31.12.2023 – Von Canarias nach Medellin

Überraschend ruhig ist die Nacht, der Schwerverkehr draußen auf der 25 endet irgendwann ganz, – naja, ist Samstagnacht, – auf diesen Straßen fährt man wohl generell nachts besser nicht, – zwei Trucker stellen ihre schweren LKW in meiner Nachbarschaft ab, sie verbringen ihre Nacht auch hier.

Gegen 10 Uhr mache ich mich auf den Weg, – nach Medellin sind es heute noch knapp 200 Kilometer, – und, – ich nehm´s vorweg, – ich brauche fast 7 Stunden.

Es geht weiter über die 25, immer südwärts, über Valdivia, Yarumal, Santa Rosa de Osos und Don Matias nach Medellin.
Bereits nach wenigen Kilometern gemächlicher Fahrt geht es in die ersten Steigungen, – die Strecke führt mich heute über die Berge der Zentralkordilleren, – hunderte Kurven führen mich hinauf bis auf 2.700 Meter und auf der anderen Seite wieder hinab auf etwa 1.500.
Die Straße ist meist eng, wahnsinnig kurvig und zudem in vielen Stücken ziemlich mit tiefen Schlaglöchern durchsetzt, – schwere LKW kriechen in Schrittgeschwindigkeit die Steigungen hinauf, – überholen ist meist aussichtslos, kaum ein Stück zwischen zwei Kurven, das länger als 200 Meter ist, – und von hinten drücken die Busse, – Fahrer der wildesten Ausführung, sie überholen immer, auch wenn es gerade nicht geht, so manches Fahrzeug im Gegenverkehr muß dann zurückstecken, um einen Crash zu vermeiden, – aber man nimmt das mit stoischer Gelassenheit, den meisten ist das noch kein Hupen wert.

Aber auch diese Strecke, sei sie auch in noch so schlechtem Zustand, – ist mautpflichtig.
An drei Mautstellen zahle ich insgesamt 38.000 COP, umgerechnet knappe 10 Euro.
Zu deren Entlastung muß ich allerdings sagen, daß zwei von den drei Mautstellen erst Richtung Medellin waren, wo die Straßen recht ordentlich sind.

Die Landschaft, – so weit überhaupt Zeit zum Schauen bleibt, – ist ein Traum, – grün überwucherte Berge, – tiefe Täler, – üppige Vegetation, – dazwischen an die Hänge geklebte Häuser, Dörfer oder kleine Städte, in den Tälern immer wieder Bäche oder Flüße.
Hier ist Viehzucht Leidenschaft, überall grasen Rinderherden, liegen wiederkauend in der Sonne, – in der einen oder anderen Ecke fühle ich mich schon ein wenig an Österreich oder die Schweiz erinnert.

Weiter oben in den Bergen wächst Nadelwald, hier haben sich Sägereien angesiedelt, Bretter und schmale Balken werden gefertigt und direkt an der Straße zum Verkauf angeboten.

Und …
hier oben ist es angenehm kühl, – zum ersten mal seit 4 Wochen rinnt mir kein Schweiß über den Körper, die Dauersauna ist nun hoffentlich zu Ende, die Temperatur ist von schwülheißen 33 auf angenehme 24 Grad gefallen, merklich trockener ist die Luft, so könnte es gerne mal bleiben.

Nach Medellin runter wird es zwar wieder etwas wärmer, aber es bleibt angenehm.

Dann nähere ich mich der Stadt, knappe 4 Millionen Einwohner, so gar nicht meins, – aber da muß ich jetzt rein. Campingplätze gibt es nicht, zumindest nicht für Fahrzeuge wie den HerrMAN, in der Peripherie der Stadt gibt es Kleinere, wegen der Zufahrt oder den Platzverhältnissen aber nichts für uns. So muß ich wieder mal auf einen der freien Stellplätze ausweichen und habe mir einen Platz in der Nähe von Suramericana und Aquamarina ausgesucht, dazu muß ich viele Kilometer in die Stadt hinein, – ich bin überrascht, wie gut es eigentlich geht. ( N 06° 15′ 26“ W 075° 34′ 47“ )
Dort angekommen, bietet sich mir nicht mehr, als eine Parknische an einer Seitenstraße in einem Wohngebiet, – na ja, – es wird gehen, hatte mir allerdings für Silvester schon was anderes vorgestellt. Zumindest ist es ruhig hier, es herrscht kaum Verkehr und die Frequenz von Polizei und privater Security ist recht hoch. Zudem gibt es Restaurants in der Nähe, – das Silvestermenü ist also schon mal gerettet.

Tagesetappe:  196 km    Gesamtstrecke:  57.075 km



30.12.2023 – Von Sampués nach Canarias

Nur etwa 10 Meter neben meinem Stellplatz haben sich der Nachtwächter des Hotels und seine beiden Hunde niedergelassen, anfangs sind die beiden etwas nervös, bellen ständig, wenn sie Geräusche hören, scheinen recht wachsam zu sein, später werden sie ruhig und es ist totenstill am Platz, weitere Gäste gibt es nicht, auch der Chef des Hauses hat sich vorhin, nachdem ich etwas gegessen hatte, abgemeldet und ist nach Hause gegangen.

Am Morgen sticht die Sonne schon recht früh, heute habe ich keinen Schattenplatz erwischt, – draußen ist die Putzkolonne unterwegs und bringt den Pool, die Terrassen, Garten und Bar auf Vordermann.

