Hier in Colon ist echt die Hölle los, – Karneval, – vier Tage langes Wochenende und eine echte Playa am Ufer des mächtigen „Rio Uruguay“, – 6 Campingplätze in nächster Nähe, – alle rappelvoll, – Beachlife, – Budenzauber, – Mallorcafeeling !
Am Abend tönt von überall her laute Musik, – es wird gefeiert, gelacht, – getrunken sicher auch.
Die Aussicht auf einen Mechaniker geht gegen Null, – nach dem Frühstück ziehe ich meinen Blaumann über und kümmere mich um das „HerrMAN“-Problem. Führerhaus kippen, – schauen, – ausprobieren, – es ist wohl tatsächlich irgendwie die Verbindung vom Motor zum Viskolüfter unterbrochen, – also der Lüfter muß raus.
Als er draußen ist, kann ich sehen, was los ist, – die Blockade, die der Mechaniker in „San Pedro de Atacama“ vor mehr als 4.000 Kilometern in Form von zwei Durchgangsschrauben eingebaut hat, ist weg, – eine Schraube fehlt ganz, die Zweite hängt, ohne Mutter, nur noch funktionslos locker am Lüfter. Also, zwei neue Schrauben rein und festziehen, — das hilft nicht wirklich. Dann, – zwei zusätzliche Bohrungen, zwei zusätzliche Schrauben, — auch das hilft nicht.
Nun wird es eng, – wie kriege ich den Lüfter auf der Welle fest ? Nach längerer Denkpause und Suche in meinen Ersatzteilkisten finde ich ein paar Flacheisen und bastele zwei Verstrebungen mit Bohrungen aus ihnen, die den Antriebsflansch mit der Lüfterscheibe verbinden, – das könnte evtl. klappen.
Dann ist erstmal Feierabend, 37 Grad und brütende Schwüle im warmen Blaumann, – ich bin durch und durch triefend naß und gerädert, ich kippe gleich aus den Latschen, – morgen ist auch noch ein Tag.
An Tag 2 baue ich den Lüfter wieder ein, – vorher müssen wir erst noch ein Segeltuch über die „Baustelle“ spannen, – die Sonne scheint senkrecht auf den Motor und heizt die Eisenteile so auf, daß ich mir die Finger dran verbrennen kann, – dann wird es spannend, – Probelauf. Das klappt ! Nichts fliegt mir um die Ohren, – der Lüfter dreht sich wieder dauerhaft und dreht rund, ohne eiern oder schleifen. Nun hoffen wir, daß wir die restlichen knapp 500 km unserer Tour noch schaffen, ohne ernsthaft liegen zu bleiben, für die nächste Etappe im Herbst bringe ich dann ein Ersatzteil aus Deutschland mit und baue es ein, dann sollte das wieder problemlos laufen.
Im Nu ist auch Tag 2 um, – der Campingplatz ist seit heute morgen fast leer, – die meisten Besucher sind gestern Abend und in der Nacht abgereist, – Karneval und langes Wochenende sind vorbei. Wir fahren morgen rüber nach Uruguay, – drückt uns die Daumen.
Die Nacht ist friedlich und ruhig, vom nahen Fluß streicht immer wieder mal ein frisches Lüftchen zu uns herauf. Am Morgen wird es dann früh laut, – fleißige Hände beginnen um 7 Uhr den Campingplatz und den Spielplatz zu säubern und den Müll wegzukarren, – wir mittendrin.
Zudem stehen wir hier schattenlos und die Sonne blafft gnadenlos auf uns herab, – so steigt das Thermometer bereits um 10 Uhr auf 32 Grad und wir „hauen ab“, um wenigstens ein wenig Fahrtwind abzukriegen. Etwa 30 km über die 129, diesmal auf Asphalt, hinaus auf die 14 und weiter südwärts. Die 14 ist hier noch die „altbekannte“ Landstraße, – später wird sie zu einer recht gut ausgebauten Autobahn, die allerdings so ihre Tücken hat und den HerrMAN mit uns immer wieder mal wegen Wellen und fast unsichtbaren Mulden springen läßt, wie eine übermütige Geiß.
Anfangs ist auch die Landschaft wie gestern und vorgestern, also Weideland mit Rindern und dazwischen angepflanzten Waldstücken. Später allerdings wird sie etwas interessanter, weil abwechslungsreicher, mit Ackerflächen und dann vielen Hektar Zitrusplantagen, meist werden Orangen angebaut, auf der Straße sehen wir immer wieder ganze LKW-Ladungen davon, an den Straßenrändern stehen unzählige Verkaufsstände, Orangendirektvermarktung, an einigen, wenigen Ständen werden auch Mandarinen und Zitronen angeboten. Auch die Besiedelung wird dichter, – immer häufiger sind jetzt Häuser und kleine Ortschaften, Gewerbebetriebe und auch Rast- und Tankanlagen entlang der Autobahn zu sehen. An vielen Stellen ähneln Landschaft und Natur der Unsrigen in Deutschland, -Wälder, Wiesen, Bäche und Tümpel, Äcker, Rinder auf den Weiden, auch viele Häuser sehen vom Stil her gar nicht so exotisch aus, Gewerbehallen und landwirtschaftliche Betriebe sowieso nicht.
