10.02.2024 – Von Casma nach Caraz

Prima Sternenhimmel gehabt, und eine herrlich ruhige Nacht, irgendeine Tierstimme ist in der Nacht zu hören, ziemlich nah, – vielleicht ein Wüstenfuchs ?

Gegen 9 Uhr machen wir uns los, heraus aus der Wüste, auf die 14 in östliche Richtung, hinauf in die Berge, nach Huaraz und dann auf der 3 N ein Stück nach Norden, bis Caraz.

Den ursprünglichen Plan, von Chimbote aus über die 12 auf die 3 N zu fahren und Caraz von Norden anzufahren, habe ich gestern schon verworfen, – wäre wesentlich kürzer und führt nördlich von Caraz durch den wirklich sehenswerten „Canyon del Pato“, eine tief eingeschnittene Schlucht, durch die sich der Rio Santa in der Sohle und etwas oberhalb im Hang die 3 N in abenteuerlichen Windungen entlangschlängeln, – schmal, – meist einspurig, – unasphaltiert und …
… durch mindestens 20 Tunnel, – einfache, durch den Fels gebrochene Tunnel, – schmal, – dunkel und wahrscheinlich mindestens einer von ihnen zu niedrig für den HerrMAN. Würde ich hier scheitern, wäre dies ein Umweg von mindestens 300 Kilometern.

Also, – Vernunft siegt, ich nehme die längere Strecke in Kauf, komme aber sicher dort oben an und werde morgen versuchen, den Canyon aus südlicher Richtung anzufahren.

Die Wüstenlandschaft der Pazifikregion lassen wir recht schnell hinter uns, dann beginnt der Aufstieg auf die „Cordillera Negra“, einen Teil der „Cordillera Occidental“, des westlichen Andengebirges, das sich in Nord-Süd-Richtung durch das Land zieht.


Nach der Wüstenlandschaft beginnt eine Zone intensiver Landwirtschaft, ausreichend Wasser aus den nahen Bergen ist der Reichtum dieser Menschen hier, nur durch Bewässerung ist das möglich, – Mangoplantagen, – Weintrauben, – Avocados, – Papayas, – später endlose Apfelplantagen, – die Felder ziehen sich seitlich bis weit in die steilen Berge hinauf.
Irgendwann ist dann nichts mehr mit Landwirtschaft, Eukalyptusbäume mit Grasland und später auch wieder vereinzelte Pinien gestalten die Landschaft, bis auch diese enden, dann bleibt lediglich eine dürftige Gras- und Flechtenlandschaft, in der vereinzelt Kühe und Schafe etwas Nahrung finden.

In einer schier endlos erscheinenden Fahrt von 4 Stunden und durch gefühlt 1 Million Kurven erreiche ich den höchsten Punkt der Überfahrt, – mein bisheriger Höhenrekord, 4.229 Meter über dem Meer, gestartet bin ich bei 131. Der HerrMAN zieht das eisern, bisher ohne technische Probleme, durch.

Von hier oben ist die Aussicht hinunter in das Tal zwischen den beiden Höhenzügen mit der Stadt Huaraz und den dahinter liegenden, schneebedeckten 6.000ern der „Cordillera Blanca“ einfach nur traumhaft. Eine Mittagspause lang gönne ich mir diesen Anblick.
Hier ist jedoch noch nicht das Ende der heutigen Fahrt, nach Huaraz und Cavaz geht es jetzt wieder auf 2.300 Meter hinunter, also noch einmal ein paar hundert Kurven mehr.

Huaraz, die hiesige Provinzhauptstadt, ist nicht gerade eine Schönheit, schnell durch und weiter nach Norden, bis Cavaz sind es noch einmal knappe 70 Kilometer.
Die Gegend hier ist seismisch sehr unruhig, immer wieder gab es in der Vergangenheit Erdbeben, auch Schwere, dadurch bedingt Erdrutsche, Eis- und Schlammlawinen, die Städte Huaraz und Yungay wurden in den letzten 60 Jahren mehrfach zerstört und wieder aufgebaut.


Cavaz liegt etwa 20 km südlich des „Canyon del Pato“, es ist später Nachmittag, bis wir den dortigen Campingplatz „Guadelupe Jaime Veliz Caraz“ erreichen. ( S 09° 03′ 17“ W 077° 47′ 41“ )
Ein Camper aus Kanada steht schon hier, – das auffällige Fahrzeug erscheint mir irgendwie bekannt, – als wir uns begrüßen, auch die Gesichter der Beiden, – der Groschen fällt bei mir allerdings erst in der Nacht.
Kara und Jason, – die Everlanders, – im Januar 2020 haben wir bei La Paz auf der Baja California in Mexiko schon einmal eine Nacht nebeneinander gestanden und uns unterhalten.

Jakov, mein Beifahrer auf Zeit verabschiedet sich heute Abend, er wird morgen in aller Frühe zu einer mehrtägigen Bergtour zu den Gletschern und Bergseen auf weit über 5000 Meter aufbrechen.

Tagesetappe:  208 km    Gesamtstrecke:  62.106 km



09.02.2024 – Von Trujillo nach Casma

Dankenswerterweise ist auch heute früh noch die Luft im Reifen, also, alles bestens, und ab !

Zunächst fahren wir nur kurz um die Ecke, haben jetzt zwei Tage im Schatten der „Huaca del Sol“, der Sonnenpyramide gestanden.
Um 700 n. Chr, wurde diese und eine zweite, die sogenannte „Huaca de La Luna“, die Mondpyramide, aus Lehmziegeln gebaut, mit 340 x 220 Metern Grundriß ein monumentales Bauwerk, – noch nicht endgültig erforscht. Die Mondpyramide hingegen schon, deren Kunstschätze sind in einem angegliederten Museum ausgestellt.

