13.01.2025 – Von Potosi nach Uyuni

Es ist für uns immer wieder erstaunlich, wie still die Nächte hier in diesen großen Städten sind, wir stehen mitten im Herzen einer 180.000-Einwohner-Stadt und irgendwann nach 23 Uhr ist absolut nichts mehr zu hören, – Ruhe wie irgendwo im tiefen Wald.

Der Morgen begrüßt uns mit strahlend blauem Himmel, – wie schön ! Das hatten wir nun wirklich sehr lange nicht mehr, – wir sind gespannt, wie lange das anhält.

So fahren wir kurz nach 10 Uhr los, – „Uyuni“ ist unser nächstes Ziel, der legendäre „Salar de Uyuni“, der größte Salzsee der Welt.
Dafür müssen wir zurück auf die N 5, es ist nicht weit, – und dann auf ihr immer nach Südwesten.

Die 5 ist eine einwandfrei ausgebaute Asphaltstraße, breit, wenig kurvig, weitestgehend schlaglochfrei, – lediglich in den Ortschaften wird die Geschwindigkeit durch diese häßlichen „Toppes“ gebremst, Betonschwellen, die einem bei Nichtbeachten, im schlimmsten Fall die Achse zerreissen können.
Privater Autoverkehr findet fast gar nicht statt, die Straße ist herrlich leer, unterwegs sind nur Busse, Kleinbusse, gelegentlich ein Pickup, hier und da schwere LKW und Lieferwagen.
An Maut sind für die 200 km umgerechnet 2,50 Euro fällig,
Uuuund Novum und neu für uns:
Am Ende der Strecke ist wieder eine Mautstation, – wir hatten das gestern schon erlebt, daß ich einen kleinen Schein hinreiche, die Dame mir aber dann mit einem Ticket zuwinkt, – also krame ich das Ticket vom Morgen raus und zeige es ihr, – wie ein Schaffner in der Bahn locht sie es und reicht mir Ticket und Geldschein zurück. Aha !
Also aufpassen, – das ist offensichtlich nur eine Kontrollstelle für die Tickets, zahlen müssen nur die Quereinsteiger, die die Strecke nicht von Anfang an gefahren sind und kein Ticket haben.

Wir kommen gut voran, – und was soll ich sagen:
Das ist heute die absolut feinste Landschaft, die wir durchfahren, – es ist wieder Alles dabei, – kleine Dörfer und Städtchen, – grüne Flußauen, in denen Landwirtschaft betrieben wird, – riesige Lamaherden in weiten Ebenen, – Hügelketten, – Berge, – im Hintergrund schneebedeckte Bergmassive, – Hochebenen, auf denen nichts mehr wächst, – kahle Felsen in den tollsten Farben, – Wüstenlandschaften und Kakteen, – die Natur ist schon ein echter Künstler.

Wir können gar nicht so oft anhalten, wie wir eigentlich sollten, – aber auch während des Fahrens bleibt heute unglaublich viel Zeit zum Schauen.

Am späten Nachmittag ist er dann zu sehen, – der „Salar de Uyuni“, eine riesige gerade, weiße Fläche zwischen braunen Bergmassiven.
Für heute fahren wir zum „Friedhof der Eisenbahnen“, hier hat man über Jahrzehnte alle alten Lokomotiven und viele Wagen abgestellt, die nun vor sich hin rotten. Schauen wir uns morgen früh mal an. Heute stehen wir auf dem Besucherparkplatz. ( S 20° 28′ 51“ W 066° 50′ 17“ )

Und, – das Wetter hat heute mal gehalten, der erste Tag seit Wochen mit strahlend blauem Himmel und ohne Regen, – und einem gigantischen Sonnenuntergang.

Tagesetappe: 210 km Gesamtstrecke: 66.655 km



12.01.2025 – Von Sucre nach Potosi

Gestern abend sind noch neue Gäste hier eingetroffen, unsere Schweizer Nachbarn und wir verlassen heute die Stadt.

