20.02.2024 – Von Cieneguilla nach Huacachina

Heute früh zeigt sich wieder das „Luftproblem“ am hinteren, linken Reifen, runter auf 1,5 bar, das hatte ich vor 3 Tagen schon einmal, – schleichender Luftverlust, – ich fülle und beobachte weiter, erkennen kann ich das Problem auf die Schnelle nicht.

Heute geht die Reise weiter südwärts, Ica soll das Ziel werden.
Dafür fahre ich über die kleinen Nebenstraßen von Cieneguilla zurück auf die Carretera Panamericana, die seit Lima, nicht mehr die 1 N (steht offensichtlich für Nord), sondern die 1 S (offensichtlich für Süd) geworden ist.

Sie ist in allerbestem Zustand und geht komplett durch bis fast zum Ziel, autobahnmäßig ausgebaut mit Standspur. Luxus kostet allerdings, 3 Mautstellen kassieren in der Summe 90,20 Soles, somit 23,10 Euro, ganz schön happig für hiesige Einkommensverhältnisse.
Dafür kann man dann mal Strecke machen, gibt hier eh nicht viel zu sehen.
Die 1 S führt wieder dicht am Pazifik entlang, stur nach Süden, – auch hier wieder blanke Wüste, – Steine und Sand, – auf der rechten Seite führen immer wieder Abzweigungen hinunter an die Playas, die sich wie Perlen auf der Schnur am Pazifik entlang reihen. Aus der Ferne erkenne ich lange, sandige Strandbogen und kleine Buchten, – weiß schäumend brechen sich die Wellen des Pazifik an der Küste, – hier wird Tourismus betrieben, – riesige Werbetafeln neben der Straße versuchen Gäste in die Hotels und Feriendörfer zu locken, die dort an den Playas entstanden sind und schneeweiß in der Sonne leuchten, – Spanien läßt grüßen.

In anderen Gegenden, und zwar dort, wo die Flüße aus den Bergen anrauschen und sich ins Meer ergießen, ist das nicht möglich, die Flüße sind durch die starken Regenfälle in den Bergen tiefbraun gefärbt, bringen jede Menge Sedimente, Schlamm und Dreck mit sich, welcher als braune Spur kilometerweit ins Meer hinaus und an den Stränden sichtbar ist, keine guten Voraussetzungen für zahlende Badegäste.
Allerdings für die Landwirtschaft, denn in den Bereichen neben den Flüßen und weit darüber hinaus wird das kostbare Naß durch Pipelines in die Wüste geführt und macht diese unvorstellbar grün, – mit entsprechend viel Wasser wächst hier (fast) Alles, – Mais, – Zuckerrohr, – aber meist wertvolles Gemüse und Obst, – im Bereich Ica, wo ich gegen Abend lande, befindet sich das größte Weinanbaugebiet Perus, – mehr oder weniger mitten in der Wüste, – kilometerweit und tief in die Fläche hinaus nichts als Weinstöcke, – in den Orten dann entsprechend die großen Keltereien, – den Wein durfte ich vor 2 Wochen schon mal ausprobieren, der ist übrigens allerfeinst.

Gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich Huacachina, eine Oase in der Wüste, versteckt hinter mächtigen Dünen, – nun läßt mal wieder Marokko grüßen.
Dort, auf dem „Ecocamp“ logge ich ein, ( S 14° 05′ 20“ W 075° 45′ 49“ ), – nunja, – hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt, – ich stehe im eingezäunten und betonierten Innenhof der Lodge, Barbetrieb, Swimmingpool, Musik und Snacks, – für mich sieht Wüste und Freiheit anders aus, – aber man gewöhnt sich daran, ich werde trotzdem morgen hier stehen bleiben, heute Abend ist es für einen Ausflug in die umliegenden Dünen schon zu spät.

Tagesetappe: 295 km Gesamtstrecke: 63.249 km



19.02.2024 – Von Lima nach Cieneguilla

Nach dem nun schon obligaten Morgenschwimmen mache ich mich gegen 11 Uhr los, heute werde ich mich um die Abstellmöglichkeiten hier im Großraum Lima kümmern.

Erste Station wird bei „Carlos Mechanic und Storage“ in Chaclacayo sein, das liegt etwa 45 Kilometer nordöstlich. Dazu muß ich leider wieder auf die 1 N, durch die gesamte Stadt, um dann im Norden auf der 22 in östliche Richtung zu fahren.
Heute, am späten Montagvormittag geht das erstaunlich gut und flott, anders als am Freitag zur Rushhour, – nach etwa 1 ½ Stunden bin ich da.
An einer Mautstelle, mitten in der Stadt habe ich 13,20 Soles, also etwa 3,40 Euro zu zahlen.

Carlos hat eine kleine Reparaturwerkstatt, bietet Langzeitparken und parallel dazu Camping auf seinem Grundstück an. ( S 11° 58′ 08.14“ W 076° 44′ 53.96“ )
Zunächst finde ich an der angegebenen Adresse, außer hohen Mauern und einem mächtigen Tor, rein gar nichts, kein Hinweisschild, weder auf das Eine, noch auf das Andere, kein Türschild, keine Klingel, nichts, – na prima. Mein Klopfen geht wohl im Verkehrslärm der 22 total unter.
Als ich schon wieder wegfahren möchte, öffnet sich die kleine Schlupftüre und Carlos höchstpersönlich heißt mich freundlich willkommen.
Wir besprechen mein Anliegen, die Preise und die Möglichkeiten seiner Hilfe bei den Behördengängen, – sein Gelände ist nicht schlecht, ziemlich groß, komplett abgeschottet durch Mauern und das riesige Tor, mit einer Rasenfläche zum Campen und Stellflächen im Hof, es sind ein paar Fahrzeuge eingestellt, – mein Eindruck: „Kann man nehmen“.
Ich habe noch gute drei Wochen Zeit, wir tauschen unsere Telefonnummern aus, ich werde mich melden, wenn es dazu kommen sollte.

