Drüben in der Kirche wird wohl gerade ein Gottesdienst abgehalten, hört sich an, wie auf einem Popkonzert, laute, gar nicht sakrale Musik schallt aus den Boxen über den gesamten Platz, und der Prediger ist auch nicht gerade zurückhaltend mit seinen Worten, laut und emotional trägt er vor.
Nach dem Ende des Gottesdienstes leert sich der Platz recht schnell und es kehrt Ruhe ein, nur vereinzelt fahren noch Autos oder knattert ein Motorrad vorbei.
Für mich ein idealer Platz, – mitten in der Stadt, den Menschen bei ihrem täglich Tun zuzuschauen.
Ecuador, derzeit im Ausnahmezustand, Kriegsrecht ist verhängt und ab 23 Uhr gilt ein nächtliches Ausgangsverbot bis morgens um 5 Uhr.
Jetzt, wo ich ja fast durch bin, kann ich ein kurzes Fazit ziehen:
Von Ausnahmezustand und Kriegsrecht ist hier überhaupt nichts zu spüren, sowohl hier, als auch in allen anderen Orten, durch die ich gekommen bin, geht Alles seinen ganz normalen Gang, die Menschen sind relaxed und gehen ihren täglichen Dingen nach.
Und auch die Ausgangssperre, – ich dachte, wenn es dann 23 Uhr ist, ist hier Friedhofsruhe, – ja denkste, es geht nach 23 Uhr genauso weiter, wie vorher auch, erst gegen Mitternacht wird es ruhig auf und um den Platz.
Und selbst in der Nacht, wohl so gegen 1 Uhr und nochmal gegen 3 Uhr werde ich kurz wach, weil irgendwelche Menschen in ihrer bekannt lauten Art irgendwo an der Straße oder auf dem Platz unterwegs sind.
Wie ich im Land mehrfach erfahren habe, ist dies wohl ein „Krieg“ zwischen der „Drogenmafia“ und den Verantwortlichen des Staates, der sich hauptsächlich in der Hauptstadt Quito, aber noch mehr in der Hafenstadt Guayaquil abspielen soll, dort wo halt die „Transporte“ nach Europa und in die USA durchlaufen.
Sei es, wie es ist, schade nur, daß ich deswegen jetzt dieses schöne Land nur im Schnelldurchgang bereisen konnte, drei bis vier Wochen hatte ich eingeplant, 9 Tage waren es letztendlich, trotzdem bin ich froh, daß ich überhaupt durchreisen durfte, sonst wäre es echt kompliziert geworden.
Am Morgen mache ich mich gegen 9.30 Uhr auf den Weg, – Grenztag.
Der Grenzübergang liegt nur wenige Minuten südlich.
Doch zuerst besuche ich noch einmal die Tankstelle, – ich durfte ja gestern abend nur für 50 US-Dollar tanken, – und was soll ich sagen, – niemand fragt oder schränkt ein, – ich kriege anstandslos vollgetankt, – es sind mehr als 50 USD, – zahle und gut ist es.
Es ist vermutlich auch eine Frage des Personales, ob es Restriktionen gibt, oder nicht.
Nach wenigen Minuten komme ich an die Grenze, – ein großzügiges, relativ neu erbautes Abfertigungsgelände mit ausreichend Parkplätzen, –
– und ich bin ganz alleine hier, – niemand sonst ! Das habe ich jetzt auch noch nirgendwo erlebt.
Die Abfertigungen für die Ausreise aus Ecuador und die Einreise nach Peru sind alle hier in diesem Gebäude, nebeneinander, Schalter an Schalter, das ist doch mal Klasse und es geht recht gemächlich zu, alle sind sehr hilfsbereit und sagen, wie es weitergeht.
Paß mit Stempel ist in max. 10 Minuten erledigt, Peru macht ein Foto und nimmt Fingerabdrücke, – das TIP fürs Fahrzeug, sowohl für die Aus- als auch für die Einreise braucht halt ein wenig, ist Schreibkram und die Zöllner gehen dann mit ans Fahrzeuge, fertigen Fotos und checken die Fahrgestellnummer.
Aber Alles in Allem bin ich in unter einer Stunde durch ! Rekordverdächtig !
Allerdings die Leute von der Versicherungsbude stellen sich wieder mal dämlich an, – hier vor Ort dauert es fast eine halbe Stunde bis der Typ nach unglaublich vielen Fragen und mindestens drei Anrufen in seiner Zentrale verzweifelt aufgibt und mich hinüber nach Peru schickt, ich solle dort gleich im ersten Gebäude rechts anfragen, die würden das machen (??)
Gesagt, getan, die Frau hinter der Theke ist wesentlich flexibler, braucht zwar auch ein wenig, aber nach 20 Minuten ist die Police fertig, für zwei Monate zahle ich 61 US-Dollar, das ist ok.
Dann kann ich endlich los, und bin nach wenigen Minuten überrascht, was so eine imaginäre Linie, wie eine Grenze für einen Unterschied ausmacht.
