17.12.2025 – Von Lenca nach Hornopiren

Der „Campingplatz“ liegt versteckt, etwas abseits der „Carretera“, eigentlich stehen wir nur hinter dem Haus einer netten chilenischen Familie, die ein paar Cabanas an Feriengäste vermietet. Aber noch ist keine Saison und wir sind wieder mal alleine, – nicht ganz, – drei wunderschöne, schwarz-weiße Australian Shepards begrüßen uns schwanzwedelnd, während zwischen ihren zwölf Beinen zwei kräftige Kater um Streicheleinheiten werben.
Äußerlich ist alles hier ziemlich einfach, eine primitive Terrasse bietet Sitzplätze und ein wenig Küchenequipment, der Herr des Hauses zeigt uns das Bad, – ….

Und gleich beginnt es wieder zu regnen, – die ganze Nacht, – am Morgen ist unser kleiner Rasenparkplatz komplett durchnässt, teilweise matschig, – beim Rausfahren hinterlassen wir bleibende Eindrücke.
Zum Abschied bittet uns der Hausherr in seine „gute Stube“, – und, – oh ja, das hätten wir so nicht erwartet, – super gemütlich eingerichtet, viel Holz und gemütliche Möbel, – Glasfront Richtung Tal und Meer, – in einer Ecke prasselt das Holzfeuer im gußeisernen Ofen, – das hat was !
Nach ein wenig Unterhaltung verabschieden wir uns, – ein paar Eier von den Haushühnern kriegen wir neben guten Wünschen auch noch mit auf den Weg. Danke sehr.

Zurück auf die Ruta 7 und südwärts, meist an der Küste entlang, – auf Stelzen gebaute Fischerhäuser, – Norwegenfeeling, – draußen in den Fjorden sind massenweise Aufzuchtstationen für Lachse zu sehen, – ansonsten viel Wald, riesige Baumfarne immer und überall und diese riesigen „Rhabarberblätter“. -Gunnera heißt die Pflanze und hat durchaus Ähnlichkeit mit Rhabarber, der Stiel ist eßbar, – die Blätter erreichen mehr als Regenschirmgröße.

Lange wird unser Weg heute nicht werden, nach etwa 70 km stoppt uns eine erste Meerenge bei „Hornopiren“, über die uns eine Fährfahrt von fast 5 Stunden weiter bringen wird.

Aber zunächst haben wir eine erste, kurze Fährfahrt über einen schmalen Meeresarm von „La Arena“ nach „Careta“, die Fähre geht stündlich, – wir haben Glück und können ohne Stop direkt auffahren, sie steht gerade zum Beladen bereit, 24.310 Peso, knappe 22 Euro haben wir zu zahlen, in ca. 40 Minuten kommen wir drüben an und fahren weiter südwärts.

Das Wetter ist heute recht angenehm, Sonnenschein schon am frühen Morgen, weiß-blauer Himmel, 13 Grad am frühen Morgen, später bewegt sich die Temperatur auf 18 Grad, für hiesige Verhältnisse sommerlich.

Gegen 13 Uhr treffen wir am Ticketschalter der „Somarco Ferries“ in Hornopiren ein.
Wir haben immer wieder gelesen, daß man die Tickets unbedingt vorbuchen sollte, weil die Fähren oft ziemlich ausgebucht sein sollen. Mögen wir nicht und fahren auf gut Glück, – und haben Glück: Die Fähre geht zwei mal täglich, am Morgen um 10 Uhr und am Abend um 18.30 Uhr, – die Abendfähre möchten wir nicht, weil man nach fast 5 Stunden Fahrt dann irgendwann mitten in der Nacht anlandet, – also spekulieren wir auf die morgige Tagfähre, – und haben Glück !
Wir erhalten problemlos ein Ticket für den HerrMAN und zwei Personen, der Preis 122.000 Peso, also etwa 110 Euro.

Dann suchen wir uns einen gemütlichen Stellplatz, irgendwo entlang der Uferpromenade ( S 41° 58′ 03“ W 072° 28′ 08“ ) und machen heute mal einen „Faulen“, ein paar kurze Spaziergänge nach draußen, das Wetter paßt, – am Abend dann ein Besuch im benachbarten Restaurant, Lachs ist hier sozusagen „täglich Brot“.


Tagesetappe: 78 km Gesamtstrecke: 76.614 km

16.12.2025 – Von Frutillar Bajo nach Lenca

Auch diese Nacht wieder herrlich ruhig, – die Hunde aus der Nachbarschaft bellen hier und da mal, – gelegentlich hört man einen dieser Ibisse, die hier zigfach im Ort wohnen und auf allen Dächern sitzen, – wir nennen sie mittlerweile „Blechvögel“, weil ihre Laute irgendwie blechern klingen.