Dann fahre ich weiter, etwa 50 Kilometer, auf die Südostseite der Stadt, nach Cieneguilla zum Camping „Refugio Lima“, auch dort wird Camping und Langzeitparken angeboten, das soll heute auch mein Übernachtungsplatz werden. ( S 12° 05′ 49“ W 076° 46′ 49“ )
Dazu muß ich dankenswerterweise nicht mehr ganz in die Hauptstadt zurück, eine Parallelstraße führt durch „Covima“ etwas östlich der Hauptstadt in Nord-Süd-Richtung, nach „La Molina“ und dort auf die 119 bis Cieneguilla, der Verkehr allerdings ist dort auch nicht gerade viel weniger als in der Stadt.

Gegen 17 Uhr bin ich da, – der Chef ist gerade mal nicht da, – eingelassen werde ich trotzdem und einen Platz kriege ich auch, – die Besprechung verschieben wir auf morgen früh, – der Campground ist recht nett, – relativ klein, – mit viel Grün und einem kleinen Pool.
Ich nehme es aber mal vorweg:
Es stehen derzeit etwa 8 bis 10 Langzeitparker in einer Ecke des Platzes, die Möglichkeiten für große Fahrzeuge sind relativ beengt, – um die Formalitäten kümmert sich der Chef, – mir scheint es ein wenig teuer, aber kann man durchaus auch machen. Auch hier tauschen wir Telefonnummern aus und bleiben in Kontakt.

Ich werde nun meine Tour durch Peru ganz normal fortsetzen und irgendwann die nächsten Tage in Cusco landen, dort wird ebenfalls ein Stellplatz angeboten, den ich mir anschauen werde, danach entscheide ich.

Tagesetappe: 95 km Gesamtstrecke: 62.954 km

18.02.2024 – Lima Tag 2

Auch der heutige Sonntag beginnt mit einer Runde durch das Schwimmbecken, es wäre ja sträflich, dies nicht auszukosten, – Schwimmen oder Baden kommt auf dieser Reise eh viel zu kurz.

Um 12 Uhr bin ich wieder mit Gaby und Werner verabredet, diesmal in der historischen Altstadt, an der „Plaza Mayor“. Knappe 30 Minuten mit dem Taxi, ca. 5 Euro kostet das.
Wir haben Glück, – nur einmal im Monat, – an einem Sonntag, – und das um 12 Uhr, findet eine Zeremonie am Präsidentenpalast statt, – eine Wachablösung, mit berittenen Gardisten in schmucken, alten Kostümen, begleitet von zackiger Marschmusik, – Glück gehabt, – ein ganz nettes Spektakel.

Zudem findet auf der anderen Seite des Platzes in der großen Kathedrale von Lima gerade ein Gottesdienst statt, die sonst geschlossene Kathedrale ist deswegen geöffnet und läßt einen Blick ins Innere und ein Foto zu.

Die historische Altstadt, – ein wahres Schmuckstück, – die Plaza Mayor, das Herz Limas, – eingerahmt von schmucken Gebäuden aus der Kolonialzeit, – auf der einen Seite der mächtige Präsidentenpalast „Palacio del Gobierno“ mit seiner schmucken neoklassizistischen Fassade und den schweren, schmiedeeisernen Zäunen und Toren, auch heute noch Amts- und Wohnsitz des amtierenden Präsidenten Perus, längs daneben die „Kathedrale von Lima“, auf den beiden anderen Seiten der bischöfliche Palast „Palacio del Arzobispo“ und das Rathaus „Municipalidad“.
In der Mitte des Platzes, zwischen Grünflächen, Palmen und schweren, gußeisernen Kandelaberleuchten, der reichlich verzierte Brunnen aus dem Jahr 1651.

Auch im weiteren Umfeld, in den Straßen daneben und den anderen, kleineren Plätzen, überall schmucke Gebäude, alles in bestem Zustand, stundenlang kann man hier durch die Straßen schlendern.
Irgendwann kommen wir dann auf dem „Plaza San Martin“ an, auch hier wunderschöne Gebäude rund um den Platz, das „Teatro Colon“, das „Giacolett-Gebäude“ und das „Gran Hotel Bolivar“, in der Mitte des Platzes das riesige Denkmal von „Jose de San Martin“, der die Unabhängigkeit Perus erkämpfte.

Mit einem Taxi fahren wir dann noch hinüber in den Stadtteil San Isidro, schauen uns die Ruinen der „Huaca Pucllana“ an, einer Lehmziegel-Pyramide aus der peruanischen Vorinka-Zeit, etwa 11 Millionen dieser Lehmziegelsteine wurden einst für den Bau dieser Pyramide hergestellt und verbaut.

Zum Ende des Tages spazieren wir dann durch den „El Olivar de San Isidro Park“, eine wunderschöne Grünanlage, – heute am Sonntag sehr gut besucht, – und bin überrascht, hier in einem uralten Olivenhain mit knorrigen, schätzungsweise 500 bis 1000 Jahre alten Olivenbäumen gelandet zu sein. Kretafeeling !

Unglaublich viel gab es heute zu sehen, unglaublich viel waren wir zu Fuß unterwegs, – ohne meine beiden „Stadtführer“ wäre ich längst nicht so weit gekommen, – vielen Dank dafür.

Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 62.859 km



17.02.2024 – Lima Tag 1

Mitten in der Riesenstadt ist erstaunlich wenig vom Verkehrslärm zu hören, zudem sich direkt vor dem Einfahrtstor ein großer Kreisverkehr befindet, auf dem sich mehrere Hauptstraßen kreuzen, – ein fernes Brummen, hier und da mal eine laute Hupe, – alles völlig problemlos, – ich glaube auch, daß man sich recht schnell daran gewöhnen kann.
Jedenfalls schlafe ich in der Nacht wie ein Murmeltier, – das hohe Tor ist geschloßen, – der Pförtner sitzt Tag und Nacht nur wenige Meter neben dem HerrMAN, – ein sehr beruhigendes Gefühl hier in der Stadt.

Am Morgen, nach dem Frühstück, geniese ich zunächst mal das große Schwimmbecken, 29 Grad Luft, 27 Grad Wasser, da könnte man stundenlang im Wasser bleiben.

Geht nicht, – ich bin um 12 Uhr mit Gaby und Werner in der Stadt verabredet.
Wir haben uns im letzten Winter in Costa Rica kennengelernt und dann in Panama wiedergetroffen, – unsere beiden MAN´s haben nebeneinander in Panama City „übersommert“ und nun haben wir uns hier wiedergetroffen. Sie haben derzeit leider ein Problem mit ihrem MAN, er steht hier in der Werkstatt, es wurden Ersatzteile aus Deutschland geordert, was natürlich etwas Zeit braucht, bis sie hier eintreffen, – in der Zwischenzeit haben sie sich hier ein Zimmer gemietet und die Stadt reichlich erkundet und genossen, so daß ich heute und morgen zwei vorzügliche Stadtführer haben werde.

Heute treffen wir uns im Stadtteil Miraflores, draußen am Pazifik.
Die Fahrt mit dem Taxi dauert etwa 20 Minuten, das kostet hier knappe 4 Euro.
Die Fahrt geht durch ein erstaunlich modernes Lima, – breite Straßen, – moderne Häuser, – Hochhäuser und Geschäfte, – das könnte überall auf der Welt in einer großen Stadt sein, – die Stadt wird hier in diesen Vierteln auch sehr sauber gehalten, überall sind Straßenkehrer unterwegs, Gärtner pflegen die Blumenbeete und Grünanlagen.

Miraflores ist der touristische Teil Limas, – moderne Hochhaushotels mit altbekannten Namen, die man überall auf der Welt finden kann, – der große Park „Alfredo Salazar“ und unzählige andere Parks ziehen sich auf der Klippe über dem Pazifik immer an der Küste entlang, – alles blitzsauber, – Polizei und Security sorgen für die Sicherheit der Besucher, – Cafes und Restaurants bemühen sich um die Gäste, – Straßenverkäufer bieten Souvenirs, Eis, Süßigkeiten, aber auch geführte Stadtrundfahrten an, – das Einkaufszentrum „Larcomar“ ist beachtlich unauffällig „unterirdisch“ in die Klippen gebaut.
Wir laufen ziemlich weit nach Norden, unten braust das Meer und eine breite Chaussee zieht sich am Ufer entlang, – jede Menge Surfer sind auf dem Wasser unterwegs, – Badegäste bevölkern den langen Strand, – bunte Sonnenschirme sind überall sehen.

Irgendwann, ziemlich weit im Norden kehren wir um und gehen den Promenadenweg zurück, bis ganz in den Süden von Miraflores und wechseln dann hinüber in den Stadtteil „Barranco“, dieser ist im Gegensatz zu Miraflores, wo die großen Hotels angesiedelt sind, eher der Stadtteil der privaten Häuser und Appartements, entsprechend beschaulicher geht es zu, aber auch hier ziehen sich die Parks und Grünanlagen immer weiter auf den Klippen am Meer entlang.

Hinter der „Promenadenlage“ mit Meerblick und modernen Appartementhäusern, befindet sich der alte Stadtteil „Barranco“, – schöne alte Häuser, – die herrlich bunte Kolonialkirche „Iglesia La Ermita“, – leider steht von ihr nur noch die Fassade, der dahinter liegende Teil samt dem Dach sind baufällig und teilweise eingestürzt, und links daneben die Seufzerbrücke „Puente de los Suspiros“.
Die alten Häuser mit den gepflasterten Altstadtstraßen sind das Künstlerviertel der Stadt, – hier ist das Kunstmuseum angesiedelt, – Skulpturen schmücken die Grünanlagen, – wunderschöne Wandbilder verwandeln die Häuser und die Unterführung in kleine Kunstwerke, – sehr schön anzuschauen, – urige Lokale sorgen für das leibliche Wohlergehen der Besucher und am Abend, bzw. in der Nacht trifft sich hier die etwas betuchtere Jugend der Stadt.

Sehr kurzweilig, der heutige Nachmittag und schnell ist die Zeit vergangen, – so machen wir uns am späten Nachmittag auf den Nachhauseweg, – morgen besuchen wir die historische Altstadt.

Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 62.859 km



16.02.2024 – Von Huaricanga nach Lima

Die schweren LKW draußen auf der 16 fahren noch ziemlich lange durch die Nacht, irgendwann macht mir das Brummen nichts mehr aus und ich schlafe trotzdem gut und lange.

Gegen 10 Uhr in der Frühe mache ich mich wieder los, raus auf die 16 bis kurz vor Barranca, dort dann wieder auf die Carretera Panamericana, die 1 N und ab nach Süden, die Hauptstadt Lima ist mein Tagesziel.

Auf der 16 ist noch wenig los, aus dem schmalen Tal von gestern wird zunehmend eine breite Ebene, eingebettet in die hellbraunen Felswände und eigentlich sandig und knochentrocken. Der Rio Forteza bringt jedoch genug Wasser aus den Bergen, Bewässerungskanäle und -anlagen bringen es auf die Felder und so ist die Ebene herrlich grün, Mais und Zuckerrohr, so weit das Auge reicht, hier sind die Felder eben, so daß auch Maschinen und Traktoren zum Einsatz kommen können.