Anschließend etwa 25 Kilometer nach Norden, auf die andere Seite der Stadt, dort sind die Überreste von „Chan-Chan“, der ehemaligen Hauptstadt der Chimú ausgegraben und konserviert.
Erbaut wurde sie bereits im 7. Jahrhundert, – ihre Blütezeit erlebte sie im 13. und 14. Jahrhundert, – sie war die größte Lehmziegelstadt und mit annähernd 100.000 Einwohnern zur damaligen Zeit die größte Stadt der Welt.
Auf über 20 Quadratkilometern sind die Mauerreste aus Lehm zu finden, bisher ist nur ein kleiner Teil ausgegraben und konserviert, – die Wände der Gebäude waren mit Reliefs verziert, die heute in Teilen nachgebaut und mit Dächern vor zerstörendem Regen geschützt sind.

Das war der kulturelle Teil für heute, jetzt geht es raus auf die 1 N, über Chimbote nach Casma, sie führt immer relativ dicht am Pazifik durch eine trockene Wüstengegend nach Süden.
In diesem Bereich ist sie sehr gut ausgebaut, autobahnmäßig und fast durchweg ohne Schlaglöcher, allerdings hat man (vermutlich, damit die Fahrer nicht einschlafen ….) immer wieder mal ein paar Topes quer über die Autobahn gebaut, – hier ist echt „Aufpassen“ angesagt.
An Maut zahle ich heute 42,80 Soles, also fast 11 Euro, – für hiesige Einkommensverhältnisse ganz schön happig.

Knochentrocken ist es hier, der Wind treibt den Sand über den Asphalt, gelegentlich gibt es sogar ein paar Dünen zu sehen. Trotzdem ist die Landschaft auf den ersten paar Kilometern wahnsinnig grün, hier wird intensiv Landwirtschaft betrieben, – Bewässerung macht es möglich, von irgendwoher wird das Wasser durch Kanäle auf die Felder gebracht und es scheint zu funktionieren, – Zuckerrohr in Massen, – Obstplantagen, – Mangos, – Avocados, – Mais, – das sieht total verrückt aus, – mitten in diesem gelbsandigen Wüstenboden leuchtet hektarweise Grün.

Später jedoch endet diese Zone und es bleibt die staubtrockene Wüste, – durchaus ein schöner Anblick, – braune Felsen, – gelber Sand, – weite Ebenen, – und mittendurch die Autobahn.
Erinnerungen an Marokko und den Oman werden wach.

Am späten Nachmittag erreichen wir Casma, den Campingplatz „Pampa Rosario“ habe ich für heute ausgesucht, aber irgendwie ist der Wurm drin, eine Zufahrt ist nicht zu finden, ich kreise 20 Minuten „um den heißen Brei“ und komme da nicht hin.
Egal, – ich wollte schon lange mal wieder unter dem herrlichen Sternenhimmel der Wüste übernachten, – also, – Blinker links, und ab durch die Mitte, – einen knappen Kilometer in die Wüste hinaus, – etwas versteckt, hinter einer kleinen Hügelkette ist der ideale Platz, – hier bleibe ich. ( S 09° 21′ 41“ W 078° 23′ 37“ )
Einen herrlichen Sonnenuntergang gibt es gleich noch obendrauf.

Tagesetappe:   230 km    Gesamtstrecke:  61.898 km



08.02.2024 – Zwangspause in Trujillo

Die Straße vor dem Campingplatz ist nicht asphaltiert, aber gut befahren, LKW die vorbeifahren, klappern jämmerlich, also besonders ruhig ist es am Abend nicht, in der Nacht jedoch ist Ruhe.

In der Früh gegen 10 Uhr wollen wir losfahren, – daraus wird allerdings erst mal nichts, – vorne links ist der Reifen platt, – na bravo.
Äußerlich ist ihm kein Makel anzusehen, also erstmal Luft drauf und schauen, wo es bläst.
Das Thema hat sich sofort erledigt, denn beim Anfassen des Ventils, halte ich dieses plötzlich in der Hand. Die Ventilverlängerung ist abgebrochen und hat das Gewinde vom Ventil mit abgerissen.
Also, neue Verlängerung draufdrehen ist nicht, – wäre ja auch zu einfach gewesen.
Das heißt, – volles Programm, – das Rad muß ab, – der Reifen runter, damit ich an das Ventil komme, es muß erneuert werden und ist von innen in die Felge geschraubt, – und dann schauen, ob ich irgendwo ein neues Ventil kriege.
Normalerweise habe ich welche dabei, aber wie das immer so ist, – ich finde keine !!!
(Warum gibt es hier eigentlich keinen Haarerauf-Smiley ?)

35 Grad, pralle Sonne, so wünscht man sich seinen Arbeitsplatz, – oder ….

Nun, als das alte Ventil endlich draußen ist, bietet mir der Campingplatzbesitzer an, mich in die Stadt zu fahren und mir das Geschäft zu zeigen, wo ich so etwas kriegen könnte. Toll ! Danke !

Aus dem einen Geschäft werden letztendlich drei, über eine Stunde sind wir unterwegs, einmal quer durch die Stadt, – Trujillo mit seinen 700.000 Einwohnern ist immerhin die drittgrößte Stadt Perus, aber letztendlich werden wir fündig, und die passende Verlängerung gibt es gleich dazu.

Knapp zwei Stunden später ist alles wieder zusammengebaut, – Luft drauf, – Chaos beseitigt, – wir sind abfahrbereit, – macht allerdings keinen Sinn, denn es ist früher Abend, – also einen ganzen Tag beschäftigt gewesen. Warum nicht.

Am späten Vormittag sind neue Gäste hier eingetroffen, ein Paar mit zwei Motorräder, Deutsche, – auch ganz schön, wieder mal muttersprachliche Unterhaltungen zu führen.
Am Abend gehen wir die paar Meter rüber zum Eingang der Pyramiden, dort gibt es einige Restaurants, das Abendessen habe ich mir heute verdient, es schmeckt vorzüglich und kostet letztendlich beschämende 3 Euro.

Hoffentlich ist dann morgen früh immer noch die Luft im Reifen, damit wir endlich mal weiter kommen.