Gegen 16 Uhr erreichen wir „Colon“, den letzten Ort vor der Grenze nach Uruguay, – heute sind wir was früher dran und freuen uns auf den etwas früheren Feierabend, wieder am „Rio Uruguay“. Unser tägliches Gewitter hatten wir schon vor einer halben Stunde, – viel Regen kommt nicht vom Himmel, aber heftig starker Wind weht und bringt die erfreuliche Abkühlung von 38 auf 28 Grad.
Dann kommt wieder das „Denkste!“ 8 Minuten vor Ankunft, in der Ortseinfahrt, gibt es irgendein blödes Geräusch unterm HerrMAN, kurz und kreischend, – wir schenken ihm wenig Beachtung, sind noch nicht mal sicher, ob es wirklich aus dem HerrMAN kam. Aber es bestätigt sich leider, denn plötzlich steigt die Kühlwassertemperatur rapide an. Schei—benkleister, – was ist das jetzt, – könnte ein gerissener Keilriemen sein, – sind aber alle da und auch ganz, stelle ich fest, als ich den HerrMAN von unten inspiziere. Allerdings läßt sich der Kühlerlüfter bei stehendem Motor leer drehen, – das ist wohl nicht normal, – also, – irgendwie was Ernstes, – das muß ich mir in Ruhe anschauen. Zunächst suche ich in der Nachbarschaft kurz nach einem Mechaniker, erfahre dann aber, daß heute und morgen wegen Karneval alle Läden und Werkstätten geschlossen sind, – das wird nichts werden.
Also warten wir, bis das Kühlwasser etwas abgekühlt hat und starten dann zum Camping „Los Tilos“ unserem heutigen Nachtplatz ( S 32° 13′ 49“ W o58° 07′ 44“ ). Noch drei mal stoppen wir für kurze Zeit, um keinen Schaden anzurichten, bevor wir ankommen. Morgen früh werde ich dann mal schauen, was da wieder los ist.
Hier am breiten Fluß weht immer wieder mal ein kleines Lüftchen und läßt die Nacht ganz angenehm werden.
Am Morgen gegen 10.30 Uhr fahren wir wieder los, – raus auf die 14 und südwärts, es sind schon wieder 32 Grad, bis gegen 14 Uhr erreichen wir dann die täglichen 38, – obwohl wir uns südwärts bewegen, will es einfach nicht ein wenig kühler werden.
Die Fahrt heute verläuft wie die von gestern, – die selbe Straße, – eine schnurgerade Landstraße, – die Landschaft, auch wie gestern, – unendliche Weideflächen mit Rinderherden, – ein paar Nutzholzanpflanzungen dazwischen, – einige, wenige Ansiedlungen, – irgendwie langweilig !
Für den Abend und die Nacht versuchen wir wieder an den Rio Uruguay zu kommen, – dazu verlassen wir die 14 und fahren die 129 hinüber nach „Monte Caseros“, – eine unbefestigte Erdpiste von 30 km Länge führt dort hin, – auch eine Art Abwechslung.
Der Ort ist größer als wir es erwartet haben und irgendwie nett und ordentlich. Den von uns ausgesuchten Camping „Gral San Martin“ finden wir zwar, aber für uns ist der zu eng und die Äste der Bäume hängen viel zu tief. Wir fahren am Ufer des Flußes entlang, schöne Wiesen mit Bäumen, die Schatten spenden, Stellplätze hat es hier zu hauf, – jede Menge Besucher sind heute, am Sonntag, hier und erholen sich, feiern, grillen, – Musik ertönt aus den Lautsprechern der Autos, – Viele sitzen mit ihren Campingstühlen und kühlen Getränken im Wasser des seichten Flußufers. So läßt es sich auch bei 38 Grad aushalten.
Hier bleiben wir. ( S 30° 14′ 40“ W 057° 37′ 46“ ) Kaum sind wir richtig angekommen, trifft auch das tägliche Gewitter mit frischem Wind und etwas Regen hier ein. Paßt !
– Paßt wohl doch nicht !? So gegen 22 Uhr am Abend gesellt sich ein junges Paar zu uns und rät uns davon ab, hier zu bleiben, hier wäre es nicht sicher, – in der Nacht wird wohl die Straßenbeleuchtung hier draußen abgeschaltet, dann ist es stockdunkel, – zudem wird hier draußen immer gefeiert und viel getrunken, was wohl auch schon zu Problemen geführt haben soll, – und von Dieben sprechen sie auch. Sie empfehlen uns, unbedingt den örtlichen Camping, also dort, wo wir bereits gewesen sind. Sie fahren mit uns dorthin und zeigen uns einen Platz davor, der auch absolut sicher sein soll. ( S 30° 14′ 53“ W 057° 37′ 55“ ) Alles ist hier hell erleuchtet und bleibt es auch, der Kinderspielplatz ist direkt daneben, hier ist noch Betrieb, selbst gegen Mitternacht kommen noch Eltern mit ihren Kleinen zum Spielen hierher, – nunja, wer kann bei der Gluthitze schon schlafen ?
In ca. 2 Wochen endet unsere diesjährige „Winterreise“, gestern Abend hat uns Heike noch unsere Rückflüge nach Deutschland für Mitte März gebucht, heute beginnt quasi unsere „Rückreise“. Unser Plan ist, den HerrMAN über den Sommer in Uruguay abzustellen und im nächsten Herbst zurückzukehren und das südliche Südamerika bis hinunter nach Patagonien und „Ushuaia“ zu erkunden. Bis zu unserem Abstellplatz sind es etwa 1.200 km, also ist die nächsten Tage ein wenig „Kilometerfressen“ angesagt.