Draußen an der 1 N endet die grüne Pracht, die Straße ist autobahnmäßig ausgebaut und verläuft immer mehr oder weniger am Pazifik entlang und bietet außer Sand und dem gelegentlichen Blick aufs Meer, rein gar nichts. Heute ist wieder Maut fällig, 52,80 Soles, etwa 13,50 Euro habe ich insgesamt an drei Mautstellen zu zahlen.
Und da ist auch das Müllproblem wieder, – erfreulicherweise konnte ich ja schon berichten, daß es in den ländlichen Regionen und jetzt auch in den Andengebieten diesbezüglich recht ordentlich zugeht, an vielen Orten sind Müllboxen aufgestellt, oft werden gar Möglichkeiten zur Getrenntsammlung angeboten, und sie werden auch genutzt, – ich habe gar Personen gesehen, die damit beschäftigt waren, den wenigen Müll, der trotzdem in den Straßengräben landet, einzusammeln und zu entsorgen.
Allerdings hier entlang der 1 N sieht es wieder brutal aus, – massenweise weggeworfener Müll in den Gräben, – der stetig vom Meer her wehende Wind verteilt dann alles gleichmäßig in der Wüste, so ist der einzige Farbklecks, den man irgendwo zwischen Sand und Steinen finden kann, mit Sicherheit eine vom Wind verwehte Plastiktüte.

Ach ja, – bevor jemand von Euch nach dem Betrachten der heutigen Bilder in die Kommentare schreibt, ich solle doch bitteschön mal das Objektiv meiner Kamera putzen, weil alle Fotos reichlich verschwommen sind, – es liegt nicht am verschmierten Objektiv ! – nein, – der stetig vom Meer wehende, frische Wind erzeugt einen ständigen Dunst in der heißen Wüstenluft, gepaart mit jeder Menge vom Wind aufgewirbeltem Staub, der sich mit darunter mischt, ist der Blick schon nach wenigen Metern leicht eingetrübt und scharfes Sehen in die Ferne ist fast unmöglich, irgendwie versteckt sich Alles hinter einem Schleier.

Gestern hatten mir Gaby und Werner, die sich gerade noch in Lima aufhalten, berichtet, daß sich ein Erdbeben der Stärke 5,2 in Chancay, etwa 75 km nördlich von Lima ereignet hat. Ich fahre heute durch die Gegend und die Stadt, – alles geht seinen normalen Gang, es ist nichts Außergewöhnliches zu sehen, – offensichtlich glimpflich ausgegangen.

Gegen 15 Uhr erreiche ich den Nordrand der Hauptstadt Lima, 11 Millionen Menschen leben hier, ein riesiger Moloch, – ihr kennt ja meine Abneigung gegen solche Städte, – was will ich eigentlich hier ?
Nun, diesmal muß es sein, am 14. März fliege ich von hier zurück nach Deutschland und nun muß ich einen vernünftigen Platz finden, an dem ich den HerrMAN über den Sommer sicher abstellen kann, zwei gibt es wohl hier am Rand der Stadt, einen weiteren in Cusco, da komme ich evtl. auch noch hin, – mal schauen.
Jedenfalls führt die 1 N in Nord-Süd-Richtung quer durch die Stadt, – mindestens drei, manchmal bis zu sieben Fahrspuren führen südwärts und meist sind sie alle vollgestopft mit Autos, LKWs und Bussen, – die schmalen Lücken dazwischen sind schnell von Mopeds und Motorrädern gefüllt, die halsbrecherische Balanceakte vollführen, nur um irgendwie einen Meter Vorteil rauszuholen, wichtigstes Utensil an jedem Fahrzeug ist die Hupe, ohne sie geht gar nichts.

So brauche ich geschlagene drei Stunden für etwa 40 Kilometer, – um kurz nach 18 Uhr im „Club Germania“ anzukommen. ( S 12° 07′ 44“ W 077° 00′ 01“ ) Der renommierte Club erlaubt es Overlandern mit deutschem Paß für 1 bis 3 Nächte auf seinem streng bewachten Gelände zu stehen und alle Annehmlichkeiten des Clubs, wie Restaurant, Cafe, Internet, Swimmingpool, Duschen, etc. kostenlos zu nutzen.

Das ist doch mal was, so mitten in der Stadt und doch sicher und ruhig, – freundlich werde ich empfangen und kriege nach einem kurzen Check meines Reisepaßes und einem freundlichen Gespräch einen Platz hinter dem Sportgelände zugewiesen.
Eine enorme Anlage ist das hier, Verwaltungsgebäude mit Parkplätzen, 6 Tennisplätze, ein Fußballplatz, ein professionelles 25-Meter-Schwimmbecken mit 6 Bahnen, und hinter dem Fußballplatz noch einmal Parkplätze mit einem separaten Zugang und eigenem Parkwächter, – das Ganze mitten in der Stadt.

Später läßt mich der Pförtner durch das große Tor hinaus in die Stadt, – direkt in der Nähe sind jede Menge Geschäfte, ein großes Einkaufszentrum mit Supermarkt und eine Vielzahl an Restaurants, – so mag ich das.

Tagesetappe: 241 km Gesamtstrecke: 62.859 km



15.02.2024 – Von Caraz nach Huaricanga

Am späten Abend donnert es zwei mal laut in den Bergen und es regnet ein paar Minuten.
Der Rest der Nacht ist dunkel und still.