Tagesetappe:  0 km    Gesamtstrecke:  61.668 km



07.02.2024 – Von Sausacocha nach Trujillo

Die Nacht ist ruhig und mit 8 Grad relativ kühl, immerhin liegt der Platz knapp 3.200 Meter hoch.
Am Morgen schaue ich dann erst mal, wo wir eigentlich in der Dunkelheit gelandet waren.
Eigentlich eine Idylle, – kleiner See, – ein Pavillon und Stellmöglichkeiten auf Rasen kurz vor der Wasserkante, weit genug von der Straße entfernt, los ist sowieso nicht viel.
Irgendwie hat es jedoch die letzten Tage wohl etwas geregnet, so ist alles ziemlich feucht und stellenweise matschig, drumherum Büsche und Bäume, grüne Wiese, hier hat man vier Schweine mit langen Leinen festgemacht, sie sind sozusagen Selbstversorger, grasen und suhlen, sieht irgendwie lustig aus.

Gegen 10 Uhr fahren wir los, zunächst noch auf der 3 N, dann auf die 10 A bis Trujillo.
Dankenswerterweise endet diese jämmerliche Straße genau hier und die 3 N ist ab hier in einem brauchbaren Zustand, allerdings tückisch, weil auch sie immer wieder durch tiefe Schlaglöcher oder Verwerfungen unterbrochen ist, höllisches Aufpassen ist angesagt.

In Huamachuco, der nächsten, relativ großen, Stadt verbreite ich erst mal ein wenig Chaos.
Die Fernstraße führt, wie überall in diesen Ländern mitten durch die Stadt, verzettelt sich dort oft in irgendwelchen kleinen Gassen, um nach ewigem Gekurve irgendwann auf der anderen Seite der Stadt wieder als Überlandstraße weiter zu führen.
Heute führt sie am schönen Stadtplatz vorbei, durch schmale Gassen, um dann plötzlich vor zwei gesetzten Steinpollern zu enden, zwischen denen nur ein PKW durchpaßt und genau an dieser Stelle treffen drei weitere Straßen zusammen, alle einspurig.
Hier ist guter Rat teuer, da komme ich nie durch, – also Warnblinker an, aussteigen, mal nachschauen, – nein, das wird nichts, hat schon ein anderer vor mir versucht und den linken Steinpoller auf halber Höhe abgebrochen. Zwei der drei anderen Straßen sind eingehende Einbahnstraßen, nur eine führt auswärts, – heißt umdrehen, – der Platz, etwas größer als eine Briefmarke, jämmerliches Hupen von allen Seiten.
Nun ja, – ruhig bleiben, – bei jedem Umsetzen huschen schnell mal ein paar Mopeds im toten Winkel vorne oder hinten vorbei, denen graut vor Garnichts, – mit knapp 10 Zügen habe ich das Wendemanöver ohne Schäden gemeistert, – zum Abschiedsgruß für die Wartenden laße ich kurz ein lautes Hupen aus meinem Horn, – und weg.
Kurz danach, zurück am schönen Stadtplatz stehen drei Polizisten lachend und winkend am Straßenrand, die hatten uns vorhin schon gesehen und wussten mit Sicherheit, in welche Falle wir gerade tappen. Von ihnen laßen wir uns erklären, wie man aus diesem Gassengewirr wieder nach draußen kommt. Nunja, 10 Minuten später sind wir dann endlich wieder auf der Überlandstraße.

Sie führt durch eine traumhafte Landschaft, bis auf 4.000 Meter Höhe schlängelt sie sich durch die dort baumlose Hochebene, – kleine Seen, – grobe Grasbüschel an den Hängen, – und die erste Alpakaherde am Straßenrand, – ein herrlicher Anblick, – Fotostop.

Bei Quiruvilca, – noch ziemlich weit oben, schätzungsweise bei 3.500 Metern durchfahren wir ein Gebiet, in dem in den Hängen ärmliche Hütten stehen, die nur mit schwarzen Plastikplanen verkleidet sind, jede auf einem aufgeschütteten Plateau aus hellen Steinen, – ich habe nachgelesen, das sind alles Goldgräberhütten, sie buddeln Minen in den Fels und suchen nach dem begehrten Edelmetall, in der Stadt selber und auch drüben in einem Seitental stehen große, fabrikähnliche Gebäude, – dort wird dieses Geschäft professionell betrieben.

Langsam zieht sich die Straße die nächsten Stunden Stück für Stück nach unten, oben in der Hochebene pfeift ein kalter Wind, 16 Grad zeigt das Thermometer, mit jedem Meter, den wir nach unten fahren wird es wärmer und die Vegetation nimmt zu, – Eukalyptuswälder, – später auch wieder Landwirtschaft, – über viele Kilometer werden Ananas angebaut, entsprechend viele Verkaufsstände stehen entlang der Straße, – ein toller Anblick, diese Mengen von Ananas, sauber aufgestapelt auf den Verkaufstischen, – und ganz unten dann Zuckerrohrplantagen, praktischerweise die Zuckerfabrik gleich mit dabei, dort stehen die anliefernden Lastzüge Schlange.
Das Thermometer pendelt sich hier bei 31 Grad ein.

Am Rand der Stadt habe ich Camping „Ramada Campestre Huaca del Sol“ als Übernachtungsplatz ausgesucht. ( S 08° 07′ 50“ W 078° 59′ 41“ )
Wir sind wieder mal die einzigen Gäste, leider ist das Restaurant heute auch geschloßen.
Die Anlage ist recht nett, mit Bäumen, die Schatten werfen, draußen läuft wieder der Bewässerungskanal vorbei, heute mache ich die Fenster besser zu, bevor ich Licht im Camper anmache.

Tagesetappe:  192 km    Gesamtstrecke:  61.668 km



06.02.2024 – Von Cajamarca nach Sausacocha

Die Nacht ist auch im Nahbereich der 300.000-Einwohner-Stadt unglaublich ruhig.
Erst um 7 Uhr in der Früh „klingelt“ der Wecker in Form eines startenden Flugzeuges auf dem nur wenige Meter entfernten Flugplatz der Stadt.