Gegen 10 Uhr fahren wir los, – hinaus auf die 6 und südwärts, an die Grenze zu Argentinien bei „Encarnacion“. Etwa 40 km und eine gute Stunde später sind wir da, die Fahrt auf den letzten Kilometern durch den Verkehr der Großstadt ist wieder mal recht anstrengend. Die Ausreise aus Paraguay ist problemlos, – wie immer, Päße ausstempeln, TIP auflösen, dazu muß ich dann wieder mal zu Fuß rüber zur Einreisespur, – innerhalb 20 Minuten ist Alles erledigt.
Dann geht es über die „Puente Internacional“, die etwa 1,5 km lange Brücke über den „Rio Parana“ hinüber nach „Posadas“ in Argentinien. Die erste Hälfte geht recht flott, kurz nach der Brückenmitte, der eigentlichen Grenze, also auf argentinischer Seite wird es dann zäh, – der Verkehr staut sich, es geht nur langsam voran. Der Grund ist wohl ein kleiner Unfall auf der Gegenspur, mit einem der geschätzt 2 Millionen Zweiräder, die hier heute unterwegs sind, – nichts wirklich Schlimmes, eine junge Frau hat sich wohl irgendwie verletzt, – das führt jetzt allerdings dazu, daß die argentinischen Grenzer die Gegenspur komplett sperren und auch auf unserer Spur den Verkehr immer wieder mal anhalten. Auf der Gegenspur kommt uns dann ein Polizeimotorrad, zwei weitere Polizisten im Laufschritt und dann ein Krankenwagen entgegen, – die Spur bleibt gesperrt, bis diese auf dieser Spur gegen die Fahrtrichtung wieder in Argentinien zurück sind.
Wir sind so lange Stück für Stück vorwärts gekommen und nun endlich an den Abfertigungsgebäuden angekommen, ein Zöllner weist uns auf die Busspur, zwei vollbesetzte Busse vor uns, das kann heute was dauern.
Samstag ist wohl auch nicht gerade der beste Tag für den Grenzübertritt, das haben wir nicht bedacht, – unglaublich viele Argentinier sind heute zum Einkaufen in das wesentlich günstigere Paraguay gefahren und bereits auf dem Rückweg, – immer wieder werden „Problemfälle“ mit dicken Taschen rausgezogen und zum Röntgen in das Zollgebäude geschickt, – Einige müssen zahlen, wie ich später mitkriege, – Andere können nach einer ausgiebigen Kontrolle unbehelligt weiterfahren.
Nun, das Päße einstempeln geht dank „Sonderbehandlung“ noch recht flott, – bei der „Aduana“, dem Zoll, klemmt es dann allerdings total, – über zwei Stunden dauert das ganze Prozedere, – zuerst schaut sich eine Zöllnerin unsere Wohnkabine recht ausführlich an, fast jede Schranktüre möchte sie geöffnet haben, – dann warte ich auf das Ausstellen des TIP eine halbe Ewigkeit, – ziemlich unorganisiert geht es hier zu, – sechs Grenzübertritte haben wir in den letzten Wochen schon hinter uns gebracht, alle vorzüglich, – aber hier …… Naja, als ich dann das begehrte Papier endlich in Händen halte und wir losfahren möchten, werden wir auch noch zum Röntgenscanner gebeten, – nochmal 10 Minuten Aufenthalt.
Egal, – irgendwann nach 14 Uhr sind wir durch und können endlich Gas geben. Unser Weg hier in Argentinien führt heute über die 12 auf die 105 und dann auf die 14, südwärts, – die 14 wird uns wohl die nächsten Tage bleiben.
„Posadas“ ist eine erstaunlich moderne Stadt, ihre Skyline mit vielen Hochhäusern ist von der Brücke aus gut zu sehen, – der „Rio Parana“ ist hier enorm breit, in Verbindung mit den vielen Grünanlagen entlang der Uferpromenade fühlt man sich irgendwie am Meer, – ein wenig frische Luft bringt das Wasser auch mit sich, 38 Grad sind es heute wieder.
Die 12 und die 105 sind richtige Autobahnen, die 14 dann eine Landstraße, gut ausgebaut, meist breit und mit schmalen Standstreifen, später aber auch öfter mal ohne und etwas enger, bei doch recht vielen LKW´s im Gegen- oder Überholverkehr nicht immer angenehm.
Die Landschaft hier in Argentinien, – grüne Weiden, Viehherden und später Nutzholzwälder, extra angepflanzt, in Reih und Glied stehen Kiefern und Lärchen, in feuchteren Gebieten auch Pappelwälder. Während in Paraguay entlang der Straßen viele Häuser, Dörfer und kleine Städtchen zu sehen waren, ist dies hier eher die Ausnahme, – über weite Strecken gibt es nur Natur, nur vereinzelt sind mal eine Hazienda oder auch ein paar Häuser zu sehen.
Gegen 17 Uhr erreichen wir das Städtchen „Santo Tome´“, hier gibt es einen der recht seltenen Campingplätze auf der Strecke. Camping Municipal, direkt am Rio Uruguay, dem Grenzfluß zu Brasilien, gelegen, bietet zwar irgendwie so gar keine Infrastruktur, – brauchen wir auch nicht, – nur ein ruhiges Plätzchen zum Übernachten, – und das hat es hier. ( S 28° 32′ 41“ W 056° 01′ 46“ ). Und endlich, – kaum schwitzen wir hier so eine Stunde vor uns hin, – kommt auch unser alltägliches Gewitter mit einem kräftigen, sehr erfrischenden Wind und etwas Regen daher. Eigentlich unglaublich, daß man irgendwann beginnt, sich auf den täglichen Gewittertusch zu freuen.