10.30 Uhr Abfahrt.
…. und da ist er endlich !
Der mächtige Vulkan „Osorno“, 2.652 m hoch reckt er sich in den Himmel, schneebedeckt.
Seit vier Tagen sind wir hier in der Gegend unterwegs, sind direkt an ihm vorbeigefahren, – gesehen haben wir ihn bisher nicht, – dicke Wolken, Regen und dunstiger Himmel haben ihn verdeckt, – heute früh scheint die Sonne und der Himmel klart auf, – und da steht er nun, – majestätisch über dem See, – nicht in seiner ganzen Schönheit zu sehen, ein paar Wolken decken seine Spitze immer noch ab, – aber immerhin !

Dann fahren wir los, hinauf nach „Frutillar“ und dort auf die Ruta 5, die Nord-Süd-Autobahn, bis nach „Puerto Montt“, – Maut 1100 Peso, etwa 1 Euro.
Dort steuern wir den „Lider-Supermarkt“ an, – nach gut einer Stunde schleppt Heike einen kompletten Einkaufswagen Proviant an.

Nun geht es ein wenig durch die Stadt und hinunter ans Meer, „Puerto Montt“ ist Hafenstadt, – hier erreichen die Überseeschiffe aus dem Pazifik die 250.000-Einwohner-Stadt durch den großen „Golfo de Ancud“.
Und hier beginnt die legendäre „Carretera Austral“, eine etwa 1.250 km lange Straße, erst 1988 gebaut, eigentlich für das Militär mit Bulldozern durch den Regenwald und die wilde Natur entlang der Fjorde Patagoniens geschoben, mittlerweile auf weiten Stücken asphaltiert, aber immer noch auch aus rauhen, wilden Schotterpisten bestehend.
Sie führt direkt von Nord nach Süd und endet in der Wildnis bei „Villa O´Higgins“, dort, bzw. etwas vorher wechselt man dann wieder hinüber nach Argentinien, um auf der Ruta 40 weiter nach Süden zu fahren.

In der Stadt machen wir noch einen Stop im Movistarladen, – das Volumen fürs Internet nachladen, – in den paar wenigen Orten, die an der Strecke liegen, soll es wohl funktionieren, mal schauen.

Dann kommt Kilometer Null, – ein Stück nach Süden fahren wir heute noch, – den Camping „Hostal Campo Santy“ haben wir ausgesucht ( S 41° 36′ 05“ W 072° 40′ 19“ ).
Entlang der Fjorde zieht sich die hier noch sehr gut ausgebaute Ruta 7, – der Pazifik hat im Moment Ebbe, – das Wasser hat sich weit zurückgezogen.
Tourismus und Lachszucht sind hier wohl die entscheidenden Wirtschaftsfaktoren.

Das Wetter ist heute mal recht angenehm, meist blauer Himmel und Sonnenschein mit einigen Wolken, 17 bis 19 Grad, die pralle Sonne jedoch sticht gewaltig.
Als wir auf unserem Nachtplatz ankommen, dauert es nicht mehr lange und es regnet wieder mal.


Tagesetappe: 86 km Gesamtstrecke: 76.536 km

15.12.2025 – In und um Frutillar Bajo

In der Tat kehrt hier, direkt an der Straße, Nachtruhe ein, – erst in der Frühe gegen 6 Uhr fährt mal ein Auto die Straße lang.

Wir werden heute hier im Ort bleiben, – haben Vorbereitungen für die nächsten 1.200 km zu treffen, – ab „Puerto Montt“, nur noch 30 km entfernt, werden wir die legendäre „Carretera Austral“ befahren, dort kann man nicht an jeder Straßenecke etwas einkaufen oder tanken.

Gestern haben wir hier eine „Lavanderia“, eine Wäscherei, gefunden, natürlich am Sonntag geschloßen, – dort führt unser erster Weg hin, – bis zum Abend gegen 18.30 Uhr können wir die Sachen wieder abholen, – das heißt auch, daß wir noch einmal hier über Nacht bleiben.

Nächster Akt, – Bargeld besorgen.
Die Dichte an Geldautomaten ist auf der kommenden Strecke alles andere als üppig, Kartenzahlung nur begrenzt möglich, – ich besorge uns hier in der örtlichen Bank einen guten Vorrat an chilenischen Pesos.