Gegen 9.30 Uhr machen wir uns heute los, hinüber zu den „Ventanillas de Otuzko“, nur etwa 20 Minuten entfernt, – Parkplatz vor der Pforte, – zudem noch kaum was los, – bestens.
In einer Felswand mit Panoramablick hat man bereits vor 1.400 Jahren und bis in die Inkazeit Nischen und Fenster gemeißelt, um in ihnen die Verstorbenen zu bestatten.
Nach der vorspanischen Tradition und Denkweise war es besonders wichtig, daß die Verstorbenen diesen Panoramablick hatten um den Lebensraum ihrer Familien „überwachen“ zu können, sie galten als Beschützer ihrer Nachfahren.

Nächstes Ziel sollte eigentlich die Ruinenstadt Kuelap sein, allerdings habe ich diese Tage gelesen, daß dort derzeit fast 90 % der Ausgrabungsflächen nicht zugänglich sein sollen, – bei einer Anreise von 13 Stunden, also 2 Tagen, – das selbe natürlich auch für die Rückreise, verkneife ich mir das lieber und bewege mich wieder Richtung Süden.

Trujillo und Chan Chan sind die nächsten Ziele.
Nachdem ich für die Anreise hierher die 8 genutzt habe, nehme ich für den Rückweg die 3 N und die 10 A, sie führen zunächst ein Stück nach Süden und dann nach Westen an den Pazifik.

Die Landschaft wieder mal traumhaft schön, – alpenländische Bilder, – Berge, – Täler, – grüne Wiesen mit Milchkühen, – die Straße schlängelt sich mit hunderten Kurven, immer bergauf und bergab, – gerade Stücke gibt es so gut wie gar nicht.

Anerkennend möchte ich an dieser Stelle mal erwähnen, daß gerade in den ländlichen Gegenden, in den Dörfern und kleinen Städtchen das von mir aus dem Norden berichtete Müllproblem kaum existiert, die Dörfer sind relativ sauber, die Straßenränder außerhalb kaum vermüllt, – ja, es gibt irgendwo draußen hinter einer Hecke auch mal einen wilden Müllplatz, aber nicht diesen wild verstreuten Müll über die gesamte Straße und Landschaft, wie ich ihn dort erlebt habe.

Von Cajamarca bis Cajabamba ist die 3 N recht gut ausgebaut, läßt sich angenehm fahren, viele Überholmöglichkeiten bietet sie nicht, wenn ein schwerer Laster über Kilometer die steilen Berge hochschleicht, kribbelt es schon des Eine oder Andere Mal gewaltig unter meinen Füßen, – so bleibt aber Zeit, die Landschaft zu bestaunen und auch mal ein Foto zu machen.

Hinter Cajabamba allerdings wird es dann ungemütlich, die Asphaltstraße endet und eine jämmerliche Schotter- und Erdstraße beginnt, davon sagen allerdings die Landkarten nichts, die 3 N ist als ganz normale Hauptverbindungsstraße, zudem Nationalstraße in rot eingetragen.

Über 45 Kilometer ist sie in der Realität allerdings eine Hintereinanderreihung von bis zu 40 Zentimeter tiefen Schlaglöchern, Auswaschungen, Verwerfungen und Ausbrüchen am Straßenrand, Asphalt gibt es nur bruchstückhaft, einige Abschnitte waren wohl vor zig Jahren mal geteert, davon sind jedoch auch nur noch die Schlaglöcher und halb zerbrochene Topes übrig geblieben.
Es ist eine nervenaufreibende Fahrerei, oft ist nur Schritttempo möglich, schätzungsweise 4 Stunden brauche ich für diese 45 Kilometer.

So rückt unser Tagesziel Trujillo in weite Ferne, die Übernachtungsplätze in dieser einsamen Gegend sind allerdings recht dünn gesät, bzw. gar nicht vorhanden, – so läuft die Zeit weg und die Dunkelheit naht, glücklicherweise bleibt es die letzten Tage schon bis 18.45 Uhr hell.
An einer Tankstelle in einem der kleinen Dörfchen fragt Jakov mal nach, ob wir evtl. hier übernachten könnten, – das kennt man aber hier nicht, kann mit dem Thema so gar nichts anfangen und ist daher eher ablehnend eingestellt.

Also, – nichts wie weiter, – an der Laguna Sausacocha sind 3 Stellmöglichkeiten bei iOverlander eingetragen, ist zwar noch mehr als eine halbe Stunde Weg dorthin, aber das finden wir noch, auch wenn es jetzt schon zu dämmern beginnt.

Dort an der Laguna sind einige Fischrestaurants und dahinter, Richtung See gibt es diesen einen Stellplatz, dessen Eintrag ganz gut klingt. ( S 07° 47′ 59“ W 077° 58′ 55“ )
Leider ist es hier ziemlich feucht und dort am beschriebenen Pavillon auch etwas dreckig, wir stellen uns näher an das erste Restaurant, – kein Traumplatz, – aber ein brauchbarer Kompromiß.

Tagesetappe:   168 km    Gesamtstrecke:   61.476 km



05.02.2024 – Von Pacasmayo nach Cajamarca

Der Abend ist noch lange drückend heiß, damit wenigstens gelegentlich mal ein zartes Lüftchen durch die Wohnkabine weht, habe ich alle Fenster und Klappen geöffnet.
Der Campingplatz liegt zwischen den bewässerten Feldern, – direkt an der Grundstücksgrenze läuft der schmale Bewässerungskanal entlang, – mit Einbruch der Dunkelheit beginnt es zu schwirren, – Stechmücken, – ohne Ende, – in Bataillonsstärke greifen sie an, – Flucht in die Kabine, – alle Fliegengitter sind zu. Trotzdem beginnt es auch hier drinnen nach einer Weile überall zu schwirren, – irgendwann reicht es dann, – ich schließe alle Fenster und Klappen, – lieber saunamäßig vor mich hin schwitzen, als von diesem Viehzeug gefressen zu werden. Über eine Stunde dauert es, bis ich die (hoffentlich) Letzte erschlagen habe.

