16.01.2020 – Von Angangueo nach Santiago Maxda

Die Nacht ist absolut stockdunkel, das Informationszentrum ist nachts wohl verlassen, dort ist alles finster, – Strom gibt es hier oben keinen, wir sind ganz alleine hier und es herrscht absolute Stille.
Und verdammt kalt ist die Nacht, nur 2 Grad, – ok, für 3.250 Meter Höhe ist das vielleicht eher warm, – wie auch immer, jedenfalls lassen wir heute Morgen mal für 20 Minuten die Heizung laufen, – die Sonne ist zwar schon da und heizt kräftig, aber alleine schafft sie es nicht, eine gemütliche Frühstücksatmosphäre zu erzeugen.

Heute wandern wir hinüber zu den Monarchfaltern, vor 10 Uhr brauchen wir nicht loszugehen, denn die Falter zeigen sich erst wenn es warm und sonnig ist.
Also lassen wir uns Zeit, erst gegen 11 Uhr gehen wir los, – die Sonne scheint kräftig, die Temperatur liegt jetzt bei 15 Grad, – Aspro bewacht den HerrMAN, – sie wäre sicher gerne mitgegangen, kann aber leider nicht mehr weit laufen, – trotz Medikamenten bereitet ihr die Arthrose heftige Schmerzen.

Im Informationszentrum lösen wir zwei Besuchertickets, 50 Pesos ( 2,50 Euro) pro Person, schauen noch mal auf den Wegeplan und ziehen los.
Am Anfang geht es steil bergauf, – Heike zieht es vor, den Anstieg auf dem Rücken eines Pferdes zu bewältigen, – sie werden dort von Einheimischen bereitgestellt, – ich wähle den Fußweg, normalerweise kein wirkliches Problem, aber hier oben komme ich schon aus der Puste und hechele wie ein altes Dampfroß, die enorme Höhe mit dünner Luft fordert ihren Tribut, – aber mit etwas langsamerem Tempo und mit einem Zwischenstop geht es.
Unterwegs gesellt sich „Martha“ zu mir, eine junge Mexikanerin, die sich ihre Englischkenntnisse im Gespräch mit Touristen aufbessern möchte und dafür ihr Wissen um die Monarchfalter weitergibt, wir gehen den Weg zusammen, oben treffen wir Heike und gehen den Rest des Tages gemeinsam durch dieses Naturwunder.

Die Monarchfalter leben im Sommer in Nordamerika und kommen im Herbst über tausende Kilometer hierher nach Mexiko, um in den ausgedehnten Nadelwäldern der Hochregion zu Überwintern, – es gibt 5 solcher Plätze, – in der Regel über 3.300 Meter Höhe, – von November bis März leben sie hier in Kolonien von vielen hundert Millionen, – es ist unvorstellbar, wenn man es nicht selbst gesehen hat.
Wir haben die Kolonie „Santuario Chincua“, etwas nördlich von „Angangueo“ ausgewählt, – nicht die schlechteste Entscheidung, – wir können nahe heranfahren, auf dem Parkplatz übernachten und haben nur etwa 2 Kilometer Fußweg zur Kolonie, der zudem nicht zu steil ist.

Schon ein ganzes Stück, bevor wir die Kolonie erreichen, schweben die ersten Exemplare an uns vorbei und lassen sich auf den Wildblüten im Wald nieder, – um so weiter wir uns der Kolonie nähern, umso mehr flattern um uns herum.
Dann erreichen wir den Platz, – es ist unglaublich, – die Fichtenbäume, Zweige und Stämme hängen voller Trauben dieser schönen Falter, die Innenseite der Flügel leuchtet orange, außen sind sie eher blaßgelb, daher wirken die Trauben graugelb, sie ruhen mit geschloßenen Flügeln, – in den kalten Nächten schützen sie sich durch die Bildung solcher „Klumpen“ vor der Kälte, – in einem gewissen Rythmus wechseln sie durch, so daß jeder mal die äußere Schicht bildet und der Kälte trotzen muß, dann aber wieder in die Wärme der Menge eintauchen darf.
Erst wenn die Sonne kräftig scheint und es warm ist fliegen sie aus, bevölkern die Luft, die Bäume und den Boden, ihre orangefarbene Flügel-Innenseite kommt jetzt zum Vorschein und überzieht alles mit einem orangen Schimmer, wir und die anderen Besucher stehen einfach nur ehrfürchtig vor diesem Wunder.

