25.02.2024 – Von Abancay nach Cusco

Der Regen hört irgendwann am Abend auf, – die Nacht ist nicht ganz so ruhig, einige LKW kommen noch spät an und rangieren, andere fahren ziemlich früh los.

Kurz nach 9 Uhr mache ich mich auf den Weg, weiter über die 30 A oder 3 S, wie sie hier jetzt heißt. Google Maps, mit dem ich gerade navigiere, möchte allerdings nicht, daß ich da hinfahre, die Strecke sei aktuell gesperrt, und empfiehlt eine Umleitung, die mehr als 6 Stunden länger dauert und über die 113 / 114 einen weiten Umweg über recht miserable Straßen empfiehlt. Ach Mann …..

Irgendwie habe ich da keine Lust drauf und fahre trotzdem auf die 3 S, vielleicht ergibt sich dort ja eine lokale Umfahrungsmöglichkeit, oder ich kann irgendwie offroad vorbei, oder notfalls muß ich halt wieder umkehren.

Zunächst durch Abancay, eine recht große Stadt, – steil zieht sie sich den Berg hinauf, – die Straße durch die Stadt, eine unglaubliche Katastrophe, – ehemals aus Betonplatten gefertigt, sind sie mittlerweile durchweg zerbrochen, verschoben, mit tiefen Löchern durchsetzt, – oft wechselt der Verkehr einfach auf die Gegenspur, weil Fahren auf der Rechten kaum noch möglich ist, so fahren Alle im Zickzackkurs durch die Stadt. Vor der Stadt war sie eigentlich ok und nach der Stadt ist sie auch wieder absolut in Ordnung, nur die Stadt, hat man irgendwie „vergessen“.

Schon unterwegs steigt die Hoffnung in mir, daß ich irgendwie durchkomme, denn ich habe Gegenverkehr, ein gutes Zeichen, sogar LKW und irgendwann begegnet mir ein Bus, der „Cusco“ im Fahrtanzeiger stehen hat, na, das wird, der wird wohl von dort kommen.

Und tatsächlich, als ich nach etwa der Hälfte der Strecke an die angebliche Sperrung komme, – ist die aufgehoben, der Verkehr wird einseitig über die Brücke geführt. Es ist wohl an der Brücke durch einen Erdrutsch irgendwie ein Schaden entstanden, – Gelbkittel mit Helmen laufen umher, die Herrn Ingenieure beratschlagen, wie es weiter geht. Na also, ging doch, – Glück gehabt !

Die Strecke führt auch heute wieder durch die Berge, nicht mehr so hoch, wie gestern, aber eben kurvig und immer wieder aufwärts und abwärts, über einige Brücken, die Flüße und Bäche queren und gelegentlich auch durch Ortschaften und kleine Städtchen.
Die Landschaft ist herrlich grün, auch hier wird Landwirtschaft betrieben, auf den Feldern ist fast alles zu sehen, Gemüse, Mais, Kartoffeln, Bohnen, auch kleinere Obstplantagen gibt es immer wieder, dazwischen grasen Rinder und Kühe auf saftigen Weiden.

In einem der Städtchen ist heute Sonntagsmarkt und richtig viel Betrieb, – leider kann ich an solchen Orten meist nicht einfach mal stehen bleiben und dem Treiben ein wenig zuschauen, es ist immer alles total zugeparkt und auf der Straße herrscht Chaos.

So treffe ich am Nachmittag in Cusco ein, 3.600 Meter hoch liegt die Stadt, hier habe ich mir den Campingplatz „Quinta Lala“ ( S 13° 30′ 20“ W 071° 59′ 06“ ) ausgesucht, zunächst mal für ein paar Tage Ruhe, aber hier soll eventuell der HerrMAN auch über den Sommer stehen bleiben, die Möglichkeit wird angeboten, ich werde das abklären in den nächsten Tagen.

Die Zufahrt ist wieder mal einigermaßen chaotisch, ich wurde in Nasca schon vorgewarnt, nicht durch die Altstadt zu fahren, sie sei viel zu eng, also nehme ich einen weiten Bogen um die Stadt und fahre den Campingplatz von Norden an.
Leicht gesagt, denn auch die 3 S führt nicht nur außen rum, sondern auch erst mal zum Historischen Zentrum und dann wieder davon weg.


Und es kommt, wie es kommen mußte, – einmal falsch abgebogen und schon bin ich mittendrin und obwohl diese Straße eigentlich auch breit ist, ist sie für mich irgendwie zu schmal, weil rechts wieder mal alles zugeparkt ist und links die Bäume vom Mittelstreifen weit in die Straße reichen, – nunja, ich schleiche mich vorsichtig durch, und beim letzten Baum dann ist Ende, – ein relativ dicker Ast schaut weit in die Fahrbahn, den kann ich nicht ignorieren, der haut mir alles kaputt, dort oben auf dem Dach.
Uuund….. hier vor mir ist ein Stadion und wohl gerade irgendwas los, 20 Meter vor mir stehen mindestens 30 Polizisten und schauen interessiert zu.
Also, – Stop, – Warnblinker, – Ende, – erstmal raus, Lage peilen, – Hupkonzert da hinten ignorieren, – also der Ast muß weg, oder der parkende PKW rechts neben mir, – zwei Polizisten kommen schon mal, wissen aber auch nicht so recht weiter, einer der umstehenden Passanten klettert ruckzuck in den Baum und will den Ast zur Seite ziehen, schafft ihn aber nicht, – also, 1, 2, bin ich mit meiner Säge oben auf dem Dach und zusammen mit dem Passanten schneiden wir erst mal gemächlich den Baum auf EU-Norm.

Und schon geht es mit einem Gruß aus dem Horn weiter und über die richtige Straße bin ich dann nach fast 2 Stunden, die ich durch die Stadt gebraucht habe, schon fast im Dunkeln auf dem Campingplatz. War wieder spannend heute.

Tagesetappe: 215 km Gesamtstrecke: 64.029 km



24.02.2024 – Von Puquio nach Abancay

Am Abend füllt sich der Platz mit schweren LKW, – nur ganz wenige Trucker fahren in der Nacht auf dieser Strecke, – die meisten sind vernünftig, verbringen hier die Nacht und fahren bei Tagesanbruch weiter. Trotz der Nähe zur Straße ist es enorm ruhig in der Nacht.