Akt 3, – Einkaufen und Volltanken.
Dazu fahren wir die paar Kilometer in den Hauptort „Fruttilar“, – insgesamt ein wenig enttäuschend der Ort, und auch den erwarteten Supermarkt, um für zwei Wochen Vorräte zu bunkern, gibt es hier nicht, – einige örtliche Supermercados, die eigentlich auch ganz gut bestückt sind, – es soll aber ein richtiger Einkauf werden, da braucht es schon einen Großen.
Verschieben wir auf Morgen in „Puerto Montt“, – Volltanken kann ich noch erledigen, – dann fahren wir zurück nach „Frutillar Bajo“.

Diesmal stellen wir uns auf den großen Parkplatz des Theaters am See, – riesig und fast leer, etwas abgelegen und nur wenige Schritte von Geschäften und Restaurants entfernt, – genial ( S 41° 08′ 24“ W 073° 01′ 41“ ).
Am späten Nachmittag gesellen sich noch zwei chilenische Camper zu uns auf den Platz.

Gegen 18.30 Uhr holt Heike die Sachen in der Wäscherei ab, anschließend laufen wir zum Restaurant des „Club Aleman“, gestern leider schon ab 17 Uhr geschloßen, aber heute testen wir mal, wie gut man hier Omas Kochrezepte aus Deutschland gehütet hat.
„Geräuchertes Kasseler, Leberkäse und eine große Bratwurst, dazu zwei dicke Kartoffeln, Rotkraut, Sauerkraut, geröstete Zwiebeln und Salat“, – nach gut der Hälfte unseres Essens müssen wir abbrechen, – es ist einfach nicht zu schaffen, was die hier auf den Teller schaufeln, – und gut ist es noch dazu.


Tagesetappe: 16 km Gesamtstrecke: 76.450 km

14.12.2025 – Von Llanquihue nach Frutillar Bajo

Irgendwann gegen 20 Uhr haben die Jungs genug vom Fußball und gehen nach Hause, wir sind jetzt ganz allein hier draußen am Seeufer.

Auch in dieser Nacht regnet es immer wieder mal und auch der Morgen bringt keine Änderung.

Unser Plan für heute:
Sonntag, – rüber nach Frutillar und bummeln, mittags Kuchen essen, abends ausgehen.
Das ist doch ein Plan, oder ?

Gegen 11 Uhr fahren wir, sind ja nur wenige Kilometer, immer am Seeufer entlang, über die V 155 und V 305 bis nach „Frutillar Bajo“.
Ein paar wirklich schmucke Grundstücke und Häuser hat man sich hier entlang des Seeufers errichtet, – wir fahren durch Wald, kleine Dörfchen und an Wiesen vorbei und sind nach 40 Minuten da.

„Frutillar“ ist wohl das Deutscheste unter den deutschen Dörfern hier in der Region, dereinst von deutschen Auswanderern gegründet, es wird noch heute teilweise deutsch gesprochen, Familiennamen und die Namen von Hotels, Pensionen und Restaurants deuten darauf hin.
das am Seeufer befindliche „Frutillar Bajo“ ist ein hübsches, kleines Feriendorf mit entsprechender Gastronomie, – wir sind noch nicht in der Saison, entsprechend wenig ist los, – schön so.
Hier bleiben wir heute, – im „Kuchenladen“, – ja, so heißt das Geschäft, Kaffee trinken und ein Stück Schwarzwälder Kirsch vernichten, lange nicht gehabt, gar nicht schlecht.
Wir bummeln durch den Ort, besuchen dann das „Museo Colonial Aleman“, ein kleines Freilichtmuseum mit Mühle, Schmiede, alten Gebäuden und einem schön angelegten Park, – irgendwie Schwarzwaldfeeling, – naja, wieso auch nicht.

Wir stehen, mangels vernünftigem Camping, direkt im Ort, am Straßenrand, vor dem „Club Aleman“ ( S 41° 08′ 08“ W 073° 01′ 39“ ), mehrere Restaurants direkt in der Nähe, natürlich die Gelegenheit, am Abend mal wieder auszugehen.
Wenig Verkehr, der nachher bestimmt ganz endet, nette Nachbarn, – hier bleiben wir für die Nacht.