Gegen 10.30 Uhr fahre ich los, zurück auf die 25 und weiter nach Süden. Sahagún, Planeta Rica, Caucasia und Tarazá heißen die größeren Städte, die ich heute passiere.
Die Landschaft wird zusehends lebhafter, es wird hügelig, damit trockener, entsprechend interessanter für die Viehwirtschaft, – die Zahl der Rinderherden, der Fincas und Haciendas nimmt stetig zu, – die Grünflächen nehmen nun schon eher das Aussehen von Wiesen an, – in den Senken, zwischen den Hügeln gibt es unglaublich viele Tümpel, Weiher und kleine Seen, ideal für die Tiere, um sich mit Wasser zu versorgen, unzählige Wasservögel, meist Silber- und Kuhreiher haben sich überall niedergelassen.

Heute nun wird die 25 zusehends kurviger, teilweise auch schmaler und in einigen Bereichen enorm schlecht, mit tiefen Schlaglöchern, – billiger wird sie deswegen nicht wirklich, auch heute sind wieder 50.800 COP an Maut fällig, etwa 13 Euro.
Am späten Nachmittag dann stockt der Verkehr, wird immer schleppender und steht letztendlich komplett, fast eine ganze Stunde lang geht fast gar nichts, ich bewege mich max. 1 Kilometer in dieser Zeit, – der Grund dafür ist mir schleierhaft, keine Baustelle, kein Unfall, – eine Mautstation, ein so heftiger Stau mit langem Stillstand ist aber eher auch untypisch dafür.

Egal, – leider bin ich nun total im Verzug und gerate, wider meine übliche Gepflogenheit, in die Nacht hinein, bis ich mein Tagesziel eine Texaco-Tankstelle ( N 07° 24′ 24“ W 075° 18′ 21“ ) erreiche.
Es gibt in dieser Gegend keine anderen Möglichkeiten, einigermaßen vernünftig unter zu kommen, Campgrounds sind unbekannt, da muß man halt durch.
Es ist allerdings recht vernünftig hier, der Platz liegt hinter der Tankstelle, der Lärm der Straße dringt nicht so durch, das Personal ist nett und hat ein Auge auf die Gäste, es stehen auch einige LKW hier.

Tagesetappe:  256 km    Gesamtstrecke:  56.879 km



29.12.2023 – Von Baranquilla nach Sampués

Der Abend gestern war lang, – draußen im und am Park war Betrieb bis weit nach Mitternacht, die Menschen genießen es, abends draußen zu sein, wenn die drückende Tageshitze ein ganz klein wenig nachläßt und der abendliche Wind vom Meer hereinkommt.
Sie joggen, walken, oder gehen einfach nur spazieren, immer um den Park herum, viele Runden und unterhalten sich, – laut natürlich, richtig laut, – lachen und scherzen, – Viele kommen an den HerrMAN, – die neuen Weltkarten kommen sehr gut an, man erklärt sich gegenseitig die Welt, es werden jede Menge Selfies geschossen und es entwickelt sich so manches nette Gespräch, – die jungen Leute aus der Stadt sprechen durchweg englisch.
Irgendwann wird es dann doch ruhig und ich krieche in die Federn, der Verkehr ist mittlerweile fast zum Erliegen gekommen, die Nacht wird entsprechend ruhig.

Und bereits gegen 6 Uhr in der Früh sind die Menschen schon wieder aktiv, eine Gymnastikgruppe mit Animateurin nutzt die frühe, noch relativ angenehme Morgentemperatur für ihren Frühsport, – laut, – sehr laut treibt sie ihre Pferdchen durch die Arena.

Gegen 10 Uhr mache ich mich los, in einem weiten Bogen zur westlichen Peripherie der Stadt und dann nach Süden, über Juan Mina und Galapa hinüber auf die 25 nach Sabanagrande, Suan, Calamar, El Carmen de Bolivar und Corozal.
Eine Autobahn gibt es nicht, die Hauptverbindungsstraße in die Mitte und den Süden ist eine normale Landstraße, meist einspurig, sie führt durch unglaublich viele Dörfer und Städtchen, es gibt wahnsinnig viel zu sehen, es braucht aber auch seine Zeit, so richtig zügig voran geht es hier nicht, die ewigen Ortsdurchfahrten, – auch hier gibt es diese „Topes“, wie wir sie aus Mexiko und anderen Ländern als „Bremsklötze“ kennen, – zudem sind viele schwere LKW unterwegs, in den leichten Steigungen „hängen“ sie, auf gerader Strecke wird das dann durch Rasen wieder wettgemacht.
Mautpflichtig sind diese Landstraßen allerdings auch, an 6 Terminals zahle ich heute 58.300 COP, umgerechnet etwa 15 Euro.

Über die Landschaft gibt es nicht sonderlich viel zu berichten, sie ist meist flach, nur gelegentlich erheben sich kleine Hügel, – naß ist es, – sumpfig, – dadurch natürlich auch üppig grün, – mächtige Bäume, Baumgruppen und Buschwerk stehen vereinzelt, – nur sporadisch sind kleinere Rinderherden zu sehen, – der Rio Magdalena zeigt sich gelegentlich in der Ferne.

Am frühen Nachmittag erreiche ich erste leichte Anhöhen, 150 bis 200 Meter, mehr ist das noch nicht, – allerdings reicht es, um ein paar Wolken anzustauen, immer mehr, immer dunkler, und tatsächlich regnet es, – ja schön, – ein erfrischender Regenguß, – die Temperatur fällt von 33 auf 25 Grad, – das ist doch mal schön, – allerdings kommt das dicke Ende gleich anschließend, – nach einer Stunde ist der Spaß vorbei, der Regen hat aufgehört, die Sonne kommt wieder durch, die Temperatur ist schnell wieder oben bei 33 Grad, — und die Luftfeuchtigkeit jetzt wohl bei 100 Prozent.

