las Bandurrias“ treffen wir dann wieder auf die Ruta 7, die „Carretera Austral“ und fahren weiter bis nach „Cuyhaique“, einer 50.000-Einwohner-Stadt, – wir fahren rein, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen und suchen dann einen Fotoladen, ein paar Sachen für Heikes Kamera erstehen. Wir dringen zu Fuß tief in die Stadt ein, bis zur Fußgängerzone, – hier herrscht vorweihnachtliches Kleinchaos, – Händler bieten ihre Waren feil, – Kalender sind wohl diese Woche der Renner, gibt’s bei jedem Zweiten, – es dauert lange, bis wir einen Fotoladen finden, – das Gesuchte hat er leider nicht, – ein Zweiter, ein Stück weiter auch nicht, – dieser meint gar, daß das in weitem Umkreis nicht zu haben sein wird, – wir warten bis wir in „Punta Arenas“ sind, dort soll es sogar eine Zollfreizone geben, mal schauen, ob wir dort das Passende finden können.
Das Wetter hat sich gebessert, seit wir in die Stadt gefahren sind, es kommt sogar die Sonne raus, entsprechend viel ist jetzt los in der Stadt, – Weihnachtstrubel, – ich krieg schon Schweißausbrüche beim reinen Zuschauen, – nichts wie weg jetzt !
Wir fahren noch gut 1 ½ Stunden weiter, durch das Tal des „Rio Simpson“, sehr schön anzuschauen, Berge im Hintergrund, weite Flächen davor.
Orte gibt es hier kaum, aber immer mal wieder einen Campground, – hier ist es mittlerweile verdammt windig geworden und der HerrMAN schüttelt sich immer wieder mal heftig. In einer Senke, direkt an der Lagune Chiguay, zudem in einem Wald versteckt, finden wir den Camping „Laguna Chiguay“, das wird unser heutiger Nachtplatz, – wir können den Wind zwar hören, aber er kommt nicht an uns heran. ( S 45° 59′ 10“ W 071° 52′ 50“ )
Und auch in dieser Nacht regnet es weiter, nicht wirklich kräftig, aber stetig.
Heute ist Ruhe angesagt, – ausschlafen, – Füße hochlegen, – Schreibkram erledigen, – Reiseblog, – und die weitere Route ausbrüten.
Bis Mittag hört der Regen auf, zumindest meist, – gut so, – am Nachmittag spazieren wir hinüber in die Stadt, mal schauen, was es da so gibt. Über die große, eiserne Brücke, die den breiten Rio Aysen überspannt, – gestern wollten wir hier drüberfahren, was uns durch eine Höhenbegrenzung nicht möglich gewesen ist und uns zum Umdrehen gezwungen hat, – heute sehen wir den Grund dafür, – von den armdicken Spannseilen, die die Brücke tragen, sind welche durchgerostet und hängen lose zu Boden, – hier stehen wohl größere Sanierungen an, – deswegen hier einseitige Ampelregelung und Höhenbegrenzung, damit der Schwerverkehr wegbleibt.
Im Städtchen ist nicht viel los, – ein kleiner Park, – ein paar Figuren und Parkbänke, – daneben die Geschäftsstraße, – auch heute am Sonntag haben einige Geschäfte geöffnet, – die Menschen erledigen Weihnachtseinkäufe oder flanieren einfach durch die Straßen. Hier treffen wir auch endlich den Weihnachtsmann und können jetzt unsere „Grußkarte“ basteln.
Wir finden ein wirklich schönes Restaurant, etwas versteckt zwischen den Häusern, hübsch eingerichtet, nettes Personal und sehr leckeres Essen, – Volltreffer.
Ein wenig nach 18 Uhr machen wir uns auf den etwa 2 km langen Heimweg, – auf der eisernen Brücke, ziemlich in der Mitte unseres Weges beginnt es schon wieder zu regnen.
Es regnet die ganze Nacht und will am Morgen so gar nicht richtig hell werden, – Novemberstimmung. Wir kommen erst gar nicht aus den Federn. Der hiesige Wetterbericht verspricht für die nächsten Tage keine Besserung, – also raus und nichts wie weg, – besseres Wetter suchen.