Louis ist sehr bemüht um all die Gäste, speziell heute versucht er ein Problem zu lösen, das es so nur am Sonntag gibt.
Die Straße, die uns einigermaßen vernünftig aus der Stadt bringt, führt an der „Plaza“ vorbei und dann aus der Stadt hinaus auf die N 5, hinüber nach „Potosi“.
Nur sind die Straßen rund um die „Plaza“ sonntags für Fahrzeuge gesperrt, – was es ein wenig kompliziert macht.
Louis fährt mich mit seinem PKW zu einer Umleitung durch die Stadt, die wir nehmen können, – es geht heftig im Zick-Zack-Kurs durch die Gassen, bis wir an der „Plaza“ vorbei sind, – ok, das könnte funktionieren.

So verabschieden wir uns von Allen, „Mama und Papa“, Louis, den Nachbarn und zwängen uns zum Tor hinaus und auf die Umleitung, – das funktioniert recht gut, – hinter der „Plaza“ wird es noch einmal ein wenig eng in einigen Gassen, aber letztendlich sind wir draußen auf der N 5 und rollen weiter.

Heute wieder durch herrlich schöne Landschaften, – grün, – mit Bäumen und Büschen, – Bächen und Flüßen, – durch Täler und vorbei an Hügel- und Gebirgsketten.
„Potosi“ ist unser Tagesziel, einst die zweitgrößte und reichste Stadt der Welt, – als 1545 im Wahrzeichen der Stadt, dem kegelförmigen Berg „Cerro de Potosi“ Silber gefunden wurde.
Im Nu ermächtigten sich die spanischen Kolonialherren, den Berg und die Menschen der Gegend und später aus dem gesamten Land auszubeuten, 60.000 Tonnen Silber haben sie hier in drei Jahrhunderten mit primitivsten Mitteln und unter dem Verlust von unglaublich vielen Menschenleben aus dem Berg schaffen lassen.

Heute, – für uns ziemlich enttäuschend empfängt uns die Stadt zunächst mit Bergen von Müll rechts und links der Straße, ewigen Baustellen, Dreck und kaputten Straßen.
In der Stadt selbst wird es dann etwas besser, allerdings ist wenig geblieben vom einstigen Reichtum.

Am Nachmittag treffen wir am Stadionparkplatz der Stadt ein, hier können wir für die Nacht sicher und ruhig stehen. ( S 19° 34′ 44“ W 065° 45′ 44“ )

Tagesetappe: 155 km Gesamtstrecke: 66.445 km



11.01.2025 – Sucre

Sucre, 240.000 Einwohner, – die Hauptstadt Boliviens, zumindest nach der Verfassung, – den Regierungssitz hat man längst nach La Paz verlegt, nur die hohe Gerichtsbarkeit ist hier in der Stadt verblieben.
Andalusisches Flair, weiße Kolonialbauten, Universitätsstadt mit 20.000 Studenten, – UNESCO Weltkulturerbe.

—- und zum ersten mal seit über 3 Wochen sind wir wieder mal für 2 Nächte unterhalb der 3.000 Meter-Grenze, – es ist zu spüren, die Temperatur ist ein wenig höher und das Atmen fällt wesentlich leichter, – nur der immer wiederkehrende Regen fällt auch hier, – wie auf 3.500, 4.000 oder 4.500 Metern.

Schön, daß wir sozusagen mitten in der Stadt wohnen, Alles ist in einigen Minuten zu Fuß zu erreichen, – so sind wir gestern Abend nochmal zur Plaza gelaufen und haben uns ein köstliches Abendessen „geleistet“.

Heute machen wir uns los, die Stadt zu erkunden, entlang der schmalen Gassen mit den weißen Kolonialgebäuden, – Geschäfte, – Läden, – Cafes, – Restaurants und Hostals allenthalben, – vorbei am zentralen Markt, – ein wenig einkaufen werden wir auf dem Rückweg.
Bis hinüber zum zentralen Platz der Stadt, dem „Plaza 25 de Mayo“ mit dem Gouverneurspalast und der Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert.
Wie immer ist um die „Plaza“ einiges los, die Menschen flanieren, Händler bieten ihre Waren feil, die Lokale rund um den Platz werben um Kundschaft.