Nebenan in einer Halle findet wohl gerade ein Symposium junger Musiker statt, – bis tief in die Nacht sind dezente Gitarrenklänge und Chorgesänge aus der Ferne zu hören. Die Nacht ist dann wieder mal friedlich und still.
Heute haben wir nicht viel vor, – ein wenig die „Colonias Unidas“ anschauen, – die Gegend hier wurde Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts von Deutschen besiedelt und landwirtschaftlich erschlossen. Die einzelnen „Kolonien“ liegen verstreut um die Hauptorte „Hohenau“, „Obligado“ und „Bella Vista“. Gegen 11 Uhr fahren wir hinaus auf die 6 und ein Stück nach Norden. Am Besten erkundet man „Geschichte“, in dem man den örtlichen Friedhof besucht, hier in „Hohenau“ halten wir an und schlendern eine Weile durch die Grabreihen, gut die Hälfte aller Grabmale sind mit deutschen Namen wie „Dietze“, „Müller“, „Schöller“, „Krug“ und vielen Anderen beschriftet.
Zunächst fahren wir hinauf nach „Bella Vista“, fahren langsam durch die Straßen des Ortes, optisch kann man den deutschen Hintergrund bei einigen Häusern gut erkennen, und auch dort und in „Obligado“, das wir als nächstes besuchen sind immer wieder deutsche Namen an Geschäften angeschrieben, so z.B. das Hotel Müller, oder Hotel Kegler, Immobilien von Knobloch, das Eco Museum Alfredo Sitzmann oder in „Hohenau“ das historische Museum Edwin Krug. Einige Werbetafeln oder die Willkommensgrüße am Ortseingang sind neben spanisch und englisch auch in deutscher Sprache angeschrieben.
In „Obligado“ füllt Heike im Supermarkt noch einmal unsere Bestände auf und ich besuche kurz den Baumarkt, um ein paar Sachen einzukaufen, die wir noch für den HerrMAN brauchen. In der Zwischenzeit haut wieder mal das tägliche Gewitter unglaubliche Wassermassen vom Himmel, die abschüßige Straße vor dem Supermarkt wird innerhalb von Minuten zum reißenden Fluß. Auch heute fällt die Temperatur für die Zeit des Gewitters von 35 auf 25 Grad, die Luftfeuchtigkeit steigt dafür auf annähernd 100 %, das macht die leichte Abkühlung nicht wirklich angenehmer.
Gegen 17 Uhr kommen wir auf den Campingplatz zurück, – Feierabend ! Denkste ! Wir tanken gerade noch etwas Wasser in den HerrMAN, als Heike ein Zischen hört, – die Herkunft ist schnell entdeckt, im hinteren rechten Reifen steckt ein Nagel in der Lauffläche, – so ein Mist aber auch. Wir fahren gleich los, zurück in die Stadt, – dort neben dem Baumarkt hatten wir eine große Reifenfirma gesehen, – ein erster kurzer Stop bei einer anderen Reifenwerkstatt ist erfolglos, dort schließt man gerade die Tore. Bei „Hiper“, neben dem Baumarkt nimmt man uns noch dran, zwei Jungs kümmern sich um das Problem und können den Reifen reparieren, – danke für den schnellen und guten Service.
Zweiter Versuch, Feierabend zu haben, – es ist fast 19 Uhr, als wir am Camping ankommen, unser Platz von letzter Nacht ist mittlerweile besetzt, – nicht daß da kein Platz mehr wäre, aber es war der Einzige, der einigermaßen gerade ist, – egal, – Keile drunter, und gut ist es.
Im Restaurant am Platz gönnen wir uns heute wieder ein gutes Essen, neben der Bedienung sprechen wohl andere Gäste auch noch deutsch, – eine ältere Dame wünscht uns beim Weggehen mit einem verschmitzten Grinsen ein „Schönen Abend noch und Gute Nacht“.
Der Abend mag mal wieder nicht abkühlen, es ist schwülheiß. An der nahen Straße rollen noch lange die schweren LKW vorbei, – direkt vor unserem Stellplatz liegt einer dieser „blöden“ Topes über die Straße, – jedes Fahrzeug wird zum Abbremsen gezwungen, – bei den LKW kreischen oft die Bremsen, viele fahren einfach zu schnell drüber und die Auflieger scheppern jämmerlich laut, beim Wiederanfahren röhrt es entsprechend, – PKW und Motorräder oder Mopeds geben nach dem Bremsschweller mächtig Gas, die Verzögerung muß ja irgendwie wieder „rausgeholt“ werden, – so heulen die Motoren laut, die der Mopeds am Lautesten. Nunja, irgendwann gegen 23 Uhr ist dann Ruhe und auch der jämmerlich kläffende Hund aus der Nachbarschaft wird irgendwann müde.
Bereits um 6 Uhr in der Frühe beginnt der Terror wieder, gegen 7 Uhr „fallen“ wir dann endgültig aus dem Bett, – das gab es bei uns auf der gesamten Reise noch nicht, – an Schlaf ist nicht mehr zu denken.