Kurz nach 9 Uhr in der Früh mache ich mich wieder hinaus auf die 30 A, durch die Senke mit dem Städtchen und dann wieder hinein in den Anstieg, – der dichte Nebel, der noch am frühen Morgen in der Luft hing, hat sich fast verzogen, nur vereinzelte Nebelfetzen ziehen noch durch die Senken und über die Kuppen, kurz darauf kommt sogar die Sonne raus.

Schon nach kurzer Zeit erreiche ich die erste Paßhöhe mit über 4.100 Metern, dann führt die Straße bestimmt über 70 Kilometer durch eine fantastische Hochebene, bis auf fast 4.500 Meter steigt sie an, – in der Ebene führt sie meist schnurgerade durch eine unglaubliche Landschaft.
6.000 Meter hohe Berge im Hintergrund, davor die weite, mit Gras bewachsene Ebene, mit sanften Hügeln, kleinen Seen und Tümpeln, – Andengänse leben hier, – vereinzelt ziehen Vicunas, alleine oder in Kleingruppen durch die Ebene, – Vicunas sind die wilde Urform der Lamas/Alpacas, die schon zu Inkazeiten hier heimisch war, – unserem Reh ähnlich, klein, aber vom Typus her wie Lamas aussehend, sie sind seit jeher und bis heute heilig und kommen deswegen zur Zucht nicht in Frage, – es gibt vereinzelt sogar staatliche Schutzprogramme für diese Tiere.
Zur Zucht verwendet man Lamas und Alpacas, – recht große Herden ziehen grasend über die Ebene, – manchmal sind Hirten in der Nähe, – meist Frauen in ihren bunten Trachten, mit Kindern und den Haus- und Hofhunden, die es hier im Land in unglaublicher Zahl gibt, – irgendwie eine Bilderbuchwelt, so hatte ich sie in meinen Gedanken.
Ich dachte schon, ich komme hier heute gar nicht mehr weg, – alle paar Minuten anhalten, – schauen, – staunen, – fotografieren, – bei so einer Lamaherde könnte man den gesamten Tag verbringen.

Ja, und damit ich nicht zu sehr ins Träumen gerate, ist da auch wieder das Thema mit dem EDC im HerrMAN, bei etwa 4.400 Metern schaltet sich die Warnlampe ein, in höheren Regionen leuchtet sie, ohne daß wirklich eine Veränderung beim Fahren festzustellen ist, hier und da eine kleine, schwarze Rußwolke, das machen allerdings hier alle Diesel, der HerrMAN gelegentlich auch mal in niedrigeren Höhen, das liegt allgemein an der Qualität des hiesigen Diesels.
Als ich später drüben ins Tal hinab fahre und wieder unterhalb von 4.400 Meter komme, geht sie brav wieder aus und drüben im nächsten Anstieg bei mehr als 4.400 Metern dann wieder an, – irgendwie sehr rätselhaft, – ich muß mich da schlau machen, aber so lange der HerrMAN schnurrt, mache ich mir nicht die größten Sorgen.

Über wilde Serpentinen stürzt die Straße hinter Izcahuaca regelrecht hinunter in das tief eingeschnittene Tal des Rio Chalhuanca, – schon bei der Anfahrt aus der Hochebene, ein überwältigender Anblick, wie sich tief unten der Fluß seinen Weg durch die enge Schlucht bahnt.
Im weiteren Verlauf schlängeln sich Straße und Fluß nun gemeinsam über viele Kilometer durch die enge Schlucht nach Norden, die Felsen steigen senkrecht nach oben, – immer wieder scheinen hier Felsstürze oder Erdrutsche die Straße zu versperren, – das ist hier wohl täglich Brot, – oft nur notdürftig werden Steine und Erdmassen zur Seite, meist in den Fluß geschoben und der Verkehr kann wieder rollen.
Der Fluß scheint bei starken Regenfällen gewaltig anzuschwellen und dann erhebliche Schäden an der Straße anzurichten, an mehreren Stellen sind Teile weggeschwemmt worden und Bauarbeiten im Gang, mit riesigen Steinen versucht man die Ufer zu stabilisieren.

Abancay ist mein heutiges Tagesziel, mangels geeigneter Stellmöglichkeiten bleibe ich schon etwa 7 Kilometer vorher, wieder an einer Petroperu Tankstelle mit LKW-Parkplätzen stehen. ( S 13° 41′ 13“ W 072° 55′ 01“ ), nachdem es seit etwa 30 Minuten regnet, ist der Platz ziemlich matschig, aber ich bin ja nicht zum Spazierengehen hier, das geht schon.
Etwa 2 Kilometer weiter nördlich soll es angeblich ein Hotel mit brauchbaren Stellplätzen geben, ich war da und konnte es wieder mal nicht finden, das passiert oft, – ich denke, daß viele Hinweise recht schnell überholt sind.

Tagesetappe: 262 km Gesamtstrecke: 63.814 km



23.02.2024 – Von Nasca nach Puquio

Die Lodge ist weit von der Straße entfernt, also nichts zu hören, entsprechend ruhig ist die Nacht.
Auch der Morgen ist recht angenehm, der HerrMAN steht im Schatten, – hier hat man über 4 Meter hohe (!!) Carports mit Palmdächern gebaut, die den Fahrzeugen Schatten bieten, – das ist doch mal eine klasse Idee, – so hängt nicht schon in der Früh um halb 7 die Sonne auf dem Dach und heizt gnadenlos.

Ich unterhalte mich lange mit den Nachbarn, Ana und Patrick, – sie haben sehr viel Interessantes über das Reisen in Brasilien zu erzählen, das macht gleich wieder Lust auf mehr.
Dann ziehen sie weiter.
Ich gehe eine Runde durch den Swimmingpool, dann mache auch ich mich auf die Socken.

Es ist schon nach 11 Uhr heute, – egal, – war ein interessanter Morgen, und ob ich jetzt heute 50 Kilometer weiter komme, oder eben nicht, ist auch egal.
Es sind fast 700 Kilometer hinauf nach Cusco, mehrfach über die Berge, das dauert sowieso.