Es ist sofort erkennbar, daß der Lebensstandard hier wesentlich niedriger ist, als noch in Ecuador, – die Behausungen schäbig, – die Straße schmal und kaputt, – die Autos alt und wieder viel mehr Zweiräder auf der Straße, – rechts und links der Straße kaum Menschen zu sehen, – Landwirtschaft, irgendwie Fehlanzeige, lediglich im direkten Grenzbereich, sowohl in Ecuador, als auch in Peru wird Reis angebaut, der Grenzfluß „Rio Macará“ bietet offensichtlich genug Wasser dafür, – danach sind nur noch ein paar streunende Ziegen unterwegs, die das Buschwerk in der Pampa abknabbern.
Und das Müllproblem, – hier ist es wieder, – aber mit solch einer Wucht, daß ich es kaum glauben kann, – die Straßenränder sind gesäumt mit Abfall, – streunende Hunde und Geier wühlen ihn auseinander, um die letzten verwertbaren Dinge zu finden, – an manchen Stellen stinkt es jämmerlich.
Erst mal bin ich völlig baff, – Ecuador war da so ganz anders, – und auch in den Ländern weiter nördlich, in denen es diese Müllprobleme gab, – Kolumbien, zumindest im nördlichen Teil und auch einige Länder in Mittelamerika, waren Waisenknaben gegen das, was ich hier sehe, kenne ich in diesem Ausmaß nur aus einigen afrikanischen Ländern.
Die Landschaft wird zusehends trocken, aus dem üppigen Grün der letzten Wochen wird hier ganz schnell gelb und braun, außer in den Flußtälern, wo offensichtlich bewässert und ein wenig Landwirtschaft betrieben wird, herrscht Dürre, savannenartig, irgendwie afrikanisch schaut es hier aus, der Wind weht Sandwolken über die Straße, – und gleich sieht Alles irgendwie dreckig aus.
Aus der E 35 in Ecuador ist hier die 1 N geworden, führt jedoch auch immer weiter nach Süden.
In Las Lomas soll es wohl eine Bank und Geldautomaten geben, ich fahre mal rein und finde auch die Nationalbank am Stadtplatz, kann mir endlich mal hiesiges Geld besorgen, Soles heißt die Währung hier und für 1 USD kriege ich etwa 3,7 davon.
Im Laden nebenan besorge ich mir dann eine hiesige SIM-Karte, dazu braucht es jedoch drei verschiedene Läden, – also beim ersten kriege ich die Karte, aber kein Volumen drauf, – beim Zweiten hat man nur Volumen zum telefonieren und endlich beim Dritten kriege ich dann Guthaben für Internet draufgeladen, – wieviel konnte man mir nicht sagen, 10 Soles mußte ich zahlen, bin gespannt, wie lange das hält.
Igendwann auf dem Weg Richtung Sullana wird die Gegend dann doch noch fruchtbar, Mangoplantagen bis zum Horizont und später dann Limetten, unglaublich Viele, in einem kleinen Städtchen beschäftigen sich wohl alle damit, alle Pickups und Geschäfte in der Stadt handeln irgendwie mit Limetten, tausende volle Säcke werden hier angekarrt und gehandelt.
Hinter Sullana verlasse ich die N 1 für einen Abstecher an den Pazifik.
Das Grün in der Landschaft ist nur von kurzer Dauer, schnell wird die Landschaft wieder wüstenhaft trocken und bei der Anfahrt zum Meer könnte dies auch irgendwo im Senegal sein, weite Sandflächen, kleine, aufgetürmte Dünen.
Ich habe mir „Camping und Rooms Conzulado 96“ ausgesucht, direkt am Meer, leider ohne Strand, hier klatscht das Meer heftig gegen die Klippen, – aber sonst sehr nett, sauber und mit einem kleinen Swimmingpool. ( S 05° 00′ 13“ W 081° 04′ 04“ )
Allerdings komme ich mal wieder nicht rein, die Einfahrt ist 40 Zentimeter zu niedrig.
Als obere Begrenzung dient eine Holzstange mit einer Lampe, Julia, die Verwalterin ruft Carlos, den Besitzer an, der kommt, und zusammen bauen wir erst mal das Einfahrtstor auf HerrMAN-taugliche Maße um, – dann kann ich rein, stehe direkt neben dem Pool, – bin mal wieder alleine.
Für den Abend hat Carlos Freunde zu einem Barbeque eingeladen und lädt mich ebenfalls dazu ein, es wird ein angenehmer Abend mit tollem Krustenbraten, Bier und Wein, netten Gesprächen, auch wenn sie sich nicht immer ganz einfach gestalten, klappt das mit dem sprechenden Sprachübersetzungsprogramm aus dem Smartphone richtig gut. Hier werde ich mal ein paar Tage bleiben.
Tagesetappe: 216 km Gesamtstrecke: 60.714 km


































































































