Leider fällt schon wieder Nieselregen vom Himmel, der hindert uns aber nicht daran, weiter durch die Straßen zu bummeln, – bis hinunter zum Theater und zum „Parque Bolivar“.

Zwischendurch natürlich die obligate Kaffeepause in einem Café und dann auf dem Rückweg schlendern wir ausgiebig durch den zentralen Markt, – teilweise in der Markthalle, teilweise draußen im Freien unter Schirmen wird Obst und Gemüse in Hülle und Fülle angeboten, ein Augenschmaus, – Backwaren, – Fleisch, – aber auch Haushaltswaren, – Säfte, – Milch und Käse, – hier pulst das Leben wirklich, – stundenlang könnten wir hier bleiben.
Wir kaufen uns ein paar Leckereien und gehen erst mal nach Hause, – anstrengend und sehenswert war der Nachmittag.

Am Abend wiederholen wir gerade noch einmal das Abendessen von gestern, – es war wirklich vom Feinsten, – auch heute wieder.

Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 66.290 km



10.01.2025 – Von Pocoata nach Sucre

Wieder mal wunderbar still, die Nacht, außer den ständigen Regentropfen auf dem Dach, – aber die gehören mittlerweile ja schon dazu.

Gegen 10 Uhr machen wir uns auf den Weg, weiter auf der N 6 Richtung „Sucre“.

Die 6 ist heute einwandfrei zu fahren, eine gut ausgebaute, vernünftig breite Asphaltstraße, (fast) ohne Schlaglöcher, – es geht gut voran, und bleibt Zeit zum Schauen, – wenig bis fast gar kein Verkehr, – einfach Klasse dieser heutige Abschnitt.

Wir fahren ständig bergab, entsprechend verändert sich die Landschaft, die ursprünglich kargen, meist baumlosen Hügel und Ebenen werden zu grünen Tälern, – Wiesen, – Flußauen, hier wird wieder Landwirtschaft betrieben, – Mais, Kartoffel und Bohnen wachsen und gedeihen, entsprechend öfter gibt es kleine Ansiedlungen entlang der Straße.
Immer öfter stehen hier Eukalyptusbäume, – später gar kleine Wälder, – sogar Nadelbäume gibt es vereinzelt wieder, – vereinzelt wird Holzwirtschaft betrieben, – Bretter werden direkt im Wald von Hand gesägt und abtransportiert.

Am Nachmittag erreichen wir „Sucre“, Zeit unseren HerrMAN für die Stadt fein zu machen, noch im Außenbereich der Stadt passieren wir eine „LKW-Wäscherei“, – für umgerechnet 10 Euro sind wir sofort dran, 4 Jungs stürzen sich gleichzeitig mit Hochdruckschläuchen und Seifenschaum an die Arbeit, die Lehmpampe ist hart angekrustet, – für sie allerdings kein Problem.
Nach 20 Minuten glänzt unser HerrMAN wie neu und wir fahren hinein in die Stadt.
„Camping Alberto und Felicidad“ ist unsere Anlaufstelle, ziemlich mitten in der Stadt, wieder mal nicht ganz einfach die Anfahrt, dafür sind aber das historische Zentrum, der zentrale Markt und einige Lokale in der Umgebung fußläufig zu erreichen. ( S 19° 02′ 35“ W 065° 15′ 18“ )


Die Einfahrt in den kleinen Garten erfordert wieder mal vollste Konzentration, – Millimeterarbeit auf beiden Seiten, und auch oben, denn dort hängen wieder mal Kabel unglaublich tief, – aber wir kommen rein, – kratzerfrei.
Der einzig freie Stellplatz ist unter einem mächtigen Baum mit wahrlich tiefhängenden Ästen. Aber auch hier schiebe ich den HerrMAN mit etwas Geduld schadlos drunter.
Als Louis, der Sohn des Hauses, – er lebte 15 Jahre in Hamburg und spricht recht gutes Deutsch, die „geniale Arbeitsplattform“ unter dem Baum sieht, kriegt er Lust, dem Baum die „Flügel“ zu stutzen und fragt, ob wir das vielleicht kurz machen könnten.
Nun gut, – wieso nicht, – so betätigen wir uns zu viert über eine 1 Stunde lang als Holzfäller und verpassen dem Baum einen ordentlichen Schnitt. Hat Spaß gemacht.