Es ist schon nach 10.30 Uhr, bis wir loskommen, – durch den Ort und raus auf die Ruta 7, südwärts. Unseren heutigen Besuch beim „hängenden Gletscher“, nur wenige Kilometer südlich von hier, können wir abschreiben. Der hängende Gletscher schiebt seine Eismassen zwischen zwei Bergmassiven nach vorne, dick und bedrohlich hängt er in der Höhe und droht vermeintlich jeden Moment in die Tiefe zu stürzen, – gelegentlich tun das kleinere Brocken, sonst passiert nichts, – lediglich ein weiß leuchtender Gletscherfluß stürzt rauschend in die Tiefe. So steht es zumindest in den Reiseführern beschrieben, – mit entsprechenden Fotos dazu ist das gut vorstellbar, – auch hinter dicken Wolken, – wir fahren daran vorbei.
Und genauso geht es uns mit den unzähligen Aussichts- und Fotopunkten entlang der Strecke, – Gletscher und Wasserfälle werden groß angekündigt, – jeweils kurzer Stop, – Sicht Null, – weiter, – es ist wirklich ein Jammer, – wir erahnen eine herrliche Gebirgslandschaft mit schneebedeckten Bergspitzen, mit Flüßen und Seen, Wäldern und Weideflächen, gewaltige Wasserfälle stürzen an so manchen Felswänden zu Tal, – sehen können wir meist nur die untersten paar Meter, die unter der Wolken- und Nebeldecke hervorschauen, – das Rauschen gibt uns manchmal eine Vorstellung von seiner Höhe und der Naturgewalt, die von ihm ausgeht.
Die „Carretera Austral“ ist auch heute wieder in weiten Stücken gut asphaltiert und wir kommen bequem voran, nur vereinzelt gibt es dazwischen kürzere Schotterpisten, die allerdings sind nicht gerade angenehm, weil mit extrem vielen Schlaglöchern durchsetzt.
Gleich zu Beginn unserer Tagestour führt eine holprige Schotterpiste über viele Kilometer entlang einer steilen Felswand, die bedrohlich am linken Pistenrand in den Himmel ragt, während es rechts steil hinab in den Fjord geht, – eng und rutschig, – gesäumt von Felsbrocken in jeder Größe, die nordürftig von der Piste geschoben an die stete Gefahr von Felsstürzen erinnern, – irgendwie sind wir froh, als wir hier vorbei sind.
Im Nationalpark „Queulat“ führt eine ziemlich ruppige Schotterpiste in steilen Serpentinen über einen Paß, fast 5 km schlängelt sie sich über den Berg, – auch hier ist ein mächtiger Wasserfall neben der Straße zu hören, sehen können wir ihn nur schemenhaft. Für uns irgendwie unvorstellbar, aber Realität, als uns in einer der steilen Serpentinen ein 40-Tonner-Sattelschlepper begegnet, – echte Trucker halt, – der Job muß erledigt werden, – fertig !
45 Kilometer vor unserem heutigen Tagesziel verlassen wir die Ruta 7 und gehen auf die 240, eine Betonstraße bis hinaus an den Pazifik bei „Puerto Aysen“.
Dort lassen wir uns auf dem Camping „Cariblancos“ nieder, mal wieder einen Ruhetag einlegen. Wir stehen hinter dem Haus, beruhigende 10 Meter hoch über dem breiten „Rio Aysen“, – unweit des Stadtkerns, – morgen gehen wir mal rüber. ( S 45° 24′ 13“ W 072° 40′ 31“ )
Nach ruhiger Nacht machen wir uns gegen 10 Uhr auf den Weg.
Zunächst interessiert uns die Geschichte des Ortes rund um den Vulkanausbruch vor 17 Jahren, wir suchen nach Resten und Hinweisen, – und werden fündig: Hinter dem Ort, direkt am Ufer des Rio Chaiten sehen wir noch eingestürzte Häuser, – hier hat man ein kleines Museum errichtet, die Uferböschung des Flußes zeigt deutlich die Ascheschicht, die hier wohl um die drei Meter dick ist, – die Vegetation ist zurückgekehrt, – Gras, Büsche und Bäume sind auf dem neuen Grund gewachsen, – alles scheint wie immer.