Für die Nacht habe ich mir das „Hotel Camino Real“ in Sampués ausgesucht, hier kann man gesichert stehen, den Pool benutzen und ein Restaurant gibt es hier auch. ( N 09° 10′ 35“ W 075° 23′ 39“ )

Tagesetappe:  267 km    Gesamtstrecke:  56.623 km



28.12.2023 – Von Santa Marta nach Baranquilla

Trotz der Nähe zur Hauptstraße wird es am späten Abend dann doch erstaunlich ruhig und die Nacht, so, wie sie sein soll, – naja, von der Hitze mal abgesehen.

Heute ist Santa Marta dran, eine 100.000-Einwohner-Stadt, mit einem historischen Stadtkern und einer sehenswerten Marina.
Allerdings ist es gar nicht so einfach, da schnell mal hinzukommen, Beschilderungen sind in Kolumbien eh Mangelware und die Straßenführung etwas gewöhnungsbedürftig, weil halt anders.

Zunächst brumme ich also mal vorbei, bin dann schon auf dem Weg nach Palomino, das wollte ich mir anschließend anschauen, wurde mir als Surf- und Badeparadies empfohlen.
Also, dann das zuerst, – erkenne aber ein ganzes Stück hinter Santa Marta, daß es nach Palomino tatsächlich noch weitere 70 Kilometer sind, – und drehe um, – ich hatte so viele wirkliche Traumstrände in Costa Rica und Panama, – dafür mag ich jetzt nicht noch eine Tagesreise draufpacken.

Also zurück nach Santa Marta und nach einer weiteren „Ehrenrunde“ wegen der schon wieder verpassten Abfahrt, bin ich dann endlich auf dem Weg zur Marina.
Es zieht sich durch die Stadt, bis endlich am Horizont die Ladekräne des Hafens sichtbar werden, dort will ich hin.
Die historische Altstadt habe ich gerade links liegen lassen, konnte reinschauen, viel zu eng für für den HerrMAN, und parken, – geht hier gar nicht, – mal schauen, ob das weiter hinten vielleicht noch geht.

Jedenfalls fahre ich immer an der Hafenkante entlang, – und schon bin ich da !
Die Marina mit der Skyline, – ja, toll, – gibt schon was her, sieht schnuckelig aus, Betrieb ist hier auch, – ich stelle den HerrMAN einfach an die Straße, – das machen hier alle so, – zweite Reihe, – Warnblinker an und gehen ins Restaurant essen !
Nun, ganz so toll treibe ich es nicht, aber ein regulärer Parkplatz ist das auch nicht, – egal, ich gehe mal los, drehe eine Runde durch den Hafen, – über den Platz, – Restaurants, – Bars, – Cafés, – kleine Geschäfte, – natürlich brüllend laute Musik, – im Hintergrund die Yachten vor der imposanten Kulisse der großen Hotels, – und auf der anderen Seite der Stadtstrand mit einigen Badegästen.

Hier läßt es sich aushalten, – zudem weht ein erfrischender Wind vom Meer herein und macht die seit Tagen unerträgliche, schwüle Hitze ein wenig angenehmer.
Trotzdem kann ich nicht zu lange bleiben und mache mich nach einiger Zeit wieder auf den Weg, diesmal stadtauswärts, wieder am historischen Zentrum vorbei, wieder keine Parkmöglichkeit, – blöde, – aber so ist das, wenn man mit dem Dicken unterwegs ist.

Ich mache mich auf den Rückweg, – wieder über den Damm, – hinüber zur „Puente Pumajero“ und eigentlich soll es jetzt ganz schnell nach Süden gehen.
Aber:
Bei einem kurzen Stop und dem Studium der Übernachtungsmöglichkeiten südlich der Stadt sieht es echt mau aus, da gibt es gar nichts, – also bleibe ich besser hier in der Stadt, da ist zwar auch nichts wirklich Tolles dabei, aber immerhin gibt es was.
Am sympathischsten erscheint mir hier noch der „Park Venezuela“, ein kleiner Stadtpark, in der Nordstadt, an dem man wohl auf einem ganz normalen Parkplatz in Sichtweite der dortigen Polizeistation übernachten kann.

Rushhour in der Stadt, – der Verkehr ist ziemlich chaotisch, – manche Straßen sehen aus, wie der Busbahnhof, – nein, um diese Zeit sind in der Tat fast nur noch Busse, Taxen und natürlich Heerscharen von kleinen Motorrädern unterwegs.
45 Minuten brauche ich dorthin, um dort endlich festzustellen, daß kein Parkplatz frei ist, – na Klasse, – also noch eine Runde um den Park, – und im zweiten Anlauf klappt es dann.
Schön ist das hier, eine kleine Oase, mitten im Moloch, sauber, grün, gepflasterte Gehwege, frisch geschnittener Rasen und mächtige, schattenspendende Bäume, – hier geht die halbe Stadt mit ihren Hunden Gassi, und die andere Hälfte joggt oder fährt Skateboard auf der weitläufigen Anlage, die Menschen sind freundlich und kommunikativ und im Bereich der Polizeistation gibt es drei Restaurants, da werde ich nachher mal nachschauen gehen. Und auch hier zieht am Abend ein frischer Wind durch die Bäume, – sehr angenehm. ( N 11° 00′ 03“ W 074° 49′ 24“ )

Maut hatte ich heute übrigens 28.600 COP, also etwa 7,50 Euro zu zahlen.