Tagesetappe: 165 km Gesamtstrecke: 66.290 km



09.01.2025 – Von Oruro nach Pocoata

Auch in dieser Nacht regnet es weiter.
Am Morgen sind ein paar Menschen drüben am Abfertigungsgebäude unterwegs, offensichtlich gibt es einen Flug heute.

Wir fliegen auch los, – kurz nach 10 Uhr, – nächstes Ziel ist „Sucre“.
Dazu nehmen wir ein kurzes Stück die Nationalstraße 1 und biegen dann auf die 6 ab, die uns etwa 300 km durch die Berge bis nach „Sucre“ bringen wird.

Zum Start nutzen wir eine kleine Regenpause, rollen ein Stück durch die Stadt, die 1 führt durch Gewerbegebiet, unglaublich viele Container-LKW stehen hier am Straßenrand, – und endlich regnet es wieder.

Kurz hinter der Stadt eine Mautstation, etwa 1 Euro zahlen wir, – hier werden auch zum ersten Mal die Zollpapiere kontrolliert, – kurz und schmerzlos, – alles ok.

Aber dann geht es richtig ab, – hier wird auf etwa 20 km Länge die Straße neu gebaut und der gesamte Verkehr rollt über eine völlig überschwemmte, gelbbraune Matschpiste, – die Pfützen sorgen dafür, daß man Schlaglöcher gar nicht mehr erkennt, – es rumpelt und poltert entsprechend, – schmierig ist es noch dazu, – entgegenkommender Verkehr haut die gelbbraune Brühe bis an unsere Frontscheibe, – Schritttempo, – max. 20 km/h wenn es mal besser läuft, sind drin, – nach etwa 1 Stunde sind wir durch und biegen auf die 6 ab, die ist asphaltiert und in einem recht brauchbaren Zustand.

In „Huanuni“, einer größeren Minenstadt, sind die Straßenführung und die Navigation wieder mal gaaaanz weit auseinander, wir werden zunächst durch die engen Gassen des Städtchens gelotst, um letztendlich über eine geschotterte Serpentine direkt in der Kupfermine zu landen.
Das Gelächter der Minenarbeiter, die wohl gerade zum Schichtwechsel auf der Straße stehen, ist entsprechend groß. Von hier oben können wir unten im Tal unsere eigentliche Straße recht gut sehen und quälen uns zurück, – über die Serpentine, – durch die engen Gassen, – über ein schmales Brückchen, – bis wir endlich auf dem richtigen Weg sind.

Nach mehr als 3 Stunden haben wir gerade mal 100 km geschafft.
Die Strecke führt uns dann durch Hochebenen, – über einen Paß mit über 4.400 Metern und dann durch eine wunderschöne Schluchtenlandschaft, – Straße und Fluß schlängeln sich in ewigen Kurven durch steil aufragende Felsen, – Erdrutsche und Steinschläge sind die Normalität, Kiesrutsche und bis zu ballgroße Steine liegen ständig rum, aber auch richtig dicke Brocken mit mehreren Kubikmetern liegen auf der Straße, – manchmal hat man wenigstens ein rotes Fähnchen drangesteckt, oder eine Pylone davorgestellt.

Bis auf 3.400 Meter, also über 1.000 Höhenmeter fahren wir abwärts, um auf der anderen Seite wieder 500 Höhenmeter nach oben zu fahren. Anstrengend ! – aber sehr reizvoll !

Der Nachmittag bleibt durchweg trocken, nur gelegentlich nieselt es für wenige Minuten.
Am späten Nachmittag suchen wir unseren Nachtplatz, wir haben etwa die Hälfte der Strecke nach „Sucre“ hinter uns.
In dem kleinen Städtchen „Pocoata“ gibt es eine Empfehlung, etwas außerhalb in der Nähe des Friedhofes, ruhig, ohne Autoverkehr und gerade. Das passt. ( S 18° 42′ 12“ W 066° 09′ 46“ )

Tagesetappe: 166 km Gesamtstrecke: 66.125 km



08.01.2025 – Von Mallasa (La Paz) nach Oruro

Der Platz ist eng und die Stellplätze ziemlich schief, – wenigstens liegt genug Material zum Unterkeilen bereit, – wäre ja schändlich, wenn der Kaffee aus der Tasse schwappen würde.