In der Nacht regnet es doch tatsächlich für eine kurze Zeit, – mit dem Ergebnis, daß es heute Morgen noch mehr „dampft“ als gestern Abend, die Sonne knallt und die Luftfeuchtigkeit liegt wohl bei mehr als 90 Prozent.
Nichts wie weg !
Gegen 10 Uhr fahren wir los, – Jakov hat den gleichen Weg, er wird wohl 2 oder 3 Tage mit mir fahren, ist für mich ok, er ist ein recht angenehmer Begleiter, die Verständigung klappt auf Englisch ganz gut, und am Abend zieht er sich in sein Zelt zurück.

Heute machen wir einen Abstecher nach Osten, über die 8 nach Cajamarca, – die Strecke ist recht brauchbar ausgebaut, – einspurig, – sie führt bald ziemlich kurvenreich hoch in die Berge, – bis auf 3.100 Meter quäle ich den HerrMAN hinauf. An einer Mautstelle zahle ich 15,30 Soles, 3,95 Euro.

Zu Beginn der Fahrt noch das Landschaftsbild von gestern, – dort, wo der Fluß fließt, oder bewässert wird ist alles herrlich grün, wird Landwirtschaft betrieben, – wenige Meter daneben, an den Hängen der Hügel und auf den niedrigen Bergen ist alles vertrocknet, wächst kaum etwas.

Dann geht es in die Berge, – vorbei am Stausee „Represa de Gallito Ciego“, – die Einschnitte zwischen den Bergen fast schluchtartig tief, – die Felswände steil aufsteigend, – irgendwie weckt diese Landschaft und die Häuser an den Hängen Erinnerungen an unsere Marokkofahrten, – unten der Fluß mit grünen Gärten, – an den Hängen die Straße und die Häuser, oft aus Lehmziegeln gebaut.

Ab einer bestimmten Höhe endet die Trockenheit und die Hänge und Berge werden wieder grün, sind bewachsen, – hier scheint es öfters zu regnen. Noch weiter oben gibt es gar Eukalyptus-, später auch Nadelwälder, passend dazu dann auch wieder kleine Betriebe, die sich mit der Holzverarbeitung beschäftigen.
Auf 3.000 Metern Höhe wird es jetzt neblig, dicke Schwaden ziehen um die Bergkuppen, die Temperatur ist bereits schon ab etwa 1.500 Metern besser geworden und liegt jetzt hier bei kühlen 20 Grad.

Oben angekommen zeigt sich ein herrliches Panorama, – das Städtchen Cajamarca und seine umliegende Landschaft liegt unten im nächsten Tal wie in einer Miniaturenausstellung, – Häuser, – Wiesen und Felder, – Wälder, – der Fluß.

Wir fahren mitten in die Stadt, zum Plaza de Armas, einer schönen Parkanlage, eingerahmt von kolonialen Häusern, der Kathedrale auf der Nordwestseite und der schmucken „Iglesia San Francisco“ auf der gegenüberliegenden Seite.
Eigentlich sind rund um den Park überhaupt keine Parkplätze und überall ist die Polizei präsent, Platz genug ist ja, die Straße führt dreispurig um den Platz, also halte ich einfach mal an, mal schauen, was passiert. Innerhalb von 30 Sekunden sind mindestens 4 Polizisten und zwei Motorräder da, – einer der Polizisten erklärt mir, daß man hier nicht parken kann, – war mir klar. Ich gehe in die Gegenoffensive und erkläre ihm, daß mein Beifahrer nur gerade mal hier nebenan zur Bank muß und wir gerne auch kurz zur Kathedrale möchten, in 5 Minuten sei alles erledigt. Das findet er gut und gibt sein ok, – während Jakov zur Bank geht unterhalte ich mich recht intensiv mit ihm, mit dem sprechenden Übersetzer geht das richtig toll. Als Jakov von der Bank zurückkommt, gehen wir eine Runde über und um den Platz, schauen uns die beiden Kirchen an, – der HerrMAN steht von 5 Polizisten gut bewacht oben an der Straße, – fragen kostet nichts, – schon immer mein Wahlspruch.

Freundlich werden wir verabschiedet, fahren noch etwa 20 Minuten, hinaus an die Peripherie der Stadt, dort befindet sich Hospedaje und Camping „El Patron“, den ich für heute ausgesucht habe. ( S 07° 09′ 05“ W 078° 28′ 37“ )
Eine weitläufige Anlage mit Fremdenzimmern, Bolzplatz und Spielwiese für die Kleinen, Grillplatz für die Großen, hier im Campingbereich gibt es eine große Küche, Aufenthaltsraum, Duschen und Freisitz, – nicht schlecht und wunderbar ruhig hier draußen. Außer uns ist wieder mal niemand hier.

Tagesetappe:  202 km    Gesamtstrecke:  61.308 km



04.02.2024 – Von Piura nach Pacasmayo

Der Tag beginnt heute mit einem erfrischenden Bad im Pool, – noch sind keine Gäste da, – das Gelände und der Pool gehören mir ganz alleine.
Dann, kurz nach 10 Uhr, mache ich mich auf den Weg.
Die N 1 südwärts ist und bleibt den ganzen Tag „meine“ Straße, von Piura über Chiclayo nach Pacasmayo.

35 Grad sind es bereits gegen 10 Uhr, dabei bleibt es dankenswerterweise, – am späten Nachmittag wird es 3 Grad „kühler“, – der Himmel bewölkt sich und für ein paar Minuten nieselt es gar ein wenig.

Lediglich hier in der Stadt sind ein paar grüne Oasen, alles andere, auch außerhalb bleibt gelb, braun und dürr, die Gegend ist knochentrocken und deswegen wüstenhaft, lediglich in den Senken, in denen sich Flüße Richtung Meer winden, oder dort, wo man Bewässerungskanäle geschaffen hat, ist es wunderbar grün, wird Landwirtschaft betrieben, sogar Reis angebaut, ein wenig Mais, Zuckerrohr und Bananen. Wenige Meter außerhalb ist Wüste, trocken, staubig, dreckig, der Wind treibt Staubwolken vor sich her und die Plastiktüten hängen wie Trauben in den niedrigen Dornenbüschen.