Eigentlich könnten wir hier viele Stunden verbringen, aber die zugänglichen Bereiche in diesem geschützten Gebiet sind klein, die Tiere sollen ungestört bleiben, und andere Besucher wollen auch mal auf die besten Plätze, und wir wollen heute noch ein Stück weiter, also machen wir uns auf den Weg zurück, – unterwegs erzählt uns unsere Begleiterin noch Einiges über diese Einzigartigkeit und über andere Tiere, die sich hier oben angesiedelt haben, aber auch ein wenig über sich und ihr Leben, – der Weg zurück ist weniger mühevoll, geht meist bergab.
Insgesamt waren wir etwa 2 1/2 Stunden unterwegs, wir verabschieden uns und fahren nach einer ausgedehnten Mittagspause weiter.

Nächstes Ziel wird „Tula“ sein, der Weg dorthin führt uns heute über kleine Straßen, durch Dörfer und Städtchen, über die 3 auf die MEX 14 bis „Cedro de la Manzana“, dann wieder auf die 3 und einige kleine Gäßchen bis nach „Santiago Maxda“ bei „Timilpan“.
Die Gegend, die wir heute durchfahren ist wirklich karg, in den Höhen noch Nadelwald, – später, – weiter unten, – karge Wiesen, – verdörrt, – von den Rindern bis zur Grasnarbe abgefressen, – die wenigen Felder dazwischen sind klein und bringen nur Mais hervor, verdörrte Reste stehen noch, – hier wird zum Teil noch von Hand geerntet.
So karg wie die Landschaft sich zeigt, so ärmlich sind die Dörfer, viele Häuser sehen erbärmlich aus, – Hütten, – Verschläge, – Vieles ist kaputt, für Reparaturen fehlt es offensichtlich an Allem.
Und so, wie die Landschaft und die Dörfer, ist heute auch unsere Straße, wir fahren nur knappe 80 Kilometer, die haben mich aber geschafft, wie sonst 400, eine endlose Aneinanderreihung von Rissen, Schlaglöchern, Ausspülungen und Bodenwellen, – und dazu noch hunderte von Topes, diese absichtlich überall verbauten Bodenschwellen, die den Verkehr beruhigen sollen, – warum man die hier noch braucht ? Hätte man sich bei der Straße ruhig sparen können.

Nun denn, – in „San Felipe del Progrese“ platzen wir irgendwie mitten in eine Prozession, – der Verkehr wird irgendwie durch enge Gassen umgeleitet, – die Prozession fährt irgendeinen bunt geschmückten Schrein durch die Hauptstraße der Stadt, – Böllerschüsse knallen, daß wir vor Schreck fast vom Hocker fallen und die Umleitung führt uns durch engste Gassen über einen Markt, – die Seile und Planen, die dort über die Straße gespannt sind, sind wieder mal eine echte Herausforderung, – nur millimeterweise schleichen wir untendurch, – immer im Blick, was jetzt gleich dort wegfliegt und hinter uns hergezogen wird. Schweißgebadet kommen wir drüben an, alles ist gut und zügig fahren wir weiter.

Unseren Nachtplatz finden wir heute in dem kleinen Städtchen „Santiago Maxda“, dort gibt es den „Parque Estatal El Ocotal“, in dem man übernachten kann. Am Eingang zahlen wir 175 Pesos (etwa 9 Euro), – der Park ist riesig, es gibt mehrere Campplätze hier, – die Sektion 7 soll der Schönste sein, wir fahren durch den dichten Wald über einen schmalen, aber gut befahrbaren Schotterweg dort hin, – ein Hotel, – ein Zoo, – ein kleiner See und ein Campground mit Picknicktischen und sanitären Anlagen. ( N 19° 48′ 31.5″ W 099° 45′ 03.2″ )
Ein sehr schöner Platz, – wir sind alleine, – wieder mal, – nur die 3 streunenden Hunde sind da, – brav und friedlich begrüßen sie uns und Aspro, – die freut sich über die neuen Bekanntschaften und schnüffelt zusammen mit ihnen die Umgebung ab.
Wir spendieren ihnen dann auch ein Abendessen und so liegen sie jetzt friedlich draußen, vor und unter dem HerrMAN und bewachen uns.

Tagesetappe:     78 km                    Gesamtstrecke:     41.588 km

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