Pünktlich, wie jeden Tag, – auch heute wieder das allabendliche Gewitter mit heftigem Regen, – unschön, – aber irgendwie gewöhnt man sich auch daran.

Die Nacht ist still, – der Morgen dann eher weniger, – unsere Nachbarn, die Spanier, haben ihren Camper jetzt festgefahren, – während wir noch frühstücken, mühen sie sich fast 1 Stunde lang mit heulendem Motor, mit Schaufeln, Unterlegen und letztendlich unter Zuhilfenahme von Sandblechen ihr Fahrzeug frei zu kriegen.
Wir hätten heute sowieso nicht helfen können, es ist so eng hier drin, daß wir unseren HerrMAN nicht mal in eine vernünftige Position zum Ziehen hätten bringen können.

Irgendwann löst sich der „Stau“ auf und wir fahren vom Hof, – heute geht es in Richtung Oruro.
Dazu fahren wir etwa 15 km zurück, bis in den Randbereich von La Paz und dann auf die Nationalstraße 1, eine relativ gut, autobahnmäßig ausgebaute Straße, – immer wieder mal etwas löchrig, – Slalomfahren auf der Autobahn ist wahrlich anstrengend, – hält aber andererseits vom müde werden ab.
Denn die Strecke ist schnurgerade, dadurch relativ eintönig, auch die Landschaft drumherum ist nicht wirklich sehr abwechslungsreich, baumlose Hochebene, am Horizont sanfte Hügelketten, immer wieder kleine Dörfer, – das war es dann schon.

Aber zunächst machen wir einen Stop am „Valle de Luna“, einer bizarren Mondlandschaft direkt an der Straße, – war uns gestern bei der Anreise schon aufgefallen.
Jahrtausende lang hat die Erosion diese unglaublichen Erd- und Steintürme geschaffen, mangels Parkplatz für „Große“ bleibe ich an der Straße stehen, schaue mir das Spektakel aus der Ferne an, Heike zahlt 15 Bolivianos (1,50 Euro) Eintritt und schaut sich die Sache aus der Nähe an. – Lohnenswert, so ihr Kommentar.

Thema Maut heute mal:
Schon in Peru wird immer wieder mal an kleinen „Kassenhäuschen“ ein wenig Maut verlangt, – auch auf Landstraßen, – mal umgerechnet 1,90 Euro, mal 1,30 Euro, – eigentlich nicht wirklich viel, – trotzdem fällt auf, daß immer wieder mal Mautstellen per Hinweistafel angekündigt werden, die Kassenhäuschen dann aber unbesetzt, weil abgebrannt, sind. (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt !)
Hier in Bolivien haben wir gestern schon mal umgerechnet 1,20 Euro und 50 Cent bezahlt, heute nun, entlang der Autobahn 3 x 1,20 Euro und einmal 40 Cent.
Für die relativ gute Überlandstrecke sei es akzeptiert, für die Einheimischen sind die Beträge sicher um ein Vielfaches belastender, als für uns.

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Provinzstadt „Oruro“, hier muß es die letzte Zeit wohl heftig geregnet haben, – die halbe Stadt steht unter Wasser, – Matsch und braune Brühe prägen das Stadtbild, – für uns irgendwie erschreckend, – hier aber offensichtlich jährlich wiederkehrendes Übel.