So sind wir dann heute auch früher auf der Straße, schon kurz vor 10 Uhr fahren wir los, raus auf die 7 und ab nach Süden, später auf die 6, – die einst von vielen Deutschen besiedelten Gebiete bei „Bella Vista“, „Obligado“ und „Hohenau“ sind unser heutiges Ziel.
Die 7 ist eine gut ausgebaute, relativ breite Landstraße mit Seitenstreifen, – sehr wenig befahren, – LKW fahren überhaupt keine auf ihr, – sie führt die ersten 120 km schnurgerade durch das Land. Sehr entspanntes Fahren, wir kommen gut voran.
Die Landschaft ? Fast wie bei uns in Deutschland, grüne Wälder, leuchtend grüne Ackerflächen und hier und da kleine Dörfer, – lediglich die Erde, also Anbauflächen, unbefestigte Wege und Hofflächen sind wieder rot, auch viele Asphaltstraßen haben diese Farbe, weil der letzte Gewitterregen wieder mal viel sandige Erde über die Straßen gespült hat. Auf den Ackerflächen steht Mais, – Mais in allen Wachstumsstadien, – frisch ausgesät, – kniehoch, – hüfthoch oder auch erntereif, – Mais, so weit das Auge reicht, über viele, viele Kilometer, sicher tausende Hektar, dazwischen stehen die Betriebe der Erzeuger, riesige Anlagen mit Reihensilos, die schon aus der Ferne gut zu sehen sind, – in den Höfen oder offenen Unterstellhallen Unmengen von Maschinen, – in den Dörfern oder Kleinstädten an der Strecke unzählige Landmaschinenhändler und Reparaturbetriebe, – Fuhrbetriebe, die sich um den Transport der Produkte und Maschinen kümmern. Beeindruckend.
Unterwegs zahlen wir an einer Mautstelle ca. 2,20 Euro, – auf der weiteren Strecke fahren plötzlich auch wieder LKW, irgendwie kennen die wohl eine Route, die die Mautstelle umfährt. Auf den letzten Kilometern der 7 wird diese dann schmal und der Belag schlechter, bis wir auf die 6 wechseln, dann läuft es wieder.
Die Temperatur stoppt heute bei 33 schwülen Grad, am frühen Nachmittag bricht das (fast) alltägliche Gewitter mit heftigem Regen über uns herein, zwingt uns zu einem kurzen Stop. Im Nu ergiessen sich rote Sturzbäche aus allen Seitenwegen und überschwemmen kurzzeitig die Straße. Die Temperatur ist gleich mal 10 Grad niedriger, die Luftfeuchtigkeit wohl bei 100 % angelangt. Trüb und bewölkt bleibt es bis zum späten Nachmittag, als wir „Bella Vista“ erreichen. Wir fahren direkt durch bis „Hohenau“, – Sightseeing machen wir morgen.
Für heute ist Schluß, im Camping „Parque Manantial“ kommen wir für heute und morgen unter. ( S 27° 05′ 06“ W 055° 39′ 49“ ) Stellplatz im Wäldchen, zwei Pools und blitzsaubere Duschen, dazu ein Restaurant mit deutschsprechender Bedienung, – perfekt !
Zwischen Visitorcenter, Vogelpark und unserem Camping liegt der Hubschrauberlandeplatz, es werden Flüge über die Wasserfälle angeboten und offensichtlich reichlich genutzt. Schon heute Mittag, draußen an den Wasserfällen, war immer wieder das laute Knattern der Rotorblätter zu hören und jetzt erst recht, als direkte Nachbarn, – im 10-Minuten-Takt knattert der Hubschrauber über unsere Köpfe auf seinen Landeplatz, um sich Minuten später mit neuen Passagieren wieder knatternd in die Luft zu erheben. Dankenswerterweise ist wohl um 18 Uhr Feierabend und es kehrt Ruhe ein.
Wenn da nicht in gar nicht so weiter Ferne der örtliche Flughafen wäre. Zwei bis drei mal in der Stunde startet oder landet eine Passagier- oder Frachtmaschine, – wir können sie wegen der dichten Baumkronen über uns nicht sehen, aber am Sound der Triebwerke ist unschwer zu hören, daß sie wohl nicht sehr hoch über uns hinwegfliegen.
Naja, ansonsten ist der Abend noch reichlich schwül, die Nacht geht dann ganz in Ordnung, es kühlt ein wenig ab, – am Morgen um 7 fährt die Müllabfuhr neben uns, um die Tonnen zu leeren. Nur wenige Minuten später kommt eine Nasenbärenfamilie aus dem Wald, Einer schwingt sich oben auf den Deckel der Mülltonne, schmeißt sie um, – dann wird nach den Resten gesucht, die die Müllmänner zurückgelassen haben. Offensichtlich wenig bis gar nichts, denn so schnell wie sie kamen, gehen sie auch wieder.