Gegen 10 Uhr fahre ich los, – nach Süden, – Richtung Lima, ich werde wohl zwei Tage brauchen.
Noch tanken, – die Schnäppchenzeiten, die ich in Ecuador hatte, sind um, der Diesel kostet hier umgerechnet etwa 1,05 Euro pro Liter.
Ich nehme die 3 N, die zwischen den beiden Andenzügen verläuft, bis Conococha, dort wechsele ich auf die 16, hinaus an den Pazifik, Tagesziel Barranca.

Die 3 N verläuft zusammen mit dem Rio Santa zwischen den beiden Gebirgszügen „Cordillera Negra“ im Westen und „Cordillera Blanca“ im Osten, das Tal ist fruchtbar, Wasser gibt es zur Genüge, – Obst, Gemüse, Blumen, auch wieder Erdbeeren, werden auf den Feldern und unter riesigen Gewächshäusern angebaut.
Yungay, Carhuaz und die Provinzhauptstadt Huaraz reihen sich im Tal hintereinander.
All diese Städte wurden in den letzten Jahrzehnten schon durch Erdbeben, Schlamm- oder Eislawinen schwer geschädigt oder gar komplett zerstört und wieder aufgebaut.
Die mächtigen, schneebedeckten Berge zeigen sich immer wieder in der Morgensonne, – ein herrlicher Anblick, – Segen und Fluch zugleich.

Auf der Fahrt südwärts steige ich wieder kontinuierlich in höhere Regionen, von etwa 2.200 Metern auf etwa 4.100, dabei endet irgendwann die Landwirtschaft, es folgt eine baum- und strauchlose Steppenlandschaft, Sauergrasbüschel sind wohl alles, was hier wächst, über weite Strecken selbst für Weidewirtschaft zu mager, lediglich unten, direkt am Fluß wächst wohl etwas Gras, Rinder und Schafe weiden dort.
Der Blick zurück über die Ebene ist traumhaft, am Horizont sind die ersten Ausläufer des Gebirges sichtbar, Schnee und Gletscher bedecken die Gipfel, die in der Sonne leuchten, ein paar wenige Wolken werfen ein tolles Schattenspiel in die grüne Hochebene, – Mongoleifeeling !

Plötzlich ziehen Nebelfetzen wie Rauch von Westen in die Ebene, welch ein Schauspiel, und nur einige Kurven weiter ist dann Schluß mit schön und traumhafter Aussicht, der Nebel zieht knüppeldick herein, Sichtweite stellenweise nur noch 10 Meter, Rücklichter dringen kaum noch durch die Suppe, alle Fahrzeuge fahren mit eingeschaltetem Warnblinker, um überhaupt gesehen zu werden.
Direkt vor mir fährt ein Schwertransport mit 3 Sattelschleppern und einem Begleitfahrzeug mit gelbem Blinklicht, da hänge ich mich dran, das geht prima, die Sattelschlepper haben riesige Reifen geladen, 6 Stück pro LKW-Auflieger, Durchmesser etwa 3 Meter, vermutlich von diesen riesigen Muldenkippern aus dem Bergbau.


Ab hier beginnt die Gefällstrecke hinunter zum Meer, bis heute Abend bin ich wieder auf etwa 200 Meter ü. NN unten. Nach etwa 30 Minuten lichtet sich der dicke Nebel, die Sicht ist besser und wird mit jedem Meter noch besser, aus dem Nebel wird Hochnebel, die Temperatur fällt auf 11 Grad und aus dem Hochnebel fällt ein wenig Nieselregen.


Die 16 windet sich zusammen mit dem „Rio Fortaleza“ durch Täler und Schluchten viele Kilometer nach unten und erreicht irgendwann die Trockenzone, die sich in ganz Peru entlang des Pazifik von Nord nach Süd zieht, die Felswände werden kahl und nackt, nichts wächst mehr, hellbraun ragen sie gen Himmel, die Ebenen werden wüstenhaft, sandig, der Fluß zieht sich in einem breiten Geröllfeld Richtung Meer und nur in einem schmalen Streifen rechts und links von ihm dominiert die Farbe Grün, ein paar wenige Obstplantagen und Gemüsefelder bescheren den Menschen ein kärgliches Dasein.

Am frühen Abend erreiche ich den „Campingplatz“ Huaritambo bei Huaricanga, ( S 10° 29′ 10“ W 077° 44′ 43“ ) eine kleine Stellfläche zwischen dem Restaurant der Besitzerin, das leider nur am Wochenende geöffnet ist, und der Straße, – noch rollen die LKW, wird wohl nicht ganz so ruhig werden heute Nacht.
Nachdem Plätze entlang der Strecke wieder mal rar sind und der Eine, den ich mir ausgesucht hatte, – Stellplatz mit gutem Restaurant, gerade wegen Umbau geschlossen ist, lande ich vor Einbruch der Dunkelheit hier, – auch gut.

Tagesetappe: 249 km Gesamtstrecke: 62.618 km



14.02.2024 – Von Chacas / Huallin nach Caraz

Trotz aller übler Vorzeichen, Regen, 6 Grad kalt und meinem Nachtplatz direkt an der Straße ist die Nacht total ruhig, – naja, nach dem gestrigen Tag hätte ich wahrscheinlich auch neben dem Triebwerk eines Düsenfliegers schlafen können.

Im ersten Tageslicht erkenne ich durch eine Lücke im Nebel, daß ich mein Nachtquartier nur gute 200 Meter neben einer Gletscherzunge aufgeschlagen hatte, leider ziehen immer noch dicke Nebelschwaden vom Tal herauf.