Wir statten dem Museum einen Besuch ab, – auf Fotos und Modellen der Umgebung wird das Drama gut dargestellt, – ein junger Mann zeigt und erklärt uns die damaligen Geschehnisse sehr detailliert, – ein 10-minütiger Videofilm verdeutlicht die Ereignisse und ihre Folgen in aller Dramatik, hinterlegt mit aktuellen Cuts aus damaligen Nachrichtensendungen und Fernsehberichten ein wichtiges Zeitdokument. Auf dem Gelände rund um das Museum hat man zerstörte Gebäude stehen lassen, um den Eindruck der damaligen Tage für die Nachwelt zu erhalten.
Dann fahren wir weiter, – raus auf die Ruta 7, die „Carretera Austral“ und südwärts. Heute fahren wir den gesamten Tag über eine recht gut asphaltierte, meist breite Straße mit ganz wenig Verkehr, – also so, wie es sein soll. Wir kommen gut voran. Vier unerwartet große, allerdings nur einspurige, Stahlbrücken überspannen unterwegs den „Rio Amarillo“, den „Rio Michimahuida“, den „Rio Yelcho“ und den „Rio Frio“, – überhaupt ist Wasser hier allgegenwärtig, – die vielen Bäche und Flüße, die sich durch die Täler schlängeln und unzählige Seen in jeder Größe.
Das Wetter läßt heute leider sehr zu wünschen übrig, – das ist eben hier so, 13 Grad und Nieselregen, – mal mehr, – mal weniger, – während der Fahrt nicht ganz so dramatisch, aber leider tendiert dadurch die Sicht auf die umliegenden Berge annähernd gegen Null, – schade.
Die Landschaft, – schon bei diesem „Sch…wetter“ richtig schön, – es läßt sich erahnen, wie das jetzt wäre, wenn die Sonne am Himmel lachen würde und der Himmel blau wäre. Voralpenfeeling, – wir fahren durch eine satt grüne Weidelandschaft und durch dichte Wälder, immer gesäumt von offensichtlich hohen, bewaldeten Bergen, von denen wir nur die unteren Bereiche sehen können, darüber hängen dichte Wolken und Nebelfetzen, – manchmal geben sie einen kurzen Blick auf kahle Bergspitzen mit Schneefeldern und weiter südlich sogar erste Gletscherzungen frei.
Lediglich vier oder fünf Ortschaften liegen auf der Strecke von fast 200 km, – außerhalb dieser sind nur vereinzelte Estancias oder für durchziehende Touristen erbaute Cabanas und Campings die einzigen Anzeichen menschlicher Anwesenheit. Wir haben das Glück, am Straßenrand einen der seltenen, weil sehr scheuen „Pudu“ zu sehen, den kleinsten Hirsch Südamerikas, nur ca. 8 bis 10 kg schwer und vielleicht 60 cm hoch, – fast wäre er uns vors Auto gelaufen.
Am späten Nachmittag kommen wir nach „Puerto Puyuhuapi“, hier ist Schluß für heute, mangels vernünftigem Campground suchen wir uns ein schönes Plätzchen am Meer, ein wenig versteckt hinter dem Ort. ( S 44° 19′ 33“ W 072° 33′ 51“ )
Der Abend ist einigermaßen lau hier am Meer, – die Nacht wieder mal überraschend ruhig, – als gegen 11 Uhr die Restaurants dicht sind, ist kaum noch jemand unterwegs.
Die Fähre ankert schon seit gestern Abend mehr oder weniger direkt vor uns im Fjord und macht sich schon um 8 Uhr rüber zur Anlegestelle, – wir sollen um 9 Uhr am Fähranleger sein, um 10 Uhr ist Abfahrt. Es ist nicht wirklich viel los, – und es geht sehr gemächlich zu, – auch später beim Beladen, – nach etwa einer halben Stunde Wartezeit sind wir dran, – man winkt uns heran, – drauffahren, – fertig ! Freies Bewegen auf der Fähre, – oben ist eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten und ein Aufenthaltsraum, sogar mit einer Kaffeetheke, – aber auch die Fahrzeuge sind frei zugänglich, – das ist bequem für uns, – wir verbringen die 3 ½ stündige Überfahrt im HerrMAN, können von hier aus trotzdem die Fahrt durch die Fjorde geniessen, – bewaldete Berge, – gelegentlich kleine, farbenfrohe Fischerhäuser davor, – Fischerboote und immer mal wieder auch die Netzzäune der Fischzuchten.