Wir fahren dann auch, knapp einen Kilometer nur, auf den Parkplatz am Visitorcenter und zu Fuß rüber in den Vogelpark, umgerechnet 15 Euro pro Person kostet der Eintritt, etwa 2,5 Stunden dauert der Rundweg durch den tropischen Wald. Nun ja, es ist irgendwie ein Zoo, ja, – aber die Fülle an sehenswerten und seltenen Vögeln aus Südamerika und die sehr großzügig und schön gestalteten Volieren rechtfertigen den Besuch auf jeden Fall. Wir sehen endlich mal all die Vögel, nach denen wir schon über Wochen immer wieder draußen in der Natur Ausschau halten, aber in den meisten Fällen entweder zur falschen Zeit oder am falschen Ort gewesen sind. Die verschiedenartigsten Flamingos, Störche, Eulen, Adler, Reiher und natürlich eine unglaubliche Anzahl verschiedenster Papageien, – in einer Schmetterlingsvoliere voller duftender Blüten gibt es herrliche Schmetterlinge, den Kolibris in der Nachbarvoliere ist es um diese Zeit zu heiß, sie zeigen sich erst wieder, wenn es etwas kühler wird.
Gegen 15 Uhr beenden wir unseren Ausflug in die Vogelwelt und gleichzeitig unseren Kurzausflug nach Brasilien und fahren zurück nach Paraguay, das ganze Grenzprocedere von gestern wieder rückwärts, auf der brasilianischen Seite Päße ausstempeln und TIP auflösen, das dauert heute über eine Stunde, – auf der Ausreisespur sind alle Schalter geschlossen, wir müssen zu Fuß rüber zu den Einreiseschaltern, – dort ist viel los und wir müssen etwas warten. Dann über die Grenzbrücke hinüber nach „Ciudad del Este“, Paraguay, – dort die Päße einstempeln und ein neues TIP ausstellen lassen, in 30 Minuten ist das erledigt.
Anschließend quer durch die Stadt, – Rushhour, – es ist verdammt viel los, unser Ziel ist ein Campingplatz südlich der Stadt, an den „Monday-Fällen“, – weitere, sehr sehenswerte Wasserfälle, deren Besuch wir mit der Übernachtung verbinden wollen, – im Vorüberfahren können wir schon mal einen Blick darauf erhaschen, – auch die sind ganz schön mächtig. Bis wir ankommen, ist es kurz vor 18 Uhr, das Eingangstor ist verschlossen, – letzter Einlaß 17 Uhr steht auf einem Schild geschrieben, – Mist aber auch. Beim Betrachten des Einfahrtstores war es das dann sowieso, max. Durchfahrtshöhe 3,50 Meter, – nichts für den HerrMAN, auch wenn noch geöffnet wäre.
Nun ist guter Rat teuer, hier gibt es nämlich sonst nichts Vernünftiges mehr zum Übernachten. Naja, wir sind auf der 7 südwärts und fahren diese nun südwärts weiter, mal schauen, was so kommt. Zunächst fahren wir noch eine halbe Ewigkeit durch die Randgebiete der Stadt, bis wir endlich auf dem Land sind, Felder, Weideflächen, Bäume und Hecken und nur vereinzelt Häuser, das ist eher etwas nach unserem Geschmack.
Wir dürfen nicht zu lange fahren, hier wird es fast eine Stunde früher dunkel als in Chile und Westargentinien, wir sind weit nach Osten vorgedrungen. Kurz vor 19 Uhr erreichen wir das Städtchen „Los Cedrales“, am Ortseingang gibt es einen großen Parkplatz, auf dem bereits drei LKW stehen, hier könnten wir evtl. bleiben, er gefällt uns aber nicht wirklich gut. Gegenüber steht eine Streife der Polizei, Heike geht mal hin und fragt die Jungs, ob wir hier stehen könnten, oder ob sie noch eine bessere Bleibe für uns haben. Haben sie nicht und der Parkplatz wäre aus ihrer Sicht ganz ok. Trotzdem fahren wir nochmal 300 Meter weiter, in den Ort, – dort fällt uns die Puma-Tankstelle auf, sauber, offen, drumherum geschottert, wir halten, ich frage den Tankwart, ob das unser Nachtplatz werden könnte. Ich glaube, er freut sich richtig über unseren Besuch, stimmt begeistert zu und zeigt uns einen schönen Platz neben dem Gebäude, hell beleuchtet und kameraüberwacht, – Danke ! Super ! ( S 25° 39′ 18“ W 054° 42′ 53“ )
Wir befinden uns hier im Dreiländereck Paraguay – Brasilien – Argentinien, noch in Paraguay. Die „Iguazu-Fälle“ werden vom „Rio Iguazu“ gespeist, sind etwa 2,7 km lang und bestehen aus bis zu 275 einzelnen Wasserfällen, die insgesamt gesehen ein spektakuläres Bild abgeben und auf jeden Fall zu den Highlights einer Südamerikareise gehören. Sie liegen auf der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien, die beiden Länder buhlen um das Privileg, jeweils die bessere Aussicht auf die Wasserfälle zu bieten.
Wir haben uns für die brasilianische Seite entschieden und fahren dann mal so gegen 10 Uhr los.
Zur Grenze sind es nur wenige Kilometer, der Grenzübertritt bedarf jedoch des ganz normalen Procederes, auch wenn es nur für einen Kurzbesuch ist. Gegenteilige Behauptungen, man könne bis zu 72 Stunden einfach mal so rüber, mögen zwar für „Fußgänger“ evtl. in Ordnung gehen, für uns, mit eigenem Fahrzeug kann das verdammt in die Hose gehen. Also, – auf der Paraguay-Seite, Pässe ausstempeln, TIP auflösen, dann über die Grenzbrücke, die den „Rio Parana“ überspannt auf die brasilianische Seite und dort Pässe einstempeln und ein neues TIP erstellen lassen. Nach knapp einer Stunde sind wir ohne Probleme durch, sind wieder mal nett und freundlich bedient worden.
