Prima Sternenhimmel gehabt, und eine herrlich ruhige Nacht, irgendeine Tierstimme ist in der Nacht zu hören, ziemlich nah, – vielleicht ein Wüstenfuchs ?
Gegen 9 Uhr machen wir uns los, heraus aus der Wüste, auf die 14 in östliche Richtung, hinauf in die Berge, nach Huaraz und dann auf der 3 N ein Stück nach Norden, bis Caraz.
Den ursprünglichen Plan, von Chimbote aus über die 12 auf die 3 N zu fahren und Caraz von Norden anzufahren, habe ich gestern schon verworfen, – wäre wesentlich kürzer und führt nördlich von Caraz durch den wirklich sehenswerten „Canyon del Pato“, eine tief eingeschnittene Schlucht, durch die sich der Rio Santa in der Sohle und etwas oberhalb im Hang die 3 N in abenteuerlichen Windungen entlangschlängeln, – schmal, – meist einspurig, – unasphaltiert und …
… durch mindestens 20 Tunnel, – einfache, durch den Fels gebrochene Tunnel, – schmal, – dunkel und wahrscheinlich mindestens einer von ihnen zu niedrig für den HerrMAN. Würde ich hier scheitern, wäre dies ein Umweg von mindestens 300 Kilometern.
Also, – Vernunft siegt, ich nehme die längere Strecke in Kauf, komme aber sicher dort oben an und werde morgen versuchen, den Canyon aus südlicher Richtung anzufahren.
Die Wüstenlandschaft der Pazifikregion lassen wir recht schnell hinter uns, dann beginnt der Aufstieg auf die „Cordillera Negra“, einen Teil der „Cordillera Occidental“, des westlichen Andengebirges, das sich in Nord-Süd-Richtung durch das Land zieht.
Nach der Wüstenlandschaft beginnt eine Zone intensiver Landwirtschaft, ausreichend Wasser aus den nahen Bergen ist der Reichtum dieser Menschen hier, nur durch Bewässerung ist das möglich, – Mangoplantagen, – Weintrauben, – Avocados, – Papayas, – später endlose Apfelplantagen, – die Felder ziehen sich seitlich bis weit in die steilen Berge hinauf.
Irgendwann ist dann nichts mehr mit Landwirtschaft, Eukalyptusbäume mit Grasland und später auch wieder vereinzelte Pinien gestalten die Landschaft, bis auch diese enden, dann bleibt lediglich eine dürftige Gras- und Flechtenlandschaft, in der vereinzelt Kühe und Schafe etwas Nahrung finden.
In einer schier endlos erscheinenden Fahrt von 4 Stunden und durch gefühlt 1 Million Kurven erreiche ich den höchsten Punkt der Überfahrt, – mein bisheriger Höhenrekord, 4.229 Meter über dem Meer, gestartet bin ich bei 131. Der HerrMAN zieht das eisern, bisher ohne technische Probleme, durch.
Von hier oben ist die Aussicht hinunter in das Tal zwischen den beiden Höhenzügen mit der Stadt Huaraz und den dahinter liegenden, schneebedeckten 6.000ern der „Cordillera Blanca“ einfach nur traumhaft. Eine Mittagspause lang gönne ich mir diesen Anblick.
Hier ist jedoch noch nicht das Ende der heutigen Fahrt, nach Huaraz und Cavaz geht es jetzt wieder auf 2.300 Meter hinunter, also noch einmal ein paar hundert Kurven mehr.
Huaraz, die hiesige Provinzhauptstadt, ist nicht gerade eine Schönheit, schnell durch und weiter nach Norden, bis Cavaz sind es noch einmal knappe 70 Kilometer.
Die Gegend hier ist seismisch sehr unruhig, immer wieder gab es in der Vergangenheit Erdbeben, auch Schwere, dadurch bedingt Erdrutsche, Eis- und Schlammlawinen, die Städte Huaraz und Yungay wurden in den letzten 60 Jahren mehrfach zerstört und wieder aufgebaut.
Cavaz liegt etwa 20 km südlich des „Canyon del Pato“, es ist später Nachmittag, bis wir den dortigen Campingplatz „Guadelupe Jaime Veliz Caraz“ erreichen. ( S 09° 03′ 17“ W 077° 47′ 41“ )
Ein Camper aus Kanada steht schon hier, – das auffällige Fahrzeug erscheint mir irgendwie bekannt, – als wir uns begrüßen, auch die Gesichter der Beiden, – der Groschen fällt bei mir allerdings erst in der Nacht.
Kara und Jason, – die Everlanders, – im Januar 2020 haben wir bei La Paz auf der Baja California in Mexiko schon einmal eine Nacht nebeneinander gestanden und uns unterhalten.
Jakov, mein Beifahrer auf Zeit verabschiedet sich heute Abend, er wird morgen in aller Frühe zu einer mehrtägigen Bergtour zu den Gletschern und Bergseen auf weit über 5000 Meter aufbrechen.
Tagesetappe: 208 km Gesamtstrecke: 62.106 km



































































































