Einen schönen und sicheren Stellplatz soll es am „Internationalen Flughafen Juan Mendoza“ geben. Auch hier wäre die Zufahrt mit dem Boot wohl einfacher, wir quälen uns durch teilweise schlammige Nebenstraßen, – und, – erreichen den wohl einzig trockenen Fleck in der ganzen Stadt.
Der Flughafen ist klein, – heute geschloßen, – wegen „Nichts los“, – auf dem Parkplatz, direkt vor dem Abfertigungsgebäude lassen wir uns nieder, – trocken, asphaltiert, – ein Traum. Wir sind alleine. ( S 17° 57′ 42“ W 067° 04′ 46“ )

Am Abend kommt jemand von der Security vorbei, fragt, ob wir über Nacht bleiben wollen, was wir bejahen und möchte die Anzahl der Personen wissen.
Er heißt uns willkommen und wünscht eine angenehme Nacht.

Tagesetappe: 230 km Gesamtstrecke: 65.959 km



07.01.2025 – Von Copacabana nach Mallasa (La Paz)

Regenzeit in den Bergen.
Seit gestern abend gegen 17 Uhr schüttet es aus Eimern, die ganze Nacht, fast 15 Stunden, zudem zieht am Abend ein Gewitter durch, – ein Blitz haut wie ein Kanonenschlag unweit von unserem Platz in einen Baum.

In der Früh gegen 8 Uhr hört der Regen endlich auf, – gut so, wir wollen heute weiter.
Zahlen, – noch Wasser bunkern, – dann rüber in die Stadt, – die Wäsche und Trinkwasser holen, – dann geht es los, ist schon fast zwölf Uhr geworden.

Wir kommen derzeit nicht vor 9 Uhr aus den Federn, mit dem Übertritt nach Bolivien ist die Uhr um 1 Stunde nach vorne gesprungen, – die Differenz zu Deutschland ist nun nur noch 5 Stunden. Irgendwie ist das auch schöner, es wird gegen 6 Uhr in der Früh hell (vorher gegen 5 Uhr) und am Abend erst gegen 19 Uhr dunkel (vorher 18 Uhr), so hat man mehr vom Tag.
Allerdings hat das derzeit zur Folge, daß wir einfach nicht aus den Federn kommen, – nun, das wird sich wohl auch wieder regulieren.

Über die Nationalstraße 2 fahren wir immer am See entlang, herrliche Ausblicke bieten sich immer wieder, – dann gilt es den See mit der Fähre zu überqueren.
Die „Straße von Tiquina“, – am einen Ufer „San Pedro de Tiquina“, – am anderen Ufer „San Pablo de Tiquina“, – dazwischen die Fahrt auf einem alten, hölzernen „Ponton“, der von einem Außenbordmotor geschoben wird. Ziemlich abenteuerlich das Ganze, – der Boden des Ponton ist ziemlich löcherig, aber alles geht gut und nach zwanzig Minuten sind wir drüben, 100 Boliviar, also etwa 10 Euro hat die Überfahrt gekostet.

Über die 2 geht es weiter, irgendwann mutiert sie zu einer autobahnmäßig ausgebauten Straße, – sehr ungewohnt, – aber hier geht es vorwärts.
Noch immer fahren wir an diesem riesigen See entlang, bis die Straße dann irgendwann abzweigt und in die Vororte von La Paz und letztendlich nach La Paz führt.
Ihr kennt unsere Abneigung gegen solche Megastädte, aber es führt im wahrsten Sinne des Wortes kein Weg dran vorbei.
Gute 2 ½ Stunden quälen wir uns durch den dichten Verkehr, über elend löcherige Straßen, die immer wieder mal an einer Baustelle einfach enden, – ohne Umleitung, – ohne einen Hinweis, wie es weitergeht, – nur Einheimische wissen das, – gut aufpassen, was sie tun, – ranhängen, – so kommt man irgendwie wieder auf „den rechten Weg“.

Irgendwann gegen Abend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit und etwa 30 Minuten südlich der Großstadt erreichen wir „Colibri Camping“ in „Mallasa“ ( S 16° 35′ 27“ W 068° 04′ 13“ ).

Draußen vor dem Camping, an der ziemlich steilen Straße steht eine Familie aus Spanien mit ihren doch relativ alten Camper, der es nicht mehr aus eigener Kraft den steilen Berg hoch schafft.
Ich spanne den HerrMAN vor und ziehe ihn mal eben der Berg hoch, auf der geraden Strecke funktioniert er wieder. Für heute Nacht sind wir Nachbarn.