Die Fährfahrt ist zweigeteilt, – eine erste Fähre bringt uns von „Hornopiren“ nach „Leptepu“, einem Anleger im Nirgendwo, – von hier führt eine etwa 12 km lange, schmale Asphaltstraße über eine Landzunge durch den Regenwald hinüber zum „Fjordo Largo“, einer weiteren Anlegestelle im Nirgendwo, wo wir auf eine zweite Fähre auffahren, die uns in weiteren 40 Minuten nach „Caleta Gonzalo“ bringt, wo sich auch nur der Anleger und ein Dienstgebäude befindet.
Hier beginnt eine Schotterpiste mit heftig vielen Schlaglöchern, – erst mal warten wir am Straßenrand und lassen die anderen Fahrzeuge alle vorbei, – jetzt kommt nichts mehr nach und wir haben alle Zeit der Welt, gemütlich über die abenteuerliche Piste durch den Regenwald zu schaukeln, – hier erkennt man recht deutlich den alten Charakter der „Militärstraße“, die noch unter Pinochet gebaut wurde, – der natürlichen Gegebenheit angepaßt geht es ständig steil bergauf und bergab, um jeden Hügel herum und immer wieder über schmale Brücken, die die unzähligen Gebirgsbäche überspannen.
Auf der linken Seite erscheint irgendwann ein Totholzwald, – staksig stehen hektarweise die blatt- und zweiglosen Baumstämme am Berg, bis weit hinauf auf die Gipfel, – das Ergebnis eines verheerenden Vulkanausbruches in der Nacht des 2. Mai 2008, als der „Vulkan Chaiten“, der 9.000 Jahre lang friedlich schlummerte, plötzlich und ohne Vorwarnung in einer mächtigen Eruption eine 20 km hohe Aschesäule in die Atmosphäre schleuderte und das Städtchen „Chaiten“ innerhalb kürzester Zeit mit Asche bedeckte und unbewohnbar machte, – den Rest versetzten dem Ort dann noch enorme Regenfälle, die all die Asche von den umliegenden Bergen in den Rio Chaiten spülte, der dadurch kurz aufgestaut wurde und dann mit Macht und jeder Menge Unrat, Totholz und meterhohem Ascheschlamm den Ort überflutete. Ein gleichzeitiges Erdbeben mit Erschütterungen bis Stärke 5 dauerte nicht etwa 4 Sekunden oder 4 Minuten, – nein, – geschlagene 4 Stunden hat hier die Erde ununterbrochen gebebt, – unvorstellbar.
Nach ersten Überlegungen der Provinzregierung, Chaiten an anderer Stelle neu aufzubauen, haben sich die Einwohner an die Arbeit gemacht, allen Unrat beseitigt und repariert, was zu reparieren war, bzw. neu aufgebaut, was nicht mehr da war.
Wenig später sehen wir den „Übeltäter“, hoch über dem Totwald zeigt sich die kahle Spitze des 1.122 Meter hohen Vulkans, – mehrere Rauchfahnen steigen noch immer aus Nebenkratern unterhalb der Vulkanspitze in den Himmel.
Hier endet dann die Schotterpiste und es beginnt wieder eine Asphaltstraße. Nach einigen Kilometern erreichen wir „Chaiten“, ein kleines Städtchen am „Golfo Corcovado“, einem mächtigen Seitenarm des Pazifischen Ozeans.
Hier an der hübsch angelegten Plaza, unweit der Gendarmeriastation bleiben wir für die Nacht, der Parkstreifen ist zwar wieder direkt am Straßenrand, aber wir haben ja mittlerweile gelernt, daß das hier nichts bedeutet, weil in der Nacht auch im Zentrum Ruhe herrscht. ( S 42° 55′ 00“ W 072° 42′ 33“ )
Tagesetappe: 70 km (plus ca. 70 Fährkilometer) Gesamtstrecke: 76.684 km