Tagesetappe:  175 km    Gesamtstrecke:  56.356 km



27.12.2023 – Von Santa Rosa nach Santa Marta

Ich bin wieder mal der Letzte, der heute früh den Platz verläßt, – gestern schon sind die meisten Richtung Süden losgezogen, die Schweizer und Südafrikaner dann heute, ziemlich in der Früh.

Gegen 11 Uhr mache ich mich auch los, ich werde mir kurz den nordöstlichen Teil des Landes anschauen, dazu steuere ich zunächst Baranquilla an, – ein 500.000 Einwohner-Moloch, ohne große Sehenswürdigleiten, aber die einzige Straßenverbindung nach Nordosten und letztendlich nach Venezuela.
Dazu nehme ich die 90 nach Norden, über Bayunca, Santa Catalina, Sabanalarga und Galapa.
Die Route führt mich (fast) direkt an einer Gasflaschenfüllstation in Baranquilla vorbei, die Gelegenheit laß ich mir nicht entgehen, die Reserveflasche ist schon ziemlich lange leer.

Der Weg hierher, – so wie ich ihn mag, – wenig befahrene Landstraßen, die durch Dörfer und kleine Städtchen führen, – die Landschaft ist wenig vielfältig, – überwiegend flach, – meist sumpfiges Land, Tümpel, Seen, – dort wo es mittlerweile kleinere Erhebungen gibt und die Flächen trocken sind, stehen Rinder unter Bäumen und Büschen, – für Ackerbau taugt diese Gegend hier nicht.

Die Straßen in Kolumbien sind mautpflichtig, auch kleinere Landstraßen sind davon betroffen, an Terminals, die in gewissen Abständen errichtet sind, kann man bar bezahlen, oder Vielfahrer sich per speziellem Pass „abkassieren“ lassen. Ich habe heute insgesamt 50.100 COP bezahlt, was etwa 12,50 Euro entspricht.

Ich bin froh, irgendwann den Betrieb der Großstadt hinter mir zu haben und kreuze den mächtigen Rio Magdalena über die schöne „Puente Pumarejo“, eine gewaltige Spannbrücke, die schon aus der Ferne gut zu erkennen ist.
Die 90 führt danach über viele Kilometer durch das Meer, – eine lange Sandbank führt hinüber nach Ciénaga, an das andere Ende der Bucht, – irgendwie schon ein komisches Gefühl, immer wieder auf beiden Seiten der Straße das Meer, bzw. die Bucht zu haben, mal wird’s ganz eng, an anderen Stellen ist die Bucht tiefer verlandet, in den flachen Wassern der Bucht stehen viele Wasservögel, Reiher, Kormorane, aber auch einige Greifvögel ziehen ihre Runden, – auf der Meerseite liegen die kleinen Boote der Fischer, sie verkaufen direkt, fangfrisch an die vorbeifahrende Kundschaft.

In den kleinen Dörfern entlang des Meeres leben die Menschen mehr im Wasser, als am Wasser, – ihre armseligen Hütten sind direkt an die Wasserlinie gebaut, rund um die Behausungen stehen Tümpel, – gerade, daß ein kleiner Pfad zur Hütte führt.
Und natürlich, – wie fast im gesamten mittelamerikanischen Raum hat auch Kolumbien ein riesiges Müllproblem, – in den Städten wird zumindest noch versucht, den Müll zu beseitigen, – außerhalb wird einfach in den Straßengräben entsorgt, wo sich der Plastikmüll und anderes Gerümpel zu Bergen auftürmt. Hier in den kleinen Fischerdörfern sind es die Ränder der Tümpel, die das Problem deutlich aufzeigen, sie sind gesäumt mit Plastikflaschen, – kein schöner Anblick.

Nach Santa Marta schaffe ich es heute nicht ganz, es wird relativ schnell dunkel am Abend, so logge ich mich im Vorort El Manantial im Campground „Los Corales“ auf eine sichere Nacht ein.
( N 11° 09′ 03“ W 074° 13′ 17“ )

Tagesetappe:  210 km    Gesamtstrecke:  56.181 km



24.-26.12.2023 – Weihnachten in Santa Rosa

Oh ja, – schön hier, – die kleine Seitenstraße, die hier zum Platz führt ist wenig befahren, entsprechend ruhig ist es.
Einzig und allein die Musik, sie ist allgegenwärtig, – ich empfinde die spanisch-karibischen Klänge aber keinesfalls als störend, – mir gefällt sie, – auch wenn sie manchmal echt unglaublich laut ist, oder wie an Heiligabend die gesamte Nacht hindurch präsent ist, selbst am Morgen gegen 4.30 Uhr dringen die Rhythmen beschwingt durchs Kopfkissen bis an mein Ohr.

„Fabian“, der Besitzer des Campgrounds hat für den Heiligabend ein Festessen organisiert, – fragt mich bitte nicht, wie es heißt, – es sei jedenfalls ein typisch kolumbianisches Gericht, verspricht er, – tja und schmecken tut es hervorragend, – Fleisch in Reis und Gemüse gepackt und in große Blätter eingerollt, schmorte es wohl stundenlang vor sich hin, alles ist butterzart.
Alle sind hier unter dem Freisitz versammelt, „Fabian“ hat kolumbianische Freunde eingeladen, seine Eltern und ein anderes Paar aus Frankreich sind dabei, zwei mal ist Deutschland vertreten, einmal Holland und einmal Österreich. Es wird ein relativ langer Abend mit recht interessanten Gesprächen.