Chile wählt heute einen neuen Präsidenten, – Stichwahl, – bisher ist für uns nichts davon zu merken.
Am Abend allerdings geht hier die Post ab:
Zunächst, – wir sitzen noch auf der Terrasse des Restaurants zum Abendessen, bricht im Lokal nebenan irgendwie Jubel aus, dann zieht eine kleine Gruppe junger Leute lachend über die Straße, rüber zum See, zwei von ihnen, eine Frau und ein Mann springen unter dem Johlen der Anderen vollbekleidet in den See und nehmen ein Bad, – 12 Grad Lufttemperatur, das Wasser wird wohl auch nicht viel wärmer sein, – filmen, – lachen, – johlen, – es geht wohl um die Einlösung einer Wette zum Wahlausgang.
Jose Antonio Kast, ein konservativer, 59 jähriger Jurist, deutscher Abstammung, gewinnt die Wahl mit 59 % der Stimmen, – hier bei uns im Ort waren es gar 68 % und entsprechend groß ist die Freude bei den Menschen hier, am Abend gegen 21 Uhr zieht ein kilometerlanger Autokorso hupend und fahnenschwenkend die Uferstraße entlang, – die Zuschauer klatschen und winken mit ihren Fahnen zurück, – schön anzuschauen, wie hier Politik noch gelebt (Wahlbeteiligung 85 %) und auch gefeiert wird. Nach einer halben Stunde wird es wieder still und gegen 23 Uhr kehrt Nachtruhe ein.


Tagesetappe: 18 km Gesamtstrecke: 76.434 km

13.12.2025 – Von Entre Lagos nach Llanquihue

Auch in der Nacht und am Morgen regnet es immer wieder mal, – eigentlich ein Wetter, um im Bett liegen zu bleiben. Hilft ja auch nicht wirklich.

Also weiter, 10.30 Uhr fahren wir heute los, – zunächst durch den Ort, – schnell noch frisches Brot und ein wenig Obst und Gemüse mitnehmen, – dann hinaus auf die U 51, – weg vom „Lago Puyehue“, um nach einigen Kilometern den nächsten See, den „Lago Rupanco“ zu erreichen, – wenige kurze Blicke, – viel ist durch die dunstige Luft und den Nieselregen nicht zu sehen.
Dann weiter auf der U 775 und der U-55-V zum „Lago Llanquihue“, – einem ziemlich Großen, – wir umfahren ihn auf der Ost- und Südseite, – durch die Orte „Las Cascadas“ und „Ensanada“, – auf der 225 dann weiter über „Puerto Varas“ bis „Llanquihue“, – ein kurzes Stück über die Autobahn 5, 900 Pesos Maut sind fällig, ca. 80 Eurocent.

Das Wetter, – wie ich schon berichtet habe, – regnerisch und kalt, – zwischen 13 und 11 Grad bewegt sich die Temperatur, – immer wieder klart es für Momente auf, bevor der nächste Schauer fällt. Erst am späten Nachmittag wird es besser, für kurze Momente kommt die Sonne durch und das Thermometer steigt auf 15, gegen Abend gar 17 Grad.

Die Landschaft heute, teils flach, teils hügelige Mittelgebirgslandschaft, mit all den vielen Seen, – ein beliebtes Urlaubsziel für in- und ausländische Feriengäste, – sicher mit Bergen irgendwo am Horizont, deren Schönheit uns allerdings heute leider verborgen bleibt, – die beiden mächtigen Vulkane „Osorno“, 2.652 m hoch, und „Calbuco“, 1.974 m hoch, liegen direkt neben unserem Weg, sind jedoch nicht sichtbar, – ein klein wenig lugen die unteren Hänge des schneebedeckten „Osorno“ unter der dichten Wolkendecke hervor, der Rest bleibt Phantasie, – schade, – aber vielleicht können wir morgen noch einen Blick erhaschen, unser Nachtplatz am See ist noch in Sichtweite.
Wiesen, teilweise schon gemäht, – Wälder, – sattes Grün, – dazwischen Maisfelder, noch ziemlich mickrig, und auch die Getreidefelder sind noch durchweg grün, weiter nördlich und drüben in Argentinien sind viele Felder längst reif oder bereits abgeerntet, der hier längere und kältere Winter ist deutlich sichtbar.

An der Südseite des „Lago Llanquihue“ durchfahren wir ein Stück Regenwald, – fettes Grün, – mächtige Bäume und Lianengewächse, die sich an Bäumen hochwinden und diese dick einpacken, – „kalter Regenwald“ nennt sich diese Vegetationsform, – an einem kleinen Platz mit Blick auf den See machen wir Pause, – aus dem nahen Wald tauchen zwei Füchse auf und gesellen sich zu uns, – gar nicht scheu, liegen sie auf dem Schotter vor uns, – Autos und Menschen stören sie gar nicht.