In Brasilien durch die Stadt „Foz do Iguacu“ und einen kleinen Umweg durch eine Gegend mit unendlichen Maisfeldern, landen wir am „Visitorcenter“, die Wasserfälle sind hochtouristisch, – für einen Besuch muß man ein Eintrittsticket lösen (umgerechnet ca. 18 Euro pro Person) und wird dann mit großen Doppeldeckerbussen einige Kilometer durch den Wald, hin zu einem Wanderweg gebracht, der die schönsten Ausblicke auf die Wasserfälle garantiert.
Ja, – das ist in der Tat spektakulär, was wir hier zu sehen kriegen, – mit lautem Getöse und unter Aufwirbeln einer Sprühregenwand krachen hunderte Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Tiefe, viele kleine und einige große Fälle reihen sich aneinander und bilden so eine weiße Wand, die von der Abbruchkante zu Tal stürzt.
Die vielen Besucher verlaufen sich auf der gesamten Strecke, man hat nicht das Gefühl, unter Massen von Besuchern unterwegs zu sein. Irgendwo im Wald begegnet uns eine kleine Nasenbärenfamilie, die auch auf dem Wanderweg unterwegs ist und sich an den Gästen so gar nicht stört.
Das (fast tägliche) kleine Gewitter mit ein wenig Regen bringt wieder mal ein wenig Wind und eine klitzekleine Abkühlung, die wahnsinnig hohe Luftfeuchtigkeit macht eh keinen Unterschied, mit oder ohne Regen sind die Klamotten gleich naß, weswegen sich hier wohl auch niemand am Regen stört, Alle gehen ganz normal und unaufgeregt weiter ihrer Wege, – wir auch.
Gegen 16 Uhr sind wir am Parkplatz zurück, – der Vogelpark „Parque das Arves“ liegt nur wenige Meter neben dem Visitorcenter, ihn wollen wir morgen besuchen. ….und, genau dazwischen, welch „glückliche Fügung“, liegt der Campingplatz „Iguassu Eco Hostel“ ( S 25° 26′ 31“ W 054° 28′ 46“ ). Hier kehren wir für die Nacht ein, – im Schatten unter hohen Bäumen, diesmal sind wir sogar ausnahmsweise nicht alleine, – es gibt ein paar andere Traveller hier am Platz, Gelegenheit für einen kurzen Austausch.
Lange genug gerastet, – heute geht es endlich wieder auf die Piste. Brauchwasser, Trinkwasser, Strom gebunkert, Astrid hat uns noch zwei schöne Körnerbrote für die Reise gebacken, – und ab …..
Hinaus auf die 2, eine gut ausgebaute Autobahn nach europäischem Standard, sie wird später zur 7, bringt uns fast 270 km stur nach Osten, bis an die Grenze nach Brasilien, – morgen wollen wir die mächtigen „Iguazu-Wasserfälle“ besichtigen, – und die liegen leider nicht in Paraguay. Also morgen dann Grenzübertritt mit vollem Programm und einen oder zwei Tage später das ganze wieder zurück nach Paraguay. Naja …..
Heute führt uns die Autobahn durch eine unerwartet hügelige Landschaft mit viel Urbanisation, – über die gesamte Fahrt sind Häuser und Siedlungen auf beiden Seiten zu sehen, – erstaunlich europäisch sieht hier alles aus, Häuser, kleine Betriebe, Gewerbehallen, landwirtschaftliche Betriebe mit riesigen Siloanlagen. Anfänglich sehen wir nur Wald und Weideflächen, – unzählige Rinderherden grasen rechts und links der Straße, – die Erde hier, alle unbefestigten Wege und Hofflächen leuchten orangerot in der heißen Mittagssonne, die Erde hat hier diese, für uns seltsame Farbe. Erst später beginnen die landwirtschaftlichen Flächen, – zunächst Zuckerrohr, ein wenig Mais und dann riesige Getreidefelder, – unzählige Landmaschinenhändler in jedem Dorf und in jedem Städtchen, entsprechende Erntemonster, auch auf den Feldern, – es wird gerade gedroschen, – riesige Staubfahnen ziehen über die Felder. Arm scheint die Gegend hier nicht zu sein, auffallend viele schöne Häuser, feudale Haciendas und große Autos gibt es zu bestaunen, – sehr gepflegt sieht Alles aus, – die Straßenränder sauber abgemäht, die Grasflächen vor den meisten Häusern fast parkähnlich angelegt.
Die recht gute Autobahn will irgendwie finanziert sein, bis zum Abend zahlen wir an 3 Mautstellen insgesamt umgerechnet etwa 8 Euro.
Die 38 bis 40 Grad Tagestemperatur der letzten Tage sind Geschichte, 34 bis 35 sind es in dieser Region, aber auch das ist noch mehr als genug, zumal kein laues Lüftchen weht, die Luft steht.
Gegen 16.30 Uhr treffen wir in „Ciudad del Este“ ein, der Grenzstadt, – schon 7 km vor der Grenzbrücke stauen sich die LKW. Wir gehen erst morgen rüber.
Heute finden wir unseren Nachtplatz im Camping „ Club Social Akaray“ ( S 25° 31′ 38“ W 054° 37′ 38“ ) Hier ist es zwar schattig unter Bäumen, Abkühlung gibt es trotzdem keine, auch jetzt gegen 22 Uhr sind es noch immer 33 Grad mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit.