Ein kurzes Stück auf der 1 S, dann auf die 30 A, die „Carretera Interoceanica“, die bis Cusco führt.
Sie ist eine einspurige Landstraße, ohne Standstreifen, nicht gerade üppig breit, aber es reicht aus, auch bei Gegenverkehr durch dicke Brummer.
Bald hinter der Stadt beginnt der Aufstieg in die Berge, heute ist es wieder extrem kurvig, – auf der Strecke sind auffällig viele schwere LKW unterwegs, in beiden Richtungen, PKW sind nur gelegentlich mal zu sehen.
Fast drei Stunden geht es nur bergauf, es bleibt vegetationslos kahl, die Felsen auch hier hellbraun und kahl, die Ausblicke werden von Kurve zu Kurve fantastischer, die Abgründe am Rand der Straße immer tiefer.

Ich hatte ja die Tage schon mal darüber berichtet, daß entlang der 1 S unglaublich viele Kreuze zum Gedenken an die Opfer der Straße stehen, – hier an der 30 A scheint es mir noch extremer zu sein, – über den Tag verteilt, – ich bin ja gerade mal 150 km weit gekommen, sind es mindestens 100, – welch unglaubliche Schicksale sich hier im Lauf der Jahre abgespielt haben, – es stimmt nachdenklich, wenn dann in einer Kurve nicht eins sondern gleich 5, 8 oder einmal gar 11 solche Kreuze stehen….


Irgendwann werden die Wolken immer dichter und es fallen gar ein paar Regentropfen, – sicher nicht nur heute, denn hier oben beginnt die Vegetation, die Farbe wechselt allmählich von braun auf grün, zunächst nur vereinzelte Grasbüschel, Kakteen und niedrige Sträucher, aber bald wird daraus eine großflächige Graslandschaft.
Ich erreiche die langgestreckte „Pampa Galeras“, eine grüne Hochebene, – Rinder und Lamas bewegen sich hier völlig frei und suchen sich ihr Futter, ich bin wieder mal auf fast 4.200 Metern Höhe angekommen.

Jetzt kommt dicker Nebel auf, die Sicht wird zusehends schlechter und immer wieder regnet es ein paar Tropfen, dann kommen wieder kurz ein paar Sonnenstrahlen durch und zaubern ein beeindruckendes Farbenspiel in den Himmel und auf die grüne Ebene, selbst ein kleiner Regenbogen mischt sich in das Arrangement.

Die Temperatur fällt bei 4.200 Metern und Nebel auf 11 Grad, gestartet bin ich vor 3 Stunden bei 34, der Unterschied ist schon extrem und die Vliesjacke wird von ganz unten nach ganz oben gekramt.

Nach dem Überqueren des Paßes geht es zunächst wieder abwärts, – bestimmt 1.000 Meter, – ein Fluß hat sich über die Jahrmillionen tief in den Berg eingegraben und ein mächtiges Tal geschaffen.
Unten ist eine Mautstelle, 7,70 Soles, ca. 2 Euro werden fällig.
Der Nebel bleibt in der Höhe, hier unten ist die Sicht klar und es kommt unglaublich viel Grün aus dem Nebel hervor, Wiesen, Bäume, Felder, – ein herrliches Tal, alpenländisch wieder mal, – nach den Tagen in der Wüste ein fast ungewohnter Anblick.
Drüben dann windet sich die Straße allerdings schon wieder nach oben, – hier erreiche ich nun bald die einzigen drei Orte des heutigen Tages, bisher ist die heutige Strecke komplett unbewohnt.

Zeit mir einen Nachtplatz zu suchen, – später, – nach den Orten gibt es wieder lange Zeit gar keine Unterstellmöglichkeit und irgendwo dort draußen in freier Wildbahn möchte ich nicht stehen, – nicht ganz richtig, – möchte schon, – tut man aber hier eigentlich nicht.
Ein Stück vor dem Ortseingang von Puquio gibt es eine „Petroperu“ Tankstelle mit einem großen Parkplatz, an dem auch die Trucker ihre Nacht verbringen, das sieht doch gut aus hier.
Ich komme rechtzeitig und habe noch die freie Auswahl, mein Platz bietet einen schönen Ausblick hinunter auf die Stadt. ( S 14° 41′ 38“ W 074° 08′ 13“ )

Tagesetappe: 156 km Gesamtstrecke: 63.552 km



22.02.2024 – Von Ica-Huacachina nach Nasca

Am Abend schaltet die Poolbar schon gegen 21 Uhr die Boxen ab, – auch gut.
Der Sand der umliegenden Dünen kühlt am Abend schnell aus und sorgt für angenehme Nachttemperaturen.

Gegen 10.30 Uhr mache ich los, heute ist es enorm heiß, schon 33 Grad um 9 Uhr in der Früh, ich bin heilfroh, als ich endlich fahre und ein wenig kühlender Fahrtwind durch die geöffneten Fenster strömt.


Den kurzen Weg hinüber nach Ica, dort auf die 1 S und immer stur nach Süden, bis Nasca.
Die 1 S ist hier, südlich von Ica eine bessere Landstraße, einspurig, aber angenehm breit mit jeweils einer schmalen Standspur, auf der die Zweiräder und Mototaxis knattern, ohne den restlichen Verkehr zu behindern.
Auf den ersten 70 Kilometern ist sie, wie mit dem Lineal gezogen, schnurgeradeaus, der Asphalt ist recht gut, zwar immer mal ein wenig wellig, aber ohne Schlaglöcher und Topes, – einschläfernd langweilig, aber es geht zügig voran, – auffallend viele schwere LKW sind hier in beiden Richtungen unterwegs.
Die unglaublich hohe Anzahl an Gedenksteinen und Kreuzen beidseits der Straße spricht ihre eigene Sprache, das habe ich in dieser Häufigkeit bisher nur an der Magistrale von Moskau an den Baikalsee erlebt, dort war es ähnlich.
Auf der zweiten Hälfte wird sie dann etwas kurviger, es geht, zumindest ein wenig, in die Höhe.