Der „Lago Llanquihue“ wird hier „der deutsche See“ genannt, – deutsche Siedler sind Mitte des 19. Jahrhunderts mit Schiffen in „Puerto Montt“, nur gute 30 km entfernt, angekommen und haben diese Gegend hier gerodet und urbar gemacht, – deren Nachkommen leben heute noch immer in dieser Region, – deutsche Namen und Orte weisen darauf hin, – immer wieder mal weht eine deutsche Fahne von einem Grundstück oder Gebäude, auch unser heutiger Nachtplatz, Camping „Baumbach“ ist Teil dieser Erinnerung, ( S 41° 14′ 54“ W 073° 00′ 17“ ), – wir campen ganz alleine hier, – nur ein paar Jungs spielen nebenan Fußball, – als dann Albert, der Besitzer irgendwann bei uns erscheint, wird deutsch gesprochen, seine Großeltern sind irgendwann mal hier eingewandert.
Er erzählt ein wenig aus der Geschichte, seinem Leben und seiner Familie, – sehr interessant.


Tagesetappe: 142 km Gesamtstrecke: 76.416 km

12.12.2025 – Von Pucon nach Entre Lagos

In der Nacht regnet es, ziemlich heftig und auch am Morgen und Vormittag ändert sich daran nicht viel, – die Temperatur liegt bei 13 Grad und bewegt sich bis zum frühen Nachmittag nicht, in manchen Gegenden kommt noch Nebel dazu. – Patagonien im Sommer.

10 Uhr, – los geht’s.
Zunächst fahren wir eine kleine Runde durch „Pucon“, auch hier ist Alles ziemlich toristisch, – einen kleinen Bummel über die Promenade vermiest uns der Regen, – nunja, Parkplatz gibt es für den Dicken auch keinen, – also weiter.
Wir müssen über die südliche Uferstraße des „Lago Villarrica“ zurück nach „Villarrica“, dort ein kurzes Stück durch die Stadt und dann auf die S-95-T nach „Lican Ray“ am „Lago Calafquen“, hier in der Gegend reihen sich die Seen, wie Perlen auf der Kette.
Auf der Westseite umfahren wir den See, um bei „Panguipulli“ direkt zum Nächsten, dem „Lago Panguipulli“ zu kommen.

Leider vergällt uns der Regen und die schlechte Sicht jeglichen Ausblick auf die herrliche Landschaft, hier könnten wir noch tagelang wunderschöne Seen und Berge bestaunen.
Doch auch morgen und wahrscheinlich übermorgen soll sich das Wetter nicht ändern.
Also, – nichts wie weiter, über die T 39 kommen wir nach „Malihue“ und bei „Los Lagos“ wieder einmal auf die Panamericana, die 5, eine gut ausgebaute Autobahn Richtung Süden.
Wir fahren bis „Osorno“, an zwei Mautstellen zahlen wir zusammen 4.400 Pesos, also etwa 4 Euro.

Über die 215 fahren wir dann wieder ostwärts bis „Entre Lagos“ am „Lago Puyehue“, – hier auf dem Camping „Puyehue“ kommen wir für die Nacht unter ( S 40° 40′ 57“ W 072° 35′ 33“ ).

Wir stehen direkt am Seeufer, – der Blick geht nicht wirklich weit, aber man kann erahnen, daß es hier bei schönem Wetter wohl traumhaft ist.

Irgendwann am frühen Nachmittag klart der Himmel ein wenig auf und der Regen endet für etwa drei Stunden, die Temperatur erreicht den heutigen Spitzenwert von 17 Grad.

Die Landschaft heute: Mehr als heimisch, typisch heimatliches Spätfrühlingsfeeling mit satten Wiesen und üppigen Mischwäldern, – der Spessart läßt grüßen, – die Fahrt über die Autobahn erinnert an die A 3 zwischen Frankfurt und Würzburg. (Das Wetter auch.)

Hier zieht es uns am Abend auf einen kleinen Bummel in den Ort, – viel anzuschauen gibt es nicht, allerdings ein paar Läden und Restaurants hat es hier, wir entscheiden uns für eine Pizza.
Die Pizza ist recht gut, – der Heimweg dann eher nicht, es regnet schon wieder. Gute Nacht.