Wir werden herzlich willkommen geheißen, hier auf dem Campground von Astrid und Chris. Ein großzügiger Platz unter mächtigen Bäumen, die ordentlich Schatten werfen, neue und blitzsaubere Duschen, täglich frische Brötchen und Brot, und den Pool am Haus können wir auch mitbenutzen, bei fast 40 Grad Nachmittagstemperatur nicht von der Hand zu weisen. 2 Hunde, 5 Katzen, 2 große Schildkröten und ein kleines Kapuzineräffchen sind die Haustiere der Familie, auf der Wiese neben dem Camping tummeln sich noch ein paar Ziegen und im Baum neben uns wohnt ein „Geistervogel“, schläft bei Tag und wird in der Abenddämmerung munter, am Tag schwirren Schmetterlinge und bunte Kolibris durch die Baumkronen und naschen an den Blüten.
Tag 1 brauchen wir, um uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen und ein paar Kleinigkeiten am HerrMAN zu erledigen. Die Aufladung der Wohnraumbatterie über die Lichtmaschine funktioniert schon seit einiger Zeit nicht mehr, hier ist es endlich mal trocken und ich kann mich unter den HerrMAN legen, ohne ein Schlammbad zu nehmen. Den Fehler kann ich schnell finden, das Massekabel ist gebrochen, Chris hilft mir kurz und flickt es professionell, – nun funktioniert es wieder.
An Tag 2 bringt uns Astrid hinüber in die Stadt, wir müssen uns endlich mal Geld und Telefonkarten besorgen und ein paar Sachen einkaufen. Geld beschaffen ist nicht so ganz einfach, – vorgestern hatte ich schon 2 Geldautomaten bemüht, die hatten jedoch beide irgendwie keine Lust Geld auszuspucken. Heute nehme ich ein paar Dollars mit und werde versuchen, sie in einer Bank umzutauschen, – aber auch das funktioniert nicht, der Banker gibt mir zu verstehen, daß er dazu ein paraguayisches Dokument benötigt (??), – keine Ahnung, was das sein soll, – also nichts wie weg. So soll uns ein weiterer Versuch am Geldautomaten aus der Misere helfen, – aber auch der scheitert, – der Banker macht uns jedoch Mut und meint, wir sollten ruhig mehrmals versuchen, – und siehe da, – im zweiten Versuch kriegt Heike die begehrten Scheine. Auch bei mir scheitert der erste Versuch und auch der Zweite gelingt endlich. Schwierig ! – Aber dafür wird man hier total schnell zum Millionär, Heike hält 1,5 Millionen Guarani auf der Hand und ich anschließend auch. ( 1 Euro = ca. 8.100 Guarani)
Der Einkauf der beiden Telefonkarten im benachbarten „Claro-Laden“ geht einigermaßen problemlos, Astrid geht mit uns rein und übersetzt für uns, das hilft.
Dann fahren wir zum Supermarkt und decken uns mit Frischware und dem Nötigsten ein. Nach 2,5 Stunden sind wir zurück und freuen uns auf ein erfrischendes Bad im Pool.
An Tag 3 kriegt der HerrMAN neue Schuhe auf die Vorderachse, die Hinteren werden wohl noch 20.000 km machen. Chris fährt mit uns zur Reifen-Werkstatt seines Vertrauens, – ein erstaunlich moderner und sauberer Betrieb, speziell auf große Brummer eingerichtet. Wir haben noch zwei nagelneue Reifen, – seit 6 Jahren reisen sie auf dem Heckträger mit uns, die beiden Anderen, die wir zwar noch mitführen, aber schon vor langer Zeit gewechselt haben, sind Schrott und bleiben heute endgültig hier, – die beiden, ziemlich Abgefahrenen der Vorderachse müssen noch als Ersatzräder bis zum Ende der Reise durchhalten und kommen hinten auf den Heckträger.
Es ist wieder jämmerlich heiß heute, – jeder Handgriff wird dadurch zur Qual, selbst solche Kleinigkeiten, wie die Reifen vom Heckträger schrauben und wieder anbringen. Die Jungs von der Reifenfirma haben, wie meist in diesen Ländern, ihre Anfangsprobleme mit unseren dreiteiligen Felgen, – beim ersten Rad assistiere ich, das Zweite können Sie dann alleine.
Leider gibt der elektrische Kran an HerrMAN´s Rückseite beim Anheben des ersten Ersatzrades seinen Geist auf und wir müssen die beiden 120kg schweren Räder von Hand auf die 1,20 mtr. hohe Halterung wuchten. Gegen 14 Uhr sind wir auf dem Campingplatz zurück, – später kann ich den Kran reparieren, die Sicherung in der Stromversorgung hatte sich verabschiedet und muß getauscht werden.
Tag 4 bleibt endlich mal komplett arbeitsfrei, – wir lesen, – planen die weitere Route und faulenzen im Schatten bis zum allabendlichen Sprung in den Pool.
Und auch Tag 5 verbringen wir einigermaßen ruhig. Morgen ziehen wir dann wieder los, – heute packen und laden wir schon irgendwie zusammen, damit es morgen nicht zu lange dauert.
Am frühen Abend zieht dann ein Gewitter an uns vorbei, wir kriegen etwas kühlenden Wind und ein wenig Regen ab, – sehr schön, – die Temperatur fällt von 37 auf 29 Grad, dafür steigt jetzt die Luftfeuchtigkeit bis zum oberen Anschlag.