Heute sind 13 Soles, also 3,35 Euro Maut fällig.

Landschaftlich ist es, wie schon die letzten Tage, – Wüste, – Steine, – Sand, – sengende Hitze, – ein warmer Wind zieht über die Flächen und wirbelt immer wieder Staubwolken oder kleine Sandhosen in die Höhe.
In den Flußtälern die grünen Oasen, – Landwirtschaft, – Ackerbau jeglicher Coleur, – Wein, – Mais, – Obst und Gemüse, und auch hier wieder einige Felder mit Strauchrosen.

Am frühen Nachmittag laße ich dann die ewigen Sandfelder hinter mir, hier ist es bergig, – genauso trocken, wie drüben in der Sandwüste, aber steinig, die Sonne hat die vom Sand befreiten Steine über die Jahrtausende schwarz gebrannt, – Wüstenlack.

Ich erreiche die Geoglyphen von Palpa, – Steinbilder in der Wüste, – bis zu 40 Meter groß, – über einige Quadratkilometer verteilt, – 2.200 bis 2.800 Jahre alt, – sie wurden erst im Jahr 2004 hier in der Wüste entdeckt.
An drei, etwas erhöhten Aussichtspunkten ist die Sicht auf die an steilen Felshängen sichtbaren Kunstwerke recht brauchbar, Motive aus der damaligen Zeit, Jäger, Schamane, Familie mit Kindern.

Kurz darauf erreiche ich die weltberühmten magischen Linien und Geoglyphen von Nasca.
Ein neuer Aussichtsturm an der Straße läßt für 6 Soles Eintritt einen Blick aus einer höheren Perspektive zu, so ist wenigstens ein wenig was zu erkennen, – Eidechse, Baum und Hände sind die drei Figuren dort unten, – richtig zu sehen sind die bis zu 300 Meter großen, mysteriösen Linien und Figuren eigentlich nur vom Flugzeug aus. (Oder auf Google Earth, – macht Euch mal den Spaß, gebt einfach Nasca, Peru dort ein und sucht ein wenig die Gegend um die Stadt ab, es ist wirklich aufregend und phantastisch, was dort alles in der damaligen Zeit erschaffen wurde.)

Wie die Linien und Figuren entstanden sind, weiß man mittlerweile ganz genau, – dort wo heute die Linien sichtbar sind, wurden einfach die schwarzen Steine weggeschafft, die darunterliegende, weiße Schicht aus gipshaltigem Sand tritt so deutlich sichtbar an die Oberfläche und bildet die Linien.
Hier in der Gegend regnet es nur einmal im Jahr für wenige Minuten, – zum Einen wurde dadurch der gipshaltige Sand verfestigt, zum Anderen ist dies der Grund dafür, daß diese Linien und Figuren nun schon 1.500 Jahre und länger ziemlich unbeschadet überstanden haben.

Über die Bedeutung, bzw. den Grund für das Erschaffen dieser gigantischen Figuren ist sich die Wissenschaft bis heute allerdings nicht wirklich einig.
Maria Reiche, deutsche Mathematikerin und Geografin begann wohl schon 1936 mit der Erforschung dieses Geheimnisses und machte dies zu ihrer Lebensaufgabe, lebte letztendlich ganz hier in Nasca, wo sie 1998 im Alter von 95 Jahren verstarb, hochverehrt und beliebt in Peru, ein Museum und der Flughafen der Stadt tragen ihren Namen.
Nach ihrer Überzeugung ist dies hier wohl das größte astronomische Lehrbuch der Welt, Linien und Sonnenstand haben einen gewissen Zusammenhang, die Figuren könnten einen Bezug zu den verschiedenen Sternzeichen haben, – die Theorien von Erich von Däniken, daß hier in der damaligen Zeit ein Landeplatz für Außerirdische gewesen sein soll, verliert allerdings immer mehr an Zustimmung.

Gegen Abend fahre ich in die Stadt, in der Nasca-Lodge werde ich mein Nachtlager aufschlagen ( S 14° 49′ 14“ W 074° 57′ 34“ ), – ein sehr schönes Gelände, Hotel, Restaurant, Camperstellplätze mit schönem Garten und großem Swimmingpool.

– und ich habe Glück, – nicht nur, daß ich im Restaurant am Pool ein leckeres Abendessen serviert bekomme, sondern daß ich plötzlich angesprochen und auf deutsch gefragt werde, ob ich der „Neue“ auf dem Campground sei, was ich natürlich bejahe.
Kleine Welt: Ein Elsässer, der in jungen Jahren in Deutschland gearbeitet hat und nun schon seit 35 Jahren in Brasilien lebt und hier mit seiner brasilianischen Frau auf Camperreise ist, lädt mich herzlich ein, nachher an einem Vortrag teilzunehmen, in dem in einer Bildershow die Geoglyphen von Palpa, die Linien und Geoglyphen von Nasca und die alte Nascakultur im Allgemeinen gezeigt und erklärt werden. Das laß ich mir keine zwei mal sagen.

40 Minuten, spannend und lehrreich, – der Vortrag ist echt klasse, – Enrico, wohl irgendwie ein Familienmitglied der hiesigen Besitzer macht das hochprofessionell. Vielen Dank dafür.

Tagesetappe: 147 km Gesamtstrecke: 63.396 km



21.02.2024 – In der Oase Huacachina

Nach dem abendlichen „Sundowner-in-der-Wüste-Spektakel“ kehrt Ruhe ein, gegen 22 Uhr dreht auch die Poolbar die Musik ab und es wird herrlich ruhig, – fast wie in der Wüste. (grins)

Ica und natürlich auch Huacachina gehören zu den heißesten und trockensten Orten in ganz Peru, die Hitze ist jedoch trocken und ein leichter Wüstenwind, speziell gegen Abend, macht sie recht erträglich.

Hier bleibe ich heute, mache meine Erledigungen und warte auf den Abend, um auf die Dünen zu steigen, im Lauf des Tages ist daran gar nicht zu denken.
Huacachina ist eine Oase mit Dattelpalmen und erstaunlich hohen Sanddünen, – ein kleiner, schwefelhaltiger See, um den sich ein paar Häuser gruppieren, – heute vornehmlich touristisch genutzt, aber schon in der Inka- und Vorinkazeit kannte man den Ort und sprach dem See eine heilende Wirkung zu.