Am 1. Weihnachtstag wird das Völkchen gleich noch einmal bunter, – Schweizer treffen ein, – ein Paar aus Tschechien und ein Paar aus Südafrika mit seinem Landrover.

Ich mache mich heute und morgen ans Reparieren, – leider haben mir die Leute im Hafen von Colon beim Abdecken des HerrMAN mit der riesigen Plane die Antenne und vier von sechs Stempeln der Kabelabweiser vom Dach gerissen, – sie haben die Plane wohl über dem Fahrerhaus hochgezogen und dann mit aller Gewalt übers Dach nach hinten gezogen, wobei sich die Spitzen der Stempel wohl durch die Plane gebohrt haben, den Rest erledigt dann pure Gewalt.
Nun, wenigstens sind die Solarpaneele heil geblieben.
Ein ganzer Tag Arbeit, – man gönnt sich ja sonst nichts.

Tja, und da ist dann noch das Thema „Abstellen in Panama“, oder eben auch anderswo, wo das Klima ähnlich ist.
8 Monate Panama-City haben dem HerrMAN mehr geschadet, als 30 Monate Mexiko-City.
Über die Stockflecken hatte ich ja schon berichtet, – mittlerweile habe ich alles, teilweise mehrfach abgewaschen, – ist wieder ok, soweit, – aber, – die wahnsinnig hohe Luftfeuchtigkeit ist unglaublich agressiv, – viele kleine, galvanisierte Schräubchen im Innenbereich, z.B. an den Fenstern sind einfach verrostet, die werde ich alle Zug um Zug austauschen, – sieht so nicht schön aus.
Teilweise rollen die Verdunkelungsrollos der Fenster nicht mehr, – die Wellen, – einfach festgerostet, – ich habe dann heute mal ein Fenster ausgebaut, – ja, ich kriege sie wieder in Gang, ohne bleibende Schäden, – WD 40 und feines Schleifpapier, – aber welch ein Job.
Naja, hab ja sonst nichts zu tun, – wird schon wieder.

Ach ja, und die Folien, also die Weltkarten, die auf dem HerrMAN kleben, haben über die Jahre extrem gelitten, sind zerrissen, aufgeplatzt, abgeblättert und die Farbe ist raus, – war klar, daß die nur 7 Jahre halten sollten, mittlerweile sind 10 draus geworden, – paßt schon, – ich hatte das Problem im Frühjahr schon erkannt und jetzt bei der Anreise zwei Neue im Koffer, die habe ich gestern und heute angebracht, – das Entfernen der Alten dauert doppelt so lange, wie das Anbringen der Neuen, – und bringt mir prompt eine Blase am Daumen ein, – heißer Föhn bei 34 Grad.
Aber in der Summe, – so als Erstlingswerk im Folieren, – bin ich sehr zufrieden, – alles ohne Luftblasen und Knicke, schön glatt und gerade sind sie auch geworden. Danke, Harald Zech, für den Kurzlehrgang im Sommer.

Wo wir schon gerade dabei sind, – ich habe mal eine der neuen Folien in Großaufnahme eingefügt, dort ist jetzt bei der Neuauflage auch unsere bisherige Reiseroute aus über 10 Reisejahren drauf.

So verbringe ich die beiden Weihnachtstage ohne jegliche Langeweile, morgen werde ich dann aber weiterziehen, zunächst für 2 oder 3 Tage ein kurzes Stück nach Nordosten, Richtung Venezuela, bevor es dann immer Richtung Süden geht.

Tagesetappe:  0 km    Gesamtstrecke:  55.971 km



23.12.2023 – Von Cartagena nach Santa Rosa

Endlich wieder frei und unterwegs !

Die Nacht ist ruhig hier hinter dem Hotel, abseits der Straße, – leider ist das Wasser im Meeresarm, direkt vor der Haustüre, nicht wirklich badetauglich, – ein ruhiger Seitenarm ohne viel Bewegung, entsprechend trüb ist das Wasser, – schade, – denn es kocht schon wieder, jetzt um 8 Uhr in der Frühe.

Ohne Frühstück mache ich mich gleich auf den Weg, – Vorräte einkaufen, alle Schränke sind leer.
Der „Jumbo“-Supermarkt ist etwa 20 Minuten entfernt, dort verbringe ich den gesamten Vormittag, und ein Frühstück kriege ich dort auch, – was willst Du mehr.

Dann ist erst mal Tanken angesagt, ich habe in Panama fast den letzten Tropfen verfahren, – denn hier in Kolumbien gibt es den günstigen Diesel, umgerechnet etwa 56 Eurocent pro Liter, abgerechnet wird hier wieder mal in Gallonen, anstatt Litern.

Dann mache ich mich über die Küstenstraße 90 A nach Norden, immer an der Küstenlinie des Karibischen Meeres entlang, lasse ich Cartagena gerne hinter mir, – bin einfach kein Stadtkind und freue mich beim Fahren über die Natur, Wasser, Wälder, Wiesen, Rinderherden.
Ich nehme die Transversal via al Mar nach Osten und die 90 wieder ein Stück nach Süden, zur „Finca Jardin des Delices“, dem Campground des Franzosen „Fabian“, der hier in der Gegend mit den besten Ruf hat. ( N 10° 26′ 25“ W 075° 23′ 58“ )
Ein weitläufiger Platz mit sauberen Sanitäranlagen und gutem WiFi, – mächtige Bäume spenden herrlich Schatten, sogar für so Große, wie den HerrMAN
Genau der richtige Platz, um für die Weihnachtstage zu rasten, es gibt noch einige Dinge am HerrMAN zu richten, bevor es dann richtig losgeht.