Gegen 9.30 Uhr ziehe ich los, der HerrMAN zickt beim Anlassen ziemlich rum, gefällt ihm nicht in diesen Höhen, er qualmt und schüttelt sich ziemlich lange, bis er rund läuft.
Die Serpentinenstraße ist bestens asphaltiert, zügig fahre ich nach oben und schon nach kurzer Zeit erreiche ich den fast 1,4 km langen Tunnel „Punta Olimpica“, mit 4,30 mtr. Durchfahrtshöhe auch für die größten Brummer kein Problem. Der Tunnel, grob in den Fels gehauen und unbeleuchtet, ist gewöhnungsbedürftig, er bildet mit 4.736 mtr. ü. NN. den höchsten Punkt der Paßstraße und ersetzt seit seiner Inbetriebnahme die halsbrecherische Paßstraße, die vorher noch höher hinauf und über den Kamm führte.

Der Anblick, der mich nach der Tunnelausfahrt erwartet, ist einfach grandios, majestätisch steht der Huascarán, mit 6.768 Metern, der höchste Berg Perus, über dem Gesamtpanorama, schneebedeckt sein Gipfel, die Sonne läßt ihn herrlich strahlen, – nur seine Spitze versteckt er in dem Wolkenschleier, der noch immer über den Bergen hängt. Weitere drei Gletscher zeigen sich beim Rundblick über das Gebirgsmassiv, – ganz weit unten eine grüne Hochebene, durchzogen von einem silberglänzenden Fluß, der das Schmelzwasser der vielen Gletschern hinunter ins Tal bringt.
Die weiterhin gut ausgebaute Straße windet sich in schier unendlichen Schleifen atemberaubend steil nach unten und führt ebenfalls durch diese Hochebene hinunter nach Carhuaz.
Mühelos bin ich nach etwa einer Stunde 2.500 Höhenmeter weiter unten in der Stadt.

Dort ist heute wohl Markttag, ich kann es bei der Anfahrt von den Bergen aus sehen, bunte Schirme leuchten in der Sonne rund um die Markthalle, das schaue ich mir heute an.
Obst und Gemüse, wird reichlich angeboten, aber auch Fisch, Stoffe und Haushaltswaren, es ist eine herrliche Farbenpracht, die Frauen in ihren bunten Trachten unter knallbunten Sonnenschirmen, – einfach herrlich.
Ich decke meinen Bedarf an Obst und Gemüse zu Preisen, die eigentlich unvorstellbar günstig sind.

Ich fahre heute nicht mehr weiter nach Süden, sondern gute 20 km nach Norden, zurück auf den Campingplatz „Guadelupe Jaime Veliz Caraz“ ( S 09° 03′ 17“ W 077° 47′ 41“ ), auf dem ich vor 3 Tagen schon einmal zwei Nächte gestanden habe, ich muß erst mal die anstrengende 3-Tages-Tour verdauen.

Tagesetappe: 93 km Gesamtstrecke: 62.369 km



13.02.2024 – Von den Lagunas Llanganuco über San Luis nach Chacas / Huallin

Mit Einbruch der Dunkelheit ist hier oben absolute Ruhe, – Rinder und Gänse haben sich wohl schlafen gelegt, – Autos fahren keine mehr, – es ist mehr als stockdunkel.
Leider hat sich der Himmel ein wenig zugezogen, ohne jegliches Kunstlicht sicher ein phantastischer Sternenhimmel, aber nur ganz selten leuchtet mal ein Stern zwischen den Wolken hindurch. In der Nacht regnet es ein wenig.

Am Morgen bin ich immer noch unentschloßen, ob ich zurück nach Caraz fahre, oder mich über den Paß auf die Ostseite wage.
Noch ist der Himmel bewölkt, die Berge in dicke Wolken gehüllt.
Doch während des Frühstücks zeigt sich blauer Himmel über dem See, Nebelfetzen hängen seitlich an den Felswänden, – ein Bild wie ein Gemälde.
Und so langsam verziehen sich die dicken Wolken, es bleibt lediglich ein dünner Wolkenschleier.
Dann kommen kurz hintereinander zwei leichtere LKW vom See herüber und fahren in die Serpentinen hinein, – Ich trau mich !

Gegen 9.30 Uhr fahre ich los, langsam geht es in die Serpentinen hinein, zunächst ist die Erd- und Steinstraße noch relativ breit, später bleibt das leider nicht so, heftige Auswaschungen, tiefe Schlaglöcher, immer mal wieder auch bergseitig Erdrutsche und talseitig ausgebrochene Straßenränder, – aber jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Der Ausblick wird von Kurve zu Kurve atemberaubender, – Meter um Meter schraube ich mich nach oben, – in drei oder vier Spitzkehren muß ich rangieren, – unzählige Male halte ich an, – schauen, – Fotos machen, – unten die beiden Seen, eingerahmt von den Felsmassiven, – hier oben die weißen Gipfel der 6000er, mehrere Gletscherzungen sind zu sehen, der Rest ist leider durch die Wolkendecke verdeckt, die hier oben wieder dicker ist, zudem zieht Nebel auf, die Sicht wird schlecht, es nieselt ein wenig, die Temperatur ist auf 6 Grad runter.

Nach 1 ½ Stunden erreiche ich den Paß, 4.715 Meter hoch, drüben geht es wieder nach unten.
Ein Moped, ein PKW und ….
…. ja wirklich, – der Linienbus (!), ist alles, was mich in der Bergstrecke überholt hat, Gegenverkehr gab es überhaupt keinen.