Hier kommt echtes Wüstenfeeling auf, wie wir es aus Nordafrika oder dem Iran kennen, allerdings nur tagsüber, wenn auf den Dünen einigermaßen Ruhe herrscht.


Gegen Abend, wenn die Temperaturen ein klein wenig erträglicher werden, strömen Besucher in Scharen heran, um die Dünen zu besteigen, – auch ich mache mich auf, um die Oase aus der Höhe zu betrachten. An einer Schranke hinter dem Ort werden Tickets für den Zugang verkauft, 3,60 Soles, also knapp einen Euro, – irgendwelche „Führer“ bringen ganze Gruppen dort hinauf, – nach etwa einem Drittel Anstieg, sehe und höre ich in einer großen Senke jede Menge dieser knatternden Strandbuggys, sie bringen den fußkranken oder lauffaulen Teil der Besucher, nach einer kleinen „Schleife“ durch ein paar rückwärtige Dünen, weit hinauf, manche bis auf den Dünenkamm.


Es geht irgendwie zu wie auf der Kirmes,
– ja, ich weiß, daß dies eine der wenigen Möglichkeiten für die Leute hier ist, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, – ich respektiere dies ja auch, – und gut isses.
Aber meine Vorstellung von Wüste ist halt eine ganz Andere, – trotzdem sehr imposant anzuschauen, – die Oase, eingebettet in die mächtigen Dünen, – im Licht der untergehenden Sonne ist im Osten, hinter den Dünen, die Stadt Ica und noch weiter hinten die Andenkette zu sehen, – durchaus ein Anblick, der einen Besuch hier und den Aufstieg auf die Dünen rechtfertigt.

Mit der einbrechenden Dunkelheit wälzt sich dann die Kolonne wieder die Dünen hinab und wenig später kehrt Ruhe ein.
Ich laße mich für einen guten Salatteller und ein Corona an der Poolbar nieder, auch das lohnt sich.

Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 63.249 km



20.02.2024 – Von Cieneguilla nach Huacachina

Heute früh zeigt sich wieder das „Luftproblem“ am hinteren, linken Reifen, runter auf 1,5 bar, das hatte ich vor 3 Tagen schon einmal, – schleichender Luftverlust, – ich fülle und beobachte weiter, erkennen kann ich das Problem auf die Schnelle nicht.

Heute geht die Reise weiter südwärts, Ica soll das Ziel werden.
Dafür fahre ich über die kleinen Nebenstraßen von Cieneguilla zurück auf die Carretera Panamericana, die seit Lima, nicht mehr die 1 N (steht offensichtlich für Nord), sondern die 1 S (offensichtlich für Süd) geworden ist.

Sie ist in allerbestem Zustand und geht komplett durch bis fast zum Ziel, autobahnmäßig ausgebaut mit Standspur. Luxus kostet allerdings, 3 Mautstellen kassieren in der Summe 90,20 Soles, somit 23,10 Euro, ganz schön happig für hiesige Einkommensverhältnisse.
Dafür kann man dann mal Strecke machen, gibt hier eh nicht viel zu sehen.
Die 1 S führt wieder dicht am Pazifik entlang, stur nach Süden, – auch hier wieder blanke Wüste, – Steine und Sand, – auf der rechten Seite führen immer wieder Abzweigungen hinunter an die Playas, die sich wie Perlen auf der Schnur am Pazifik entlang reihen. Aus der Ferne erkenne ich lange, sandige Strandbogen und kleine Buchten, – weiß schäumend brechen sich die Wellen des Pazifik an der Küste, – hier wird Tourismus betrieben, – riesige Werbetafeln neben der Straße versuchen Gäste in die Hotels und Feriendörfer zu locken, die dort an den Playas entstanden sind und schneeweiß in der Sonne leuchten, – Spanien läßt grüßen.

In anderen Gegenden, und zwar dort, wo die Flüße aus den Bergen anrauschen und sich ins Meer ergießen, ist das nicht möglich, die Flüße sind durch die starken Regenfälle in den Bergen tiefbraun gefärbt, bringen jede Menge Sedimente, Schlamm und Dreck mit sich, welcher als braune Spur kilometerweit ins Meer hinaus und an den Stränden sichtbar ist, keine guten Voraussetzungen für zahlende Badegäste.
Allerdings für die Landwirtschaft, denn in den Bereichen neben den Flüßen und weit darüber hinaus wird das kostbare Naß durch Pipelines in die Wüste geführt und macht diese unvorstellbar grün, – mit entsprechend viel Wasser wächst hier (fast) Alles, – Mais, – Zuckerrohr, – aber meist wertvolles Gemüse und Obst, – im Bereich Ica, wo ich gegen Abend lande, befindet sich das größte Weinanbaugebiet Perus, – mehr oder weniger mitten in der Wüste, – kilometerweit und tief in die Fläche hinaus nichts als Weinstöcke, – in den Orten dann entsprechend die großen Keltereien, – den Wein durfte ich vor 2 Wochen schon mal ausprobieren, der ist übrigens allerfeinst.

Gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich Huacachina, eine Oase in der Wüste, versteckt hinter mächtigen Dünen, – nun läßt mal wieder Marokko grüßen.
Dort, auf dem „Ecocamp“ logge ich ein, ( S 14° 05′ 20“ W 075° 45′ 49“ ), – nunja, – hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt, – ich stehe im eingezäunten und betonierten Innenhof der Lodge, Barbetrieb, Swimmingpool, Musik und Snacks, – für mich sieht Wüste und Freiheit anders aus, – aber man gewöhnt sich daran, ich werde trotzdem morgen hier stehen bleiben, heute Abend ist es für einen Ausflug in die umliegenden Dünen schon zu spät.

Tagesetappe: 295 km Gesamtstrecke: 63.249 km



19.02.2024 – Von Lima nach Cieneguilla

Nach dem nun schon obligaten Morgenschwimmen mache ich mich gegen 11 Uhr los, heute werde ich mich um die Abstellmöglichkeiten hier im Großraum Lima kümmern.