Ein illustres Völkchen aus aller Herren Länder hat sich hier schon versammelt, einige kenne ich bereits vom Stadtcamping bei Overland Embassy in Panama-City, – man trifft sich irgendwann irgendwo immer mal wieder.

Tagesetappe:  68 km  Gesamtstrecke:  55.971 km

17.-22.12.2023 – Das Warten nimmt kein Ende – Cartagena 3

Heute ist Sonntag, ich mache mich nochmal auf den Weg, hinüber in die Altstadt, die hat mir vorgestern schon richtig gut gefallen.
Wie schon beim letzten Mal schlendere ich durch die Gassen, bewundere die alten Gebäude, das geschäftige Treiben, die bunten Farben der Häuser und der Kleidung und die fröhlichen Menschen, von überall erklingt Musik, – wirklich sehenswert.

Heute ist der 17., das Schiff mit dem HerrMAN ist wohl am 14. in Colon/Panama in See gestochen, sollte also jetzt, nach 3 Tagen wohl angekommen sein.
Auf meinem Rückweg laufe ich einen langen Umweg, hinunter in das Hafenviertel, gehe immer am Meer entlang, aber außer irgendwelchen Oberdecks von ein paar Kreuzfahrtriesen und ein paar aufgetürmten Containern ist hinter den mächtigen, 6 bis 8 Meter hohen, mit Stacheldraht gesicherten Mauern, die den Hafen schützen, leider nichts zu sehen, – nach etwa 10 km Fußweg bin ich gegen Abend in meinem Quartier zurück, und lasse gleich mal eine WhatsApp an die Schiffsagentur los, um zu erfahren, wo sich denn der HerrMAN derzeit befindet.

Am Montag früh teilt man mir mit, daß das Schiff, die Orinco, tatsächlich am Sonntag früh gegen 07.35 Uhr in Cartagena eingelaufen ist, – na immerhin, – ein erster Schritt !
Und Ana Rodriguez, die Schiffsagentin hier in Cartagena legt auch gleich los, – das sieht gut aus, ständig kriege ich irgendwelche ausgefüllten Formulare zugeschickt, die ich unterschrieben wieder zurückzusenden habe, so geht das über den gesamten Tag und macht Hoffnung auf eine baldige Übergabe.

Da habe ich allerdings die Rechnung mal wieder ohne die Behörden gemacht, – denn, – am Dienstag passiert erst mal gar nichts.
Am Mittwoch früh um 08.30 Uhr soll ich dann im Hafen erscheinen, – in voller Kampfmontur, – will heißen, daß es Sicherheitsvorschrift ist, daß im Hafen nur lange Hosen, lange Hemden, Sicherheitsschuhe, Warnwesten und Bauhelme zu tragen sind, – und das bei 33 Grad !
Warnweste, Bauhelm und Sicherheitsschuhe gibt’s leihweise von der Schiffsagentur, – ich mußte mir gestern erst noch Socken kaufen, so was gehört in solch heißen Ländern normalerweise nicht zu meinen Reiseutensilien.

Naja, aus 08.30 Uhr wird dann 10 Uhr, aber immerhin, gegen Vorlage meines Reisepaßes darf ich zusammen mit Ana in den Hafen, – wir laufen eine halbe Ewigkeit zwischen Containern, Autos, riesen Gabelstaplern und Schiffen, die gerade gelöscht werden, – bis wir nach Anmeldung in einem weiteren Büro dann endlich da sind: – und da steht der HerrMAN, ein wenig einsam und verlassen, auf seinem FlatRack, eingepackt in eine ewig große, blaue Plane.

Mein Job ist es jetzt, ihn zu identifizieren, – ja, es ist wirklich meiner !
Ein Hafenarbeiter beginnt ihn auszupacken, ein Zollinspektor hat sich angemeldet, um die Fahrgestellnummer zu überprüfen.
Die ist allerdings in der Beifahrertüre des Fahrerhauses, und dazu brauchen wir den Schlüssel, den ich nicht habe, – denn der ist mit dem Schiff mitgereist, – nun, nach einer halben Stunde ist auch der hier eingetroffen, dann gibt’s ein schnelles Foto von der Fahrgestellnummer per WhatsApp, denn der Herr Inspektor hat jetzt gerade keine Zeit, persönlich zu erscheinen.

Um kurz nach Mittag ist die Aktion zunächst beendet, die Hoffnung, den HerrMAN mitnehmen zu dürfen, zerschlägt sich ziemlich schnell, am Nachmittag soll ich dann zusammen mit Ana im etwa zwei Kilometer entfernten Zollgebäude erscheinen, um irgendein Formular zu unterschreiben.
Der Termin wird allerdings dann auf den frühen Abend und später auf den nächsten Morgen, den Donnerstag, verschoben.
Aus frühem Vormittag wird später Vormittag, dann Nachmittag und endlich, gegen 15 Uhr kommt die Order gegen 16.30 Uhr im Zollgebäude zu erscheinen.
Gesagt, getan, – das ganze Prozedere dauert keine 5 Minuten, dann kann ich wieder gehen, weiter warten !