Tagesetappe: 305 km Gesamtstrecke: 76.274 km

11.12.2025 – Von Melipeuco nach Pucon

Auch in dieser Nacht wieder, – erstaunliche Ruhe im Städtchen, – so ganz anders, – am Abend lebhaftes Treiben überall, – auf der Plaza spielen Kinder, – Spaziergänger sind unterwegs, – Radfahrer, – Jogger, – das Eine oder andere Auto kommt vorbei, – manchmal stoppt Eines unverhofft, – so einen HerrMAN sieht man nun doch nicht alle Tage im Städtchen.
Aber dann irgendwann, vielleicht so gegen 23 Uhr wird es still, das Städtchen liegt wie ausgestorben, – Nachtruhe kann man hier noch wörtlich nehmen.

Während wir frühstücken, gibt es was zu schauen, – nebenan ist wieder mal die Schule und Kinder kommen, oder werden gebracht, – es herrscht reger Betrieb, – erst gegen 9 Uhr kehrt Ruhe ein, offensichtlich beginnt die Schule um diese Zeit.

Wir sind wieder kurz nach 10 Uhr auf der Straße, – zunächst zur Bank, noch etwas Geld tauschen.
Der Vorgang selber dauert nur wenige Minuten, – allerdings gibt es vorher eine Wartezeit von fast 10 Minuten, – für Alle, – der gesamte Bankbetrieb ruht, – es kommt gerade eine Geldlieferung mit dem Werttransporter an, – drei Uniformierte mit Schutzwesten und gezogener Waffe tragen eine prall gefüllte Plastiktüte durch den Haupteingang in das Zimmer des Filialleiters, – dort dauert es gute 5 Minuten, – und so lange die Jungs nicht wieder weg sind, ruht der gesamte Bankbetrieb.

Dann fahren wir los, über die gut ausgebaute S 61, „Cunco“, „Los Laureles“, – dort auf die S 69 Richtung „Villarrica“, allerdings endet dort der Asphalt nach kurzer Zeit und wir fahren viele Kilometer über eine ziemlich rumpelige Schotterpiste, schmal und oft richtig dunkel, führt sie durch einen dichten Wald aus Hecken und Bäumen mit dichtem Blattwerk.
Unsere heutige Strecke ist landschaftlich eher kurios, – wenn wir nicht wüssten, daß wir tatsächlich hier in Chile unterwegs sind, könnten wir auch in den bayrischen Bergen oder in der Schweiz sein, – Berge und sattgrüne Wiesen, – Heu wird gerade geschnitten und gepresst, – kleine, schmucke Häuschen auf sauber gemähten Rasenflächen, – friedlich grasende Schafe, – sehr viel Wald überall, auch Nadelbäume.

Auf den letzten 10 Kilometern endet die Rumpelpiste und wir kommen bald nach „Villarrica“, am gleichnamigen „Lago Villarrica“ und dem über dem gesamten Gebiet immer und überall sichtbaren, schneebedeckten „Volcano Villarrica“.
Unseren geplanten Stop verkneifen wir uns, – das Städtchen ist heftig überlaufen und eine Parkmöglichkeit utopisch, also fahren wir gleich durch zu unserem Tagesziel „Pucon“.

Dazu fahren wir immer am Südufer des „Lago Villarrica“ entlang, – hier ist es leider auch nicht anders, als anderswo auf der Welt, – die Seeuferflächen sind komplett in privater Hand, – Zugang zum See unmöglich, – das Seeufer und die gegenüberliegende Seite der 199, auf der wir unterwegs sind, werden komplett touristisch ausgeschlachtet, – Hotelanlagen, – Feriendörfer, – Appartementhäuser, – entsprechend viel Verkehr ist hier auf der Straße.

Am späten Nachmittag kommen wir in „Pucon“ an, wir haben uns den Camping „Rodacamp Pucon“ ausgesucht ( S 39° 17′ 30“ W 071° 56′ 13“ ), ein sauberer Platz, – leider ohne Seeblick, aber für die Nacht mag es gut sein.


Tagesetappe: 130 km Gesamtstrecke: 75.969 km

10.12.2025 – Von Las Lajas (Argentinien) nach Melipeuco (Chile)

Heute weckt uns der Papageienschwarm, der mit jämmerlichem Gekreische bereits in aller Herrgottsfrühe über den Platz zieht, schon gestern und vorgestern haben sie sich immer wieder mal gezeigt.

Wird eh Zeit, aufzustehen, heute ist wieder mal Grenztag, wir machen hinüber nach Chile.

Gegen 10 Uhr ziehen wir los, – im Städtchen nochmal tanken und Brot holen, dann geht es hinaus auf die 242, – knappe 60 Kilometer durch eine sehenswerte Vorgebirgslandschaft, – hier tauchen die ersten Araukarienwälder auf, – diese seltsam geformten Bäume sind das Wahrzeichen der gesamten Region bis fast zum Pazifik hinüber und tief hinunter in den Süden.