Erste Station wird bei „Carlos Mechanic und Storage“ in Chaclacayo sein, das liegt etwa 45 Kilometer nordöstlich. Dazu muß ich leider wieder auf die 1 N, durch die gesamte Stadt, um dann im Norden auf der 22 in östliche Richtung zu fahren.
Heute, am späten Montagvormittag geht das erstaunlich gut und flott, anders als am Freitag zur Rushhour, – nach etwa 1 ½ Stunden bin ich da.
An einer Mautstelle, mitten in der Stadt habe ich 13,20 Soles, also etwa 3,40 Euro zu zahlen.

Carlos hat eine kleine Reparaturwerkstatt, bietet Langzeitparken und parallel dazu Camping auf seinem Grundstück an. ( S 11° 58′ 08.14“ W 076° 44′ 53.96“ )
Zunächst finde ich an der angegebenen Adresse, außer hohen Mauern und einem mächtigen Tor, rein gar nichts, kein Hinweisschild, weder auf das Eine, noch auf das Andere, kein Türschild, keine Klingel, nichts, – na prima. Mein Klopfen geht wohl im Verkehrslärm der 22 total unter.
Als ich schon wieder wegfahren möchte, öffnet sich die kleine Schlupftüre und Carlos höchstpersönlich heißt mich freundlich willkommen.
Wir besprechen mein Anliegen, die Preise und die Möglichkeiten seiner Hilfe bei den Behördengängen, – sein Gelände ist nicht schlecht, ziemlich groß, komplett abgeschottet durch Mauern und das riesige Tor, mit einer Rasenfläche zum Campen und Stellflächen im Hof, es sind ein paar Fahrzeuge eingestellt, – mein Eindruck: „Kann man nehmen“.
Ich habe noch gute drei Wochen Zeit, wir tauschen unsere Telefonnummern aus, ich werde mich melden, wenn es dazu kommen sollte.

Dann fahre ich weiter, etwa 50 Kilometer, auf die Südostseite der Stadt, nach Cieneguilla zum Camping „Refugio Lima“, auch dort wird Camping und Langzeitparken angeboten, das soll heute auch mein Übernachtungsplatz werden. ( S 12° 05′ 49“ W 076° 46′ 49“ )
Dazu muß ich dankenswerterweise nicht mehr ganz in die Hauptstadt zurück, eine Parallelstraße führt durch „Covima“ etwas östlich der Hauptstadt in Nord-Süd-Richtung, nach „La Molina“ und dort auf die 119 bis Cieneguilla, der Verkehr allerdings ist dort auch nicht gerade viel weniger als in der Stadt.

Gegen 17 Uhr bin ich da, – der Chef ist gerade mal nicht da, – eingelassen werde ich trotzdem und einen Platz kriege ich auch, – die Besprechung verschieben wir auf morgen früh, – der Campground ist recht nett, – relativ klein, – mit viel Grün und einem kleinen Pool.
Ich nehme es aber mal vorweg:
Es stehen derzeit etwa 8 bis 10 Langzeitparker in einer Ecke des Platzes, die Möglichkeiten für große Fahrzeuge sind relativ beengt, – um die Formalitäten kümmert sich der Chef, – mir scheint es ein wenig teuer, aber kann man durchaus auch machen. Auch hier tauschen wir Telefonnummern aus und bleiben in Kontakt.

Ich werde nun meine Tour durch Peru ganz normal fortsetzen und irgendwann die nächsten Tage in Cusco landen, dort wird ebenfalls ein Stellplatz angeboten, den ich mir anschauen werde, danach entscheide ich.

Tagesetappe: 95 km Gesamtstrecke: 62.954 km

18.02.2024 – Lima Tag 2

Auch der heutige Sonntag beginnt mit einer Runde durch das Schwimmbecken, es wäre ja sträflich, dies nicht auszukosten, – Schwimmen oder Baden kommt auf dieser Reise eh viel zu kurz.

Um 12 Uhr bin ich wieder mit Gaby und Werner verabredet, diesmal in der historischen Altstadt, an der „Plaza Mayor“. Knappe 30 Minuten mit dem Taxi, ca. 5 Euro kostet das.
Wir haben Glück, – nur einmal im Monat, – an einem Sonntag, – und das um 12 Uhr, findet eine Zeremonie am Präsidentenpalast statt, – eine Wachablösung, mit berittenen Gardisten in schmucken, alten Kostümen, begleitet von zackiger Marschmusik, – Glück gehabt, – ein ganz nettes Spektakel.

Zudem findet auf der anderen Seite des Platzes in der großen Kathedrale von Lima gerade ein Gottesdienst statt, die sonst geschlossene Kathedrale ist deswegen geöffnet und läßt einen Blick ins Innere und ein Foto zu.

Die historische Altstadt, – ein wahres Schmuckstück, – die Plaza Mayor, das Herz Limas, – eingerahmt von schmucken Gebäuden aus der Kolonialzeit, – auf der einen Seite der mächtige Präsidentenpalast „Palacio del Gobierno“ mit seiner schmucken neoklassizistischen Fassade und den schweren, schmiedeeisernen Zäunen und Toren, auch heute noch Amts- und Wohnsitz des amtierenden Präsidenten Perus, längs daneben die „Kathedrale von Lima“, auf den beiden anderen Seiten der bischöfliche Palast „Palacio del Arzobispo“ und das Rathaus „Municipalidad“.
In der Mitte des Platzes, zwischen Grünflächen, Palmen und schweren, gußeisernen Kandelaberleuchten, der reichlich verzierte Brunnen aus dem Jahr 1651.

Auch im weiteren Umfeld, in den Straßen daneben und den anderen, kleineren Plätzen, überall schmucke Gebäude, alles in bestem Zustand, stundenlang kann man hier durch die Straßen schlendern.
Irgendwann kommen wir dann auf dem „Plaza San Martin“ an, auch hier wunderschöne Gebäude rund um den Platz, das „Teatro Colon“, das „Giacolett-Gebäude“ und das „Gran Hotel Bolivar“, in der Mitte des Platzes das riesige Denkmal von „Jose de San Martin“, der die Unabhängigkeit Perus erkämpfte.