Mein Zimmer hatte ich zunächst bis Dienstag früh gebucht (alter Optimist !), verlängere derzeit von Tag zu Tag, muß allerdings dann letztendlich am Freitag früh raus, ist ja Weihnachten, und ich sitze hier echt auf Kohlen, wenn wir heute am Freitag den HerrMAN nicht aus dem Hafen kriegen, kann ich mir für die nächsten 5 Tage über Weihnachten nochmal ein Hotel buchen, denn die Behörden haben alle zu über die Feiertage, – ausgesucht habe ich mir sicherheitshalber schon Eines, direkt in Hafennähe.

Das Papier (TIP), das ich am Donnerstag unterschrieben habe, soll noch abends per E-Mail bei mir ankommen, – die Basis für eine mögliche Abholung, dann brauchen wir aber noch die Versicherung, die gibt’s aber erst mit dem TIP.
Und, – es kommt natürlich nicht, und auch am Freitag früh kommt es erstmal nicht.
Gegen 10 Uhr bitte ich Ana darum, doch bitte dort Dampf zu machen, und tatsächlich, 10 Minuten später ist das begehrte Stück bei mir und wird an Ana weitergeleitet, die jetzt die Versicherung und den Abholtermin beantragen kann.

Am Nachmittag gegen 14.30 Uhr muß ich dann mein Zimmer räumen, ich schreibe Ana, daß ich jetzt „obdachlos“ bin und mit meinem Gepäck in ihr Office komme und dort bleibe, bis ich den HerrMAN habe.
Und so wird es !
15 Uhr bin ich dort, die Versicherung existiert mittlerweile, tritt allerdings erst gegen 0 Uhr in Kraft, egal, ich fahre heute nicht mehr weit, nur noch raus nach Bocogrande, und verspreche auch, vorsichtig zu fahren (!?!)

Na, und tatsächlich, gegen 16 Uhr bekommen wir den Abholtermin zugeschickt, um 17 Uhr sollen wir da sein, also, – wieder rein in die langen Hosen, Paß, Schlüssel, Helm, Weste, Sicherheitsschuhe- und los.

Gleiches Prozedere, wie am Mittwoch, mehrere Sicherheitskontrollen, langer Fußweg entlang der Container, – Besuch im zweiten Büro und dann sind wir da, der HerrMAN steht immer noch auf seinem FlatRack, allerdings schon losgekettet, ein Riesenstapler faltet die Auffahrrampe aus, dann geht es endlich los.

Nach mindestens 3 weiteren Securitychecks bin ich dann endlich abends gegen 19 Uhr draußen
– und frei !!
Ich verabschiede mich von Ana und bin schon weg, – in der Rushhour brauche ich fast 1 Stunde bis hinüber zu dem kleinen Stellplatz hinter dem Hilton-Hotel ( N 10° 23′ 41“ W 075° 33′ 35“ ) auf der langen Sandbank Bocogrande.


Direkt daneben ist ein schönes, kleines Restaurant, die Terrasse direkt über dem Wasser gebaut, es weht endlich mal ein frisches Lüftchen, – und zur Feier des Tages gönne ich mir ein richtig tolles Abendessen mit einem eiskalten Corona.

Tagesetappe:  12 km  Gesamtstrecke:  55.903 km

14.-17.12.2023 – Warten auf den HerrMAN – Cartagena 2

Nach einem Tag Pause steht heute die Erkundung der historischen Altstadt an.

Etwa 2,5 Kilometer von hier entfernt bilden die Stadtteile „Getsemaní“, „La Matuna“, „San Diego“ und „El Centro“ den historischen Kern Cartagenas.
Fast komplett von Wasser umgeben, auf einer Halbinsel liegend und bis heute von einer 11 Kilometer langen, sehr gut erhaltenen und teilweise begehbaren Stadtmauer umgeben.

Wieder vorbei am Castillo San Felipe erreiche ich bald die „Puente Heredia“, die hinüber auf die Halbinsel führt. Immer weiter über die „Calle 30“, erreiche ich dann den „Parque Centenario“, eine schöne Parkanlage mit Plätzen, Bänken und Statuen, jetzt um diese Zeit natürlich alles weihnachtlich geschmückt, – schon irgendwie komisch bei 35 Grad im Schatten.
Am anderen Ende des Parks geht es dann durch den Bogen der „Puerta Balmaseda“ in den Stadtteil „El Centro“, das Herzstück der Altstadt.

Wunderschöne, alte, meist top gepflegte Aristokratenhäuser säumen die schmalen Gassen, beeindruckend die fröhlich hellen Farben, weiß, gelb und ocker, neuerdings auch blau und weinrot, also erfreulich bunt, mit alten, hölzernen Pforten und Balkonen und schmiedeeisernen Zäunen.
Hier geht es recht touristisch zu, – edle Geschäfte, viele Juweliere, – Bars, – Restaurants, – kleine Hotels und Kneipen haben sich hier überall angesiedelt, – die Innenhöfe hinter den oft alt wirkenden Fassaden sind vom Feinsten, – palmenbestandene Oasen im Festtagsgewand, – jeder Eingang von uniformierten Securitys bewacht, – das Viertel ist, zumindest am Tag, eines der Sichersten der Stadt.

Es herrscht reges Treiben, Geschäftigkeit ist Trumpf, – natürlich sind auch unzählige Straßenverkäufer mit ihren Souvenirs, Obst, Zigarren, billigem Schmuck,Wasser, oder Ähnlichem unterwegs, – sind für mein Gefühl jedoch nicht wirklich aufdringlich, – der Menschenschlag hier ist oft afrokaribisch geprägt, entsprechend klingt die Musik aus den Geschäften, auf einem Platz vor einem Straßencafe sitzt eine Gitarrencombo beim Bier, spielt und singt herrlich, die Menschen bleiben stehen und natürlich finden sich auch gleich ein paar Tänzer.
Die Obstverkäuferinnen in ihren farbigen Trachten stehen oder sitzen an jeder Straßenecke, auch Polizei und Security ist allgegenwärtig, – zu Fuß, – auf dem Moped – oder manche gar mit diesen modernen Sagways, – ihre stete Präsenz erzeugt beeindruckend das Gefühl von Sicherheit.