Kurz nach 12 Uhr erreichen wir den „Paso Pino Hachado“ auf 1.884 Metern Höhe, die Grenzstation zur Ausreise aus Argentinien, – die Päße, – das TIP austragen lassen, – ein kurzer Blick in die Wohnkabine, – ein Grenzübergang, wie wir ihn mögen, – klein, – übersichtlich, – ohne Wartezeit, – mit freundlichem Personal, – in gut 20 Minuten ist Alles erledigt und wir fahren hinüber nach Chile.
Die dortige Grenzabfertigung liegt schon wenige Kilometer im Landesinneren, – auch hier läuft Alles bestens und überaus freundlich, – Reisepäße abstempeln, – ein neues TIP ausstellen, – wir wissen vom Verbot der Einfuhr von Obst und Gemüse und anderer Frischware, – schon seit Tagen plündern wir unsere Vorräte, – der Kühlschrank ist annähernd leer.
Zwei Zöllner schauen sich gründlich im HerrMAN um, – sind aber absolut zufrieden mit uns und wünschen uns nach wenigen Minuten eine „Gute Reise“.
Insgesamt sind wir in relaxten 1 ½ Stunden komplett durch und fahren auf der gut asphaltierten 181 bis „Liucura“.
Unsere Hoffnung auf einen Geldautomaten oder eine Bank war umsonst, auch den Kauf von Lebensmitteln und neuen SIM-Karten müssen wir auf die nächste Stadt verschieben.

Wir nehmen die kleine Nebenstrecke R-95-S nach „Icalma“, – Entfernung ca. 40 Kilometer, – sie ist erwartungsgemäß geschottert und an verschiedenen Stellen, meist in Anstiegen, schon recht ruppig, aber die kürzeste Querverbindung nach „Pucon“, unserem nächsten Fernziel.
Bei „Icalma“ ist ein weiterer Grenzübergang Argentinien-Chile, – also besteht Hoffnung, uns hier versorgen zu können. – Aber auch das wird nichts, – es gibt zwar die Möglichkeit Lebensmittel zu kaufen, – aber „Ohne Moos nichts los“, und mit Karte einkaufen, schier undenkbar in diesen kleinen Tiendas, zumal es hier im Ort noch nicht mal vernünftiges Netz gibt.

Also weiter, – über die S 61 schlängeln wir uns über teilweise heftige Schotterpisten durch eine herrlich andere Welt, – Wald beherrscht hier die Landschaft, – Berge, – Täler, – kleine Häuschen auf den grünen Wiesen, – irgendwie sieht es hier aus wie in der Schweiz.

Erst die letzten 20 km vor „Melipeuco“ sind dann wieder asphaltiert.
Es ist schon nach 18 Uhr, als wir dort ankommen, die Hoffnung auf Geld, Lebensmittel und Telefonkarten haben wir schon aufgegeben.
Aber der Ort überrascht uns, – größer, als wir uns diesen vorgestellt hatten, eine richtig kleine Metropole, mit vielen Geschäften, einer Bank, Polizei und einem schönen, zentralen Park, alles im Angesicht des mächtigen, schneebedeckten Vulkans „Llaima“.

Wir ziehen Geld am Bankomaten, Heike geht Einkaufen und ich finde auf Anhieb einen Laden, der uns Telefonkarten, diesmal von Movistar, verkauft, aktiviert und registriert, – die Frau ist extrem freundlich und hilfsbereit und empfiehlt uns dann unseren Nachtplatz, direkt am zentralen Platz „Plaza de Armas ( S 38° 51′ 10“ W 071° 41′ 43“ ), – hier ist es ruhig und sauber, – und wenige Meter weiter gibt es das Restaurant „Los Troncos“, das lassen wir uns heute nicht entgehen und geniessen es, mal wieder „auswärts“ ein wirklich gutes Abendessen zu haben.


Tagesetappe: 166 km Gesamtstrecke: 75.839 km

09.12.2025 – Ruhetag in Las Lajas

Einfach mal Pause machen, – keine schlechte Idee.

Schon am Abend ist der Himmel tiefschwarz, es ist gewittrig schwül und bis spät in die Nacht ziemlich warm. Gelegentlich fallen ein paar Regentropfen aus den schwarzen Wolken, aber nichts wirklich Erwähnenswertes.