Dem Hermann macht bisher die Höhe nicht wirklich zu schaffen, vielleicht ein paar Atemzüge mehr, als normal, um mehr Sauerstoff zu kriegen, aber sonst geht alles prima.
Dem HerrMAN gefällt die Höhenluft offensichtlich gar nicht so, etwa 200 Höhenmeter, also einige Kurven bevor wir den Paß erreichen, leuchtet plötzlich die EDC-Kontrollleuchte rot auf, das Electronic-Diesel-Controlsystem sieht irgendein Problem, – jetzt bitte, bitte ja nicht rumzicken, – hier kann ich wirklich keine Panne gebrauchen, – naß, kalt, einspurig und ohne Ausweichstelle.
Doch er hält tapfer durch und bringt mich sicher nach oben, hinter dem Paß kann ich kurz anhalten, den Motor stelle ich nicht ab, keine Ahnung, ob der wieder anspringt, – er läuft aber im Stand sauber und ruhig, die nächsten 20 Minuten, in der Gefällstrecke, haut er immer wieder mal kurz schneeweiße Qualmwolken durch den Auspuff, – unverbrannter Diesel, – Sauerstoffmangel, – weiter unten geht die Leuchte wieder aus und wenig später verhält er sich total normal.
Ich werde mich nochmal erkundigen müssen, ob ich evtl. hier nachzuarbeiten habe, oder ob ich das einfach ignorieren kann, – wenn wir dann irgendwann in Argentinien und Chile landen, werden wir auch noch die 5000er-Marke zu knacken haben, und das nicht nur einmal.

Die Gefällstrecke ist eine festgefahrene Schotterpiste, zwar auch kurvig, aber vernünftig breit und mit relativ wenigen Schlaglöchern, -kurz, es läßt sich recht gut hinunterrollen, – nach einer guten Stunde erreiche ich Yanama und bin wieder bei 3.600 Metern ü. NN.
Ab hier hatte ich mir irgendwie bessere Straßen erhofft, – aber weit gefehlt, die 106 wird eher schlechter und das bleibt sie auch für den Rest des Tages, lediglich die letzten 30 Kilometer, dann auf der 107 sind asphaltiert, zumindest meistens.
Die 106 hinter Yanama schlängelt sich schmal und vollkommen kaputt durch armselige Andendörfer, immer steil am Hang entlang, mit Ausbrüchen, Erdrutschen, Wasserdurchfahrten, Holzbrücken und Engstellen, die mir den Schweiß auf die Stirn treiben, bis nach San Luis brauche ich nochmal fast 6 Stunden. Bilanz heute, 9 Stunden Fahrt, davon 8 für 100 km Piste.

Landschaftlich, so fern ich überhaupt mal von der Straße wegschauen kann, bleibt es traumhaft, – alpenländisch, – kleine Dörfer in den Hängen, – Grün, so weit das Auge reicht, – Eukalyptuswälder, – auch wieder ein paar Pinien, – ein wenig Landwirtschaft, – ein paar wenige Rinder in den steilen Hängen, – später schlängelt sich die Straße durch einen Canyon, der reißende Fluß schlängelt sich unten entlang, die Straße seitlich darüber im Steilhang, dort fördern die Menschen auf primitive Art und Weise etwas Kohle aus dem Steilhang, kaum mannshohe Löcher sind zu sehen, die Wände, die Straße und Alles drumherum ist, im wahrsten Sinn des Wortes, kohlschwarz.

Ursprünglich wollte ich über die 110 nach Süden, grobe Richtung Lima, die ist allerdings, zumindest hinter San Luis auch nicht asphaltiert.
Rechts zweigt die 107 ab, die wieder quer über die Anden hinüber führt, fast an den Punkt, an dem ich vorgestern gestartet bin.
Ich sehe Asphalt, – und schon bin ich drauf, – ich kann keine Schlaglöcher mehr sehen, habe das Wackeln und Hüpfen heute so was von satt, die 107 soll wohl durchgehend asphaltiert sein, zwar sicher ein Umweg von einigen Kilometern, aber mit Sicherheit auch eine sehr sehenswerte Strecke.

Hinter San Luis beginnt es zu regnen, im Städtchen selbst und in der Umgebung sieht es allerdings mit Übernachtungsmöglichkeiten mehr als dürftig aus, einen ersten Anlauf starte ich in Acochaca, das wird nichts, einen Zweiten dann in Chacas, auch das wird nichts, auf der weiteren Strecke sind ein paar wenige, allerdings nicht so tolle, Stellmöglichkeiten vorhanden, so lande ich schon fast in der Dunkelheit an einem Mirador an der 107 oberhalb von Huallin, schon wieder oben auf 4.238 Metern ü. NN. ( S 09° 08′ 11“ W 077° 29′ 58“ )
Relativ nah an der Straße, aber der erst schon wenige Verkehr endet dann nach 22 Uhr komplett, der Regen hat auch aufgehört, so scheint es doch noch eine ruhige Nacht zu werden.

Alles in Allem ein heftiger Tag, 8 Stunden übelste Schlaglochstrecken, lediglich 100 km habe ich dabei zurückgelegt, die restlichen 30 km waren dann ein Kinderspiel, – aber nichtsdestotrotz eine wahnsinnig interessante Etappe.

Tagesetappe:  132 km    Gesamtstrecke:  62.276 km



12.02.2024 – Von Caraz zu den Lagunas Llanganuco

Heute geht es hoch in die Berge, die Strecke ist nicht sehr weit, aber sicher wieder reichlich schwierig.
Es ist schon nach 11 Uhr, als ich loskomme, – es hat keine Eile heute.

Zunächst auf der 3 N zurück bis Yungay, dann auf die 106, sie ist durchgehend nicht asphaltiert, eine Erd- und Steinpiste mit reichlich Auswaschungen, – weiter oben gibt es dann auch Schlaglöcher zur Genüge. Wenigstens ist sie nicht so abenteuerlich, wie manch andere, die ich hier schon hatte, – einigermaßen breit, – Gegenverkehr ist kein echtes Problem, und auch keine spektakulären Tiefen auf der Hangseite. Sie zieht sich gemächlich über 25 Kilometer bis hinauf auf 3.850 Meter.