Ich laufe viele Kilometer, kreuz und quer, bin beeindruckt von der Schönheit des Viertels, erhasche immer wieder Einblicke, die noch toller als die Vorhergehenden sind, – anstrengend bei der Hitze, jedoch mit einigen Pausen geht das recht gut, – mal unter den schattigen Bäumen des „Parque de Bolivar“ oder in einem schönen Cafe, – dieses hier wird direkt von den Besitzern einer kolumbianischen Kaffeeplantage betrieben. (God bless great coffee ist ihr Wahlspruch).
Ein abendlicher Besuch im Viertel wäre sicher ebenfalls recht reizvoll, – doch den verkneife ich mir mal lieber.

Am frühen Abend kehre ich nach gut und gerne 8 bis 10 Fußkilometern ziemlich geschafft in mein Zimmer zurück, bereut habe ich davon nicht einen einzigen Zentimeter.
Ich werde sicher die nächsten Tage noch einmal wieder kommen.

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09.-13.12.2023 – Warten auf (nein, nicht aufs Christkind) den HerrMAN – Cartagena 1

Tja, HerrMANlos und fern der Heimat, sitze ich nun die nächsten 10 bis 14 Tage hier in Cartagena in meinem Zimmer und warte darauf, daß mir die Schiffsagentur die Ankunft des HerrMAN vermeldet.
Am Donnerstag, den 07. Dez. habe ich ihn in Colon (Panama) im Hafen abgegeben, das Schiff wird aber erst am nächsten Donnerstag, dem 14. Dez. in See stechen, dann bis zu drei Tage unterwegs sein und die Ausschiffung und Einfuhr in Kolumbien wird auch noch einmal 3 bis 6 Tage in Anspruch nehmen.
Also ist Geduld gefragt, – ich werde die Zeit schon irgendwie sinnvoll verbringen.

Erstmal nehme ich etwas Gas raus, – runterkommen, – die 3 Wochen Deutschland waren Vollstress, – dann der Flug, – die Zeitumstellung, – die Klimaumstellung vom deutschen Winter in den schwülheißen karibischen Sommer und der Stress der letzten 4 Tage in Panama City, – außer einer kurzen Einkaufsrunde im nahen Einkaufszentrum mit entsprechendem Abendessen und ein wenig Schreibkram am Computer mache ich 3 Tage lang gar nichts, – außer Schlafen und Schwitzen.

Aber dann:
Ausgeruht und einigermaßen aklimatisiert packe ich auf und erkunde die Stadt.
Heute zunächst das Castillo San Felipe.
Etwa einen Kilometer zu Fuß, durch enge Gassen, zwischen ewig hupenden Autos und knatternden Mopeds hinüber auf die breite „Calle 30“, die direkt zum schon aus der Ferne gut sichtbaren Castillo führt.
Fußgängerfreundlich sind die Gehsteige hier nicht gerade, uneben und brüchig, oft mit irgendwelchen Dingen zugestellt, seien es Autos oder Mopeds, die irgendwie quer darauf geparkt sind, oder der Obstverkäufer mit seinem Karren oder ein paar Müllsäcke, die auf Abholung warten, – noch größere Vorsicht allerdings verlangen die Kanalabdeckungen, so weit sie nicht gänzlich fehlen, sind sie oft brüchig, sind eine handbreit höher als die Umgebung, oder aus Stahlgittern geschweißt, deren Gitterabstände so groß sind, daß der Fuß komplett darin verschwinden kann, – also, immer schön vor die Füße schauen.

Hier am Castillo wird es touristisch, auf dem großen Parkplatz stehen Busse und Taxen, Security und Touristenpolizei treten gehäuft auf, Souvenirverkäufer bieten ihre Waren feil.
Das Castillo selbst, von den Spaniern Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut, thront mächtig auf einem 40 Meter hohen Felsen über der Stadt, übrigens das größte Castillo, das die Spanier jemals auf dem amerikanischen Kontinent errichtet haben, 30.000 kolumbianische Pesos (COP) kostet der Eintritt, etwa 8 Euro.
Die Festung selbst bietet architektonisch nicht wirklich viel, allerdings beeindruckt sie durch ihre Wuchtigkeit und vermittelt noch heute den Eindruck genau das gemacht zu haben, für was sie erbaut wurde, – schützen, sichern und verteidigen.
Beeindruckend ist der Ausblick von dort oben, – nach allen 4 Seiten, – über die Altstadt bis weit hinaus aufs Karibische Meer, – hinunter auf die schlanken Wolkenkratzer der Halbinsel Bocagrande und nach Norden, wo immer wieder mal ein Flugzeug vom „Rafael Nunez“-Airport startet oder dort landet.

Am Fuß der Festung genieße ich den Luxus eines guten Kaffees, – den hatte ich schon seit Tagen nicht, und später, auf dem Rückweg rundet ein Restaurantbesuch das Tagesprogramm ab.

Alles in Allem ein guter Einstand, – mal schauen, wie es weitergeht.

Tagesetappe:  0 km  Gesamtstrecke:  55.891 km