Die Nacht bleibt friedlich und trocken, – am Morgen werden wir von Blitz und Donner geweckt, – Regen fällt, ein schöner, zweistündiger Landregen fällt, – danach bleibt es kühl.

Wir vertrödeln den Tag, – diskutieren ausgiebig über die Route der nächsten Tage, – wälzen Bücher und Karten, – studieren Routen und Reiseberichte von Freunden, die schon vor uns hier waren, – am Nachmittag ist ein wenig „Bürokram“ angesagt, – Post, – Mails und was halt so unvermeidbar ist.
Der Himmel hat wieder aufgeklart und es ist angenehm warm, mit frischen Windböen dazwischen.

Am frühen Abend rollt ein Reisetruck auf den Platz, – Brigitte und Manfred aus Deutschland, – wir treffen uns kurz, tauschen Routen, Erfahrungen und Pläne aus, – morgen früh trennen sich unsere Wege wieder. So ist das Reiseleben.


Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 75.673 km

08.12.2025 – Von Ranquil del Norte nach Las Lajas

Auch hier im Dörfchen wieder diese himmlische Ruhe, lediglich in der Früh, so gegen 6 Uhr treten alle Hähne der Umgebung in einen Wettstreit um den lautesten und ausgiebigsten Hahnenschrei, – unaufhörlich, – sich gegenseitig überbietend, – Nachtruhe ade, – einen Sieger konnten wir nicht ausmachen.

Wie üblich fahren wir gegen 10 Uhr hinaus auf die Ruta 40 und südwärts, wir wissen noch nicht, welche Streckenbeschaffenheit uns heute erwartet, hier ist noch bestens asphaltiert.

„Barrancas“, „Buta Ranquil“, „La Salada“ und „Chos Malal“ heißen die Orte, die bis zu unserem Ziel in „Las Lajas“, in über 300 km Entfernung an der Strecke liegen.

Wir haben Glück, die heutige Strecke ist durchgehend asphaltiert, – die Verkehrsdichte liegt am Vormittag so bei 10 bis 15 Fahrzeugen pro Stunde, am Nachmittag dann etwa beim Dreifachen.
Solche Strecken liebe ich, – guter Asphalt, – wenig Kurven, – wenig Verkehr, – viel Zeit zum Schauen, – einfach nur Cruisen und Geniessen.

Dann überqueren wir über die „Puente Interprovincial“ den „Rio Barrancas“, die Grenze zwischen den Provinzen Mendoza und Neuquen, – Neuquen, die nördlichste Provinz Patagoniens.
Wir sind in Patagonien angekommen, – aber noch lange nicht am Ziel.
Patagonien, – zwei mal so groß wie Deutschland, aber nur von 1,6 Millionen Menschen bewohnt, wir werden viel Platz haben die nächsten Wochen, manchmal wird es wohl auch einsam werden.

Die Landschaft ist auch heute wieder traumhaft, – weite Ebenen, – Täler mit Flüßen, – Hügel und Berge, – in der Ferne mächtige Vulkankegel, – Lavafelder, – dazwischen wüstenhafte Ebenen, trocken und heiß, bis auf 35 Grad steigt heute die Temperatur, grüne Oasen bilden einen angenehmen Kontrast dazu.

In „Chos Malal“ legen wir eine Pause ein, hier zelebriert man den Mittelpunkt der Ruta 40 mit einem großen Monument, für uns sind es immer noch knapp 2.600 km bis ans Ende der Welt, – ohne die kleinen Umwege, die wir noch nehmen werden.

Am späten Nachmittag erreichen wir unser heutiges Ziel, den „Camping Las Lajas“ ( S 38° 31′ 13“ W 070° 21′ 38“ ) im gleichnamigen Ort, direkt am großen „Agrio River“ gelegen, hier geniessen die Menschen den Abend im Schatten der Bäume am Flußufer und nehmen ein erfrischendes Bad.

Uns ist der Platz sympathisch, er wird fast ausschließlich von Tagesgästen genutzt, die hier einen Urlaubstag verbringen, – schattige Bäume, gemauerte Grills mit Sitzgarnituren, Pallapas und saubere sanitäre Anlagen, – eigentlich perfekt.
Am Abend sind wir mit zwei weiteren Gästen, die hier mit ihrem Wohnwagen stehen, alleine.
Morgen werden wir hier wohl mal verschnaufen, bevor wir übermorgen, die Ruta 40 vorübergehend verlassen und einen ersten Abstecher hinüber nach Chile machen werden.


Tagesetappe: 305 km Gesamtstrecke: 75.673 km