Die Fahrt geht durch kleine Dörfer, vorbei an einzelnen Bauernhäusern, – die Erde scheint fruchtbar, – Wasser gibt es reichlich, – Obst und Gemüse wird hier angebaut, – ein wenig Mais, – alles in mühseliger Handarbeit, – ich glaube, nicht einen geraden Quadratmeter gesehen zu haben, – alles Hanglage.
Gewächshäuser und Folientunnel stehen überall in der Landschaft, – überrascht bin ich davon, daß ich hier auf fast 3.400 Metern Höhe Erdbeerfelder finde, Freilandrosen und andere Blumen, – in einem Gewächshaus, in das ich hineinschauen kann, wachsen und blühen Rosen, – Stielrosen.

Der Ausblick hinunter ins Tal wird von Serpentine zu Serpentine fantastischer, – weites Land.

Nach einigen Kilometern komme ich an die Pforte zum Nationalpark Huascarán, der Zugang ist kostenpflichtig, pro Tag 30 Soles, also für heute und morgen 60 Soles, etwa 15 Euro, die Übernachtung oben im Camp ist inklusive.

Im oberen Bereich zeigen sich dann zum ersten mal die schneebedeckten Spitzen der 6000er.
… und dann der erste türkisblaue See, – ein unglaublicher Anblick, – die Sonne bringt ihn zum Leuchten, – im Hintergrund die dunklen Felsen mit der weißen Schneemütze. Das hat was ….

Wasser gibt es hier in Massen, – überall stürzt es zu Tal, – kleine Bäche, – Wasserfälle, – Rinnsale an den blanken Felswänden, – alles glasklar und mit Sicherheit eiskalt. Oft kreuzt es die Straße, dort ist dann zu sehen, was es so mit sich bringt, wenn es in den Bergen richtig kräftig regnet, Kies und Steine werden tonnenweise angeschwemmt, müssen wohl immer wieder mal von der Straße geschoben werden, damit überhaupt noch ein Fahrzeug durchkommt.

Am frühen Nachmittag erreiche ich hinter dem großen See „Llanganuco Orconcocha“ den Campingplatz, eine weite Wiese zwischen den steil aufsteigenden Felsen, Rinder laufen hier frei und grasen den Platz ab, in der Uferzone des Sees und auf der Wiese leben etwa 20 Andengänse.
Auf der Westseite schließt der See die Hochebene ab, auf der Ostseite das steile Bergmassiv, über das die Straße in steilen Serpentinen über 900 Meter steil hoch und dann weiter nach Osten führt. ( S 09° 03′ 09“ W 077° 37′ 06“ )
Mal schauen, was morgen das Wetter macht und ob ich mich traue, – sieht gewaltig aus.

Tagesetappe:  38 km    Gesamtstrecke:   62.144 km



11.02.2024 – Ruhepause in Caraz

Auch dieser Platz ist weit weg von allem Straßen- und Stadtlärm, – auf einer Finca, – sieht alles irgendwie verlassen, aber nicht unschön aus.
Die Stellplätze sind auf Gras, in einem kleinen Innenhof, sauber, die Anlagen auch, also perfekt.

In der Frühe gehe ich erst mal rüber zu Kara und Jason und zeige ihnen ein Foto von damals, auf dem wir beide mit Fahrzeugen drauf sind, nun können sie sich auch an uns und die Situation erinnern, der HerrMAN war ihm gestern schon irgendwie aufgefallen, jetzt erinnern sich die beiden auch an die Anderen, die seinerzeit noch dabei waren, es gibt Einiges zu erzählen, dabei kommt das Gespräch gleich auch auf gemeinsame Bekannte, die wir in Mexiko haben.

Hier gibt es seit langen wieder mal gutes WLAN, – heißt Blog aktualisieren, – anderen Schreibkram erledigen, – mal das Internet nach Wichtigem bemühen, – ich schaue schon mal nach einem Rückflug im März, – mal wieder zu Hause anrufen, – so ist der Vormittag schnell um.

Für den Nachmittag plane ich den Ausflug zum Canyon, etwa 20 km nach Norden, dort etwa 30 Minuten den Canyon entlang und dann wieder zurück, also etwa 2 Stunden.
Vorher spreche ich noch mit Jason, ob er schon dort oben war, – er war, und berichtet davon, – letztendlich rät er mir davon ab.
Er hat ein 30-minütiges Video seiner Fahrt gedreht und bei youtube eingestellt, das ich mir anschaue.
Ja, er hat absolut Recht, – das wird wohl nichts dort oben, – die Strecke ist nicht nur wahnsinnig eng, Begegnungsverkehr ist äußert schwierig, es geht auf einer Seite steil hoch, auf der anderen schier senkrecht nach unten, – die Tunnel sind schmal, – natürlich auch einspurig und relativ niedrig, für den HerrMAN wahrscheinlich zu niedrig, zumindest Einige.
Mein ursprünglicher Gedanke, eben einfach umzudrehen, wenn es nicht mehr weiter geht, ist auch unrealistisch, die Straße ist so eng, daß selbst Umdrehen nicht problemlos, oder vielleicht gar nicht möglich wäre.
Wer Lust hat, sich den wirklich schönen Canyon mal anzuschauen und mit Jason die Hammerstrecke zu fahren, kann sich gerne sein Video hier anschauen. (https://youtu.be/k9TaWZPRYJ0)

So verplempere ich den Nachmittag, lese ein wenig, auch mal ganz schön, ist ja schließlich Sonntag heute, – laufe dann gegen Abend mal die knapp 2 km ins Städtchen, kann dabei Telefonguthaben aufladen und gönne mir schließlich ein Abendessen im Restaurant.

Tagesetappe:   0 km    Gesamtstrecke:  62.106 km