Fast 300 Kilometer fahren wir durch die Sechurawüste und sehen alle Facetten einer Wüste, von absolut vegetationslos und flach, über sandig mit kleinen Wellen und gelegentlich ein paar Büschen, bis hin zu Dünengebieten und savannenartigen Gegenden mit etwas mehr, aber verdorrter Vegetation.

Wir, – ja, – heute habe ich wieder einen Beifahrer.
Ich hatte ja schon vor 14 Tagen an der Grenze von Kolumbien nach Ecuador Jakov, den jungen Polen „aufgelesen“ und ein Stück weit mitgenommen.
Heute, kurz hinter der Stadt, mal eben fast 2.000 Kilometer weiter südlich, steht er wieder an der Straße und hält den Daumen raus. Also, rein mit Dir, und weiter.

Die Straße führt fast schnurgerade und bretteben durchs Land, zwar einspurig, aber es ist kaum Verkehr und der Belag ist recht gut, also geht es gut voran, heute, – einschläfernd und monoton ist es allerdings schon. An einer Mautstelle zahle ich 17,40 Soles, ungefähr 4,50 Euro.

Am späten Nachmittag treffen wir in Pacasmayo ein und fahren auf einer Nebenstrecke wieder ein kleines Stück nach Norden, Camping „Casa de Campo Aramburu“ ist das Ziel, ( S 07° 20′ 10“ W 079° 33′ 57“ ) ein kleiner, familiärer Platz, hübsch zurecht gemacht, nette Betreiber, jede Menge Tiere laufen hier frei, – ein kleines Restaurant gibt es ebenfalls und auf Nachfrage kriege ich sogar noch ein tolles Abendessen serviert, sechs Hunde sitzen um mich herum und betteln mich mit treuen Augen an, die Katze sitzt auf dem Nachbartisch und meldet sich ebenfalls lautstark zu Wort, ich glaube, sie wissen, daß die Chefin gut kochen kann.

Tagesetappe:  322 km    Gesamtstrecke:  61.106 km

03.02.2024 – Von Colán nach Piura

Bis ich losfahre, ist es schon reichlich spät, – egal, – ich habe nicht wirklich viel vor heute.
Ein Stück weiter nach Süden und in der nächsten Stadt unbedingt mal wieder alle Bestände auffüllen, das soll reichen.


Gestern Abend ist noch ein junges Paar hier eingetroffen, Reisende aus Argentinien, sie kommen aus dem Süden und haben Einiges zu erzählen, außerdem haben sie einen heißen Tip für einen Langzeit-Stellplatz bei Lima, den sie selbst ausprobiert haben, – muß ich mir auch anschauen.

Hinaus auf die 102 bis nach Paita, dort auf die 2 bis Piura, das reicht für heute.

Die Landschaft, – irgendwie afrikanisch, – knochentrocken, – wüstenhaft, – sandig, – mit einigen, wenigen Akazien, die verstreut im flachen Gelände stehen, – total ungewohnt, – keine Berge mehr, alles total flach bis zum Horizont. Die Temperatur heute wieder mal bis 37 Grad, drüben bei Carlos war es recht erträglich, eine ständig vom Meer wehende, frische Brise hält das Thermometer unter 30 Grad.

In Paita verbringe ich gut 2 Stunden in einem großen Supermarkt, ich bin überrascht über die Größe des Marktes und das vielfältige Angebot, auch im Nonfood-Bereich.

Die 2 ist recht gut ausgebaut, zweispurig, ohne Standspur, schnurgerade und mautpflichtig, 17,60 Soles habe ich zu zahlen, etwa 4,40 Euro.
An der Mautstelle stehen jede Menge Mülltonnen, Getrenntsammlung, alles sauber nach Sorten getrennt, habe ich hier im Land noch nicht gesehen, – hinter der Mautstelle wird der Müll an den Straßenrändern tatsächlich merklich weniger, an vielen Stellen sieht es richtig sauber aus. Sollte vielleicht ein Teil der Maut für die Entsorgung des ganzen Drecks verwendet werden, – dann zahle ich die wahnsinnig gerne.

Gegen 16 Uhr treffe ich am Recreationcenter „Porta Verde“ ein, hier werden auch Stellplätze angeboten. ( S 05° 09′ 10“ W 080° 36′ 36“ )
Das sieht gut aus hier, – eine großzügige Anlage, – grüner Rasen, – große Bäume, die Schatten spenden, – Tennisplatz, – Bolzplatz, – Swimmingpool, – Strandbar mit lauter, aber guter Musik und einem Restaurant.
Während sich die Frauen mit den Kindern im Pool erfrischen, treffen sich die Männer hier an der Bar und kühlen sich von innen.
Beim Einchecken werde ich an der Bar von einem der Gäste begrüßt, er spricht in bestem Deutsch mit mir, – ein Peruaner, der 35 Jahre in Deutschland gearbeitet hat und nun seinen Ruhestand hier verbringt, trotzdem, so erzählt er mir, besucht er Deutschland jedes Jahr für ein paar Wochen, Sohn und Tochter mit Familien leben und arbeiten dort.

Der Abend bleibt warm, 22 Uhr, 30 Grad, ich glaube, ich gehe jetzt mal den Pool aufsuchen.

Tagesetappe:  70 km    Gesamtstrecke:  60.784 km

01.-02.02.2024 – Pause bei Carlos im Camping „Conzulado 96“

Ein ausgesprochen netter Platz, ich stehe hier im Innenhof des kleinen „Hotels“, direkt am Pool.
Carlos, der Besitzer ist ein ganz netter, – stammt ursprünglich aus Uruguay, – wohnt eigentlich in der Hauptstadt Lima und hat hier direkt am Meer sein Ferienhaus, das er irgendwann mal um ein paar kleine Fremdenzimmer und einige Stellplätze für Camper erweitert hat, – einfach, weil er auch Camper ist und gerne Gäste um sich hat. Seinen eigenen Wohnwagen hat er hier ebenfalls stehen.

