01.10.2019 – Von Hiouchi nach Ferndale

Die Nacht ist wieder stockdunkel, es ist mucksmäuschenstill hier draussen und ziemlich kalt.
Am Morgen scheint die Sonne bei 7 Grad.

Gegen 10.30 Uhr fahren wir los, – knappe 10 Kilometer auf der „South Fork Road“ zurück und dann links in den Wald hinein, auf die „Howland Hill Road“, einen etwa 9 Kilometer langen Waldweg, Schotter und Sand, ziemlich schmal und kurvig, – die Reisebücher und Merkblätter der Visitor-Center schreiben, daß der Weg für Reisemobile über 24 Fuß Länge nicht geeignet sei, wir sind 25 Fuß lang, wir probieren es einfach, – vielleicht müssen wir umdrehen, – vielleicht gehts, – mal schauen.

Oh ja, das ist der richtige Weg, um die Giganten des Waldes ausgiebig zu bestaunen, – Redwoods, das sind uralte, riesige Bäume, – 100 Meter hoch können sie werden und bis zu 2.000 Jahre alt, ihr Stamm kann einen Durchmesser von bis zu 6 Metern haben, – und den haben sie, überall stehen diese Mammutbäume, unser Weg windet sich zwischen ihnen hindurch, sie stehen wirklich bis dicht an die Straße, so daß wir uns durchschlängeln müssen, – aber es geht super, – ein wenig langsamer machen, immer schön die oberen Fahrzeugkanten im Spiegel beobachten, denn der Weg ist holprig und meist etwas schräg und wenige Zentimeter Schräge unter den Rädern, machen oben an der Dachkante schnell einen halben Meter seitliche Schräglage aus, da könnte es schon mal kratzen, – aber alles kein Problem, – auch der gelegentliche Gegenverkehr stellt kein Problem dar, es gibt ständig Buchten zum Ausweichen und alle sind langsam unterwegs und freundlich.
Nach etwa 2 km erreichen wir „Stout Grove“, ein besonders altes und attraktives Waldstück mit wahrlichen Prachtexemplaren, – ein Wanderweg führt etwa 1 Kilometer hindurch, – was es dort zu sehen gibt, ist mehr als phantastisch, – Baumriesen, die so weit in den Himmel ragen, daß man die Spitzen nicht mehr sehen kann, recht eng stehen sie beieinander, – alte, umgestürzte Bäume läßt man einfach liegen, so ist ihr wahrer Durchmesser erst richtig zu erkennen, die herausgerissenen Wurzeln sind fast haushoch, – ein aufregender Platz, spannend, irgendwie mystisch und traumhaft schön.

Noch gute 6 Kilometer schlängeln wir uns durch den gigantischen Wald und kommen letztendlich drüben in „Crescent City“ wieder raus.
Die Fahrt hat Spaß gemacht, die „Howland Hill Road“ ist für unsere Dickschiffe (wir sind 7,50 x 2,40 x 3,85 m und 9 Tonnen schwer) nicht wirklich ein Problem und bietet mit das Spektakulärste, was der Redwood Nationalpark zu bieten hat.

In „Crescent City“ fahren wir wieder auf den Highway 101, Richtung Süden, die Pazifikküste zeigt das selbe Bild wie gestern, Klippen, Sandstrände, blaues Meer und weiße Gischt, der Himmel ist herrlich blau, allerdings steigt auch heute die Temperatur nicht über 14 Grad.

Am späten Nachmittag erreichen wir „Eureka“, einen alten Fischerort an der „Humboldt Bay“, mittlerweile auf 29.000 Einwohner angewachsen und eigentlich eine Stadt, wie so viele andere, allerdings gibt es in einer Nebenstraße ein paar ganz interessante alte Villen aus Holz, die der Holzunternehmer William Carson in 1884 dort im viktorianischen Stil für sich und seine Familie errichtet hat.

In „Eureka“ suchen wir nach einer „günstigen“ Tankstelle, – Sprit ist in Kalifornien wesentlich teurer als in den bisherigen Staaten, die wir bereist haben.
Anschließend wollen wir uns in der Stadt einen Übernachtungsplatz suchen, – aber schon beim Durchfahren, später beim Tanken und erst recht, als wir uns dann noch ein Eis gönnen und vom HerrMAN aus die Menschen um uns herum beobachten, ist uns klar, daß wir hier nicht bleiben.
Schon gestern abend in „Crescent City“ und jetzt hier sind erschreckend viele, meist jüngere, Menschen zu Fuß unterwegs, die völlig zugekifft durch die Stadt „schweben“, geistig abwesend, oder total aufgedreht, – zerlumpte Gestalten, wir sehen gebrechliche, junge Leute an Krücken, ausgeflippte Typen mit Kampfhund an der Leine, Pennertypen mit ihrem Hab und Gut in der Plastiktüte, aber einer „Seven-up-Dose“ in der Hand, deren Inhalt mit Sicherheit nicht „Seven-up“ ist, – eine junge, schlampig gekleidete Frau mit von „Crystal Meth“ schwer gezeichnetem Gesicht, – wir werden angesprochen, – unverständliches Zeug, – und das alles innerhalb von 20 Minuten, – nichts wie weg hier, – wir suchen uns einen Nachtplatz weit außerhalb, heute besser auf einem Campground, – die Gegend erscheint uns nicht wirklich geheuer.
Am Abend lesen wir in einem unserer Reisebücher, daß „Garberville“, ein kleines Städtchen unweit von hier in den 1970er und 1980er Jahren die „Marihuana Capital“ Kaliforniens gewesen ist und bis heute noch immer ein wenig ist. Im Internet wird unter dem Suchbegriff „Humboldt und Kalifornien“ von kriminellen Machenschaften rund um Marihuana, bis hin zum Verschwinden von Menschen berichtet. Das erklärt Einiges.

Wir finden unseren Nachtplatz auf dem „Humboldt County Fairground RV Park“, einem ruhigen und abgelegenen Campground am Ortsrand von „Ferndale“. ( N 40° 35′ 11.3″ W 124° 15′ 56.2″ ) Der Platzwart ist freundlich und zuvorkommend hilfreich, hier sind wir sicher.

Tagesetappe:     205 km                    Gesamtstrecke:     26.816 km

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