Mit einem Taxi fahren wir dann noch hinüber in den Stadtteil San Isidro, schauen uns die Ruinen der „Huaca Pucllana“ an, einer Lehmziegel-Pyramide aus der peruanischen Vorinka-Zeit, etwa 11 Millionen dieser Lehmziegelsteine wurden einst für den Bau dieser Pyramide hergestellt und verbaut.

Zum Ende des Tages spazieren wir dann durch den „El Olivar de San Isidro Park“, eine wunderschöne Grünanlage, – heute am Sonntag sehr gut besucht, – und bin überrascht, hier in einem uralten Olivenhain mit knorrigen, schätzungsweise 500 bis 1000 Jahre alten Olivenbäumen gelandet zu sein. Kretafeeling !

Unglaublich viel gab es heute zu sehen, unglaublich viel waren wir zu Fuß unterwegs, – ohne meine beiden „Stadtführer“ wäre ich längst nicht so weit gekommen, – vielen Dank dafür.

Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 62.859 km



17.02.2024 – Lima Tag 1

Mitten in der Riesenstadt ist erstaunlich wenig vom Verkehrslärm zu hören, zudem sich direkt vor dem Einfahrtstor ein großer Kreisverkehr befindet, auf dem sich mehrere Hauptstraßen kreuzen, – ein fernes Brummen, hier und da mal eine laute Hupe, – alles völlig problemlos, – ich glaube auch, daß man sich recht schnell daran gewöhnen kann.
Jedenfalls schlafe ich in der Nacht wie ein Murmeltier, – das hohe Tor ist geschloßen, – der Pförtner sitzt Tag und Nacht nur wenige Meter neben dem HerrMAN, – ein sehr beruhigendes Gefühl hier in der Stadt.

Am Morgen, nach dem Frühstück, geniese ich zunächst mal das große Schwimmbecken, 29 Grad Luft, 27 Grad Wasser, da könnte man stundenlang im Wasser bleiben.

Geht nicht, – ich bin um 12 Uhr mit Gaby und Werner in der Stadt verabredet.
Wir haben uns im letzten Winter in Costa Rica kennengelernt und dann in Panama wiedergetroffen, – unsere beiden MAN´s haben nebeneinander in Panama City „übersommert“ und nun haben wir uns hier wiedergetroffen. Sie haben derzeit leider ein Problem mit ihrem MAN, er steht hier in der Werkstatt, es wurden Ersatzteile aus Deutschland geordert, was natürlich etwas Zeit braucht, bis sie hier eintreffen, – in der Zwischenzeit haben sie sich hier ein Zimmer gemietet und die Stadt reichlich erkundet und genossen, so daß ich heute und morgen zwei vorzügliche Stadtführer haben werde.

Heute treffen wir uns im Stadtteil Miraflores, draußen am Pazifik.
Die Fahrt mit dem Taxi dauert etwa 20 Minuten, das kostet hier knappe 4 Euro.
Die Fahrt geht durch ein erstaunlich modernes Lima, – breite Straßen, – moderne Häuser, – Hochhäuser und Geschäfte, – das könnte überall auf der Welt in einer großen Stadt sein, – die Stadt wird hier in diesen Vierteln auch sehr sauber gehalten, überall sind Straßenkehrer unterwegs, Gärtner pflegen die Blumenbeete und Grünanlagen.

Miraflores ist der touristische Teil Limas, – moderne Hochhaushotels mit altbekannten Namen, die man überall auf der Welt finden kann, – der große Park „Alfredo Salazar“ und unzählige andere Parks ziehen sich auf der Klippe über dem Pazifik immer an der Küste entlang, – alles blitzsauber, – Polizei und Security sorgen für die Sicherheit der Besucher, – Cafes und Restaurants bemühen sich um die Gäste, – Straßenverkäufer bieten Souvenirs, Eis, Süßigkeiten, aber auch geführte Stadtrundfahrten an, – das Einkaufszentrum „Larcomar“ ist beachtlich unauffällig „unterirdisch“ in die Klippen gebaut.
Wir laufen ziemlich weit nach Norden, unten braust das Meer und eine breite Chaussee zieht sich am Ufer entlang, – jede Menge Surfer sind auf dem Wasser unterwegs, – Badegäste bevölkern den langen Strand, – bunte Sonnenschirme sind überall sehen.

Irgendwann, ziemlich weit im Norden kehren wir um und gehen den Promenadenweg zurück, bis ganz in den Süden von Miraflores und wechseln dann hinüber in den Stadtteil „Barranco“, dieser ist im Gegensatz zu Miraflores, wo die großen Hotels angesiedelt sind, eher der Stadtteil der privaten Häuser und Appartements, entsprechend beschaulicher geht es zu, aber auch hier ziehen sich die Parks und Grünanlagen immer weiter auf den Klippen am Meer entlang.

Hinter der „Promenadenlage“ mit Meerblick und modernen Appartementhäusern, befindet sich der alte Stadtteil „Barranco“, – schöne alte Häuser, – die herrlich bunte Kolonialkirche „Iglesia La Ermita“, – leider steht von ihr nur noch die Fassade, der dahinter liegende Teil samt dem Dach sind baufällig und teilweise eingestürzt, und links daneben die Seufzerbrücke „Puente de los Suspiros“.
Die alten Häuser mit den gepflasterten Altstadtstraßen sind das Künstlerviertel der Stadt, – hier ist das Kunstmuseum angesiedelt, – Skulpturen schmücken die Grünanlagen, – wunderschöne Wandbilder verwandeln die Häuser und die Unterführung in kleine Kunstwerke, – sehr schön anzuschauen, – urige Lokale sorgen für das leibliche Wohlergehen der Besucher und am Abend, bzw. in der Nacht trifft sich hier die etwas betuchtere Jugend der Stadt.

Sehr kurzweilig, der heutige Nachmittag und schnell ist die Zeit vergangen, – so machen wir uns am späten Nachmittag auf den Nachhauseweg, – morgen besuchen wir die historische Altstadt.

Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 62.859 km



16.02.2024 – Von Huaricanga nach Lima

Die schweren LKW draußen auf der 16 fahren noch ziemlich lange durch die Nacht, irgendwann macht mir das Brummen nichts mehr aus und ich schlafe trotzdem gut und lange.

Gegen 10 Uhr in der Frühe mache ich mich wieder los, raus auf die 16 bis kurz vor Barranca, dort dann wieder auf die Carretera Panamericana, die 1 N und ab nach Süden, die Hauptstadt Lima ist mein Tagesziel.

Auf der 16 ist noch wenig los, aus dem schmalen Tal von gestern wird zunehmend eine breite Ebene, eingebettet in die hellbraunen Felswände und eigentlich sandig und knochentrocken. Der Rio Forteza bringt jedoch genug Wasser aus den Bergen, Bewässerungskanäle und -anlagen bringen es auf die Felder und so ist die Ebene herrlich grün, Mais und Zuckerrohr, so weit das Auge reicht, hier sind die Felder eben, so daß auch Maschinen und Traktoren zum Einsatz kommen können.

Draußen an der 1 N endet die grüne Pracht, die Straße ist autobahnmäßig ausgebaut und verläuft immer mehr oder weniger am Pazifik entlang und bietet außer Sand und dem gelegentlichen Blick aufs Meer, rein gar nichts. Heute ist wieder Maut fällig, 52,80 Soles, etwa 13,50 Euro habe ich insgesamt an drei Mautstellen zu zahlen.
Und da ist auch das Müllproblem wieder, – erfreulicherweise konnte ich ja schon berichten, daß es in den ländlichen Regionen und jetzt auch in den Andengebieten diesbezüglich recht ordentlich zugeht, an vielen Orten sind Müllboxen aufgestellt, oft werden gar Möglichkeiten zur Getrenntsammlung angeboten, und sie werden auch genutzt, – ich habe gar Personen gesehen, die damit beschäftigt waren, den wenigen Müll, der trotzdem in den Straßengräben landet, einzusammeln und zu entsorgen.
Allerdings hier entlang der 1 N sieht es wieder brutal aus, – massenweise weggeworfener Müll in den Gräben, – der stetig vom Meer her wehende Wind verteilt dann alles gleichmäßig in der Wüste, so ist der einzige Farbklecks, den man irgendwo zwischen Sand und Steinen finden kann, mit Sicherheit eine vom Wind verwehte Plastiktüte.

Ach ja, – bevor jemand von Euch nach dem Betrachten der heutigen Bilder in die Kommentare schreibt, ich solle doch bitteschön mal das Objektiv meiner Kamera putzen, weil alle Fotos reichlich verschwommen sind, – es liegt nicht am verschmierten Objektiv ! – nein, – der stetig vom Meer wehende, frische Wind erzeugt einen ständigen Dunst in der heißen Wüstenluft, gepaart mit jeder Menge vom Wind aufgewirbeltem Staub, der sich mit darunter mischt, ist der Blick schon nach wenigen Metern leicht eingetrübt und scharfes Sehen in die Ferne ist fast unmöglich, irgendwie versteckt sich Alles hinter einem Schleier.

Gestern hatten mir Gaby und Werner, die sich gerade noch in Lima aufhalten, berichtet, daß sich ein Erdbeben der Stärke 5,2 in Chancay, etwa 75 km nördlich von Lima ereignet hat. Ich fahre heute durch die Gegend und die Stadt, – alles geht seinen normalen Gang, es ist nichts Außergewöhnliches zu sehen, – offensichtlich glimpflich ausgegangen.

Gegen 15 Uhr erreiche ich den Nordrand der Hauptstadt Lima, 11 Millionen Menschen leben hier, ein riesiger Moloch, – ihr kennt ja meine Abneigung gegen solche Städte, – was will ich eigentlich hier ?
Nun, diesmal muß es sein, am 14. März fliege ich von hier zurück nach Deutschland und nun muß ich einen vernünftigen Platz finden, an dem ich den HerrMAN über den Sommer sicher abstellen kann, zwei gibt es wohl hier am Rand der Stadt, einen weiteren in Cusco, da komme ich evtl. auch noch hin, – mal schauen.
Jedenfalls führt die 1 N in Nord-Süd-Richtung quer durch die Stadt, – mindestens drei, manchmal bis zu sieben Fahrspuren führen südwärts und meist sind sie alle vollgestopft mit Autos, LKWs und Bussen, – die schmalen Lücken dazwischen sind schnell von Mopeds und Motorrädern gefüllt, die halsbrecherische Balanceakte vollführen, nur um irgendwie einen Meter Vorteil rauszuholen, wichtigstes Utensil an jedem Fahrzeug ist die Hupe, ohne sie geht gar nichts.

So brauche ich geschlagene drei Stunden für etwa 40 Kilometer, – um kurz nach 18 Uhr im „Club Germania“ anzukommen. ( S 12° 07′ 44“ W 077° 00′ 01“ ) Der renommierte Club erlaubt es Overlandern mit deutschem Paß für 1 bis 3 Nächte auf seinem streng bewachten Gelände zu stehen und alle Annehmlichkeiten des Clubs, wie Restaurant, Cafe, Internet, Swimmingpool, Duschen, etc. kostenlos zu nutzen.

Das ist doch mal was, so mitten in der Stadt und doch sicher und ruhig, – freundlich werde ich empfangen und kriege nach einem kurzen Check meines Reisepaßes und einem freundlichen Gespräch einen Platz hinter dem Sportgelände zugewiesen.
Eine enorme Anlage ist das hier, Verwaltungsgebäude mit Parkplätzen, 6 Tennisplätze, ein Fußballplatz, ein professionelles 25-Meter-Schwimmbecken mit 6 Bahnen, und hinter dem Fußballplatz noch einmal Parkplätze mit einem separaten Zugang und eigenem Parkwächter, – das Ganze mitten in der Stadt.

Später läßt mich der Pförtner durch das große Tor hinaus in die Stadt, – direkt in der Nähe sind jede Menge Geschäfte, ein großes Einkaufszentrum mit Supermarkt und eine Vielzahl an Restaurants, – so mag ich das.

Tagesetappe: 241 km Gesamtstrecke: 62.859 km