Seine Nichte erledigt den täglichen Betrieb in Haus, Hof und Garten, betreut die Zimmer und die Gäste, auch wenn er mal weg ist. Viel los ist nicht, das ist sicher auch nicht beabsichtigt, aber ein oder zwei Zimmer sind jeden Tag belegt, alles ist top sauber, der Pool ist klein, aber fein.
Meerseitig, hinter dem Haus, klatschen die Wellen des Pazifik hart an die Mauer zur Terrasse, unzählige Krabben leben auf den Felsen davor, auch die Nachbarhäuser stehen hier bis direkt ins Wasser.
Einen Strand hat es hier in diesem Abschnitt leider nicht, weiter nördlich und auch im Süden sind die eher feinen Sandstrände.
Aber die Sonnenuntergänge sind überall gleich und die gibt es hier, wie es sie halt nur am Meer gibt.

Carlos und seine Freunde hatten mich am ersten Abend gleich zu einem tollen Barbeque eingeladen, gestern gab es zum Mittag gleich die nächste Einladung, – Reste vom Vorabend „beseitigen“.
Hier fühle ich mich bestens aufgehoben.

Ich erledige meinen Schreibkram und mache eine erste Grobplanung für die Tour durch Peru, etwa 6 Wochen werde ich wohl hier im Land reisen, bevor ich den HerrMAN wieder abstelle und nach Deutschland zurückkehre.
Die Suche nach einem geeigneten Stellplatz habe ich heute auch schon begonnen, auch hier hat mir Carlos Kontakte nach Lima vermittelt, die sich recht gut anhören, werde ich mir alles anschauen, wenn ich dort bin.

Eigentlich könnte man an so einem Ort wochenlang verweilen, trotzdem werde ich dann morgen mal wieder ein Stück weiterziehen, wer rastet, der rostet.

Tagesetappe:   0 km    Gesamtstrecke:  60.714 km



31.01.2024 – Von Macará (Ecuador) nach Colán (Peru)

Drüben in der Kirche wird wohl gerade ein Gottesdienst abgehalten, hört sich an, wie auf einem Popkonzert, laute, gar nicht sakrale Musik schallt aus den Boxen über den gesamten Platz, und der Prediger ist auch nicht gerade zurückhaltend mit seinen Worten, laut und emotional trägt er vor.

Nach dem Ende des Gottesdienstes leert sich der Platz recht schnell und es kehrt Ruhe ein, nur vereinzelt fahren noch Autos oder knattert ein Motorrad vorbei.

Für mich ein idealer Platz, – mitten in der Stadt, den Menschen bei ihrem täglich Tun zuzuschauen.

Ecuador, derzeit im Ausnahmezustand, Kriegsrecht ist verhängt und ab 23 Uhr gilt ein nächtliches Ausgangsverbot bis morgens um 5 Uhr.
Jetzt, wo ich ja fast durch bin, kann ich ein kurzes Fazit ziehen:
Von Ausnahmezustand und Kriegsrecht ist hier überhaupt nichts zu spüren, sowohl hier, als auch in allen anderen Orten, durch die ich gekommen bin, geht Alles seinen ganz normalen Gang, die Menschen sind relaxed und gehen ihren täglichen Dingen nach.

Und auch die Ausgangssperre, – ich dachte, wenn es dann 23 Uhr ist, ist hier Friedhofsruhe, – ja denkste, es geht nach 23 Uhr genauso weiter, wie vorher auch, erst gegen Mitternacht wird es ruhig auf und um den Platz.
Und selbst in der Nacht, wohl so gegen 1 Uhr und nochmal gegen 3 Uhr werde ich kurz wach, weil irgendwelche Menschen in ihrer bekannt lauten Art irgendwo an der Straße oder auf dem Platz unterwegs sind.
Wie ich im Land mehrfach erfahren habe, ist dies wohl ein „Krieg“ zwischen der „Drogenmafia“ und den Verantwortlichen des Staates, der sich hauptsächlich in der Hauptstadt Quito, aber noch mehr in der Hafenstadt Guayaquil abspielen soll, dort wo halt die „Transporte“ nach Europa und in die USA durchlaufen.

Sei es, wie es ist, schade nur, daß ich deswegen jetzt dieses schöne Land nur im Schnelldurchgang bereisen konnte, drei bis vier Wochen hatte ich eingeplant, 9 Tage waren es letztendlich, trotzdem bin ich froh, daß ich überhaupt durchreisen durfte, sonst wäre es echt kompliziert geworden.

Am Morgen mache ich mich gegen 9.30 Uhr auf den Weg, – Grenztag.
Der Grenzübergang liegt nur wenige Minuten südlich.
Doch zuerst besuche ich noch einmal die Tankstelle, – ich durfte ja gestern abend nur für 50 US-Dollar tanken, – und was soll ich sagen, – niemand fragt oder schränkt ein, – ich kriege anstandslos vollgetankt, – es sind mehr als 50 USD, – zahle und gut ist es.
Es ist vermutlich auch eine Frage des Personales, ob es Restriktionen gibt, oder nicht.

Nach wenigen Minuten komme ich an die Grenze, – ein großzügiges, relativ neu erbautes Abfertigungsgelände mit ausreichend Parkplätzen, –
– und ich bin ganz alleine hier, – niemand sonst ! Das habe ich jetzt auch noch nirgendwo erlebt.

Die Abfertigungen für die Ausreise aus Ecuador und die Einreise nach Peru sind alle hier in diesem Gebäude, nebeneinander, Schalter an Schalter, das ist doch mal Klasse und es geht recht gemächlich zu, alle sind sehr hilfsbereit und sagen, wie es weitergeht.
Paß mit Stempel ist in max. 10 Minuten erledigt, Peru macht ein Foto und nimmt Fingerabdrücke, – das TIP fürs Fahrzeug, sowohl für die Aus- als auch für die Einreise braucht halt ein wenig, ist Schreibkram und die Zöllner gehen dann mit ans Fahrzeuge, fertigen Fotos und checken die Fahrgestellnummer.
Aber Alles in Allem bin ich in unter einer Stunde durch ! Rekordverdächtig !