Eigentlich wollten wir zwei Tage bleiben, können aber nur eine Nacht stehen, morgen treffen offensichtlich die „Seabridge-Truppen“ mit 14 Fahrzeugen hier ein und haben den gesamten Platz gemietet. Nunja, fahren wir weiter, mal schauen, was es so zu schauen gibt.

Tagesetappe: 163 km Gesamtstrecke: 65.729 km



05.-06.01.2025 – Ruhetage in Copacabana

Mach mal Pause, so unsere Devise für die nächsten zwei Tage.

Der Sonntag ist fast durchgehend verregnet, also fällt auch der Besuch im Städtchen aus.
Trotzdem überkommt uns keine Langeweile, wir arbeiten mal auf, was so liegengeblieben ist, – ein paar Reiseberichte ins Netz stellen, – schreiben, – lesen, – und die weitere Tour planen.

Der Montag bringt dann besseres Wetter, wir machen uns rüber ins Städtchen, – ziemlich touristisch geht es hier zu, – viele Lokale, Restaurants, aber auch Unmengen von Läden, Reisebüros, Geldwechslern.
Wir bringen unsere Wäsche in die Wäscherei, besorgen uns dann mal eine vernünftige Straßenkarte von Bolivien, und beschaffen uns SIM-Karten für unsere Smartphones, ein wenig Geld umtauschen, kann auch nichts schaden, der Kurs von 1 zu 10 ist auch nicht der Schlechteste.

Am Nachmittag kommt die Sonne raus, sie ist so wahnsinnig kräftig, – ohne Hut und Sonnenbrille geht hier niemand auf die Straße.
Nachdem wir alle Pflichtübungen erledigt haben, bummeln wir durch den Ort, besuchen die Wallfahrtskirche „Basilica de la Virgen de la Candelaria“. Hierher pilgern hunderte von Menschen mit ihren blankgeputzten Autos, sie werden mit bunten Blumen geschmückt und gesegnet, aus ganz Bolivien, aus Peru und gar aus Argentinien kommen sie gefahren, um sich ihren Segen abzuholen.

Wir gönnen uns mal wieder einen Besuch im Restaurant, ein ganz Nettes haben wir gefunden, das Essen ist absolut top, der Preis beschämend günstig.
Auf der Terrasse eines Cafés an der „Hafenpromenade“ lassen wir den Tag bei einem Cappuccino ausklingen, – geschäftig geht es zu dort unten, – auf dem Wasser wird allerhand geboten, – Bootsausflüge, – zur „Volksbelustigung“ werden sich drehende Gummiboote hinter Motorbooten hergezogen, – Rummelplatzstimmung.

Die Sonne brennt so gnadenlos hier oben auf dem Dach, daß wir bald wieder verschwinden.

Tagesetappe: 0 km Gesamtstrecke: 65.566 km



04.01.2025 – Von Juli (Peru) nach Copacabana (Bolivien)

Auch hier am Strand herrscht absolute Stille, leider regnet es schon wieder ein wenig, so bleiben auch die Tagesbesucher erst mal weg.

Wir machen uns auf den Weg, heute wollen wir rüber nach Bolivien.
Wir fahren zurück auf die 3 S und weiter südwärts, biegen dann links ab auf die 130, die direkt zum Grenzübergang Kasani-Copacabana führt.

Nach einer Stunde sind wir da, mittlerweile scheint die Sonne wieder und wir schauen, was uns so an der Grenze erwartet.
Kasani-Copacabana ist einer der Grenzübergänge, wie wir sie lieben, – klein, – fast familiär, – ohne LKW-Verkehr. Die Beamten auf beiden Seiten entsprechend freundlich und hilfsbereit, nach einer guten halben Stunde haben wir uns aus Peru abgemeldet und auch gleich noch unser restliches Geld in die neue Währung (Boliviano) umgetauscht.
Nur wenige Meter weiter beginnen wir die Einreiseprozedur nach Bolivien, auch hier äußerst freundliche, hilfsbereite Beamte.
Einreisestempel in den Paß geht flott, – die vorübergehende Einfuhr des HerrMAN dauert, wie üblich, ein wenig länger, ist aber genauso unproblematisch, der Grenzer ist topfit, spricht sehr gutes Englisch und hilft mir beim Ausfüllen der Formulare. Nach gut einer Stunde und einer kurzen Kontrolle von Fahrzeug- und Fahrgestellnummer können wir los.