Allerdings die Leute von der Versicherungsbude stellen sich wieder mal dämlich an, – hier vor Ort dauert es fast eine halbe Stunde bis der Typ nach unglaublich vielen Fragen und mindestens drei Anrufen in seiner Zentrale verzweifelt aufgibt und mich hinüber nach Peru schickt, ich solle dort gleich im ersten Gebäude rechts anfragen, die würden das machen (??)
Gesagt, getan, die Frau hinter der Theke ist wesentlich flexibler, braucht zwar auch ein wenig, aber nach 20 Minuten ist die Police fertig, für zwei Monate zahle ich 61 US-Dollar, das ist ok.

Dann kann ich endlich los, und bin nach wenigen Minuten überrascht, was so eine imaginäre Linie, wie eine Grenze für einen Unterschied ausmacht.
Es ist sofort erkennbar, daß der Lebensstandard hier wesentlich niedriger ist, als noch in Ecuador, – die Behausungen schäbig, – die Straße schmal und kaputt, – die Autos alt und wieder viel mehr Zweiräder auf der Straße, – rechts und links der Straße kaum Menschen zu sehen, – Landwirtschaft, irgendwie Fehlanzeige, lediglich im direkten Grenzbereich, sowohl in Ecuador, als auch in Peru wird Reis angebaut, der Grenzfluß „Rio Macará“ bietet offensichtlich genug Wasser dafür, – danach sind nur noch ein paar streunende Ziegen unterwegs, die das Buschwerk in der Pampa abknabbern.

Und das Müllproblem, – hier ist es wieder, – aber mit solch einer Wucht, daß ich es kaum glauben kann, – die Straßenränder sind gesäumt mit Abfall, – streunende Hunde und Geier wühlen ihn auseinander, um die letzten verwertbaren Dinge zu finden, – an manchen Stellen stinkt es jämmerlich.
Erst mal bin ich völlig baff, – Ecuador war da so ganz anders, – und auch in den Ländern weiter nördlich, in denen es diese Müllprobleme gab, – Kolumbien, zumindest im nördlichen Teil und auch einige Länder in Mittelamerika, waren Waisenknaben gegen das, was ich hier sehe, kenne ich in diesem Ausmaß nur aus einigen afrikanischen Ländern.

Die Landschaft wird zusehends trocken, aus dem üppigen Grün der letzten Wochen wird hier ganz schnell gelb und braun, außer in den Flußtälern, wo offensichtlich bewässert und ein wenig Landwirtschaft betrieben wird, herrscht Dürre, savannenartig, irgendwie afrikanisch schaut es hier aus, der Wind weht Sandwolken über die Straße, – und gleich sieht Alles irgendwie dreckig aus.

Aus der E 35 in Ecuador ist hier die 1 N geworden, führt jedoch auch immer weiter nach Süden.
In Las Lomas soll es wohl eine Bank und Geldautomaten geben, ich fahre mal rein und finde auch die Nationalbank am Stadtplatz, kann mir endlich mal hiesiges Geld besorgen, Soles heißt die Währung hier und für 1 USD kriege ich etwa 3,7 davon.
Im Laden nebenan besorge ich mir dann eine hiesige SIM-Karte, dazu braucht es jedoch drei verschiedene Läden, – also beim ersten kriege ich die Karte, aber kein Volumen drauf, – beim Zweiten hat man nur Volumen zum telefonieren und endlich beim Dritten kriege ich dann Guthaben für Internet draufgeladen, – wieviel konnte man mir nicht sagen, 10 Soles mußte ich zahlen, bin gespannt, wie lange das hält.

Igendwann auf dem Weg Richtung Sullana wird die Gegend dann doch noch fruchtbar, Mangoplantagen bis zum Horizont und später dann Limetten, unglaublich Viele, in einem kleinen Städtchen beschäftigen sich wohl alle damit, alle Pickups und Geschäfte in der Stadt handeln irgendwie mit Limetten, tausende volle Säcke werden hier angekarrt und gehandelt.

Hinter Sullana verlasse ich die N 1 für einen Abstecher an den Pazifik.
Das Grün in der Landschaft ist nur von kurzer Dauer, schnell wird die Landschaft wieder wüstenhaft trocken und bei der Anfahrt zum Meer könnte dies auch irgendwo im Senegal sein, weite Sandflächen, kleine, aufgetürmte Dünen.

Ich habe mir „Camping und Rooms Conzulado 96“ ausgesucht, direkt am Meer, leider ohne Strand, hier klatscht das Meer heftig gegen die Klippen, – aber sonst sehr nett, sauber und mit einem kleinen Swimmingpool. ( S 05° 00′ 13“ W 081° 04′ 04“ )
Allerdings komme ich mal wieder nicht rein, die Einfahrt ist 40 Zentimeter zu niedrig.
Als obere Begrenzung dient eine Holzstange mit einer Lampe, Julia, die Verwalterin ruft Carlos, den Besitzer an, der kommt, und zusammen bauen wir erst mal das Einfahrtstor auf HerrMAN-taugliche Maße um, – dann kann ich rein, stehe direkt neben dem Pool, – bin mal wieder alleine.

Für den Abend hat Carlos Freunde zu einem Barbeque eingeladen und lädt mich ebenfalls dazu ein, es wird ein angenehmer Abend mit tollem Krustenbraten, Bier und Wein, netten Gesprächen, auch wenn sie sich nicht immer ganz einfach gestalten, klappt das mit dem sprechenden Sprachübersetzungsprogramm aus dem Smartphone richtig gut. Hier werde ich mal ein paar Tage bleiben.

Tagesetappe:  216 km    Gesamtstrecke:  60.714 km