Wenige Meter weiter kontrollieren Polizisten das Mitführen von Verbandskasten und Warndreieck, sowie des Feuerlöschers ! Hatten wir so noch nicht, aber auch hier sehr freundliche Atmosphäre und wir konnten all das Gewünschte vorzeigen.

Dann dürfen wir los, Bolivien wir kommen.

Wir fahren noch die paar Kilometer bis Copacabana, hier wollen wir ein oder zwei Tage pausieren, bevor wir weiterziehen.
Die „Ecolodge Copacabana“, direkt am Ufer des Titicacasee bietet Alles für eine geruhsame Pause. ( S 16° 10′ 43“ W 069° 05′ 57“ )

Tagesetappe: 64 km Gesamtstrecke: 65.566 km



03.01.2025 – Von Puno nach Juli

Der Titicacasee liegt auf 3.810 m. ü. NN und ist somit der höchstgelegene, schiffbare See der Welt, ca. 190 km lang und 65 km breit, damit der größte Binnensee Südamerikas und, mal so zum Vergleich, 13 x so groß wie der Bodensee.
Etwa 2/3 der Fläche des Titicacasees gehören zu Peru, etwa 1/3 gehört zu Bolivien.

Hier oben bei „Puno“ und auch aus Richtung „Juliana“ kommend haben wir ihn noch nicht wirklich gesehen, schemenhaft am Horizont, mehr nicht.
Aber heute fahren wir an seinem Westufer auf der 3 S nach Süden, – und hier kriegen wir oft schöne Ausblicke auf das „Andenmeer“.

Morgen oder übermorgen wechseln wir hinüber nach Bolivien, – Bolivien ist ein armes Land, viele Dinge gibt es überhaupt nicht, so z.B. Diesel, aber auch die Versorgung mit Lebensmitteln soll schwierig sein.
Also mühen wir uns heute und evtl. auch morgen noch, zu bunkern, was geht.
Heute früh schon die Brauchwassertanks randvoll gefüllt, Trinkwasser bunkern wir auch reichlich, dann fahren wir den Supermarkt in „Puno“ an, Heike hat die ehrenvolle Aufgabe, Lebensmittel für mindestens 3 Wochen zu beschaffen, gute zwei Stunden dauert das. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Morgen früh werden dann noch beide Dieseltanks randvoll gepackt, 600 Liter, – damit werden wir wohl durch das Land kommen, mal schauen.

Es ist schon fast 3 Uhr nachmittags, bis wir uns so richtig auf den Weg machen, – heute regnet es mal nicht, die Sonne scheint, so macht es Spaß nach Süden zu rollen, den Blick meist Richtung See gerichtet, rechts und links der Straße wird intensiv Landwirtschaft betrieben, – gute Böden und permanente Feuchte versprechen gute Ernten, – Kartoffeln, Bohnen, Mais und Quinoa werden angebaut.

Gegen 16.30 Uhr suchen wir uns unseren heutigen Stellplatz, bei „Juli“ an der „Playa de Juli“, einem langen Strandbogen, – hier wird Einiges geboten, – Strandvergnügen, soweit das bei 10 Grad Wassertemperatur und 14 Grad Lufttemperatur ein Vergnügen ist. Nein, – baden tut hier niemand, aber alles, was man so am Strand treiben kann, wird hier betrieben, – allerlei Ballspiele, – Quads knattern durch die Gegend, – und natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt, – Grillrestaurants bieten ihre duftenden Gerichte an.

Wir lassen uns ein wenig abseits am Strand nieder. ( S 16° 12′ 08“ W 069° 27′ 51“ )

Tagesetappe: 92 km Gesamtstrecke: 65.502 km